Richard Queck – das letzte Tor vor dem Krieg
Er spielte in fünf Jahren nur dreimal für Deutschland, und trotzdem ist sein Name an ein besonderes Datum gebunden. Richard Queck, Halblinker der Eintracht aus Braunschweig, traf am 5. April 1914 in Amsterdam zum 1:1. Das Spiel endete 4:4. Danach bestritt die deutsche Nationalelf sechs Jahre lang kein Länderspiel mehr. Mit seinem Verein wurde Queck zweimal Norddeutscher Meister, im Endspiel beider Male mit zwei Toren. Und mit der Auswahl des Nordens holte er 1914 den Kronprinzenpokal, mit dem entscheidenden Treffer im Finale.
»Lange Zeit lag der Fußball in Braunschweig brach, obgleich jene Eintracht-Mannschaft mit Queck und Bülte lange vor dem Kriege im ganzen Reich bekannt und geachtet war.«
Ein Löwe aus dem eigenen Stall
Richard Queck wird am 4. November 1888 in Braunschweig geboren. Er kommt aus dem Nachwuchs der Eintracht, damals noch FC Eintracht von 1895, und steht ab 1907 in der ersten Mannschaft. Neben ihm spielt bald auch sein Bruder Rudolf. In den Aufstellungen der Zeit heißt Richard deshalb oft »Queck I«.
Die Eintracht trägt Blau-Gelb und hat den Löwen im Beinamen. Queck spielt halblinks, manchmal auch ganz außen. Die Vereinsgeschichte, zitiert bei Wikipedia, nennt ihn eine »Schusskanone«, die außerdem für ihre Kombinationsfähigkeit bekannt war. Zeitgenössische Spielberichte über ihn haben sich in den geöffneten Quellen nicht gefunden.
Zweimal Meister des Nordens
1906 und 1907 hatte die Eintracht das norddeutsche Endspiel noch klar gegen Victoria Hamburg verloren. 1908 dreht sie den Spieß um. Am 12. April 1908 gewinnt sie das Endspiel gegen Victoria 3:1. Laut Wikipedia schießt Queck zwei der drei Tore, das dritte Walter Poppe. Es ist der erste norddeutsche Titel des Vereins.
Damit ist die Eintracht in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Am 3. Mai 1908 geht es in Hamburg gegen den Duisburger SV. Queck spielt halblinks. Im Duisburger Tor steht ein Mann, den man dort nicht erwartet: Gottfried Hinze, der Präsident des DFB. Er hält einen Elfmeter, Duisburg gewinnt 1:0. Es bleibt Quecks einziges Endrundenspiel.
Danach reicht es noch zweimal zur Vizemeisterschaft im Norden, 1909 und 1912. 1913 gewinnt die Eintracht den Titel erneut. Das Endspiel am 25. Mai 1913 auf dem Hoheluft-Platz endet 3:2 gegen Victoria Hamburg, laut Wikipedia wieder mit zwei Toren von Queck. Im Sturm stehen beide Queck-Brüder und Otto Harder, der spätere Nationalstürmer.
Zur deutschen Meisterschaft fährt die Eintracht trotzdem nicht. Die norddeutsche Runde hatte sich wegen Wetter und Organisation so verzögert, dass die Endrunde längst lief, als im Norden das Finale gespielt wurde.
Budapest und Kleve
Seine erste Berufung bekommt Queck mit 20. Am 4. April 1909 schickt der DFB zwei Mannschaften los, eine nach Karlsruhe, eine nach Budapest. Queck gehört zur zweiten, einer Mischung aus Nord, Mitte und Berlin. Er spielt halblinks, neben ihm stürmt der Berliner Willi Worpitzky, der zwei Tore schießt. Das Spiel endet 3:3.
Anderthalb Jahre später, am 16. Oktober 1910, kommt das zweite Länderspiel, in Kleve gegen die Niederlande. 10.000 Zuschauer sind da. Deutschland liegt früh 0:2 hinten. In der 25. Minute verkürzt Queck zum 1:2. Es bleibt dabei.
In der Auswahl des Nordens ist er Stammgast. Beim 11:0 gegen Südostdeutschland im November 1910 trifft er zweimal. Seinen größten Auswahlerfolg erlebt er am 22. Februar 1914 im Deutschen Stadion in Berlin, vor 15.000 Zuschauern. Im Finale um den Kronprinzenpokal steht Norddeutschland gegen Mitteldeutschland. Der Innensturm heißt Adolf Jäger, Otto Harder, Richard Queck. Harder trifft, Mitteldeutschland gleicht aus, und Queck schießt das 2:1. Der Pokal geht in den Norden.
Der große Tag: Das letzte Tor vor dem Krieg (April 1914)
Sechs Wochen nach dem Pokalsieg holt ihn der DFB zum dritten Mal. Am 5. April 1914 spielt Deutschland in Amsterdam gegen die Niederlande, im Nederlandsch Sportpark. Das DFB-Datencenter zählt 18.000 Zuschauer, Schiedsrichter ist der Engländer John Howcroft. Queck ist inzwischen 25. Er steht wieder halblinks, neben ihm Harder in der Mitte, Kapitän ist Adolf Jäger.
Zur Pause führen die Niederländer 1:0, Jan Vos hat in der 34. Minute getroffen. Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff gleicht Queck aus. Danach wird es ein wildes Spiel. Jäger bringt Deutschland in Führung, die Niederländer gleichen aus, und noch in derselben Minute trifft Harder zum 3:2 für Deutschland. Dann drehen die Gastgeber das Spiel: 3:3, 4:3. Erst in der 90. Minute rettet Karl Wegele das 4:4.
Es ist Quecks drittes und letztes Länderspiel. Und es ist das letzte der deutschen Nationalmannschaft für lange Zeit. Im August beginnt der Erste Weltkrieg. Das nächste Länderspiel bestreitet Deutschland erst 1920.
»Die Niederländer waren auch der letzte deutsche Gegner vor dem Ersten Weltkrieg: Im April 1914 trennte man sich in Amsterdam erneut unentschieden und torreich (4:4).«
Nach dem Krieg
Wie Queck den Krieg erlebt hat, sagen die geöffneten Quellen nicht. Danach spielt er weiter für die Eintracht. Die Zeitschrift »Turnen, Spiel und Sport« meldet laut Wikipedia im Januar 1922, dass Queck nach wie vor in der ersten Mannschaft spiele. Da ist er 33.
Im Beruf arbeitet er für die Stadt Braunschweig. Das Lexikon von 1939 nennt ihn »Stadtsekretär«, Wikipedia »Obersekretär im Fürsorgeamt«.
Laut Wikipedia trat Queck zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei und war für die Partei als Blockwart tätig. Wikipedia stützt sich dabei auf die Mitgliederkartei im Bundesarchiv, eine Studie zur Geschichte von Eintracht Braunschweig in der NS-Zeit (Gerhard Gizler, 2015) und einen Artikel der »Zeit« von 2024 über die NS-Verstrickungen von Nationalspielern.
Richard Queck stirbt am 19. Dezember 1968. Die Vereinsnachrichten der Eintracht melden seinen Tod im Januar 1969.
Richard Queck auf einen Blick
Geboren: 4.11.1888 in Braunschweig
Gestorben: 19.12.1968
Vereine: FC Eintracht 1895 Braunschweig (1907 bis in die 1920er Jahre)
Position: Halblinker Stürmer, auch Linksaußen
Titel: Norddeutscher Meister 1908 und 1913; Kronprinzenpokal 1914 mit Norddeutschland
Bilanz: 3 Länderspiele, 2 Tore (1909–1914)
Beruf: Stadtsekretär bei der Stadt Braunschweig
Nationalspieler Nr.: 36 (Debüt 4. April 1909 in Budapest)
Quellen
Wikipedia: Richard Queck · Wikipedia: Norddeutsche Fußballmeisterschaft 1907/08 · Wikipedia: Norddeutsche Fußballmeisterschaft 1912/13 · DFB-Datencenter: Niederlande – Deutschland 1914 · Eintracht Braunschweig – Chronik · Libero D 3 (IFFHS 1992) · Libero 36 (IFFHS 2002) · Die deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Kicker-Almanach 1996