Karl Hanssen – der Rechtsaußen aus Porto Alegre

Karl Hanssen wurde in Porto Alegre in Brasilien geboren und spielte Fußball in Altona an der Elbe. Wie er an die Unterelbe kam, ist laut Wikipedia nicht bekannt. Der Stürmer von Altona 93 servierte seinem Mitspieler Adolf Jäger laut Wikipedia zahlreiche Torvorlagen, gewann 1909 die Norddeutsche Meisterschaft und bestritt 1910 und 1911 drei Länderspiele. 1913 verlor er in einem Punktspiel vier Zähne und hörte auf. Drei Jahre später war er tot.

Karl Hanssens Weg: zehn Jahre Altona 93, drei Länderspiele, 1916 der Tod (Karl Hanssen)
Karl Hanssens Weg: zehn Jahre Altona 93, drei Länderspiele, 1916 der Tod

»In ihrem Sturm erweist sich vor allem der Rechtsaußen als lästiger Herr; er ist schnell und weiß fein zu platzieren.«

— Utrechtsch Provinciaal en Stedelijk Dagblad über das Länderspiel in Kleve, 17. Oktober 1910 (übersetzt)

Von Porto Alegre an die Elbe

Karl Adolf August Hanssen kommt laut Wikipedia am 5. Juli 1887 in Porto Alegre zur Welt. Mehr ist über seine Herkunft nicht bekannt. Selbst das Nachschlagewerk »Die deutschen Nationalspieler« von 1939 weiß nichts über ihn außer Verein und Länderspielen. Statt eines Fotos zeigt es eine Zeichnung.

Ab 1903 spielt er für den Altonaer FC von 1893. Eigentlich durfte er das nicht. Die Altonaer Schulaufsicht hatte allen Schülern das Fußballspielen ausdrücklich verboten. Hanssen spielte trotzdem und schoss laut Wikipedia in seinem ersten Spiel gegen den Hamburger FC 88 gleich drei Tore.

In den Aufstellungen jener Jahre heißt er »Karl Hanssen II«. In derselben Altonaer Elf stürmt ein »Ernst Hanssen I«. Ob die beiden Brüder waren, sagen die Quellen nicht.

Der große Tag: Altona schlägt Rixdorf (Mai 1909)

Nach drei zweiten Plätzen wird Altona 93 in der Saison 1908/09 Meister von Hamburg-Altona. Dann folgt der Norden. Im Endspiel am 25. April 1909 in Hamburg schlägt Altona Eintracht Braunschweig, und Hanssen trifft laut Wikipedia zweimal. Ob es 6:2 oder 6:3 ausging, darüber sind sich die Wikipedia-Artikel nicht einig. Altona ist zum ersten Mal Norddeutscher Meister.

Eine Woche später geht es um die Deutsche Meisterschaft. Am 2. Mai 1909 trifft Altona im Viertelfinale auf Tasmania Rixdorf, den Meister des Märkischen Bunds. Gespielt wird auf neutralem Platz, dem Eintracht-Platz in Braunschweig, vor 1.000 Zuschauern. Schiedsrichter ist C. Mehlkopf aus Duisburg. Kapitän der Altonaer ist der 20-jährige Adolf Jäger. Hanssen stürmt neben ihm.

Jäger trifft nach drei Minuten, Kurt Meye gleicht nach zwölf Minuten aus. Zur Pause steht es 1:1. Libero schreibt, Altona habe »über eine Stunde« gebraucht, »um auf Siegeskurs zu gelangen«. Den Kurs setzt Hanssen: In der 64. Minute schießt er das 2:1. Vier Minuten später erhöht Gerhard Schmidt auf 3:1. Paul Fischer macht es in der 85. Minute noch einmal spannend, doch Jäger trifft in der 89. Minute zum 4:2.

2. Mai 1909 in Braunschweig: Hanssens 2:1 in der 64. Minute bringt Altona auf Siegeskurs (Karl Hanssen)
2. Mai 1909 in Braunschweig: Hanssens 2:1 in der 64. Minute bringt Altona auf Siegeskurs

Im Halbfinale ist der Traum vorbei. Am 16. Mai 1909 verliert Altona in Berlin-Mariendorf 0:7 gegen Viktoria 89. Helmut Röpnack schießt fünf Tore, obwohl die Berliner lange zu zehnt spielen. Libero schreibt über die Altonaer Abwehr: »machtlos und überfordert«.

Der lästige Herr von Kleve

Den Hamburg-Altonaer Titel verteidigt Altona 1910, 1911 und 1912. Hanssen spielt nun auch für die Auswahl des Nordens im Kronprinzenpokal. Am 9. Oktober 1910 gewinnt der Norden in Leipzig 2:0, im November schlägt er Südostdeutschland in Hamburg 11:0. Jäger trifft fünfmal. Den Pokal holt der Norden im Mai 1911, das Finale spielt Hanssen aber nicht mehr mit.

Am 16. Oktober 1910 ist er Nationalspieler, als zweiter Altonaer nach Jäger. In Kleve spielt Deutschland gegen Holland, ohne die süddeutschen Stars, die abgesagt hatten. Hanssen stürmt rechts außen. Deutschland verliert 1:2, doch die holländischen Zeitungen bemerken ihn. Die Utrechter Zeitung hebt im deutschen Sturm vor allem den Rechtsaußen hervor, als »lastig heer«, als lästigen Herrn. Später schreibt sie, der rechte deutsche Flügel komme immer wieder an ihrem linken Läufer van Dijk vorbei. Ihr Fazit: Bei den Deutschen seien Verteidigung und rechter Flügel das Beste gewesen. Ähnlich das Amsterdamer Handelsblad: In einer Phase der ersten Halbzeit kamen die meisten deutschen Durchbrüche über van Dijks Seite.

Im April 1911 spielt Hanssen noch zweimal. In Berlin erreicht Deutschland am 14. April ein 2:2 gegen die englischen Amateure, das erste Spiel gegen England ohne Niederlage. Laut Wikipedia bereitet Hanssen mit einer »Maßvorlage« eines der beiden Tore des Kielers Ernst Möller vor. Neun Tage später verliert Deutschland in Lüttich 1:2 gegen Belgien. Danach wird Hanssen nicht mehr berufen.

Vier Zähne und der Krieg

1913 kommt Hanssen gerade von einer Leistenoperation zurück, als er in einem Spiel gegen Borussia Harburg mit einem Gegenspieler zusammenprallt. Er verliert vier Zähne. Danach hört er mit dem Fußball auf und spielt laut Wikipedia nur noch Tennis. Die neue Norddeutsche Verbandsliga, die Altona 1914 gewinnt, erlebt er nicht mehr als Spieler.

Karl Hanssen stirbt am 13. September 1916, mit 29 Jahren. Laut Wikipedia war er zum Wehrdienst eingezogen worden und fiel als Soldat im Ersten Weltkrieg. Einen Einzelnachweis nennt der Artikel nicht, und das Buch von 1939 vermerkt seinen Tod nicht.

Karl Hanssen auf einen Blick

Geboren: 5.7.1887 in Porto Alegre (Brasilien)
Gestorben: 13.9.1916, laut Wikipedia als Soldat im Ersten Weltkrieg
Vereine: Altonaer FC von 1893 (1903–1913)
Position: Rechtsaußen
Titel: Norddeutscher Meister 1909, Hamburg-Altonaer Meister 1909–1912
Bilanz: 3 Länderspiele, 0 Tore (1910–1911)
Nationalspieler Nr.: 68 (Debüt 16.10.1910 gegen Holland)

Quellen

Die deutschen Nationalspieler (1939) · Karl Hanssen – Wikipedia · Karl Hanssen – Wikipedia (englisch) · Norddeutsche Fußballmeisterschaft 1908/09 – Wikipedia · Deutsche Fußballmeisterschaft 1908/09 – Wikipedia · Kronprinzenpokal 1910/11 – Wikipedia · Libero International 36 · Libero D 3 (1992) · Kicker-Almanach 1996 · Utrechtsch Provinciaal en Stedelijk Dagblad, 17.10.1910 (Delpher) · Algemeen Handelsblad, 17.10.1910 (Delpher)