Biografien

Achtzig Männer, siebzehn Länderspiele, ein Anfang: Das sind die ersten deutschen Fußball-Nationalspieler, vom verregneten Premierenspiel in Basel am 5. April 1908 bis zum 1:4 gegen Ungarn in München im Dezember 1911. Jede Biografie beruht auf einem Quellendossier aus zeitgenössischen Zeitungen, Almanachen und Vereinschroniken. Wo sich die Quellen widersprechen, sagen wir es.

Fritz Baumgarten – der Schulschwänzer im ersten Tor

Die Nummer eins, im wörtlichen Sinn: Fritz Baumgarten stand im allerersten Länderspiel im deutschen Tor. Für die Reise nach Basel schwänzte der Berliner Gymnasiast die Schule, danach kam er nie wieder zum Zug – und wurde Arzt.

Walter Hempel – »James«, die Zuverlässigkeit in Person

Weil seine Lehrer Fußball verachteten, kickte der Leipziger Schüler Walter Hempel als »James«. Später wurde er der erste Verteidiger der Nationalelf, gewann den ersten deutschen Pokal und hielt seinen Sportfreunden 23 Jahre die Treue.

Ernst Jordan – der lange Pechvogel von Basel

Eine Woche vor dem ersten Länderspiel verletzte sich der gesetzte Verteidiger – und der knapp 1,90 Meter große Magdeburger Ernst Jordan rückte nach. In Basel köpfte er das erste Eigentor der Nationalelf. Es blieb sein einziges Länderspiel.

Karl Ludwig – der Kölner, der einmal mitspielen durfte

Ein Kaufmann aus Köln, ein Platz in der Läuferreihe, ein verregneter Sonntag in Basel. Karl Ludwig gehört zu den ersten elf deutschen Nationalspielern – und zu den am wenigsten bekannten.

Arthur Hiller – »Ille«, der erste Kapitän

Er war der älteste Mann auf dem Platz, kannte kaum einen Mitspieler und sollte trotzdem die Taktik vorgeben: Arthur Hiller aus Pforzheim war der erste Kapitän der deutschen Nationalelf. Sein größtes Spiel aber fand zwei Jahre früher statt.

Hans Weymar – der schöne Hans

Er war der einzige Norddeutsche beim ersten Länderspiel und spielte den Pass, aus dem das erste deutsche Tor entstand. Hans Weymar, der »schöne Hans« vom FC Victoria, liebte Zigarren, Tennis – und ein falsches Geburtsjahr.

Gustav Hensel – der Mann mit der ersten Flanke

Ein kräftiger, schneller Rechtsaußen aus Kassel, ein einziges Länderspiel – und darin die Flanke, aus der das allererste deutsche Länderspieltor entstand. Danach verschwand Gustav Hensel im Weinhandel.

Fritz Förderer – der »Frieder« mit dem ersten Elfmeter

Trickreich, explosiv, mit Wucht in beiden Füßen: Fritz Förderer war das Herzstück des großen Karlsruher FV. Er schoss den ersten Elfmeter der DFB-Geschichte, vier Tore beim 16:0 gegen Russland – und landete später als Sportplatzverwalter in Weimar.

Eugen Kipp – der Schütze des ersten Sieges

Achtzehnmal stand Eugen Kipp in der Nationalelf, mehr als jeder andere vor dem Ersten Weltkrieg. Sein Tor in Karlsruhe bescherte Deutschland 1909 den ersten Länderspielsieg. Bei Ypern verlor er ein Bein, 1931 starb er an den Folgen.

Fritz Becker – der Schulbub, der das erste Tor schoss

Er hätte den Zug nach Basel beinahe verpasst. Einen Tag später schoss der Frankfurter Primaner Fritz Becker das erste Tor der deutschen Länderspielgeschichte – und noch ein zweites. Ein weiteres Länderspiel bekam er nie.

Willy Baumgärtner – der ewige Jüngste

Kein deutscher Nationalspieler war bei seinem Debüt jünger: Willy Baumgärtner, 17 Jahre und 104 Tage. Er spielte die ersten vier Länderspiele, verlor alle, war kurz Rekordnationalspieler – und verschwand 1932 nach Südamerika.

Paul Eichelmann – der Wundertorwart mit dem Unsinn im Kopf

Er hielt schon 1899 gegen England, neun Jahre vor dem ersten offiziellen Länderspiel. Paul Eichelmann, Klempner aus Berlin, galt als bester und leichtsinnigster Torwart seiner Zeit. Sogar sein Todesjahr ist ein Rätsel.

Otto Hantschick – der Maler in der Abwehr

Er lernte in Frankfurt Malen und Zeichnen und verteidigte für Union 92 Berlin. Otto Hantschick spielte zweimal für Deutschland, beide Male gegen Englands Amateure: im Schnee von Mariendorf und beim 0:9 von Oxford.

Paul Fischer – der Eisenbahner im Schlussdreieck

Hauptberuflich bei der Preußischen Eisenbahn, am Wochenende linker Verteidiger bei Berlins bester Mannschaft. Paul Fischer stand in vier Endspielen um die Deutsche Meisterschaft, gewann zwei und spielte einmal für Deutschland.

Walter Poppe – Braunschweigs erster Nationalspieler

Im April 1908 erlebte Walter Poppe die zwei besten Wochen seiner Laufbahn. Erst traf er im Endspiel um die Norddeutsche Meisterschaft, acht Tage später lief er als erster Braunschweiger für Deutschland auf.

Adolf Gehrts – »Dolph«, der Flügelmann von der Hoheluft

Zwölf Jahre lang lief Adolf Gehrts für Victoria Hamburg die rechte Linie hinunter. Zweimal durfte er für Deutschland ran, zweimal gewann er mit Norddeutschland den Kronprinzenpokal – zuletzt vor 15.000 Zuschauern im Deutschen Stadion.

Arno Neumann – Dresdens erster Nationalspieler

Arno Neumann konnte fast alles spielen und blieb ein Leben lang beim Dresdner SC. 1908 wurde er der erste Nationalspieler der Stadt, später Vereinsvorsitzender und Sportjournalist. Mit 73 wollte er das 60. Stiftungsfest seines aufgelösten Klubs feiern – und kam dafür ins Zuchthaus.

Paul Matthes – der Mittelstürmer mit der Pfeife

Paul Matthes war Mittelstürmer und Geschäftsführer in einem, später auch Schiedsrichter bei Endrundenspielen. 1908 durfte der Leipziger aus Magdeburg einmal für Deutschland spielen – acht Tage nach einem verlorenen Endspiel.

Heinrich Riso – der Kapitän mit dem zweiten Anlauf

Drei Tore im allerersten deutschen Endspiel, das Siegtor im zweiten: Heinrich Riso war der Vollstrecker des frühen VfB Leipzig. Im Nationalteam spielte der Stürmer dann – als Verteidiger.

Willy Tänzer – der Achtzehnjährige vom Cricketplatz

Achtzehn Jahre alt, ein Länderspiel, ein 2:3 in Wien: Willy Tänzer war einer der jüngsten Nationalspieler der Frühzeit. Für welchen Berliner Klub er damals eigentlich spielte, ist bis heute umstritten.

Ernst Poetsch – der Buchdrucker in der Läuferreihe

Fast zwanzig Jahre bei Union 92, drei Länderspiele, zweimal im Kronprinzenpokal-Finale: Ernst Poetsch war der Mann für die Läuferreihe. Sein längster Arbeitstag dauerte 142 Minuten.

Hans Schmidt – der Rechtsaußen mit dem falschen Namen

Ein Berliner Kaufmann, ein Länderspiel, ein verregneter Pfingstsonntag in Wien. Hans Schmidt von Germania 88 stürmte 1908 auf Rechtsaußen – und die Wiener Zeitungen schrieben einen anderen Namen in ihre Berichte. 1916 fiel er im Ersten Weltkrieg.

Hermann Garrn – der Mann, der nicht Garrn hieß

Auf dem Platz hieß er Garrn, im Leben Ehlers, die Kollegen riefen ihn „Etsche“. Hermann Garrn stürmte zwanzig Jahre für Victoria Hamburg, bestritt zwei Länderspiele – und traf 1911 nach drei Minuten zum ersten großen Titel des Nordens.

Adolf Jäger – der erste Diener seiner Elf

Sepp Herberger nannte ihn »den Größten, den wir je hatten«. Adolf Jäger von Altona 93 traf schon in seinem ersten Länderspiel, führte die Nationalelf zehnmal als Kapitän an und blieb dabei ein wortkarger Norddeutscher. 1944 wurde das Altonaer Stadion nach ihm benannt, drei Monate später war er tot.

Adolf Werner – der Held der 0:9-Niederlage

Neun Gegentore, und trotzdem der Mann des Tages: Adolf „Adsch“ Werner aus Kiel war Deutschlands erster berühmter Nationaltorwart. Er wurde 1912 mit Holstein Kiel Deutscher Meister und stand beim 16:0 gegen Russland im Tor.

Erich Massini – der Verteidiger von der Ersatzbank des DFB

Erich Massini kam 1909 zu seinem einzigen Länderspiel, weil ein Mitspieler kurz vor der Abreise noch einen Verteidiger empfehlen sollte. Der Berliner vom BFC Preussen stand beim 0:9 in Oxford auf dem Platz, gewann zwei Berliner Meisterschaften und fiel im Dezember 1914.

Camillo Ugi – Leipzigs Kapitän mit dem Fernweh

Camillo Ugi war Deutscher Meister mit dem VfB Leipzig, neunmal Kapitän der Nationalelf und eine Zeit lang deutscher Rekordnationalspieler. Dazwischen suchte er sein Glück in Brasilien, Marseille, Frankfurt und Breslau – und traf in Budapest zum 3:3.

Josef Glaser – der Pennäler, der mit geschlossenen Augen Meister wurde

Ein Schüler aus dem Schwarzwald schießt den Freiburger FC 1907 im Endspiel per Elfmeter in Führung – mit halb geschlossenen Augen. Zwei Jahre später führt Sepp Glaser die Nationalelf als Kapitän aufs Feld. Und danach bleibt er dem Fußball noch sechs Jahrzehnte treu.

Paul Hunder – der Kapitän der Endspiele

Drei Jugendklubs lösen sich unter ihm auf oder geben den Fußball auf, dann findet Paul Hunder bei Viktoria 89 sein Zuhause. Als Kapitän führt der Dreher die Berliner in vier Endspiele und zweimal zur Meisterschaft. Ein Knöchelbruch zu Ostern 1912 beendet alles.

Erich Albrecht – der Rechtsaußen aus Gohlis, der den ersten Pokal holte

Ein Rechtsaußen aus dem Leipziger Norden, ein Mitteldeutscher Meistertitel nach 137 Minuten und ein Pokal, den es vorher gar nicht gab. Dazwischen ein einziges Länderspiel: das 0:9 von Oxford. Erich Albrecht, Pelzhändler und Wacker-Mann.

Helmut Röpnack – die kleine Schießbude von Viktoria 89

Erst schoss er die Tore, dann verhinderte er sie. Helmut Röpnack, die »kleine Schießbude« von Viktoria 89, wurde zweimal Deutscher Meister, traf in einem Halbfinale fünfmal und führte die Nationalelf in seinem letzten Spiel als Kapitän aufs Feld.

Herbert Hirth – der erste Herthaner in der Nationalelf

Ein Dreher aus Berlin, sechzehn Jahre Verteidiger bei Hertha 92 und ein einziges Länderspiel: das 3:3 in Budapest 1909. Mit ihm stand Fritz Schulz auf dem Platz – die beiden ersten Nationalspieler in der Geschichte von Hertha.

Edwin Dutton – der Engländer in der deutschen Elf

In Schlesien geboren, Sohn eines englischen Fußballpioniers, mit 18 Jahren deutscher Nationalspieler. Dann Newcastle United, fast vier Jahre Internierungslager in Berlin und zum Schluss Trainer in Stuttgart und Ipswich. Edwin Dutton hatte das wohl ungewöhnlichste Leben unter den frühen Nationalspielern.

Leopold Richter – der Student, der den ersten Pokal holte

Ein Dresdner, der zum Studieren nach Leipzig ging und den Fußball mitnahm. Leopold Richter war zweimal Mitteldeutscher Meister, traf im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft und gewann 1909 den ersten Kronprinzenpokal – zwei Wochen nach seinem einzigen Länderspiel.

Willi Worpitzky – der Brecher aus Moabit

Er fing im Tor an und wurde der gefürchtetste Mittelstürmer Berlins. Willi Worpitzky schoss Viktoria 89 zu zwei Meistertiteln, traf bei seinem Länderspieldebüt doppelt – und musste bei Olympia 1912 doch wieder zurück zwischen die Pfosten.

Richard Queck – das letzte Tor vor dem Krieg

Richard Queck war der Halblinke der Braunschweiger Eintracht, als die noch »im ganzen Reich bekannt und geachtet« war. Er spielte in drei Länderspielen, traf in zweien – und im April 1914 in Amsterdam in einem Spiel, nach dem sechs Jahre lang keines mehr kam.

Fritz Schulz – Herthas Mann für die linke Seite

Mit elf Jahren kam Fritz Schulz zu Hertha, zwanzig Jahre blieb er. Mit Herbert Hirth wurde er 1909 in Budapest der erste Nationalspieler des Vereins. Mehr als dieses eine Länderspiel wurde es nicht – 1918 fiel er laut Wikipedia im Krieg.

Eberhardt Illmer – die erste Null

Ein Torwart aus Straßburg, ein Nachmittag in Karlsruhe, ein 1:0 gegen die Schweiz. Eberhardt Illmer war der erste deutsche Torhüter, der in einem Länderspiel ohne Gegentor blieb. Danach verliert sich seine Spur fast vollständig.

Otto Nicodemus – der Doktor in der Verteidigung

Ein promovierter Chemiker aus Biebrich verteidigte 1909 beim ersten deutschen Länderspielsieg. Ein Jahr später gewann Otto Nicodemus mit Süddeutschland den Kronprinzenpokal nach 142 Minuten. Später gründete er einen Hockeyclub und sammelte Briefmarken mit Auszeichnung.

Robert Neumaier – die Ruhe von Phönix

Leicht, elegant, die Ruhe selbst: So beschreibt der Phönix-Historiker den Karlsruher Linksverteidiger Robert Neumaier. Im Frühjahr 1909 gewann er erst den ersten Länderspielsieg der deutschen Geschichte und acht Wochen später in Breslau die Deutsche Meisterschaft.

Karl Burger – das erste Kleeblatt im Nationaltrikot

Ein Stuttgarter, der im Tor anfing und im Ronhof zum Idol wurde. Karl Burger war 1909 der erste Nationalspieler der SpVgg Fürth, spielte elfmal für Deutschland und führte die Kleeblätter 1914 als Kapitän zur ersten Meisterschaft – nach 153 Minuten.

Hermann Schweickert – der Rechtsaußen in der Reklamedroschke

Er fuhr im Sportdress in der Pferdedroschke durch Karlsruhe, um Zuschauer anzulocken. Ein paar Stunden später gewann Deutschland sein erstes Länderspiel. Hermann Schweickert aus Pforzheim, Rechtsaußen, Sänger, Schmuckhändler – und einer der wenigen Pioniere, die ihre Erinnerungen weitererzählt haben.

Otto Löble – der Mittelstürmer, der in der 142. Minute traf

1,85 Meter, Mittelstürmer, Kickers-Mann für fast zwei Jahrzehnte. Otto Löble spielte viermal für Deutschland, dreimal wurde gewonnen. Seinen größten Moment hatte er aber in einem Pokalfinale, das erst endete, als jemand traf: nach 142 Minuten, durch ihn.

Emil Oberle – der Linksaußen, den es an den Bosporus zog

Mit 19 Deutscher Meister, mit 22 Olympiastarter, mit 23 Bankier in Istanbul. Emil Oberle flankte für Phönix Karlsruhe, traf beim 16:0 gegen Russland und stürmte danach für Galatasaray. Später holte er den ersten türkischen Fußballprofi nach Deutschland.

Hans Riso – der Torwart, der »Riso II« hieß

Er hieß Hans, aber die Statistik nennt ihn »Riso II«. Der Torwart von Wacker Leipzig galt 1908 als bester Keeper Mitteldeutschlands, gewann den ersten Kronprinzenpokal mit einem einzigen Gegentor und stand beim ersten deutschen Auswärtssieg im Tor.

Paul Kühnle – der zäheste Verteidiger der Kickers

Er führte die Stuttgarter Kickers als Kapitän ins Endspiel 1908, bestritt zwei Länderspiele und gewann beide. Ein Zeitgenosse nannte ihn den zähesten Verteidiger, den er kannte. Später vermaß Paul Kühnle das Land um Schwäbisch Gmünd.

Wilhelm Trautmann – der beste Mann des Feldes

Ein Mannheimer Mittelläufer, Kaufmann im Schweinegroßhandel und Leichtathlet. Wilhelm Trautmann spielte ein einziges Mal für Deutschland, beim ersten Auswärtssieg in Basel. Drei Jahre später nannte ihn ein Reporter den besten Mann des Feldes.

Karl Wegele – der Rechtsaußen, der Flanken rechnete

Schnell wie ein Reh, Flanken »mathematisch genau« – und tatsächlich Mathematiklehrer. Karl Wegele wurde 1909 mit Phönix Karlsruhe Deutscher Meister und spielte 15-mal für Deutschland. Er gewann dabei nur zwei Spiele, aber er erzielte das letzte deutsche Tor vor dem Ersten Weltkrieg.

Marius Hiller – »Bubi«, der für zwei Länder traf

Er trug den Onkeln die Taschen und wurde mit 17 der jüngste Torschütze der Nationalelf. Dann schickte ihn eine Uhrenfirma nach Buenos Aires – und Marius Hiller wurde Torschützenkönig und Nationalspieler Argentiniens.

Ludwig Philipp – »Fips«, der erste Club-Nationalspieler

Linksaußen, Mittelstürmer, Verteidiger – »Fips« Philipp konnte fast alles und rannte schneller als die meisten. 1910 wurde er der erste Nationalspieler des 1. FC Nürnberg. Neun Jahre später lag sein Süden im Pokalfinale 0:4 zurück – dann schlug Philipp zweimal zu.

Christian Schmidt – der Torwart mit der Kapitänsbinde

Er stand bei einem abstiegsbedrohten Berliner Verein im Tor und bekam bei seinem ersten Länderspiel gleich die Kapitänsbinde. Über 100 Jahre war Christian Schmidt der jüngste Spielführer der Nationalelf. Den Ersten Weltkrieg überlebte er nicht.

Ernst Hollstein – der »Holler«, der nie planlos wegschlug

Blond, geschmeidig, ein Meister des Kopfballs: Ernst Hollstein war der elegante Verteidiger in Karlsruhes großer Meisterelf. Im Mai 1910 stand er im ersten Endspiel, das in die Verlängerung ging. 1913 hörte er auf, um Lehrer zu werden.

Max Breunig – der »Bomber« vom Elfmeterpunkt

Eigentlich wollte er Linksaußen bleiben und weinte, als man ihn zum Mittelläufer machte. Dann wurde Max Breunig laut Lexikon von 1939 der größte deutsche Mittelläufer der Vorkriegszeit: Meister 1910 per Elfmeter in der Verlängerung, siebenmal Kapitän der Nationalelf, später Vizemeister als Trainer von 1860 München.

Gustav Unfried – vom Kickers-Läufer zum Landmesser in Ostafrika

Mit 13 bei den Stuttgarter Kickers, mit 19 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft, mit 21 Nationalspieler – und vier Monate später in Deutsch-Ostafrika. Dann kamen Krieg und drei Jahre englische Kriegsgefangenschaft.

Willi Fick – das Tor von Arnheim

Ein Länderspiel, ein Tor: Mit 19 brachte Willi Fick Deutschland in Arnheim in Führung. Zwei Jahre später war er mit Holstein Kiel Deutscher Meister – und da womöglich schon krank. Im September 1913 starb er, 22 Jahre alt.

Robert Faas – der jüngere Bruder im Pforzheimer Tor

Er erbte den Platz im Tor von seinem Bruder, der 1906 im Endspiel gestanden hatte und im selben Jahr starb. Robert Faas vom 1. FC Pforzheim spielte ein einziges Mal für Deutschland – an jenem Pfingstmontag 1910, an dem vier Zuschauer zu Nationalspielern wurden.

Alfred Berghausen – von der Tribüne in die Nationalelf

Er kam als Zuschauer und ging als Nationalspieler: Alfred Berghausen, 20 Jahre alt, Verteidiger von Preußen Duisburg, wurde am Pfingstmontag 1910 von der Tribüne geholt, weil dem DFB die Spieler fehlten. Es blieb bei diesem einen Spiel.

Lothar Budzinski-Kreth – der Läufer vom Spielverein

Hinter ihm stand der DFB-Präsident im Tor, vor ihm stürmten die Fischer-Brüder: Lothar Budzinski-Kreth war Läufer beim Duisburger Spielverein, der den Westen beherrschte. Nationalspieler wurde er 1910 von der Tribüne aus.

Max Gablonsky – »Gaberl« und das Tor mit 100 Jahren Verspätung

Schnell genug für die Olympia-Staffel, gut genug für die Nationalelf: Max Gablonsky war der erste Bayern-Spieler im Nationaltrikot. Sein Tor zum 6:2 gegen die Schweiz 1911 stand 100 Jahre lang unter falschem Namen in den Büchern.

Christian Schilling – der Halbrechte vom Grunewald, der zweimal durfte

Ein Kaufmann, Hindernisläufer und Tennisspieler, der beim Duisburger Spielverein fünf westdeutsche Titel sammelte. 1910 rückte er beim Länderspiel gegen Belgien kurzfristig in die Elf, traf den Pfosten – und durfte als einziger der Duisburger Aushilfen noch ein zweites Mal ran.

Peco Bauwens – der Mittelstürmer, der zum mächtigsten Pfeifenmann wurde

Als Kind wäre ihm fast ein Bein amputiert worden, 1910 stürmte er für Deutschland und musste verletzt vom Platz. Danach wurde Peco Bauwens der berühmteste deutsche Schiedsrichter, später DFB-Präsident. Eine Karriere mit Glanz – und mit dunklen Flecken.

Otto Reislant – der Mittelstürmer, der eigentlich Hockeytorwart war

Fußballer bei Wacker Leipzig, Torwart beim Hockey, Bandy auf dem Eis, über 200 Tennispreise. Otto Reislant schoss Wacker 1908 in Breslau ins Halbfinale – und erzielte im Länderspiel 1910 ein Tor, das nicht zählte.

Adalbert Friedrich – »Bert«, der Linksaußen mit dem Decknamen

Als Schüler trat er heimlich dem VfB Leipzig bei, der Deckname »Bert« blieb ihm ein Leben lang. Adalbert Friedrich traf im allerersten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, wurde dreimal Meister und bestritt alle 19 Endrundenspiele seines Vereins bis 1914.

Andreas Breynck – der Olympialäufer, der von der Tribüne eingewechselt wurde

1908 lief er bei den Olympischen Spielen in London, 1910 saß er als Zuschauer beim Länderspiel in Duisburg – und wurde nach 55 Minuten für den verletzten Peco Bauwens eingewechselt. Andreas Breynck, Mittelstreckler von Preußen Duisburg, später Auswanderer und Reederei-Prokurist.

Hermann Neiße – der Eimsbütteler beim ersten Remis gegen England

Hermann Neiße kam aus einem Turnverein und wurde Nationalverteidiger. Er stand in der ersten deutschen Elf, die gegen Englands Amateure nicht verlor, holte mit dem Norden den Kronprinzenpokal und zog dann nach Wien.

Robert Hense – der erste Nationalspieler des Kölner BC

Robert Hense gründete mit 15 einen Fußballverein und spielte noch mit 56 im Kölner BC. Dazwischen lag ein einziges Länderspiel: Kleve 1910, ein Nachmittag voller Holländer und mit einem Gegentor, das ein deutsches Blatt ihm anlastete.

Otto Bülte – »Otte«, der Mittelläufer aus Braunschweig

Auf dem Platz riefen sie ihn »Otte«, in manchen Chroniken heißt er Konrad. Otto Bülte gewann mit Eintracht Braunschweig die Norddeutsche Meisterschaft, spielte 1910 in Kleve Mittelläufer der Nationalelf und stand 1912 mit Preussen Berlin drei Minuten vor dem Halbfinale.

Karl Hanssen – der Rechtsaußen aus Porto Alegre

Karl Hanssen kam in Brasilien zur Welt und wurde Altonaer Rechtsaußen. 1909 schoss er Altona mit ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, 1910 lobte ihn eine holländische Zeitung als »lästigen Herrn«. 1916 starb er, laut Wikipedia als Soldat.

Josef Umbach – der Spiritus rector vom Niederrhein

Schon als Jugendlicher in der ersten Elf, bald ihr »Spiritus rector«: Josef Umbach war der Kopf des FC München-Gladbach. Sein einziges Länderspiel führte ihn 1910 nach Kleve, gegen die Niederlande, in einer Elf ohne einen einzigen Süddeutschen.

Willy Krauß – der erste Jenaer im Adlertrikot

Ein Mechaniker aus Jena, der über Leipzig zurück in die Heimat kam und der erste Nationalspieler des Zeiss-Klubs wurde. Willy Krauß gewann den allerersten Kronprinzenpokal und erlebte in Budapest, wie aus einem 4:1 ein 4:4 wurde.

Gottfried Fuchs – zehn Tore an einem Nachmittag

Zehn Tore in einem Länderspiel, bis heute unerreicht: Gottfried Fuchs war der Mittelstürmer des großen Karlsruher FV und der erste jüdische Nationalspieler. 1937 musste er Deutschland verlassen. Er starb 1972 in Kanada. Die Absage des DFB auf Herbergers Einladungsvorschlag erreichte ihn nicht mehr.

Walter Fischer – der Linksaußen der Rotblusen

Ein Kaufmann aus Duisburg, ein Linksaußen für anderthalb Jahrzehnte, ein Bruder, der die Tore schoss. Walter Fischer stand 1913 im ersten Endspiel einer westdeutschen Mannschaft und gewann vier Wochen später den Kronprinzenpokal. Dazu fünf Länderspiele, alle auf Linksaußen.

Ernst Möller – der Linksaußen, der Holstein zum Meister machte

Mit 19 Jahren schoss er England zwei Tore, mit 20 machte er Holstein Kiel per Elfmeter zum deutschen Meister – bis heute der einzige Titel des Vereins. Ernst Möller fiel 1916 in Frankreich. Seit 2025 führt die Ernst-Möller-Straße zum Kieler Stadion.

Otto Reiser – der Ottl vom Phönix

Er stand in einem Endspiel, das nie stattfand, und gewann fünf Jahre später eins, das niemand erwartet hatte. Otto »Ottl« Reiser schoss den Karlsruher FC Phönix 1909 mit fünf Toren ins Finale von Breslau. Sein einziges Länderspiel in Lüttich lief weniger gut.

Hermann Wiggers – der Verteidiger mit der Mütze

Klein, bescheiden, immer mit Mütze: Hermann Wiggers spielte zwei Jahrzehnte für Altona 93 und nur ein gutes Jahr für Victoria. Genau in dieses Jahr fiel sein einziges Länderspiel – ein 4:2 in Stockholm. Seinen Platz in der Elf, sagte er später, verdanke er nur dem Weggang eines Besseren.

Otto Dumke – der erste Dreierpacker

Sie nannten ihn »Schieber«, weil er den Ball so eigen behandelte. Beim Länderspieldebüt 1911 in Stockholm traf Otto Dumke dreimal, als erster Deutscher überhaupt. Zwei Jahre später war der Berliner Meisterstürmer tot.

Rudolf Droz – der Magdeburger mit den fünf Toren

Er kam aus Magdeburg, spielte in Berlin und ging als Kaufmann zurück an die Elbe. Dazwischen schoss Rudolf Droz fünf Tore in einem einzigen Pokal-Halbfinale und stand 1911 beim 4:2 in Stockholm im Sturm.

Walter Sorkale – achtzehn Jahre Preusse

Walter Sorkale spielte nur für einen Verein, den BFC Preussen, und das achtzehn Jahre lang. Er wurde zweimal Berliner Meister, stand 1912 im Pokalfinale gegen Hirsch und Fuchs und bestritt 1911 in Hamburg sein einziges Länderspiel.

Paul Kugler – der Lange von Viktoria

1,86 Meter, Stürmer, Mittelläufer, notfalls Torwart: Paul Kugler konnte fast alles. 1911 schoss er Viktoria 89 im Endspiel zur Meisterschaft, später wurde er in Breslau zum Serienmeister und nach dem Krieg Trainer in der DDR.

Walter Borck – das »Baby« im Tor

In Hamburg nannten sie den 16-jährigen Torwart »Baby«. Als Medizinstudent hütete Walter Borck dann das Tor des MTV München, verlor 1911 ein Pokalfinale erst in der zweiten Verlängerung und stand im Dezember auf dem eigenen Platz gegen Ungarn im Tor der Nationalelf.