Robert Hense – der erste Nationalspieler des Kölner BC
Robert Hense war der erste Kölner BC-Spieler in der Nationalelf, und der Kölner BC ist einer der beiden Vorgänger des 1. FC Köln. Sein einziges Länderspiel bestritt der Verteidiger am 16. Oktober 1910 in Kleve gegen Holland, und es ging 1:2 verloren. Ein deutsches Sportblatt machte ihn für das zweite Gegentor verantwortlich. Dem Fußball blieb er trotzdem treu wie kaum einer: Laut Wikipedia spielte er in der Fußballabteilung seines Vereins noch bis 1942.
»Die Deutschen sind Kerle wie Bäume und dabei besonders schnell.«
Vom Gymnasium zum Ballspiel-Club
Robert Hense kommt am 17. November 1885 in Köln zur Welt. Den Fußball lernt er in der Schule. Von 1898 bis 1900 spielt er in der Schülermannschaft des Marzellen-Gymnasiums, so steht es in seinem Eintrag von 1939.
Mit 15 wird er laut Wikipedia selbst Vereinsgründer. 1900 ist er einer der Gründer von Rhenania Köln und spielt dort im Sturm. 1902 löst sich der Verein vorübergehend auf. Hense wechselt zum Kölner Ballspiel-Club 01, der sich damals noch mit C schrieb, und rückt dort in die Abwehr. Der Eintrag von 1939 datiert den Beginn beim KBC auf 1903 und führt ihn bis 1937 als Mitglied.
Im Beruf ist Hense Kaufmann. 1911 geht er laut Wikipedia zur Fortbildung nach Frankreich und spielt dort für den Cercle Athlétique Paris und für Racing Roubaix. Danach kehrt er zum KBC zurück.
Eine Woche, zwei Spiele
Im Oktober 1910 hat Hense eine volle Woche. Am 9. Oktober spielt Westdeutschland in Köln im Kronprinzenpokal gegen Süddeutschland. Hense ist linker Verteidiger. Der Süden kommt mit vier Karlsruhern um Max Breunig und gewinnt vor 1.600 Zuschauern 4:1.
Eine Woche später steht Hense in der Nationalelf, und diesmal fehlen die Süddeutschen. Sie hatten für das Spiel gegen Holland abgesagt. Die Arnhemsche Courant nennt Kipp, Löble, Förderer, Breunig und Hollstein. Der DFB schickt deshalb eine Elf ohne Süddeutsche, mit fünf Neulingen. Hense ist einer davon. Die anderen sind Hermann Neiße, Otto Bülte, Karl Hanssen und Josef Umbach.
Der große Tag: Kleve (Oktober 1910)
Kleve ist eine Kleinstadt an der holländischen Grenze, und genau deshalb spielt man dort. Das Amsterdamer Algemeen Handelsblad vermutet, der DFB habe auf holländisches Publikum spekuliert. Die Rechnung geht auf. Von vier Zuschauern sind laut Handelsblad »minstens drie« Holländer. Wie viele es insgesamt sind, weiß niemand genau. Die Angaben reichen von 4.000 bis 10.000.
Es ist ein sonniger Herbsttag. Gespielt wird auf dem Platz des Vereins für Bewegungsspiele 1903 an der Triftstraße. Die holländischen Reporter finden ihn klein und holprig. Das Handelsblad fühlt sich an einen Platz der dritten Klasse erinnert. Die deutsche Elf läuft um 3.20 Uhr ein, in schwarzen Hemden mit weißen Ärmeln, den Adler auf der Brust. »Het waren alle flink gebouwde kerels, vlug als water«, schreibt das Handelsblad. Kräftige Kerle, flink wie Wasser.
Um 3.35 Uhr pfeift der Belgier Hubert Istace an. Hense verteidigt links, neben Neiße aus Eimsbüttel, hinter ihm steht Adolf Werner. Nach sieben Minuten trifft Jan Thomée zum 0:1. Neun Minuten später schießt der kleine Nijmegener Nol van Berckel, der an diesem Tag debütiert, das 0:2. Die holländischen Blätter feiern einen unhaltbaren Schrägschuss vom Flügel. Ein deutsches Blatt sah es anders. Der Telegraaf druckt zwei Tage später Passagen aus dem Bericht von »Sport im Wort«, und dort heißt es sinngemäß: Kurz darauf fiel durch einen Fehlschlag von Hense das zweite Tor.
Deutschland kommt zurück ins Spiel. Richard Queck verkürzt laut Handelsblad nach einer schlecht abgewehrten Ecke auf 1:2. Danach drängen die Holländer, der Telegraaf zählt nach der deutschen Quelle zwölf Ecken für Holland und drei für Deutschland. Die Arnhemsche Courant schreibt, dass Neiße, Hense und der Torwart nach der Pause »druk werk« haben, viel zu tun. Werner hält alles, was noch kommt. Die Utrechter Zeitung bemerkt, dass die deutschen Verteidiger sich an den Platz gewöhnen und gutes Kopfballspiel zeigen. Ihr Fazit: Bei den Deutschen seien Verteidigung und rechter Flügel das Beste gewesen. Das deutsche Blatt ist sogar noch milder:
»Werner hielt die unmöglichsten Bälle, Ugi übertraf sich selbst, alle Übrigen, außer Schilling, waren gut.«
Es bleibt beim 1:2. In der Halbzeit waren Brieftauben mit dem Zwischenstand nach Holland aufgestiegen. Für Hense ist es das einzige Länderspiel.
Westdeutscher Meister und Platzwart
Mit dem KBC hat Hense noch einen großen Auftritt. In der Saison 1911/12 wird der Klub Meister der Westdeutschen Liga und gewinnt das westdeutsche Endspiel 4:2 gegen Borussia München-Gladbach. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft trifft er am 12. Mai 1912 in München-Gladbach auf den Karlsruher FV, und der zeigt, was süddeutscher Fußball damals bedeutete. Tscherter, Förderer, Fuchs, Breunig und Julius Hirsch schießen den KBC mit 8:1 ab, 4.000 sehen zu. Libero führt Hense in diesem Spiel übrigens in der Sturmreihe.
Bis 1914 spielt er laut Wikipedia für den KBC. Danach bleibt er dem Verein erhalten. Er rudert, spielt Tennis und schnürt in der Fußballabteilung noch bis 1942 die Schuhe. Lange ist er ehrenamtlicher Platzwart. Beruflich betreibt er eine Fahrrad- und Motorrad-Großhandlung am Bonner Wall in Köln. 1953 verleiht ihm der 1. FC Köln, der fünf Jahre zuvor aus KBC und Sülz 07 hervorgegangen war, die Goldene Ehrennadel. Robert Hense stirbt am 20. Juni 1966.
Robert Hense auf einen Blick
Geboren: 17.11.1885 in Köln
Gestorben: 20.6.1966 (Ort unbekannt)
Vereine: Rhenania Köln (1900–1902), Kölner BC 01 (ab 1902/03), 1911 Cercle Athlétique Paris und Racing Roubaix
Position: Verteidiger
Titel: Westdeutscher Meister 1912
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1910)
Beruf: Kaufmann, später Fahrrad- und Motorrad-Großhändler
Nationalspieler Nr.: 66 (Debüt 16.10.1910 gegen Holland)
Quellen
Die deutschen Nationalspieler (1939) · Robert Hense – Wikipedia · Kronprinzenpokal 1910/11 – Wikipedia · 1. FC Köln: Fünf »Rebellen« gründen den Kölner Ballspiel-Club · Libero D 3 (1992) · Libero International 36 · Kicker-Almanach 1996 · De Telegraaf, 18.10.1910 (Delpher) · Algemeen Handelsblad, 17.10.1910 (Delpher) · Arnhemsche Courant, 17.10.1910 (Delpher) · Utrechtsch Provinciaal en Stedelijk Dagblad, 17.10.1910 (Delpher) · De Tijd, 17.10.1910 (Delpher) · 11v11