Julius Hirsch – »Juller«, ermordet in Auschwitz

Julius Hirsch spielt links neben Gottfried Fuchs, so beschreibt es Fuchs selbst rückblickend: das Karlsruher Trio, mit Fritz Förderer auf der anderen Seite. Hirsch ist nach Fuchs der zweite jüdische Nationalspieler Deutschlands. Er gewinnt zwei deutsche Meisterschaften, spielt 1912 bei Olympia in Stockholm – und wird 1943 aus Karlsruhe nach Auschwitz deportiert. Sein Freund Fuchs trifft ihn ein letztes Mal 1938 in Paris.

Karlsruhe und Fürth

Julius Hirsch wird am 7. April 1892 in Achern geboren. Er spielt von 1902 bis 1913 für den Karlsruher FV und gewinnt mit ihm 1910 die Deutsche Meisterschaft. 1913 wechselt er zur SpVgg Fürth, für die er 32 Ligaspiele bestreitet und 27 Tore erzielt; 1914 wird er mit Fürth ein zweites Mal Deutscher Meister. Von 1919 bis 1925 spielt er noch einmal für den KFV.

Für die Nationalmannschaft bestreitet Hirsch zwischen 1911 und 1913 sieben Länderspiele und erzielt vier Tore. 1912 gehört er zum deutschen Aufgebot bei den Olympischen Spielen in Stockholm. Ein Tor gegen die Niederlande 1912 gilt als das erste Vierfach-Tor eines deutschen Nationalspielers in einem einzigen Länderspiel.

Beruflich arbeitet Hirsch als Kaufmann im Sportartikelhandel und später als Handelsvertreter.

Krieg und Vertreibung

Im Ersten Weltkrieg dient Hirsch vier Jahre in der deutschen Armee und wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Sein Bruder Leopold fällt im Juni 1918.

Am 10. April 1933 verlässt Hirsch den Karlsruher FV von sich aus, nachdem er von den Plänen erfährt, jüdische Mitglieder aus dem Verein auszuschließen. 1938, auf der Flucht seines Freundes Gottfried Fuchs durch Paris, treffen sich die beiden ein letztes Mal – Hirsch will zu seiner Familie nach Karlsruhe zurück.

Am 1. März 1943 wird Julius Hirsch im Alter von 50 Jahren aus Karlsruhe deportiert. Seine Ankunft wird in keinem Lagerregister vermerkt; man geht davon aus, dass er unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurde. Amtlich gilt der 8. Mai 1945 als Todesdatum – ein Verwaltungsdatum, kein belegter Todestag. Seine Kinder Esther und Heinold werden im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert und im Mai 1945 befreit.

Seit 2005 vergibt der DFB jährlich den Julius-Hirsch-Preis an Personen und Initiativen, die sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus im Fußball engagieren.

Julius Hirsch auf einen Blick

Geboren: 7.4.1892 in Achern
Amtliches Sterbedatum: 8.5.1945 (Verwaltungsdatum); tatsächlich nach der Deportation vom 1.3.1943 nicht individuell belegt
Sterbeort: Auschwitz-Birkenau
Vereine: Karlsruher FV (1902–1913, 1919–1925), SpVgg Fürth (1913–1919)
Position: Halbstürmer/Läufer
Titel: Deutscher Meister 1910 (KFV), 1914 (SpVgg Fürth)
Bilanz: 7 Länderspiele, 4 Tore (1911–1913), Olympiateilnehmer 1912
Beruf: Kaufmann (Sportartikel), später Handelsvertreter
Nationalspieler Nr.: 90

Verwandte Biographien

Weitere Olympiateilnehmer 1912 und das Karlsruher Trio:

Quellen

Hinweis zum Forschungsstand: Rasenpoesie-Forschungsdossier, Master-ID 90, Olympia-1912-Block abgeglichen, Stand 30.09.2026. Das amtliche Todesdatum (8.5.1945) ist ein Verwaltungsdatum und wird hier ausdrücklich nicht als tatsächlicher Todestag behandelt.