Lorenz Huber – Karlsruhes Verteidiger bei der Niederlage in Budapest

Am Sonntag, dem 30. Oktober 1932, spielt der Karlsruher FV als badischer Tabellenführer beim Freiburger FC und verliert 1:2. Das Darmstädter Tagblatt vermerkt, der KFV habe »unter Vorbehalt« gespielt, weil sein Verteidiger Huber für die Nationalelf abgestellt war, und dürfe das Treffen im Bedarfsfall wiederholen. Huber steht zur selben Zeit in Budapest. Es ist sein einziges Länderspiel, und es geht ebenfalls 1:2 verloren.

Lorenz Hubers Laufbahn · Offenburg, Karlsruher FV und ein Länderspiel 1932, 1906–1989
Lorenz Hubers Laufbahn · Offenburg, Karlsruher FV und ein Länderspiel 1932, 1906–1989

»Läuferreihe und Abwehr taten ihre Pflicht.«

— Darmstädter Tagblatt, 31. Oktober 1932, über das Spiel in Budapest

Ein Offenburger geht nach Karlsruhe

Lorenz Huber kommt am 24. Februar 1906 in Offenburg zur Welt und stirbt am 6. Oktober 1989 in Karlsruhe, so nennen es die Wikipedia und das Stadtwiki Karlsruhe. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt ihn einen rechten Verteidiger, Kaufmann von Beruf, Verein Karlsruher Fußballverein. Er wird »Lora« gerufen. Die Wikipedia beschreibt ihn als athletisch, kopfballstark und für seine weiten Pässe bekannt.

Angefangen hat er beim Offenburger FV, 1925 wird er mit ihm südbadischer Kreismeister. In den anschließenden Aufstiegsspielen wechselt er zum Konkurrenten Karlsruher FV, was ihm übel genommen wird. Für den Wechsel spricht der Erfolg: Der KFV steigt auf und wird als Neuling prompt Bezirksmeister von Württemberg/Baden 1926. In der süddeutschen Endrunde landet er auf dem letzten Platz von sechs.

Dann kommt die Verletzung. Nach der Wikipedia stand Huber schon früh auf der Liste von Reichstrainer Otto Nerz, doch eine Meniskusverletzung warf ihn mit 21 Jahren weit zurück. Das Stadtwiki Karlsruhe schreibt, eine in Aussicht gestellte Länderspielkarriere sei deshalb nicht zustande gekommen.

Der KFV in Hubers Jahren

Danach geht es für den Verein aufwärts. 1928 gewinnt der KFV die Gruppe Baden und das Entscheidungsspiel gegen Phönix Karlsruhe 6:1. 1928/29 schließt er die Gruppe mit 11 Siegen, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen bei 60:18 Toren ab, 1930/31 mit 13 Siegen bei einer Niederlage. Die Wikipedia zählt für Huber fünf badische Titel, 1928 bis 1932. Die Tabellen weichen für 1930 ab: Der KFV beendet die Gruppe punktgleich mit dem Freiburger FC, verliert das Entscheidungsspiel in Offenburg, Hubers Heimatstadt, 2:4 und zieht als Zweiter in die Endrunde ein.

1931/32 holt der Verein die Gruppe mit 13 Siegen, 3 Unentschieden und 2 Niederlagen bei 65:11 Toren, nur 11 Gegentore in 18 Spielen. In der süddeutschen Endrunde wird er Dritter von acht, hinter Bayern München und dem 1. FC Nürnberg. Zur deutschen Meisterschaft führt das nicht, aber im Herbst 1932 gehört der Verein zur Spitze Badens, und mit ihm sein Verteidiger.

Die Berufung

Für das Länderspiel in Budapest am 30. Oktober 1932 stellt der Spielausschuss des DFB am 23. Oktober eine Elf auf, die das Tagblatt am Montag druckt: Im Tor Hans Jakob, davor der Frankfurter Franz Schütz und der Münchner Josef Wendl. Am 27. Oktober steht dort eine andere Elf: Huber ist an Schütz' Stelle gerückt, außerdem spielen Janes für Gramlich und der Düsseldorfer Ernst Albrecht für Erich Fischer. Das Blatt schreibt, es habe »mit der Mannschaftsaufstellung nicht alles geklappt«, und man könne nicht behaupten, es sei die allerbeste Vertretung, die Deutschland zurzeit stellen könne. Warum Schütz wegfiel, steht dort nicht.

Der große Tag: Budapest, 30. Oktober 1932

Das zehnte Länderspiel gegen Ungarn ist für Deutschland ein Tag mit zwei Debütanten: Der Düsseldorfer Paul Janes spielt zum ersten Mal in der Läuferreihe, Richard Malik aus Beuthen im Angriff. Nach dem DFB-Datencenter sehen 15.000 Zuschauer das Spiel, das Tagblatt nennt 20.000. Ministerpräsident Gömbös ist dabei. Schiedsrichter ist der Italiener Albino Carraro.

Huber bildet mit Wendl das Verteidigerpaar. Ungarn führt in der 11. Minute durch Károly Déri, Malik gleicht in der 71. Minute aus, in seinem ersten Länderspiel. Neun Minuten später trifft József Turay zum 2:1 für die Ungarn. Schon vor der Pause hatten die Deutschen einen Elfmeter gefordert: Nach einem Schuss von Richard Hofmann wehrte ein ungarischer Verteidiger mit dem Arm ab, der Schiedsrichter pfiff nicht.

Ungarn – Deutschland 2:1 in Budapest · Huber im Verteidigerpaar mit Wendl, Malik trifft zum 1:1
Ungarn – Deutschland 2:1 in Budapest · Huber im Verteidigerpaar mit Wendl, Malik trifft zum 1:1

Das Tagblatt überschreibt seinen Bericht mit »Schmeichelhafte Niederlage in Budapest«: Die deutsche Elf habe sich besser geschlagen, als man glaubte, und sei dem Gegner ebenbürtig gewesen, die einzige wirkliche Schwäche sei das schlechte Schussvermögen der Innenstürmer. Über Huber steht dort kein Einzelurteil, nur der Satz: »Läuferreihe und Abwehr taten ihre Pflicht.« Nach dem Schlusspfiff, so das Blatt, hätten Fachleute wie Nerz, der ungarische Verbandsführer Fischer und der Schiedsrichter erklärt, die deutsche Mannschaft habe ausgezeichnet gespielt und die Niederlage eigentlich nicht verdient. Den ganzen Spielverlauf erzählt der Spielbericht.

Danach

Am 4. Dezember 1932, dem Sonntag des 0:2 in Düsseldorf gegen die Niederlande, steht Huber für Süddeutschland in Paris, im Buffalo-Stadion, vor 18.000 Zuschauern gegen eine Auswahl der Pariser Profiliga. Die Süddeutschen gewinnen 5:2, Huber spielt als Verteidiger neben Munkert vom 1. FC Nürnberg, im Tor steht Köhl. Das Tagblatt lobt: »Köhl und seine beiden Vorderleute bildeten ein schwer zu überwindendes Abwehrdreieck.« Im Sturm spielt der Pforzheimer Erich Fischer.

In die Nationalelf kehrt Huber nicht zurück. Warum es bei einem Länderspiel blieb, nennen die Quellen nicht. Über seine Zeit beim KFV nach 1932 und sein Leben als Kaufmann geben sie nichts her. Nach den Angaben des Bundesarchivs, die die Wikipedia nach dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 wiedergibt, beantragte er am 22. August 1939 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1940 aufgenommen.

Huber ist nicht gleich Huber

Der Name ist häufig. Die Wikipedia führt unter »Lorenz Huber« auch einen Priester (1862–1910) und einen General auf. Als Nationalspieler gibt es zwei Hubers: Lorenz Huber vom Karlsruher FV, den Verteidiger von 1932, und Alfred Huber vom Rastatter FV 04, Jahrgang 1910, Linksaußen beim 5:0 in Zürich 1930. Beide spielten in Baden, beide haben ein Länderspiel.

Lorenz Huber auf einen Blick

Geboren: 24.2.1906 in Offenburg
Gestorben: 6.10.1989 in Karlsruhe
Vereine: Offenburger FV (bis 1925), Karlsruher FV (ab 1925)
Position: Rechter Verteidiger (Lexikon 1939)
Beruf: Kaufmann (Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1932)
Erfolge: Mit dem Karlsruher FV Bezirksmeister 1926, Sieger der Gruppe Baden 1928, 1929, 1931 und 1932

Länderspiele

Quellen