Alfred Huber – ein Linksaußen aus Rastatt in Zürich

Fünf Tore fallen im Zürcher Hardturm, und keins davon schießt der Neue. Alfred Huber, 20 Jahre alt, Linksaußen aus Rastatt, steht am 4. Mai 1930 zum ersten Mal in der Nationalelf. Das Darmstädter Tagblatt hat am Montag ein knappes Urteil für ihn: Er sei noch nicht routiniert genug und falle am meisten auf die Abseitsfalle der Schweizer herein. Gerufen hat ihn der DFB danach nie wieder.

Alfred Hubers Laufbahn · Rastatt, Pforzheim und zurück, ein Länderspiel 1930
Alfred Hubers Laufbahn · Rastatt, Pforzheim und zurück, ein Länderspiel 1930

»Huber auf Linksaußen ist noch nicht routiniert genug, er fiel am meisten auf die Abseitsfalle der Schweizer herein.«

— Darmstädter Tagblatt, 5. Mai 1930

Ein Rastatter aus Konstantinopel

Alfred Huber kommt am 29. Januar 1910 zur Welt, das nennen DFB-Datencenter, Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 gleichlautend. Beim Ort gehen die Namen auseinander: Das Lexikon schreibt Konstantinopel, die Wikipedia Istanbul, gemeint ist dieselbe Stadt. Wie die Familie von dort nach Baden kam, sagt keine Quelle. Das Lexikon nennt ihn einen Schlosser und seine Vereine den Fußballverein 04 Rastatt und den 1. FC Pforzheim.

In Rastatt spielt er nach der Wikipedia von 1925 an, mit 15 Jahren. Der Rastatter FV 04 war 1910 aus einer Fusion mit dem FC Phönix hervorgegangen und stieg 1928 in die oberste Klasse auf. Hubers erste Saison dort ist 1928/29 in der Bezirksliga Württemberg/Baden, Gruppe Baden. 1929/30 wird der Verein nach der Tabelle Sechster von acht, mit fünf Siegen, einem Unentschieden und acht Niederlagen. Meister der Gruppe ist der Karlsruher FV. Eine Spitzenadresse war Rastatt damit nicht.

Der große Tag: Zürich, 4. Mai 1930

Am Samstag vorher druckt das Tagblatt die Elf und warnt: Deutschland könne »nicht einmal seine beste Mannschaft stellen«, die Schweizer hätten sich im letzten Jahr wesentlich verbessert. Es sei nicht allzu viel Zuversicht angebracht, nur die Hoffnung auf einen knappen Sieg bleibe. Reichstrainer Otto Nerz hat drei Neulinge aufgeboten: Heinrich Hergert in der Läuferreihe, Josef Bergmaier rechts außen und Huber links.

Im Hardturm drängen sich 25.000 Zuschauer bei bewölktem, warmem Wetter, das Stadion ist ausverkauft. Schiedsrichter ist der Engländer Stanley Rous. In der 8. Minute trifft Richard Hofmann, dann kommt der Block kurz vor der Pause: Ernst Kuzorra in der 38., Hofmann in der 40., Kuzorra in der 41. Minute, 4:0 zur Halbzeit. Kuzorra legt in der 76. Minute das 5:0 nach, nach DFB-Datencenter; das Tagblatt nennt zum Teil andere Minuten.

Schweiz – Deutschland 0:5 in Zürich · Huber links außen, drei Debütanten in der Elf
Schweiz – Deutschland 0:5 in Zürich · Huber links außen, drei Debütanten in der Elf

Für Huber ist es ein Nachmittag der kleinen Dinge. Nach der Pause verschießt er, so das Tagblatt, »nur knapp«. In der Abseitsfalle der Schweizer bleibt er hängen. Die Zeitung hebt andere hervor: Die Läuferreihe sei die Überraschung des Tages gewesen, Willibald Kreß im Tor habe »ohne die geringste Nervosität« gefangen, Kuzorra rühmt sie für Technik, Tempo und Schussfreude. Bergmaier auf dem rechten Flügel sei besser als Huber gewesen. Nach dem Abpfiff, schreibt das Blatt, tragen Zuschauer Spieler der deutschen Elf auf den Schultern vom Platz. Den ganzen Spielverlauf erzählt der Spielbericht.

Danach: Auswahl, Pforzheim, Rastatt

Sechs Tage später spielt Deutschland in Berlin 3:3 gegen England, und Huber ist nicht dabei. Ein Grund wird nirgends genannt. Auf der Auswahlebene bleibt er aber im Blick: Am 31. August 1930 steht er in Hamburg in der süddeutschen Elf, die im Rahmen der Jubiläumsfeiern des Norddeutschen Sportverbands gegen Norddeutschland antritt. Das Tagblatt schreibt am Montag, besonders gefallen hätten Torwart Kreß, der Pirmasenser Hergert und die beiden Außenstürmer »Bergmaier-München und Huber-Rastatt«. Nach der Wikipedia gibt es zwei Berufungen in den süddeutschen Verband, gegen Norddeutschland und gegen eine Wiener Auswahl.

Von 1933 bis 1936 spielt Huber für den 1. FC Pforzheim in der Gauliga Baden, laut Wikipedia als Stürmer. 1936/37 ist er zurück in Rastatt: Der Verein steigt als Neuling in die Gauliga auf und als Letzter von zehn gleich wieder ab. 1939 fusionieren die Rastatter mit Frankonia zum FC Rastatt 04, bis 1941 gelingt zweimal der Wiederaufstieg in die Gauliga, 1944/45 gibt es keinen regelmäßigen Spielbetrieb mehr. 1946 gewinnt er nach der Wikipedia mit dem Rastatter Verein den Südbadischen Pokal. Alfred Huber stirbt am 25. Januar 1986 in Rastatt.

Huber, nicht Huber

Der Name ist häufig. Die Wikipedia führt unter »Alfred Huber« einen Bildhauer, einen Augenarzt, einen Mathematiker, einen Tennisspieler und einen Komponisten. Gemeint ist hier der Fußballer, Jahrgang 1910. Auch der zweite Nationalspieler dieses Namens, Lorenz Huber vom Karlsruher FV, ist ein anderer Mann: Er bestritt 1932 in Budapest sein einziges Länderspiel. Bei der Position gehen die Quellen auseinander. Lexikon und Tagblatt nennen Alfred Huber Linksaußen, die englische Wikipedia Stürmer, die deutsche zugleich Abwehrspieler.

Alfred Huber auf einen Blick

Geboren: 29.1.1910 in Konstantinopel/Istanbul
Gestorben: 25.1.1986 in Rastatt
Vereine: Rastatter FV 04 (1925–1933, 1936–1939), 1. FC Pforzheim (1933–1936), FC Rastatt 04 (1939–1946)
Position: Linksaußen (Lexikon 1939, Tagblatt)
Beruf: Schlosser (Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg), kein Tor (1930)
Erfolge: Südbadischer Pokalsieger 1946 (nach der Wikipedia), zwei Berufungen in die Auswahl des Süddeutschen Fußball-Verbands

Länderspiele

Quellen