Josef Bergmaier – das Tor nach einer Minute
Das Spiel in Oslo war noch keine Minute alt, da stand es schon 1:0 für Deutschland. Am 21. Juni 1931 brach Josef Bergmaier im Ullevaal-Stadion durch, führte den Ball, wie das Darmstädter Tagblatt schrieb, »in schnellem Lauf glänzend«, zog nach innen und schoss platziert ein. Es blieb sein einziges Länderspieltor. Reichstrainer Otto Nerz baute seine Elf nach Schulze-Marmeling vor fast jedem Spiel um, und der Rechtsaußen vom FC Bayern war mal dabei und mal nicht. Acht Länderspiele standen am Ende, ein Tor und eine Meisterschaft mit seinem Verein.
»Bergmaier unternahm einen Durchbruch, führte in schnellem Lauf den Ball glänzend, kurvte nach innen und schoß placiert ein.«
Von Pasing zu den Rothosen
Josef Franz Bergmaier kommt am 5. März 1909 in Pasing bei München zur Welt, damals noch ein eigener Ort, seit 1938 ein Stadtteil. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt als erste Station den SV Pasing, die Wikipedia die TSG 1888 Pasing und, nach Fritz Tauber, davor den TV 1888 München von 1917 bis 1923. 1925 geht er zum FC Wacker München, 1929 zum FC Bayern. Als Beruf gibt das Lexikon Lichtspielhausbesitzer an, nach der Wikipedia führt er in Pasing ein Kino.
Bei Bayern ist er von 1929 an Rechtsaußen, »schnell und dribbelstark«, wie die Wikipedia schreibt. Gleich in seiner ersten Saison wird der Verein südbayerischer Meister, 1932 noch einmal. Zusammen mit seinem Freund Franz Krumm bildet er einen gefürchteten rechten Flügel, und als 1931 der Torjäger Oskar Rohr aus Mannheim kommt, steht Bayern, so die Wikipedia, unter Trainer Richard Kohn und Präsident Kurt Landauer als deutscher Spitzenverein da.
Den Höhepunkt erlebt er im Frühsommer 1932. Bayern wird Zweiter der süddeutschen Meisterschaft und spielt in der Endrunde um den deutschen Titel, Bergmaier ist ab dem Viertelfinale dabei: 3:2 gegen den Chemnitzer PSV, 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Am 12. Juni 1932 gewinnt Bayern in Nürnberg vor 55.000 Zuschauern 2:0 gegen Eintracht Frankfurt. Auf der anderen Seite stehen mit Franz Schütz, Hans Stubb und Hugo Mantel drei Männer, mit denen er schon in der Nationalelf gespielt hat. Die Tore schießen nach der Endspieltabelle Rohr (36., Strafstoß) und Krumm (75.). Die Wikipedia nennt Bergmaier den überragenden Spieler dieses Tages, er habe beide Tore vorbereitet. Die englische Wikipedia lässt ihn beide selbst schießen, das stimmt mit der Tabelle nicht überein. Der »Kicker« schrieb über den Bayern-Sieg, so die Wikipedia nach Schulze-Marmeling, wenn Rohr, Schmid II oder Bergmaier den Ball hatten, habe kein Gegner gewusst, was kam.
Rechtsaußen für Nerz
Am 4. Mai 1930 steht er zum ersten Mal in der Nationalelf, im Hardturm in Zürich, mit Heinrich Hergert und Alfred Huber als einer von drei Neulingen. Deutschland gewinnt 5:0. Das Tagblatt vom 5. Mai findet, Bergmaier auf dem rechten Flügel sei besser gewesen als Huber auf der anderen Seite, der noch auf die Abseitsfalle hereinfalle.
Sechs Tage später, am 10. Mai 1930, kommt England nach Berlin, zum ersten Mal in einem A-Länderspiel gegen Deutschland, 50.000 Zuschauer im Deutschen Stadion. Nach der Pause liegt Deutschland 1:2 zurück. Nach dem Tagblatt vom 11. Mai sind »Bergmaiers Dribblings« jetzt ausgezeichnet, er verstehe sich jetzt ausgezeichnet mit Josef Pöttinger. Kurz nach dem Wiederanpfiff zieht er davon und flankt zur Mitte, Ludwig Hofmann nimmt den Ball auf, spielt zu Richard Hofmann, und der trifft zum 2:2. Hofmann schießt am Ende alle drei deutschen Tore, es bleibt beim 3:3. In der Gesamtkritik heißt es, im Sturm sei Bergmaier nach der Pause »sehr gut« gewesen.
Dann dauert es bis März 1931. Vor dem Spiel in Paris sieht das Tagblatt ihn bei einem Übungsspiel in Karlsruhe: Welker sei als Rechtsaußen gut gewesen, »Bergmaier spielte aber raffinierter«. In Paris verliert Deutschland 0:1. Bergmaier beginnt als Rechtsaußen, nach der Pause stürmt er auf links, rechts spielen Sigmund Haringer und der eingewechselte Hans Welker. Eine seiner Flanken nimmt Richard Hofmann aus der Luft, der Schuss geht um Millimeter am Pfosten vorbei. Das Tagblatt vom 16. März urteilt über den Sturm: Bergmaier sei »brauchbar, mehr nicht« gewesen.
Am 24. Mai 1931 geht in Berlin gegen Österreich alles daneben, das Spiel endet 0:6. Der Rechtsaußen liefert nach dem Tagblatt vom 26. Mai »ebenfalls eine gute Partie«, verständigt sich aber nur mit Hanne Sobek. Vier Tage vor Oslo spielt er in Stockholm 0:0. Am 25. September 1932 steht er beim 4:3 gegen Schweden in Nürnberg im Sturm, mit Krumm auf dem rechten Flügel. Das Tagblatt schreibt am nächsten Tag: »Diesmal enttäuschte der rechte Flügel stark«, die vier Treffer seien in erster Linie dem Düsseldorfer Linksaußen Stanislaus Kobierski zu verdanken.
Der große Tag: Oslo, 21. Juni 1931
Vier Tage nach dem torlosen Spiel in Stockholm schließt Deutschland die Nordlandreise im Osloer Ullevaal-Stadion ab. Es regnet, am Schluss noch stärker. Das Tagblatt zählt 25.000 Zuschauer, die norwegische Angabe lautet 17.000. Pfeifen muss der Schwede Ivan Eklind. Willibald Kreß steht im Tor, Bergmaier spielt rechts außen.
In der ersten Minute bricht Bergmaier durch und trifft. Nach der Wikipedia war er der erste deutsche Nationalspieler, dem ein Tor in der ersten Spielminute gelang. Norwegen findet sich schnell: Sten Moe gleicht nach dem DFB-Datencenter in der 12. Minute aus, das Tagblatt nennt die 15. und erzählt, Kreß habe den Ball zu lange gehalten und der Schiedsrichter habe Freistoß im Strafraum gegeben. Mit 1:1 geht es in die Pause. In der 60. Minute legt Sobek für August Sackenheim auf, Sackenheim flankt, und der Kieler Johannes Ludwig trifft zum 2:1. Moe gleicht in der 61. Minute nach dem DFB aus, nach dem Tagblatt zwei Minuten später durch den norwegischen Rechtsaußen. In der zweiten Halbzeit bleibt nach dem Tagblatt ein Elfmeter für Deutschland aus, weil der Schiedsrichter ein Foul an Ludwig nicht ahndet.
Das Tagblatt sieht einen im Allgemeinen gleichwertigen Kampf. Die rechte Seite Bergmaier–Sobek nennt es »technisch recht gut, aber zu langsam«, bester Mann der Fünferreihe sei Ludwig gewesen. Und ohne Kreß, einen »Hüter von internationaler Extraklasse«, wäre aus dem Remis in den Schlussminuten sehr wahrscheinlich eine Niederlage geworden. Nach dem 0:0 von Stockholm könne man mit dem 2:2 im Großen und Ganzen zufrieden sein. Für Bergmaier bleibt aus diesem Spiel der Eintrag in der Statistik: ein Tor, in der ersten Minute.
Der Meistertag: Nürnberg, 12. Juni 1932
Das Endspiel gegen Eintracht Frankfurt ist nicht sein Länderspiel, aber sein größter Vereinstag. Die Aufstellung nach der Endspieltabelle der Wikipedia: Lechler im Tor, Heidkamp und Haringer in der Verteidigung, Nagelschmitz, Goldbrunner und Breindl in der Läuferreihe, davor Bergmaier, Krumm, Rohr, Schmid und Welker. Schiedsrichter ist Alfred Birlem aus Berlin, Trainer Richard Kohn. Zur Pause steht es 1:0.
Bologna und das Ende der Länderspiele
Sein letztes Länderspiel ist am Neujahrstag 1933 das 1:3 in Bologna. Er bildet nach der Wikipedia mit Krumm den rechten Flügel, Rohr schießt schon nach wenigen Minuten das deutsche Tor. Das Tagblatt vom 2. Januar schildert, wie Bergmaier kurz vor Schluss drei Italiener umspielt, dann aber auf Richard Malik abgibt, statt selbst zu schießen. Es urteilt über die Bayern-Stürmer, sie hätten enttäuscht, von Bergmaier habe man »viel mehr erwartet«. Gusti Wieser, der österreichische Rekordinternationale, sagt dem Sonderberichterstatter der Zeitung: »Sehr schwach dagegen waren Krumm, Bergmaier und Knöpfle.«
Im Oktober 1933 fehlt er in der neuen Elf gegen Belgien. Nach Schulze-Marmeling zählt er zu denen, die ihren Abschied aus der Nationalelf »verkündet – bzw. verkündet bekommen« hätten. Für die Auswahl von Bayern spielt er danach noch: Nach der Wikipedia gewinnt er mit ihr am 6. August 1933 in München das Wiederholungsspiel im Wettbewerb der Gauauswahlen um den Adolf-Hitler-Pokal 1933 mit 6:1 gegen Berlin-Brandenburg.
Die späten Jahre
Bis zum Ende der Saison 1937/38 spielt Bergmaier für Bayern in der Gauliga Bayern. Im September 1938 wechselt er mit Krumm zum TSV 1860 München, wo er laut Wikipedia nach Anton Löffelmeier nur noch bei den Alten Herren spielt. In der ersten Kriegsrunde 1939/40 steht er wegen Spielermangels noch einmal in der Liga. Nach der Wikipedia beantragte er am 20. Dezember 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen; sie nennt dafür das Bundesarchiv.
Josef Bergmaier fällt am 5. März 1943 als Soldat der Wehrmacht, an seinem 34. Geburtstag (die deutsche Wikipedia schreibt irrtümlich vom 38.). Die deutsche Wikipedia nennt als Ort Ljada bei Loknja im Gebiet Pskow, die englische die Gegend von Orjol. Nach den Vereinsunterlagen kamen 56 Mitglieder des FC Bayern im Krieg ums Leben, darunter die Nationalspieler Bergmaier und Krumm. Krumm, Freund und Nebenmann auf dem Flügel, starb nach der englischen Wikipedia vier Tage später unter ähnlichen Umständen.
Josef Bergmaier auf einen Blick
Geboren: 5.3.1909 in Pasing bei München
Gestorben: 5.3.1943 an der Ostfront (Ort nach den Quellen unterschiedlich)
Vereine: SV Pasing, FC Wacker München (1925–1929), FC Bayern München (1929–1938), TSV 1860 München (ab 1938)
Position: Rechtsaußen
Beruf: Kinobesitzer in Pasing
Erfolge: Deutscher Meister 1932 mit dem FC Bayern, Südbayerischer Meister 1930 und 1932
Bilanz: 8 Länderspiele (2 Siege, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen, Torverhältnis 15:18), 1 Tor, 1930–1933
Länderspiele
- 04.05.1930 Schweiz – Deutschland 0:5
- 10.05.1930 Deutschland – England 3:3
- 15.03.1931 Frankreich – Deutschland 1:0
- 24.05.1931 Deutschland – Österreich 0:6
- 17.06.1931 Schweden – Deutschland 0:0
- 21.06.1931 Norwegen – Deutschland 2:2 – 1 Tor
- 25.09.1932 Deutschland – Schweden 4:3
- 01.01.1933 Italien – Deutschland 3:1
Quellen
- Wikipedia: Josef Bergmaier
- Wikipedia (en): Josef Bergmaier
- DFB-Datencenter: Josef Bergmaier
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1931/32
- FC Bayern München: 1933 bis 1965, harte Zeiten und Wiederaufbau
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- Darmstädter Tagblatt, 5. Mai 1930
- Darmstädter Tagblatt, 11. Mai 1930
- Darmstädter Tagblatt, 12. März 1931
- Darmstädter Tagblatt, 16. März 1931
- Darmstädter Tagblatt, 26. Mai 1931
- Darmstädter Tagblatt, 22. Juni 1931
- Darmstädter Tagblatt, 26. September 1932
- Darmstädter Tagblatt, 2. Januar 1933