Hans Welker – ein Münchner Außenstürmer zwischen Paris und Meisterschaft

Sein einziges Länderspiel dauerte für Hans Welker gut eine Stunde. In Paris kam er am 15. März 1931 für den verletzten Ludwig Hofmann ins Spiel, Deutschland verlor 0:1, und der Münchner Außenstürmer wurde nie wieder berufen. Seinen großen Tag erlebte er vierzehn Monate später in Mannheim. Da schoss er den FC Bayern in die Endspielrunde, und wenig später war Bayern Deutscher Meister.

Hans Welkers Laufbahn · FC Bayern München 1925–1939, ein Länderspiel und die Meisterschaft 1932
Hans Welkers Laufbahn · FC Bayern München 1925–1939, ein Länderspiel und die Meisterschaft 1932

»Welker erreichte das Leder zuerst und schoß es ins leere Tor.«

— Darmstädter Tagblatt, 30. Mai 1932, über das 2:0 im Halbfinale gegen den 1. FC Nürnberg

Ein Außenstürmer vom FC Bayern

Hans Welker wird am 21. August 1907 in München geboren, so die Wikipedia, das DFB-Datencenter und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939. Das Lexikon nennt München als Heimatort und als Stammposten Rechts- und Linksaußen. Beruflich ist er Milchgeschäftsinhaber, nebenamtlich Trainer. Als Vereine führt es Bayern München und »Alte Haide«; was es mit dem zweiten Namen auf sich hat, sagen die Quellen nicht.

Die Wikipedia lässt ihn aus der Jugend des FC Bayern kommen. 1925 rückt er in die erste Mannschaft auf, in der er bis 1933 in der Bezirksliga Bayern spielt, von 1933 bis 1938 in der Gauliga Bayern und 1939 in der Sportbereichsklasse Bayern. Nach der Wikipedia ist er mit den Bayern Süddeutscher Meister 1926 und 1928. Die Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1928 bestreitet er in drei Spielen, die Bayern scheiden im Halbfinale aus: Am 22. Juli 1928 verlieren sie in Duisburg 2:8 gegen den Hamburger SV. Im Jahr darauf sind es zwei Spiele, dann stoppt der Breslauer SC 08 den Verein im Viertelfinale, 4:3 nach Verlängerung. Insgesamt zählt das Datencenter neun Endrundenspiele für ihn.

Paris, März 1931

Am 11. März 1931 sieht ihn das »Darmstädter Tagblatt« in Karlsruhe, beim Probespiel der DFB-Auswahl vor 7.000 Zuschauern auf dem schneebedeckten, spiegelglatten Platz des Karlsruher FV. Welker spielt Rechtsaußen. Das Blatt schreibt: »Welker als Rechtsaußen war gut, Bergmaier spielte aber raffinierter.« Dem Josef Bergmaier gibt der DFB am Ende den Vorzug. Zwei Tage später steht Welker auf der Ersatzliste, gemeinsam mit dem Bayern-Kollegen Sigmund Haringer; beide sind als Stürmer vorgesehen.

Haringer spielt in Paris von Anfang an. Welker kommt in der 31. Minute, nach dem Tagblatt in der 35., für den verletzten Ludwig Hofmann. Deutschland liegt da schon zurück: In der 14. Minute hat Reinhold Münzenberg eine Flanke von Langiller ins eigene Tor gelenkt. Im Stade de Colombes sind nach dem DFB-Datencenter 40.076 Zuschauer, Schiedsrichter ist der Engländer Tom Crewe. Nach der Pause stürmt rechts das Bayern-Duo, Haringer und Welker, links Bergmaier. Das Tagblatt urteilt über Welker: »auch Welker war nicht gerade schlecht«, besondere Leistungen sehe man aber von all diesen Spielern nicht. Am Ende steht es 0:1. Welker bekommt kein zweites Länderspiel. Die Spielbericht-Seite erzählt das Spiel im Ganzen.

Der große Tag: Mannheim, 29. Mai 1932

Ein gutes Jahr später ist Welker eine der Stützen eines Bayern-Angriffs, den die Wikipedia nach Schulze-Marmeling wohl für den besten im deutschen Fußball hält: Bergmaier, Franz Krumm, Oskar Rohr, Hans Schmid und Welker. Süddeutscher Vizemeister, hinter Eintracht Frankfurt, sind die Münchner, Trainer ist Richard Dombi. Im Achtelfinale schlagen sie am 8. Mai Minerva 93 Berlin 4:2, im Viertelfinale am 22. Mai in Leipzig den PSV Chemnitz 3:2. Nach der Wikipedia bringt Welkers Tor dabei die zwischenzeitliche 2:1-Führung.

Dann kommt Mannheim. Der Gegner ist der 1. FC Nürnberg, der bis dahin fünfmal Deutscher Meister war, vor 35.000 Zuschauern, geleitet von dem Hamburger Schiedsrichter Trimpler. Die Halbzeit endet 0:0. Nach der Pause, so das Tagblatt, tauen die Münchner nach etwa zehn Minuten Nürnberger Überlegenheit plötzlich auf. »Die Außenstürmer Bergmaier und Welker kamen in eine prächtige Fahrt.« Dann der Spielzug, den die Zeitung beschreibt: über das ganze Feld, Welker, Krumm, Bergmaier, und Rohr schießt aus 18 Metern ein, nach dem DFB-Datencenter in der 57. Minute. Das 2:0 kommt nach dem Tagblatt aus einer Flanke Bergmaiers, bei der Welker und Nürnbergs Torwart Köhl gleichzeitig starten. Welker ist zuerst am Ball und schiebt ins leere Tor, nach dem DFB-Datencenter in der 68. Minute.

Bayern München – 1. FC Nürnberg 2:0 · Welkers Tor zum 2:0 im Halbfinale 1932
Bayern München – 1. FC Nürnberg 2:0 · Welkers Tor zum 2:0 im Halbfinale 1932

Bayern zieht sich danach zurück, verstärkt die Läuferreihe mit den Halbstürmern, und fünf Minuten vor Schluss muss Breindl verletzt vom Platz, doch mit zehn Mann hält die Elf. Die Zeitung nennt den Nürnberger Mittelläufer Kalb den Schwachpunkt und im Bayern-Sturm den Halblinken Schmid den besten Mann. Welker stand 1932 in allen vier Endrundenspielen der Bayern, jedes davon gewann der Verein (DFB-Datencenter).

Meister

Am 12. Juni 1932 folgt in Nürnberg das Endspiel gegen Eintracht Frankfurt. Nach der Wikipedia ist es 30 Grad heiß, 55.000 Zuschauer sind im Stadion, und Rohr verwandelt in der 35. Minute einen Elfmeter, nachdem der Frankfurter Hans Stubb auf der Linie die Hand zu Hilfe genommen hat. In der 75. Minute entscheidet Krumm das Spiel, 2:0. Welker steht, nach der Aufstellung der Wikipedia, als Linksaußen im Angriff. Es ist die erste deutsche Meisterschaft des FC Bayern.

Nach dem Titel

Die Meisterschaft bleibt die einzige. Präsident Kurt Landauer musste nach der Wikipedia im Jahr 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung auf politischen Druck zurücktreten, Trainer Dombi ging in die Schweiz. Welker bleibt bei Bayern, spielt in der Gauliga und, nach der Wikipedia, noch 1939 in der Sportbereichsklasse. Das DFB-Datencenter führt ihn bis zum 30. Juni 1939 beim Verein. Er stirbt am 24. Juli 1968 in München.

Hans Welker auf einen Blick

Geboren: 21.8.1907 in München
Gestorben: 24.7.1968 in München
Verein: FC Bayern München (Jugend, erste Mannschaft 1925–1939)
Position: Rechts- und Linksaußen
Beruf: Milchgeschäftsinhaber, nebenamtlich Trainer (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1931)
Erfolge: Süddeutscher Meister 1926 und 1928, Deutscher Meister 1932

Länderspiele

Quellen