Franz »Fasa« Krumm – der Flügel, der Bayern den ersten Titel schoss

Nürnberg, Städtisches Stadion, zwei Mal im Jahr 1932. Am 12. Juni steht Franz Krumm vor 55.000 Zuschauern im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. In der 75. Minute setzt er sich nach der Wikipedia auf der rechten Seite gegen zwei Frankfurter durch, zieht nach innen und schießt. Der Ball springt von der Innenseite des rechten Pfostens ins Netz, es steht 2:0, der FC Bayern ist zum ersten Mal Deutscher Meister. Am 25. September, gut dreieinhalb Monate später, spielt er wieder dort, diesmal im Nationaltrikot gegen Schweden, und schießt kurz vor der Pause das 3:1. Es sind seine zwei größten Tage. Länderspiele hat er nur zwei.

Franz Krumms Laufbahn · vom FC Bayern zur Nationalelf und an die Ostfront, 1930–1943
Franz Krumms Laufbahn · vom FC Bayern zur Nationalelf und an die Ostfront, 1930–1943

»Kein System mit immer den gleichen Mitteln, immer den gleichen Stellungen. Wenn Rohr und Schmid II oder Bergmaier den Ball hatten, dann wusste kein Gegner, was kam.«

— »Kicker« über den Meisterschaftssieg des FC Bayern 1932, zitiert nach der Wikipedia (dort nach Schulze-Marmeling)

Vom FC Vorwärts zu den Rothosen

Franz Krumm kommt am 16. Oktober 1909 zur Welt. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt München als Heimatort, die englische Wikipedia nur »Germany«. Seine ersten Jahre im Fußball verbringt er laut deutscher Wikipedia beim unterklassigen FC Vorwärts München. Zur Saison 1930/31 wechselt er zum FC Bayern, so die Wikipedia; das DFB-Datencenter führt seine Zeit bei Bayern ab dem 1. Juli 1931. Beruflich ist er nach dem Lexikon Werkmeister.

Bayern ist in dieser Zeit eine Mannschaft im Aufbruch. Trainer ist Richard Kohn, in Ungarn zum Doppelnamen Kohn-Dombi geworden, der in München »Little« Dombi genannt wird. In der Saison 1931/32 gewinnt Bayern die südbayerische Gruppe mit 13 Siegen, 2 Unentschieden und 3 Niederlagen bei 66:33 Toren und die Endrundengruppe der süddeutschen Meisterschaft mit 10-1-3 und 37:17.

Bei Bayern spielt er Halbrechts, neben seinem Freund Josef Bergmaier auf Rechtsaußen. Die Wikipedia nennt ihn einen schusskräftigen und mannschaftsdienlichen Dribbler, sein Spitzname sei »Fasa« gewesen. Das Lexikon von Knieriem und Grüne beschreibt ihn nach der Wikipedia als zurückhaltenden und bescheidenen Blondschopf. Mit Josef Bergmaier bildet er einen rechten Flügel, den die Wikipedia gefürchtet nennt. Als 1931 Oskar Rohr aus Mannheim kommt, hat Trainer Richard Kohn, genannt Dombi, einen Mittelstürmer, der Tore schießt. Präsident ist Kurt Landauer.

Der Titel von 1932

In der Saison 1931/32 gewinnt Bayern die südbayerische Meisterschaft und gegen 1860 München alle vier Spiele um die Gruppen- und die süddeutsche Meisterschaft, so die Wikipedia. Das süddeutsche Endspiel am 1. Mai 1932 im Stuttgarter Cannstatter Wasen, vor rund 20.000 Zuschauern, wird sieben Minuten vor dem Ende beim Stand von 2:0 für Frankfurt (Tore von Dietrich, 5. und 35. Minute) abgebrochen. Nach einem Handspiel von Stubb stürmen Zuschauer den Platz; Eintracht wird zum Südmeister erklärt. Für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft sind beide Vereine ohnehin qualifiziert.

In der Endrunde gewinnt Bayern jedes Spiel, und es sind fünf Neulinge in der Endrunde dabei: Lechler, Breindl, Bader, Rohr und Krumm. Im Achtelfinale am 8. Mai 1932 schlägt der Verein Minerva 93 Berlin 4:2, im Grünwalder Stadion an der Grünwalder Straße. Das Darmstädter Tagblatt spricht von gut 18.000 Zuschauern und schreibt drei Tore Krumm zu, eines Rohr; das Endrundenbuch (Libero) nennt 15.000 Zuschauer und kommt zu einem anderen Ablauf. Der Ablauf: Minerva führt durch Winzer (30.), Krumm gleicht zur Pause aus (45.), Rohr dreht das Spiel (52.), Iwankowski gleicht aus (55.), Krumm schießt das 3:2 (60.), und Rohr macht per Elfmeter in der 80. Minute alles klar. Krumm hat damit zwei Tore erzielt, so auch die Wikipedia; das Tagblatt zählt eines zu viel. Mit dem Treffer im Endspiel kommt er auf drei Endrundentore in vier Spielen, genau das, was das DFB-Datencenter führt.

Das Viertelfinale am 22. Mai im Leipziger Wacker-Platz gegen den PSV Chemnitz gewinnt Bayern 3:2 (3:1 zur Pause): Für die Münchner treffen Rohr (9.), Welker (30.) und Schmid II (37.), für Chemnitz Schneider (15.) und Helmchen (57.). 30.000 Zuschauer sind laut Libero dabei, Schiedsrichter ist Willi Siebert. Im Halbfinale in Mannheim am 29. Mai besiegt Bayern den 1. FC Nürnberg 2:0, vor 35.000 Zuschauern, durch Tore von Rohr (57.) und Welker (68.). Das Tagblatt beschreibt das erste Tor als Zug über das ganze Feld: Der Ball wandert über Welker, Krumm und Bergmaier zu Rohr, der aus 18 Metern einschießt.

Am 12. Juni folgt das Endspiel in Nürnberg, nach dem Libero-Endrundenbuch vor 55.000 Zuschauern, mit Alfred Birlem aus Berlin als Schiedsrichter. Die Münchner haben sich nach der Vereinschronik, die das Portal leinetal24 zitiert, vor dem Spiel in einem Hotel nahe dem Hauptbahnhof versteckt. Dann fällt das erste Tor: Nach einer Ecke von Bergmaier schießt Krumm, Frankfurts Stubb wehrt mit der Hand ab. Rohr, 20 Jahre alt, verwandelt den Elfmeter in der 36. Minute zum 1:0 (die Chronik erzählt, Heidkamp habe ihm den Ball zugeschoben). Bayern spielt ohne den linken Flügel Ludwig Hofmann, für ihn kommt Welker. In der 75. Minute entscheidet Krumm das Spiel. Auf der anderen Seite stehen unter anderem Hans Stubb, Rudolf Gramlich und Franz Schütz. Die Münchner Elf lautet Lechler – Haringer, Heidkamp – Breindl, Goldbrunner, Nagelschmitz – Bergmaier, Krumm, Rohr, Schmid II, Welker; für Frankfurt spielen Schmitt – Schütz, Stubb – Gramlich, Leis, Mantel – Schaller, Trumpler, Ehmer, Dietrich, Möbs. Wie das 2:0 genau fiel, erzählen die Quellen verschieden: Die Wikipedia lässt Krumm auf der rechten Seite zwei Frankfurter ausspielen, die Darstellung bei leinetal24 nach der Vereinschronik schreibt von einer schönen Kombination am linken Flügel. Auch bei den Zuschauern gibt es zwei Zahlen: 55.000 im Libero-Buch, 58.000 in der Chronik. Mit Bergmaier, Krumm, Rohr, Schmid und Welker habe Bayern, so die Wikipedia nach Schulze-Marmeling, wohl den besten Sturm im deutschen Fußball gehabt.

Gefeiert wird zwei Wochen lang, erzählt der Verteidiger Sigmund Haringer; am Tag nach dem Finale wird die Mannschaft in München festlich empfangen. Sigmund Haringer und Ludwig Goldbrunner stehen in derselben Elf, Oskar Rohr schießt die Tore.

Danach geht es bergab, jedenfalls was die Endrunde betrifft. 1932/33 gewinnt Bayern zwar wieder die südbayerische Gruppe (13-4-1, 63:14), wird in der Endrundengruppe der süddeutschen Meisterschaft aber nur Vierter mit 7-3-4 und 27:16, hinter 1860. In der Gauliga Bayern wird Bayern 1934, 1936 und 1937 jeweils Dritter, die Endrunde um die deutsche Meisterschaft erreicht der Verein bis 1938 nicht mehr. Die Wikipedia schreibt nach Schulze-Marmeling, die Machtübernahme der Nationalsozialisten habe den bürgerlichen Klub härter getroffen als so manchen früheren Arbeiterverein, vor allem weil er in der Münchner Öffentlichkeit als »Juden-Klub« firmierte.

Zwei Länderspiele

Zu Beginn der Länderspielsaison 1932/33 baut Reichstrainer Otto Nerz den Angriff fast vollständig um. Am 25. September 1932 steht in Nürnberg die Bayern-Seite des Sturms in der Elf: Bergmaier rechts, Krumm halbrechts, Rohr in der Mitte, dazu Richard Hofmann und Stanislaus Kobierski.

Der große Tag: Nürnberg, 25. September 1932

Deutschland spielt gegen Schweden. Rohr trifft in der 10. Minute, Kobierski in der 17., dann verkürzt Schwedens Harry Lundahl auf 1:2 (22.). In der 41. Minute stellt Krumm den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her: Nach dem Tagblatt legt Bergmaier ihm den Ball auf, er trifft zum 3:1. Das Tagblatt nennt die 40. Minute. In der zweiten Halbzeit kommt Schweden durch Kempe auf 3:2 heran, Rohr macht es zum 4:2, und kurz vor Schluss fällt das 4:3. Über den Torschützen sind sich die Quellen nicht einig: Das DFB-Datencenter nennt Erik Persson in der 78. Minute, das Tagblatt John Nilsson. Den Schlusspfiff gibt es bei einem schwedischen Eckball. Auch die Zuschauerzahl ist Quellensache: Das DFB-Datencenter nennt 30.000, das Tagblatt 45.000, niederländische Agenturmeldungen vom 26. September 30.000 und 55.000.

Deutschland – Schweden 4:3 in Nürnberg · Krumms Tor zum 3:1 in der 41. Minute
Deutschland – Schweden 4:3 in Nürnberg · Krumms Tor zum 3:1 in der 41. Minute

Es ist ein verdienter, aber knapper Sieg. Kobierski, so das Tagblatt am 26. September, habe angenehm überrascht, auf der anderen Seite aber habe ein enttäuschender rechter Flügel gestanden. In einem Kommentar heißt es: »Diesmal enttäuschte der rechte Flügel stark, und die vier Treffer des Tages sind in erster Linie dem überwiegenden Spiel des Düsseldorfer Linksaußen Kobierski zu danken.« Das Tor des Halbrechten steht trotzdem im Protokoll.

Das zweite und letzte Länderspiel bestreitet er am Neujahrstag 1933 in Bologna. Deutschland verliert 1:3 gegen Italien, das einzige deutsche Tor schießt Rohr in der 4. Minute nach Kobierskis Flanke. Das Tagblatt urteilt am 2. Januar, die Bayern-Stürmer hätten enttäuscht, und zu Krumm schreibt es: »Krumm war ein glatter Versager.« Der österreichische Rekordnationalspieler Gusti Wieser sagt dem Sonderberichterstatter: »Sehr schwach dagegen waren Krumm, Bergmaier und Knöpfle.« Beides sind Urteile nach einer Niederlage, und die Zeitung nannte das Ergebnis selbst »sehr ehrenvoll«; die Deutschen hatten nach der Berichtsseite sogar mit einem 1:5 gerechnet. Ein niederländischer Korrespondent schätzt die Kulisse in Bologna auf »omstreeks 35.000«, das Tagblatt auf über 50.000, das DFB-Datencenter nennt 30.000; eine andere niederländische Zeitung schreibt, die deutsche Elf sei »beneden de verwachting« geblieben, unter den Erwartungen. Italiens Monti brach sich in diesem Spiel das Bein.

Ein drittes Länderspiel folgt nicht. Vom 7. bis 19. Mai 1934 nimmt Krumm nach der Wikipedia am Lehrgang des DFB vor der Weltmeisterschaft teil, in den endgültigen WM-Kader kommt er nicht. Im Sommer 1933 spielt er mit der Auswahl Bayern im Wettbewerb um den damals so genannten Adolf-Hitler-Pokal. Am 16. Juli gewinnt Bayern das Halbfinale in München 6:2 gegen Hessen, Krumm trifft zum 4:0 (53.). Das Finale am 23. Juli im Berliner Grunewald-Stadion endet 2:2 nach Verlängerung, Krumm schießt das 1:0 (26.). Das Wiederholungsspiel am 6. August in Giesing gewinnt Bayern 6:1 gegen Berlin-Brandenburg, vor 30.000 Zuschauern und unter dem Schiedsrichter Peco Bauwens; Krumm trifft zum 5:1 (82.). Im Sturm spielen neben ihm Bergmaier, Rohr, Ludwig Lachner und Georg Frank.

Löwe, wieder Bayern, Ostfront

Bis zum Saisonende 1937/38 spielt Krumm in der Gauliga Bayern für den FC Bayern. Im September 1938 wechselt er mit Bergmaier zum Stadtrivalen TSV 1860, nach der Wikipedia nach Löffelmeier; Bergmaier spielt dort nur noch bei den Alten Herren. Krumm gehört der Elf an, die 1938/39 mit einem Punkt Rückstand auf den 1. FC Schweinfurt 05 Vizemeister wird, und er spielt beide Derbys gegen seinen alten Verein. Ab der Kriegssaison 1939/40 steht er wieder bei Bayern, Einsätze sind nach Schweers Derby-Buch bis 1940/41 belegt.

Das DFB-Datencenter führt ihn außerdem als DFB-Pokalsieger 1941/42. Das Endspiel des Tschammerpokals 1942 gewann 1860 München am 15. November in Berlin 2:0 gegen Schalke, und Krumm gehört nicht zur Elf. Die Angabe lässt sich daher nicht bestätigen; ob er für 1860 in den früheren Runden spielte, nennen die Quellen nicht.

Franz Krumm fällt als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Als Todestag nennt die deutsche Wikipedia den 9. März 1943, als Ort Litish bei Komaritschi in der Russischen Sowjetrepublik; die englische Wikipedia nennt dasselbe Datum und eine Stelle bei Komarichi und beruft sich auf die Gräberdatei des Volksbunds. Sein Freund und Flügelpartner Josef Bergmaier war nach den Angaben in dessen Biografie am 5. März 1943 gefallen, vier Tage zuvor.

Franz oder Franz?

Der Vorname ist häufig. Verwechseln sollte man Krumm nicht mit Franz Schütz, dem Frankfurter Verteidiger, der im Endspiel 1932 auf der Gegenseite stand. Schütz bestritt elf Länderspiele, Krumm die beiden gegen Schweden und Italien.

Franz Krumm auf einen Blick

Geboren: 16.10.1909 (München laut Lexikon 1939)
Gestorben: 9.3.1943 an der Ostfront (Litish bei Komaritschi laut deutscher Wikipedia)
Vereine: FC Vorwärts München, FC Bayern München (1930/31 laut Wikipedia, 1931 laut DFB, bis 1938), TSV 1860 München (1938/39), FC Bayern München (1939–1941)
Position: Halbrechter Stürmer
Beruf: Werkmeister (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 2 Länderspiele (1 Sieg, 1 Niederlage), 1 Tor (1932–1933)
Endrunde 1932: 4 Spiele, 3 Tore (Minerva 2, Endspiel 1)
Erfolge: Deutscher Meister 1932, südbayerischer Meister 1931, 1932 und 1933, Vizemeister der Gauliga Bayern 1938/39 mit 1860

Länderspiele

Quellen