Stanislaus Kobierski – Deutschlands erstes WM-Tor
Stanislaus „Tau" Kobierski von Fortuna Düsseldorf schreibt beim Auftaktspiel der WM 1934 gegen Belgien deutsche Fußballgeschichte: Sein Führungstreffer ist das erste deutsche Tor überhaupt bei einer Weltmeisterschaft. Es ist der Höhepunkt einer Karriere, die den schnellen Linksaußen bis in sowjetische Kriegsgefangenschaft führen sollte.
Meister mit Fortuna, Debüt bei der Weltmeisterschaft
Kobierski spielt zur Zeit der WM 1934 für Fortuna Düsseldorf und hatte mit dem Verein bereits 1933 die deutsche Meisterschaft gewonnen. Als schneller Linksaußen gehört er zum festen Bestandteil des deutschen WM-Kaders 1934 und bringt internationale Erfahrung aus einer Vielzahl von Länderspielen seit 1931 mit. Bereits vor der Weltmeisterschaft ist er ein gestandener Nationalspieler, der in der Qualifikation gegen Luxemburg im März 1934 mit zum Turnierkader reist.
WM 1934
Im Auftaktspiel gegen Belgien am 27. Mai 1934 erzielt Kobierski den Führungstreffer – das erste deutsche Tor in der Geschichte einer Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt. Deutschland gewinnt die Partie am Ende 5:2, nachdem auch Edmund Conen und Otto Siffling getroffen haben. Bei diesem Turnier kommt Kobierski in drei Partien zum Einsatz: gegen Belgien, gegen Schweden im Viertelfinale und gegen die Tschechoslowakei im Halbfinale, in dem die deutsche Mannschaft ausscheidet und für das die Spielseite auch die zeitgenössischen Presseurteile zu den einzelnen Spielern dokumentiert.
Eine Bilanz und ein ungeklärtes Geburtsdatum
Insgesamt bestreitet Kobierski 26 A-Länderspiele und erzielt neun Tore – eine Bilanz, die weit über die drei Partien bei der WM 1934 hinausreicht und bis in die Saison 1931/32 zurückgeht. Sein Geburtsdatum lässt sich bis heute nicht endgültig festlegen: Sekundärquellen nennen unterschiedliche Novemberdaten – den 13. oder den 15.11.1910 – ohne dass sich eines davon als gesichert erweist. Diese Biografie löst diesen Konflikt bewusst nicht auf, statt eines der beiden Daten vorzuziehen. Als entscheidende Primärspur gilt die Familienmeldekarte in Düsseldorf, die jedoch noch zu beschaffen ist und die Frage voraussichtlich erst klären wird, wenn sie ausgewertet werden kann.
Kriegsgefangenschaft und Rückkehr
Zur Biografie Kobierskis gehört auch sein späteres Schicksal, das wesentlicher Teil seiner Lebensgeschichte ist und nicht auf eine Randnotiz reduziert werden soll: Er geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1949 zurück – anderthalb Jahrzehnte nach seinem historischen Tor beim Auftaktspiel der WM 1934. Stanislaus Kobierski stirbt am 18. November 1972.
Stanislaus Kobierski auf einen Blick
Geboren: 13. oder 15.11.1910 (Datum in der Überlieferung umstritten)
Gestorben: 18.11.1972
Verein zur WM 1934: Fortuna Düsseldorf
Bilanz: 26 A-Länderspiele, 9 Tore
WM-1934-Einsätze: 3 (Achtelfinale gegen Belgien – Tor, Viertelfinale gegen Schweden, Halbfinale gegen die Tschechoslowakei)
Länderspiele
- 27.09.1931 Deutschland – Dänemark 4:2
- 06.03.1932 Deutschland – Schweiz 2:0
- 01.07.1932 Deutschland – Finnland 4:1
- 25.09.1932 Deutschland – Schweden 4:3
- 30.10.1932 Deutschland – Ungarn 1:2
- 04.12.1932 Deutschland – Niederlande 0:2
- 01.01.1933 Deutschland – Italien 1:3
- 19.03.1933 Deutschland – Frankreich 3:3
- 22.10.1933 Deutschland – Belgien 8:1
- 05.11.1933 Deutschland – Norwegen 2:2
- 03.12.1933 Deutschland – Polen 1:0
- 11.03.1934 Deutschland – Luxemburg 9:1 (WM-Qualifikation)
- 27.05.1934 Deutschland – Belgien 5:2 – Tor (WM, Achtelfinale)
- 31.05.1934 Deutschland – Schweden 2:1 (WM, Viertelfinale)
- 03.06.1934 Deutschland – Tschechoslowakei 1:3 (WM, Halbfinale)