Georg Frank – »Allan« und die vier Tore von Mannheim
In der achten Minute ist die Schweizer Abwehr schon geschlagen. Josef Pöttinger spielt durch, Georg Frank läuft allein aufs Tor und schiebt den Ball in die ungedeckte linke Ecke. So schreibt es das Darmstädter Tagblatt am 11. Februar 1929, und es ist erst der Anfang. In Mannheim trifft der Fürther noch dreimal, kurz vor der Pause, in der 61. und in der 72. Minute (nach dem DFB-Datencenter). Vier Tore in seinem zweiten Länderspiel, Deutschland gewinnt 7:1. Es ist der Nachmittag, an den man sich bei Frank erinnert, und er blieb sein größter im Nationaltrikot.
Wer ihn sucht, landet leicht beim Falschen. Andreas »Resi« Franz war ebenfalls Fürther Stürmer und ebenfalls Deutscher Meister 1929, spielte aber schon von 1922 bis 1926 für Deutschland. Seine Geschichte steht in Andreas Franz' Biografie. Hier geht es um den Mann mit dem »k«.
»… als er in seinem zweiten Länderspiel gleich vier Treffer erzielte und mit Bayerns ›Wiggerl‹ Hofmann ein fast blindes Verständnis zeigte.«
»Allan« aus Fürth
Georg Frank kommt am 14. Dezember 1907 in Fürth zur Welt. Das stimmt in der Wikipedia, in der Kleeblatt-Chronik der Spielvereinigung und im Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 überein. Das Lexikon führt ihn als städtischen Angestellten, nach der Wikipedia arbeitete er beim städtischen Betriebsamt. Er fängt beim TV Fürth 1860 an, spielt beim FC Fürth und kommt 1926 zur SpVgg. Die Chronik nennt als Eintritt den Juli 1926, die Wikipedia die Hinrunde 1926/27. Danach wechselt er nie wieder.
Seinen Spitznamen hat er von Freunden. Der Held eines Jugendschmökers jener Zeit hieß »Frank Allan«, erklärt die Chronik, und aus Georg Frank wurde »Allan« Frank.
Der Einstieg geht schnell. Nach der Wikipedia steht der noch nicht 19-Jährige am 5. Dezember 1926 auf einer Spanienreise gegen den FC Barcelona auf dem Platz, Fürth gewinnt 1:0. In der Bezirksliga debütiert er am 25. Dezember 1926 beim 5:1 beim ASV Nürnberg. Bald ist er laut Chronik Stammspieler auf der halblinken Position. Im August 1927 erzielt er im süddeutschen Pokalfinale gegen den FSV Frankfurt alle drei Tore zum 3:0, so die Wikipedia.
Ein Fürther in Nerz' Elf
Am 2. Oktober 1927 steht Frank in Kopenhagen zum ersten Mal im Nationaltrikot, mit den Fürther Kameraden Ludwig Leinberger und Georg Kießling. Otto Nerz hat nach Schulze-Marmeling neun Neulinge aufgeboten. Deutschland verliert 1:3, Kießling schießt das einzige Tor, Frank bleibt ohne. Unter den Debütanten ist auch der Meeraner Richard Hofmann. Es ist der Mann, der Frank später den Platz im Länderspielteam wegnimmt.
Das Lexikon von 1939 nennt als Stammposten »Halblinks und Linksaußen«, Schulze-Marmeling nennt ihn Linksaußen, die Chronik Halblinken. Die Wikipedia beschreibt ihn als Angreifer mit kräftigem Schuss.
Nach Kopenhagen vergehen 16 Monate bis zum nächsten Länderspiel.
Der große Tag: Mannheim, 10. Februar 1929
Am 10. Februar 1929 ist das Mannheimer Stadion schon Tage vorher so gut wie ausverkauft, am Ende drängen sich laut Tagblatt 30.000 Menschen hinein. Die Stadt hat die Schweizer am Samstagabend mit einem Fackelzug empfangen. Auf dem Platz ist es kalt, das Feld vom Schnee geräumt, der Boden glatt, die Pause wird auf 20 Minuten verlängert. Schulze-Marmeling spricht von minus fünf Grad und Schneeboden. Im Tor steht erstmals der Frankfurter Willibald Kreß, weil der Nürnberger Heiner Stuhlfauth und Josef Hornauer verletzt fehlen.
Dann spielt Frank. Das 1:0 in der 8. Minute fällt nach der Vorlage Pöttingers. Beim 2:0 hat der Schweizer Torwart Frank Sechehaye mehr als drei Schritte mit dem Ball gemacht, Frank tritt den Freistoß, Hanne Sobek leitet ihn ins Netz. Kurz vor der Pause erwischt Frank bei einem Angriff des ganzen Sturms den Ball und schießt ihn dem fallenden Sechehaye unter dem Körper hindurch zum 3:0 ein. Nach dem Wechsel erzielt Pöttinger nach einer Kombination über Ludwig Hofmann und Frank das 4:0, dann trifft Frank selbst zum 5:0. Eine Viertelstunde vor dem Ende geht Hofmann durch, die Flanke kommt zu Frank, »und der schießt entschlossen ein«. 6:0. Sobek macht in der Schlussphase das 7:1.
Das Tagblatt urteilt, die deutsche Elf sei »um eine Klasse besser« gewesen als die Schweiz. Als besten Mann im Angriff nennt es Pöttinger, »ein Dirigent erster Klasse«. Weiter heißt es: »Frank und Hoffmann zeigten sich sehr schußfreudig.« Gemeint ist Ludwig Hofmann, das Tagblatt schreibt ihn mit zwei f. Die Minuten der Tore stammen hier vom DFB. Das Tagblatt zählt das 6:0 »eine Viertelstunde vor Schluß«, das wäre etwa die 75. Minute.
Ein Detail am Rande: Die Spielvereinigung spielt an diesem Tag in München gegen den DSV 2:2, mit vielen Ersatzleuten. Es fehlen Frank, Leinberger und Krauß, wie das Tagblatt vermerkt.
Turin: das Siegtor
Das nächste Spiel ist der Triumph von Turin. Am 28. April 1929 gewinnt Deutschland dort 2:1 gegen Italien. Es ist der erste deutsche Sieg gegen die Italiener, die beiden Spiele davor, 1923 in Mailand und 1924 in Duisburg, waren verloren gegangen. Frank hat nicht den besten Tag. Nach dem Tagblatt kämpft er sich »einigemale« durch, wird aber zu stark abgedeckt, und später heißt es: »Auch Frank, der allerdings am stärksten abgedeckt wurde, brachte den Ball selten durch.«
Dann, nach dem DFB in der 80. Minute, spielt sich der rechte Flügel durch. Ernst Albrecht flankt, Frank schießt »ohne zu zögern« ein, wie das Tagblatt schreibt. Der Rest ist die Geschichte von Heiner Stuhlfauth, der alles hält. Es ist Franks fünftes und letztes Länderspieltor.
Frankfurt und das Ende der Länderspielzeit
Am 2. März 1930 spielt Frank in Frankfurt zum letzten Mal für Deutschland, gegen Italien, vor mehr als 45.000 Zuschauern. Das Rückspiel geht 0:2 verloren. Das Tagblatt vom 3. März 1930 ist hart zu ihm: »Frank war eine Enttäuschung! Man hatte von ihm viel erhofft, er war aber zu zimperlich …«. Gegen Ende drückt er den Ball noch einmal aufs Tor, »Frank schießt eine Bombe«, aber Combi hält.
Danach ruft ihn Nerz nicht mehr. Die Chronik gibt den Grund: Auf Franks Posten spielte Richard Hofmann vom Dresdner SC, damals als bester Halbstürmer Europas gerühmt, und der war sein größter Rivale. Dabei trifft er für Fürth wie nie: 1929/30 stehen laut Chronik 40 Ligatore in 26 Spielen auf seinem Konto. Die Wikipedia rechnet die 40 auf, 24 in der Bezirksliga und 16 in der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft. Dass er trotzdem nur vier Länderspiele bestritten hat, nennt die Chronik Pech.
Deutscher Meister 1929
Der Titel kommt zwischen den beiden Italien-Spielen. Die Saison 1928/29 verläuft für Fürth zäh: Im Dezember 1928 verliert die Elf das Entscheidungsspiel um die Nordbayern-Staffel gegen den punktgleichen Club, und die süddeutsche Endrunde läuft nicht rund. Erst ein 2:0 am 2. Juni 1929 gegen den FSV Frankfurt bringt Fürth als dritten Südvertreter in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Dort schlägt die Spielvereinigung Fortuna Düsseldorf 5:1, den HSV in Altona 2:0 und im Halbfinale in Frankfurt Breslau 08 mit 6:1. Wie viele Tore Frank bis dahin erzielt, ist nicht eindeutig: Die Wikipedia spricht von vier bis zum Endspiel, in der Torschützenliste der Endrunde steht er insgesamt mit vier Treffern.
Am 28. Juli 1929 steht Fürth im Nürnberger Stadion Hertha BSC gegenüber, vor 50.000 Zuschauern (das Darmstädter Tagblatt vom 29. Juli 1929 nennt 52.000), Schiedsrichter ist Peco Bauwens. Es wird ein hitziger Nachmittag. Heinrich Auer bringt Fürth in der 14. Minute in Führung, Sobek gleicht in der 43. aus, in der 66. Minute schießt Frank das 2:1. Sobek trifft in der 76. noch einmal zum 2:2, Karl Rupprecht macht in der 85. Minute das 3:2. Der Berliner Torschütze ist Johannes Sobek, der Hanne Sobek aus Mannheim, mit dem Frank im Februar Tore geteilt hatte.
Das Darmstädter Tagblatt vom 29. Juli 1929 erzählt den Nachmittag etwas anders. Fürth spielte demnach mit Neger; Hagen, Kraus I; Röschke, Leinberger, Kraus II; Auer, Rupprecht, Franz, Frank, Kießling. Das 1:0 fällt in der 14. Minute nach einem Schuss von Kießling, den Frank im Nachsetzen ins leere Tor schiebt, die Wikipedia nennt Auer als Schützen. Fritze gleicht in der 40. Minute aus (Wikipedia: Sobek, 43.). Nach der Pause trifft Frank in der 17. Minute zum 2:1, Sobek köpft in der 30. zum 2:2, und das 3:2 durch Rupprecht fällt nach der Zeitung in der 42. Minute, nach einem Freistoß von Kießling für ein Foul an Frank. Die Zeitung urteilt: »der Halblinke Frank sehr gut«. Wer die Tore wann erzielte, lässt sich also nicht sicher sagen. Dass Frank Teil der Entscheidung war, steht in beiden Fassungen.
Die Kleeblatt-Chronik nennt als Datum des Endspiels den 28. Juni, die Wikipedia den 28. Juli. Die Chronik schreibt, Frank habe das zweite Tor erzielt, das passt zum 2:1.
Die späten Jahre
Die Bezirksliga gewinnt Fürth 1930 und 1931. In der Saison 1929/30 kommt Frank nach der Wikipedia auf 40 Tore, 24 in der Liga und 16 in der Endrunde, am 27. April 1930 schießt er beim 5:1 gegen Waldhof vier davon, am 26. April 1931 beim 4:2 gegen denselben Gegner noch einmal vier. Das Darmstädter Tagblatt vom 28. April 1930 meldet den 9:4 über Polizei Leipzig zum Auftakt der Endrunde. Am 1. Juni 1930 scheitert die Spielvereinigung in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft am Dresdner SC, 4:5 nach Verlängerung. In der 72. Minute bringt Frank sie zum 4:3 in Führung, Fürth spielt da schon in Unterzahl, weil Konrad Krauß in der 12. Minute vom Platz musste. Am 29. Juni schlägt die Mannschaft beim Turnier in Genf den französischen Pokalsieger FC Sète 4:3 nach Verlängerung und unterliegt im Viertelfinale der Wiener Vienna 1:7. 1931 wird die SpVgg süddeutscher Meister, in der Endrunde verliert sie am 17. Mai in Berlin 1:3 gegen Hertha.
Nach der Wikipedia und der Chronik holt Fürth 1935 noch die Gaumeisterschaft in Bayern, Frank bestreitet in diesem Jahr fünf Endrundenspiele, aber trifft nicht mehr. Insgesamt kommt er auf 16 Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft mit acht Toren. Am 24. Juli 1938 zeichnet ihn die Spielvereinigung nach 547 Spielen mit der Goldenen Ehrennadel aus. Die Chronik führt ihn bis 1944, in seiner letzten Saison mit einem Spiel in der Gauliga Nordbayern.
Georg Frank stirbt am 13. November 1944. Das Datum nennen die Wikipedia und die Chronik gleich, bei Ort und Umständen weichen sie ab. Die deutsche und die englische Wikipedia schreiben, er sei bei Skarżysko-Kamienna in Polen gestorben, die englische nennt ihn einen Gefallenen. Die Chronik schreibt dagegen, er sei in Russland von den eigenen Leuten erschossen worden, und nennt dafür keinen Beleg. Welche Angabe stimmt, lässt sich aus den benutzten Quellen nicht entscheiden. Er wurde 36 Jahre alt.
Georg Frank auf einen Blick
Geboren: 14.12.1907 in Fürth
Gestorben: 13.11.1944 (Ort und Umstände nach den Quellen unterschiedlich)
Spitzname: »Allan«
Vereine: TV Fürth 1860, FC Fürth, SpVgg Fürth (1926–1944)
Position: Halblinker, Linksaußen
Beruf: städtischer Angestellter
Erfolge: Süddeutscher Pokalsieger 1927, Deutscher Meister 1929, Süddeutscher Meister 1931, Bayerischer Gaumeister 1935
Bilanz: 4 Länderspiele (2 Siege, 2 Niederlagen), 5 Tore, 1927–1930
Länderspiele
- 02.10.1927 Dänemark – Deutschland 3:1
- 10.02.1929 Deutschland – Schweiz 7:1 – 4 Tore (8., 45., 61., 72.)
- 28.04.1929 Italien – Deutschland 1:2 – Tor zum 2:1 (80.)
- 02.03.1930 Deutschland – Italien 0:2
Quellen
- Wikipedia: Georg Frank (Fußballspieler)
- Wikipedia (en): Georg Frank
- Kleeblatt-Chronik: Georg Frank
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1928/29
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1929/30
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1930/31
- RSSSF: (West) Germany International Results
- DFB-Datencenter: Deutschland – Schweiz 7:1
- DFB-Datencenter: Italien – Deutschland 1:2
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Darmstädter Tagblatt, 11. Februar 1929
- Darmstädter Tagblatt, 29. April 1929
- Darmstädter Tagblatt, 3. März 1930
- Darmstädter Tagblatt, 29.7.1929 und 28.4.1930 (Endspiel- und Endrundenbericht)