Ludwig Leinberger – der Haberer vom Ronhof
Am Neujahrstag 1933 überreichte Vittorio Pozzo, Italiens Verbandskapitän, im Stadion von Bologna dem deutschen Spielführer einen Blumenstrauß. Der Mann, der ihn entgegennahm, hieß Ludwig Leinberger und spielte Mittelläufer bei der SpVgg Fürth. Deutschland verlor an diesem Tag 1:3. Es war sein 24. und letztes Länderspiel, und wie in den 23 davor schoss er kein Tor. Das war nicht seine Aufgabe. Leinberger sollte den Ball holen und weitergeben, und das tat er so, dass er in Fürth zum Publikumsliebling wurde und der Reichstrainer ihn über Jahre aufstellte. Dass er einen Rivalen in Nürnberg hatte, einen gewissen Hans Kalb, gehört zu seiner Geschichte wie die Meisterschaft.
»Dieser Fürther Odysseus war gleich diesem mit allen Wassern gewaschen, mit allen Salben gesalbt.«
Vom Nürnberger Jungen zum Fürther
Ludwig Leinberger kommt am 21. Mai 1903 in Nürnberg zur Welt. Mit neun fängt er beim TV 1846 Nürnberg an, mit 17 wechselt er zum FC Bayern 07 Nürnberg. Nach vier Spielzeiten dort und einem kurzen Gastspiel beim BSV Solingen 98 landet er im Februar 1925 bei der SpVgg Fürth, so die Wikipedia. Die Kleeblatt-Chronik führt Solingen bis Dezember 1924 und den Turnverein sowie Bayern 07 für die Jahre 1912 bis 1920 und 1920 bis 1924. Sie erzählt den Wechsel auch als Familiengeschichte, nach den Fotoalben seines Sohnes Heinz: Leinberger sei nicht ganz freiwillig nach Fürth gegangen, in Nürnberg habe Hans Kalb im Weg gestanden. Zu den Vereinsstationen, die die Wikipedia nennt, passt das nur halb, denn dort kommt der 1. FC Nürnberg gar nicht vor, sondern der Turnverein und Bayern 07.
Die Familie taucht in der Chronik als Fotoalbum auf. Aus dem Nachlass, den der Sohn Heinz Leinberger dem Fürther Archiv überlassen hat, stammen ein DFB-Ausweis, der Spielball aus seinem zehnten Länderspiel als Spielführer, eine Pin-Sammlung und Bilder aus dem Trainingslager: Leinberger mit Otto Nerz, mit Sepp Herberger, mit Helmut Schön, Leinberger beim »Ringen mit einem Kalb«, einer Bildunterschrift, die man als Wortspiel lesen darf. Auch ein Bruder, der Fußball spielte, kommt vor. Wer ihn nach den Fotos beschreibt, landet bei einem Mann, der »für jeden Spaß zu haben« war, so die Chronik. Das passt zum Spitznamen.
Fürth wird zu seinem Verein. Er hat Beruf und Fußball zu verbinden, laut Olympedia ist er zunächst Kaufmann und später Sportlehrer. Als wichtigsten Lehrer nennt der Sohn laut Chronik den englischen Trainer William Townley, den »Meistermacher« der frühen Fürther Jahre. Das ist die Sicht der Familie, geprüft ist sie nicht.
Acht Fürther Jahre in Zahlen
Die Kleeblatt-Chronik führt die Saisonbilanz Spiel für Spiel auf. Danach spielt Leinberger in seiner ersten Halbserie 1924/25 keine Punktspiele, kommt aber in drei Pokalspielen zu zwei Toren. Danach liest sich die Tabelle so:
- 1925/26: 23 Ligaspiele, 6 Tore, dazu 6 Pokalspiele (1 Tor) und 4 weitere Spiele
- 1926/27: 27 Ligaspiele, 5 Tore, 3 Pokalspiele (1 Tor), 3 weitere
- 1927/28: 26 Ligaspiele, 1 Tor, 2 Pokalspiele
- 1928/29: 30 Ligaspiele, 14 Tore, 4 weitere Spiele
- 1929/30: 27 Ligaspiele, 6 Tore, 4 weitere Spiele
- 1930/31: 22 Ligaspiele, 3 Tore, 2 weitere Spiele
- 1931/32: 21 Ligaspiele, 4 Tore
- 1932/33: 29 Ligaspiele, 2 Tore
Zusammen sind das 205 Ligaspiele und 41 Tore für das Kleeblatt. Für einen Mann, der mit Länderspielen kein einziges Tor verbindet, ist das eine hübsche Ausbeute. 14 Treffer in der Saison 1928/29 sind für einen Mittelläufer ein Ausreißer, und es ist die Saison der zweiten Meisterschaft. Wie viele davon Elfmeter oder Freistöße waren, verraten die Quellen nicht. Mit der Spielvereinigung wird er 1930 und 1931 Nordbayerischer Meister und 1931 auch Süddeutscher Meister. Dazu kommen die Siege im Süddeutschen Pokal: 1925 mit 2:0 gegen die Stuttgarter Kickers in München, 1926 mit 3:2 nach Verlängerung gegen den VfB Stuttgart in Frankfurt und 1927 mit 3:0 gegen den FSV Frankfurt in Stuttgart (Wikipedia, Süddeutscher Pokal).
Meister 1926 und 1929, ein Streit um ein Endspiel
Das DFB-Datencenter führt für Leinberger 15 Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft, verteilt auf fünf Jahre:
- 1926: 5:0 gegen Viktoria Forst (16. Mai), 4:0 gegen den Breslauer SC (30. Mai, Leipzig), 3:1 gegen Holstein Kiel (6. Juni, Düsseldorf), 4:1 gegen Hertha BSC (13. Juni, Finale)
- 1927: 3:1 bei den Vereinigten Breslauer Sportfreunden (8. Mai), 9:0 gegen die BFC Kickers 1900 (22. Mai, Nürnberg-Zabo), 1:2 gegen Hertha BSC (29. Mai, Leipzig)
- 1929: 5:1 gegen Fortuna Düsseldorf (16. Juni, Zabo), 2:0 beim Hamburger SV (30. Juni, Altona), 6:1 gegen den Breslauer SC (7. Juli, Frankfurt), 3:2 gegen Hertha BSC (28. Juli, Finale in Nürnberg)
- 1930: 4:1 gegen Tennis Borussia (18. Mai, Nürnberg), 4:5 nach Verlängerung gegen den Dresdner SC (1. Juni)
- 1931: 3:0 in Leipzig-Lindenau (10. Mai), 1:3 bei Hertha BSC (17. Mai, Poststadion)
Hier hakt die Geschichte. Der bisherige Lesertext folgte der Wikipedia-Biografie, nach der Leinberger beim 4:1 im Berliner Finale 1926 nicht zur Elf gehörte. Das DFB-Datencenter dagegen führt ihn für diesen 13. Juni 1926 mit, und auch die Wikipedia-Seite zur Meisterschaft 1925/26 nennt in der Läuferreihe Kießling, Urbel Krauß und Leinberger, Trainer war William Townley. Zwei Quellen gegen eine: Der Titel von 1926 ist also sehr wahrscheinlich auch sein Titel im Endspiel. Ganz geklärt ist es nicht, die Biografie-Seite der Wikipedia sagt das Gegenteil.
Am 28. Juli 1929 steht er jedenfalls beim 3:2 gegen Hertha im Nürnberger Stadion auf dem Platz. Es war ein Finale mit Spannung bis zum Schluss: Das DFB-Datencenter notiert Tore in der 14., 43., 66., 76. und 85. Minute, Sobek traf nach diesen Angaben zweimal. Den Schluss der Geschichte bildet das 3:2.
Genf 1930: Fürth zeigt sich Europa
Im Sommer 1930 reist die Spielvereinigung zum »Tournoi International de Football« nach Genf. Die Chronik nennt das einen Vorläufer eines Europapokals. Am 29. Juni schlägt Fürth den französischen Pokalsieger FC Sète nach 148 Minuten mit 4:3. Rupprecht schießt drei Tore (21., 23. und 148. Minute). Fürth muss auf Urbel Krauß verzichten, den der DFB gesperrt hat, dazu fehlen Konrad Krauß und Röschke. Leinberger spielt Mittelläufer. Im Viertelfinale am 2. Juli ist Schluss: First Vienna gewinnt 7:1, Rupprecht (22.) trifft zum Ehrentor. Turniersieger wird Újpest. Die Fürther Reisegruppe nennt die Chronik namentlich: Neger, Hagen, Kleinlein, Leinberger, Fürtsch, Auer, Rupprecht, Franz, Faust, Frank, Kießling, Beck, Wahl, Zeilein und Hans Krauß.
Der Mittelläufer neben Kalb
Die Beschreibungen sind sich verblüffend einig. Die Wikipedia nennt ihn »eisenhart, zäh und manchmal auch verbissen«, Schulze-Marmeling einen kompromisslosen Fußballer, dem der Ruf eines »Tanks« vorauseilte, einen Modellathleten, der seinen ganzen Körper einsetzte, um an den Ball zu kommen. Seine Freistöße, schreibt das Lexikon von 1939, kamen an die Wucht des Nürnbergers nicht heran. Dafür habe er andere Eigenschaften in die Waagschale geworfen, die ihn bisweilen selbst zu Kalbs besten Zeiten über diesen hinaushoben. Genannt wird er dort »Habberer«, in der Wikipedia, bei Olympedia und in der Fürther Chronik steht »Haberer«. Das Lexikon rühmt ihn als einen Mittelläufer, wie ihn die Geschichte der Spielvereinigung nur noch einmal mit Karl Burger aus der Vorkriegszeit gekannt habe.
Das Darmstädter Tagblatt sah das 1928 nüchterner. Nach dem 3:2 in Bern, Leinbergers zweitem Länderspiel, schrieb es am 16. April: »Leinberger ist natürlich kein Mittelläufer großen Formats, in Technik und ideenreichem Spiel wurde er von seinen Nebenleuten übertroffen, aber dafür arbeitete er in der Zerstörung mit letzter Hingabe.« Ein Foul von ihm hatte in dem Spiel einen Strafstoß gebracht, den der Schweizer Ramseyer daneben schoss. Das ist Presseurteil, ein einzelner Berichterstatter an einem einzelnen Nachmittag. Es trifft aber, was alle anderen auch sagen: Leinberger zerstörte, und er zerstörte mit Hingabe.
Länderspiele: Jahr für Jahr
1927: Debüt in Kopenhagen. Sein Debüt gibt er am 2. Oktober 1927. Deutschland verliert 1:3, Otto Nerz hat nach Schulze-Marmeling neun Neulinge aufgeboten, und Torwart Georg Ertl verliert mit drei schweren Fehlern den Kampf um den Posten gegen Heiner Stuhlfauth. Das Darmstädter Tagblatt hatte am 29. September noch Köhler als Mittelläufer gemeldet, in Kopenhagen steht dann Leinberger. Warum es anders kam, steht in den benutzten Quellen nicht. Im Sturm spielt mit Georg Kießling ein Fürther Kamerad, der in der 42. Minute das einzige deutsche Tor schießt, mehr über ihn bei Georg Kießling.
1928: Bern und Amsterdam. Im Frühjahr gewinnt er in Bern 3:2, im Mai fährt er zu den Olympischen Spielen nach Amsterdam. Beim 4:0 gegen die Schweiz am 28. Mai, so das Tagblatt vom 29. Mai, scheitern die Schweizer Tschirren und Jaeggi an Leinberger. Beim 1:4 gegen Uruguay bildet er mit Georg Knöpfle und Kapitän Hans Kalb die Läuferreihe, der Nürnberger in der Mitte, der Fürther daneben. Gegen Uruguay wird hart gespielt, am Ende stehen drei Platzverweise. In der 35. Minute läuft Petrone nach der Maasbode an Leinberger und Heinrich Weber vorbei und schießt das 1:0, kurz darauf wird Kalb nach den Statistiken in der 37. Minute vom Platz gestellt. Jetzt rückt Leinberger nach dem Tagblatt vom 4. Juni auf den Mittelläuferposten, Hornauer geht zurück auf den linken Läuferplatz. Das Blatt urteilt, die Läuferreihe habe befriedigt, solange Kalb im Spiel war. »Leinberger erreichte Kalb in der Mitte nicht, so sehr er sich bemühte.« Beim deutschen Ehrentor von Richard Hofmann, nach einem Freistoß, berührt Leinberger den Ball nach demselben Bericht nur leicht. Das Lexikon von 1939 schreibt, die Uruguayer in Amsterdam könnten ein Lied davon singen, wie hart beide Mittelläufer in der Nationalelf zulangten. Für Kalb war es das letzte Länderspiel. Für Leinberger fingen die guten Jahre gerade an. Im September 1928 steht er in Nürnberg und in Oslo in der Mitte der Läuferreihe.
1929: Kalb weg, Leinberger bleibt. Beim 7:1 gegen die Schweiz im Februar zeigt Leinberger nach dem Tagblatt vom 11. Februar »gutes Stehvermögen« und schießt aus 20 Metern knapp vorbei. Im April folgt Turin (siehe unten), im Juni das 3:0 gegen Schweden.
1930: Italien, Zürich, England. Gegen Italien in Frankfurt, 0:2 am 2. März, lobt das Tagblatt vom 3. März: Leinberger »konnte restlos gefallen«, gut sei auch seine Sturmbedienung gewesen. Nach einer Ecke trifft er den Pfosten. Beim 5:0 in Zürich spielt er nach dem Tagblatt vom 5. Mai wie in seinen besten Tagen. Beim 3:3 gegen England am 10. Mai in Berlin leitet eine Flanke von ihm das 3:2 ein. Sie geht zu Ludwig Hofmann, der Ball kommt zu Richard Hofmann. Ein Tadel steht trotzdem im Tagblatt vom 11. Mai: Leinberger bediene »etwas zu einseitig die rechte Sturmhälfte«. Als beste Deutsche nennt das Blatt Hofmann und Kreß, dahinter Stubb und Leinberger.
1931: Norwegen, Wien, Hannover. Gegen Norwegen, 2:2 im Juni, bringt er den Sturm nach dem Tagblatt vom 22. Juni »mit guter Vorlage« in Fahrt. Bei der 0:5-Niederlage in Wien im September zerstört er nach dem Tagblatt vom 14. September anfangs mit Knöpfle viele österreichische Angriffe, nach der Pause aber wirkt er zeitweise erschöpft. Zwei Wochen später, beim 4:2 gegen Dänemark in Hannover, heißt es am 28. September: »Der Routinier Leinberger arbeitete mit Umsicht und Geschick.« Das zweite dänische Tor fällt allerdings nach einem Missverständnis zwischen Knöpfle und Leinberger.
1932: Schweden, Ungarn, Holland. Beim 2:0 gegen die Schweiz in Leipzig im März lobt die Zeitung die Läufer, besonders Leinberger und Rudolf Gramlich. Beim 4:3 gegen Schweden am 25. September schrieb das Tagblatt vom 26. September von den »unermüdlich schaffenden Leinberger und Knöpfle«, die die »Hauptlast des Kampfes« getragen hätten. In Ungarn, am 30. Oktober, ging es 1:2 aus. Im Dezember, beim 0:2 gegen die Niederlande in Düsseldorf, spielt Law Adam vor dem 0:1 erst Knöpfle und dann ihn aus.
Das Fürther Pflichtprogramm lief dabei weiter. Am Tag des Ungarn-Länderspiels gewann Fürth ohne ihn 4:1 gegen den ASV Nürnberg, wie das Tagblatt am 31. Oktober meldet.
Der große Tag: Turin, 28. April 1929
Leinbergers vielleicht schönster Länderspielnachmittag ist ein Sieg, den fast niemand erwartet hat. Am 28. April 1929 treten die Deutschen in Turin gegen Italien an, vor ausverkauftem Haus. Der DFB nennt 30.000 Zuschauer, das Tagblatt 40.000. Nach sechs Minuten schießt Gino Rossetti das 1:0 für Italien (Tagblatt: neunte Minute). Josef Hornauer gleicht in der 12. Minute aus, nach einer Flanke von Ludwig Hofmann. Zur Pause steht es 1:1, doch das Eckenverhältnis lautet 8:0 für die Gastgeber.
Die Deutschen müssen schwer arbeiten. Nach dem Wechsel geht ein Freistoß Leinbergers knapp über die Latte. Etwa eine Viertelstunde vor Schluss (DFB: 80. Minute) spielt sich der rechte Flügel durch: Ernst Albrecht flankt, Georg Frank schiebt zum 2:1 ein. Danach rennen die Italiener, wie das Tagblatt schreibt, »gegen eine eiserne Mauer«, und Heiner Stuhlfauth hält alles. Schulze-Marmeling überliefert, eine italienische Zeitung habe geschrieben: »Gott selbst stand im Tor.«
Das Tagblatt vom 29. April ist bei aller Freude ehrlich. Der Sieg sei gerecht gewesen, aber von den wenigsten für möglich gehalten worden, und Italien habe weitaus mehr Torchancen gehabt. Dass es nicht gewann, sei »fast allein« der glänzenden Läuferreihe um Leinberger, Knöpfle und Geiger und dem tapferen Stuhlfauth zu verdanken. Für den Mann, der keine Tore schoss, ein Lob in der Form, die ihm am besten stand.
Spielführer in Bologna und das Ende der Länderspielzeit
Nach den Angaben der Wikipedia und von Olympedia führt Leinberger die Nationalmannschaft in elf seiner 24 Spiele als Kapitän aufs Feld. Welche das waren, geben die benutzten Quellen nur für Bologna her, wo er laut Tagblatt vom 2. Januar 1933 den Blumenstrauß von Pozzo erhielt. Die Niederlage, schrieb das Blatt, hätte »sehr leicht höher ausfallen können«. Gespielt wird das 1:3 in einem Stadion, das damals Littoriale hieß und heute Renato Dall'Ara.
Danach bestreitet er kein Länderspiel mehr. Als Reichstrainer Nerz im Oktober 1933 eine neue Mannschaft gegen Belgien aufbot, fehlten nach Schulze-Marmeling eine Reihe der alten Stammkräfte. Leinberger, Knöpfle, Schütz und andere hatten, wie es dort heißt, »aus unterschiedlichen Gründen ihren Abschied von der Nationalmannschaft verkündet – bzw. verkündet bekommen«. Mit Franz Schütz und dem Torwart Willibald Kreß stand er etwa beim 3:3 gegen England 1930 in derselben Elf.
Nach dem Spielfeld: Trainer, Partei, Krieg
Seine Spielerlaufbahn lässt Leinberger beim Kölner CfR ausklingen, in der Gauliga Mittelrhein. Die Wikipedia nennt 1933 bis 1936 und den Mittelrhein-Titel 1936. Die Kleeblatt-Chronik führt ihn dort 1933/34 mit vier Ligaspielen und einem Tor und spricht von einer Zeit als Spielertrainer von Mai bis Oktober 1933. Die Quellen decken sich hier nicht.
Die Trainerstationen aus der Chronik, die sich mit anderen Angaben nur zum Teil decken: 1932 nebenbei bei der SpVgg Ansbach, 1932/33 nebenbei beim Jahn Regensburg, dann Köln, von Oktober 1933 bis 1934 Gausportlehrer in Bayern, 1934 bis April 1937 in Hessen und in der Nordmark, von April 1937 bis Februar 1938 wieder in Bayern. Nach der Wikipedia betreute er während des Reichsbundpokals 1935/36 die Gauauswahl Sachsen. Sie spielte am 1. März 1936 in Frankfurt im Finale 2:2 nach Verlängerung gegen Südwest und gewann das Wiederholungsspiel am 24. Mai in Leipzig 9:0. Im Tor stand dort sein früherer Nationalmannschaftskamerad Willibald Kreß, der Kapitän der Sachsen. Olympedia schreibt allgemein, Leinberger sei von 1933 bis 1938 Gebietstrainer für Bayern, Hessen und Sachsen gewesen. Im Lexikon von 1939 steht er schon als Sportlehrer.
Laut Wikipedia, die sich auf eine Karteikarte im Bundesarchiv und einen Artikel der Zeit vom 24. Juli 2024 stützt, trat Leinberger zum 1. März 1937 in die NSDAP ein.
Von Mai 1938 bis April 1941 trainierte er den FC Schweinfurt 05. In seiner ersten Saison wurde die Mannschaft Meister der Gauliga Bayern (37:27 Tore, 23:13 Punkte). In der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft 1939 spielte Schweinfurt in der Gruppe 2b gegen den Dresdner SC und Warnsdorf. Am 10. April gewann Schweinfurt 4:1 in Warnsdorf, am 16. April in Bamberg 1:0 gegen den DSC. Am 30. April folgte ein 4:2 gegen Warnsdorf. Das letzte Gruppenspiel verlor Schweinfurt am 7. Mai in Chemnitz vor 50.000 Zuschauern 0:1 gegen den DSC: Beide hatten am Ende drei Siege und eine Niederlage, der DSC 9:3 Tore, Schweinfurt 9:4. In den beiden folgenden Spielzeiten wurde Schweinfurt Dritter und Siebter. Im März 1941 endete die Tätigkeit mit der Einberufung zum Kriegsdienst. Die Chronik nennt danach den Luftwaffen-SV Rudolstadt, ab August 1941.
Leinberger starb 1943 im Lazarett in Bad Pyrmont. Die Wikipedia gibt als Ursache die Folgen eines Blinddarmdurchbruchs an, Olympedia eine Operation wegen Blinddarmentzündung, die Fürther Chronik Kriegsverletzungen. Auch beim Todestag weichen die Angaben ab: Die Wikipedia, Olympedia in der Biografie und Schulze-Marmeling nennen den 9. März 1943, die Chronik und eine andere Olympedia-Liste den 3. März. Er wurde 39 Jahre alt. Die Fürther Chronik schließt ihr Porträt mit dem »Haberer«: Wer ihn noch spielen sah, erinnere sich an den kräftigen Mittelläufer in Weiß-Grün.
Ludwig Leinberger auf einen Blick
Geboren: 21.5.1903 in Nürnberg
Gestorben: 9.3.1943 in Bad Pyrmont (Quellen nennen auch den 3.3.1943)
Spitzname: »Haberer« (Lexikon 1939: »Habberer«)
Vereine: TV 1846 Nürnberg, FC Bayern 07 Nürnberg (1920–1924), BSV Solingen 98 (1924), SpVgg Fürth (1925–1933), Kölner CfR (ab 1933)
Trainer: u. a. FC Schweinfurt 05 (1938–1941)
Position: Mittelläufer
Beruf: Kaufmann, später Sportlehrer
Erfolge: Deutscher Meister 1926 (Endspielteilnahme laut DFB-Datencenter, in der Wikipedia-Biografie nicht) und 1929, Süddeutscher Pokalsieger 1925–1927, Süddeutscher Meister 1931, Olympia 1928
Bilanz: 24 Länderspiele (13 Siege, 3 Unentschieden, 8 Niederlagen, Torverhältnis 56:41), kein Tor, 1927–1933
Länderspiele
- 02.10.1927 Dänemark – Deutschland 3:1
- 15.04.1928 Schweiz – Deutschland 2:3
- 28.05.1928 Deutschland – Schweiz 4:0 – Olympia, Achtelfinale
- 03.06.1928 Deutschland – Uruguay 1:4 – Olympia, Viertelfinale
- 16.09.1928 Deutschland – Dänemark 2:1
- 23.09.1928 Norwegen – Deutschland 0:2
- 10.02.1929 Deutschland – Schweiz 7:1
- 28.04.1929 Italien – Deutschland 1:2
- 23.06.1929 Deutschland – Schweden 3:0
- 02.03.1930 Deutschland – Italien 0:2
- 04.05.1930 Schweiz – Deutschland 0:5
- 10.05.1930 Deutschland – England 3:3
- 28.09.1930 Deutschland – Ungarn 5:3
- 15.03.1931 Frankreich – Deutschland 1:0
- 17.06.1931 Schweden – Deutschland 0:0
- 21.06.1931 Norwegen – Deutschland 2:2
- 13.09.1931 Österreich – Deutschland 5:0
- 27.09.1931 Deutschland – Dänemark 4:2
- 06.03.1932 Deutschland – Schweiz 2:0
- 01.07.1932 Finnland – Deutschland 1:4
- 25.09.1932 Deutschland – Schweden 4:3
- 30.10.1932 Ungarn – Deutschland 2:1
- 04.12.1932 Deutschland – Niederlande 0:2
- 01.01.1933 Italien – Deutschland 3:1 – als Spielführer
Quellen
- Wikipedia: Ludwig Leinberger
- Wikipedia (en): Ludwig Leinberger
- Olympedia: Ludwig Leinberger
- Kleeblatt-Chronik: Ludwig Leinberger (Markus Zabron)
- RSSSF: Ludwig Leinberger – International Appearances
- DFB-Datencenter: Ludwig Leinberger
- Kleeblatt-Chronik: Tournoi International de Football, Genf 1930
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1925/26
- Wikipedia: Süddeutscher Pokal
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1938/39
- Wikipedia: Reichsbundpokal 1935/36
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Darmstädter Tagblatt, 16. April 1928, 29. Mai 1928, 4. Juni 1928, 11. Februar 1929, 11. Mai 1930, 22. Juni 1931, 26. September 1932, 31. Oktober 1932
- Darmstädter Tagblatt, 29. September 1927
- Darmstädter Tagblatt, 29. April 1929
- Darmstädter Tagblatt, 3. März 1930
- Darmstädter Tagblatt, 5. Mai 1930
- Darmstädter Tagblatt, 14. September 1931
- Darmstädter Tagblatt, 28. September 1931
- Darmstädter Tagblatt, 7. März 1932
- Darmstädter Tagblatt, 5. Dezember 1932
- Darmstädter Tagblatt, 2. Januar 1933