Ernst Blum – »Wenzel«, ein Stuttgarter Läufer in Kopenhagen

Dreizehn Jahre lang spielte Ernst Blum für den VfB Stuttgart, ohne je den Verein zu wechseln, so zählt es jedenfalls die Wikipedia. Im Verein hieß er »Wenzel«. Sein einziges Länderspiel endete 1:3 in Kopenhagen und blieb ohne Fortsetzung. Aber am 2. Oktober 1927 stand der Mittelläufer aus Vaihingen auf den Fildern in der Nationalelf.

Ernst Blums Laufbahn · beim VfB Stuttgart, 1921–1934
Ernst Blums Laufbahn · beim VfB Stuttgart, 1921–1934

»… schitterend short-passing …«

— niederländische Zeitungen nach einem Bericht der »Courant« über die deutsche Elf in Kopenhagen, 3. Oktober 1927, zitiert nach der Berichtsseite

Ein Junge aus Vaihingen

Ernst Blum wird am 25. Januar 1904 in Vaihingen auf den Fildern geboren, heute ein Stadtteil von Stuttgart. Die Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 stimmen im Geburtsdatum überein. Das Lexikon führt ihn mit dem Heimatort Vaihingen und dem Stammposten Mittelläufer. Er stirbt am 17. Mai 1980, den Sterbeort nennen die Quellen nicht.

Zu den Vereinen gibt es zwei Lesarten. Die Wikipedia sagt, er habe ausschließlich für den VfB Stuttgart gespielt, und zwar von 1921 bis 1934. Das Lexikon nennt dagegen zwei Vereine, den FV Cannstatt und den VfB. Wie beides zusammenpasst, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.

Abstieg, Rückkehr, Bezirksmeister

Blums erste Jahre fallen in eine unruhige Zeit des VfB. In der Kreisliga Württemberg des Bezirks Württemberg/Baden steigt die Mannschaft am Ende der Saison 1922/23 ab. Zur Saison 1924/25 ist sie zurück, in der Bezirksliga Württemberg/Baden, die nun ohne Kreisligen auskommt.

1926/27 gewinnt der VfB die Bezirksliga Württemberg/Baden, mit 14 Siegen, drei Unentschieden, einer Niederlage und 49:20 Toren. Für Blum ist es nach der Wikipedia der erste regionale Titel. In der süddeutschen Endrunde, einer Doppelrunde der fünf Bezirksmeister und des Pokalsiegers, wird es dann schwer. Der VfB gewinnt drei Spiele, spielt einmal unentschieden, verliert sechs und wird mit 24:28 Toren Fünfter von sechs. Meister wird der 1. FC Nürnberg. Von 1927/28 an spielt er in der Gruppe Württemberg der nun in zwei Gruppen geteilten Bezirksliga.

1930 holt er mit dem VfB den Titel in der Gruppe Württemberg, mit zehn Siegen und vier Niederlagen bei 36:21 Toren. In der Finalrunde um die süddeutsche Meisterschaft wird der VfB wieder Fünfter, diesmal von acht, mit sechs Siegen, zwei Unentschieden und sechs Niederlagen. Als Dritter der Saison 1932/33 qualifiziert er sich für die neue Gauliga Württemberg, 1933/34 wird der VfB dort wieder Dritter. In dieser Saison beendet Blum seine aktive Laufbahn.

Der große Tag: Kopenhagen, 2. Oktober 1927

Reichstrainer Otto Nerz hatte nach Schulze-Marmeling für dieses Spiel gleich neun Neulinge berufen. Von den elf, die in Kopenhagen verloren, standen fünf nie wieder im Nationalteam, Blum war einer davon. Nerz wollte, so Schulze-Marmeling, die »zweite Garnitur« testen und merkte in Kopenhagen rasch, dass der Ersatz-Anzug hinten und vorne nicht »passte«.

Auf dem Platz steht die Läuferreihe mit Hugo Mantel, Ludwig Leinberger und Blum. Das Lexikon nennt Blum und Leinberger beide Mittelläufer, wo Blum an diesem Tag tatsächlich stand, geht aus den vorliegenden Aufstellungen nicht hervor. Vor den Läufern stehen Hans Brunke und Eugen Kling, im Tor Georg Ertl, im Sturm der Meeraner Richard Hofmann bei seinem ersten Länderspiel.

Etwa 19.000 Zuschauer sind im Kopenhagener Idrætspark, Schiedsrichter ist der Norweger Ragnvald Smedvik. Michael Rohde bringt Dänemark in der 23. Minute in Führung, Georg Kießling gleicht aus (nach dem DFB-Datencenter in der 42. Minute, nach der englischen Wikipedia in der 10.). Zur Pause steht es 1:1. In der zweiten Halbzeit trifft Rohde in der 48. Minute zum 2:1, Henry Hansen macht das 3:1.

Dänemark – Deutschland 3:1 in Kopenhagen · Ernst Blum in der Läuferreihe neben Mantel und Leinberger
Dänemark – Deutschland 3:1 in Kopenhagen · Ernst Blum in der Läuferreihe neben Mantel und Leinberger

Niederländische Zeitungen, die einen Bericht der »Courant« übernahmen, sahen die Deutschen spielerisch im Vorteil und lobten ihr »short-passing«, nur der letzte Schliff habe gefehlt, die größere Schussstärke habe bei den Dänen den Ausschlag gegeben. Urteile über Blum persönlich sind aus den vorliegenden Quellen nicht bekannt. Den vollständigen Spielverlauf mit Aufstellungen und den Torminuten nach beiden Quellen erzählt der Spielbericht.

Nach dem Fußball

Nach der Fußballlaufbahn bleibt Blum dem VfB treu und übernimmt, so die Wikipedia, mehrfach Ehrenämter in Stuttgart. Während und nach der aktiven Zeit ist er außerdem ein erfolgreicher Rugbyspieler. Einzelheiten dazu nennen die vorliegenden Quellen nicht.

Nach Angaben des Bundesarchivs, die die Wikipedia zusammen mit dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 wiedergibt, beantragte Blum am 16. Juli 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen.

Wer ist welcher Ernst Blum?

Ernst Blum ist ein häufiger Name. Die Begriffsklärung der Wikipedia nennt außer dem Fußballspieler den deutsch-schweizerischen Psychoanalytiker Ernst Blum (1892–1981), den Juristen Ernst Blum (1901–1970), den österreichischen Politiker Ernst Blum (* 1957) und den Juristen und Abgeordneten Ernst Andreas Blum (1799–1882). Mit ihnen hat der Mittelläufer des VfB nichts zu tun.

Ernst Blum auf einen Blick

Geboren: 25.1.1904 in Vaihingen auf den Fildern
Gestorben: 17.5.1980 (Ort nicht angegeben)
Vereine: VfB Stuttgart (1921–1934); laut Lexikon 1939 auch FV Cannstatt
Position: Mittelläufer (Lexikon 1939)
Spitzname: »Wenzel«
Erfolge: Bezirksmeister Württemberg/Baden 1927, württembergischer Meister 1930
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1927)

Länderspiele

Quellen