Eugen Kling – ein Münchner Verteidiger in Kopenhagen

Fünf der elf Spieler, die am 2. Oktober 1927 in Kopenhagen 1:3 gegen Dänemark verloren, standen nie wieder in der Nationalmannschaft. Einer von ihnen war Eugen Kling, 28 Jahre alt, Verteidiger des TSV 1860 München. Reichstrainer Otto Nerz hatte für dieses Spiel gleich neun Neulinge berufen. Vier Monate zuvor hatte Kling noch mit seinen Münchner »Sechzigern« im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft gestanden.

Eugen Klings Laufbahn · von Wacker München über 1860 nach Burghausen, 1920–1932
Eugen Klings Laufbahn · von Wacker München über 1860 nach Burghausen, 1920–1932

»Geschlagen wurde die deutsche Fußballelf von der dänischen Nationalmannschaft, die mit 1:3 Toren sicher siegte.«

— Darmstädter Tagblatt, 3. Oktober 1927, Sportmeldung

Ein Münchner Verteidiger

Eugen Kling wird am 14. Februar 1899 in München geboren, so geben es das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 und die Wikipedia an. Als Stammposten nennt das Lexikon linker Verteidiger, als Beruf kaufmännischer Angestellter. Er stirbt am 21. Dezember 1971 in Burghausen.

Seine Anfänge liegen in der Spielvereinigung Sendling, einem Münchner Stadtteilverein. Es folgt der FC Rosenheim, dann der FC Wacker München. Dort spielt er nach der Wikipedia von 1920 bis 1923 in der Kreisliga Südbayern, der damals höchsten Klasse der Region, und die Wikipedia führt für ihn die südbayerischen Meistertitel 1921 und 1922, die bayerische Meisterschaft 1922 und den süddeutschen Titel 1922. Am 14. Mai 1922 schlägt Wacker in Frankfurt Borussia Neunkirchen 2:1 nach Verlängerung und holt zum ersten Mal die süddeutsche Meisterschaft. Ob Kling in diesem Endspiel auf dem Platz stand, sagen die vorliegenden Quellen nicht.

1923/24 spielt er für die Spielvereinigung im TV Hof, nach der Wikipedia in der zweiten Liga. Von 1924 an gehört er dem TSV 1860 München an, bis 1931 in der Bezirksliga Bayern, damals die oberste Klasse.

Das Frühjahr 1927

1926/27 gewinnt 1860 die »Runde der Zweiten« und steht damit vor einem Entscheidungsspiel um den dritten süddeutschen Startplatz für die Endrunde. Am 24. April 1927 schlagen die Münchner den FSV Frankfurt 2:0. Dann beginnt die Meisterschaftsendrunde: Am 8. Mai gewinnt 1860 in Dortmund 3:1 gegen Schalke 04, am 22. Mai in München 3:0 gegen den VfB Leipzig. Im Halbfinale am 29. Mai in Nürnberg setzt sich der 1. FC Nürnberg, der spätere Meister, 4:1 durch. Die Wikipedia verbindet diesen Lauf ausdrücklich mit der Berufung ins Nationalteam: Für Kling sei der Erfolg auch ein Auftritt im Nationaltrikot gewesen. Ob er in allen drei Endrundenspielen auf dem Platz stand, geben die vorliegenden Quellen nicht her.

Der große Tag: Kopenhagen, 2. Oktober 1927

Nerz stellt für die Reise eine neue Mannschaft auf. Nach Schulze-Marmeling wollte er die »zweite Garnitur« testen und erlebte, dass der Ersatz-Anzug hinten wie vorne nicht passte. Im Tor steht Georg Ertl, vor ihm als Verteidiger Hans Brunke und Kling, im Sturm spielt der Meeraner Richard Hofmann sein erstes Länderspiel. Das Lexikon führt Kling und Brunke beide als linke Verteidiger, wer von beiden auf welcher Seite stand, nennen die vorliegenden Aufstellungen nicht.

Rund 19.000 Zuschauer sehen das Spiel im Kopenhagener Idrætspark, Schiedsrichter ist der Norweger Ragnvald Smedvik. Michael Rohde bringt die Dänen in der 23. Minute in Führung, Georg Kießling gleicht aus, nach dem DFB-Datencenter in der 42. Minute, nach der englischen Wikipedia schon in der 10. Zur Pause steht es 1:1. Nach dem Wechsel trifft Rohde in der 48. Minute zum 2:1, Henry Hansen macht das 3:1 (nach dem Datencenter in der 70. Minute, nach der englischen Wikipedia in der 67.).

Dänemark – Deutschland 3:1 in Kopenhagen · Eugen Kling an der Seite von Hans Brunke in der Verteidigung
Dänemark – Deutschland 3:1 in Kopenhagen · Eugen Kling an der Seite von Hans Brunke in der Verteidigung

Niederländische Zeitungen, die einen Bericht der »Courant« übernahmen, sahen die Deutschen spielerisch im Vorteil und lobten ihr »short-passing«, nur der letzte Schliff habe gefehlt, die größere Schussstärke habe bei den Dänen den Ausschlag gegeben. Von Kling selbst ist in den Quellen nichts Persönliches überliefert. Das ganze Spiel steht im Spielbericht.

Eine Randnotiz aus der Zeit: Nach Schulze-Marmeling, der es im Zusammenhang mit der Kritik der Arbeitersportler anführt, ließ der DFB in Kopenhagen nicht die schwarz-rot-goldene Fahne der Republik aufziehen, sondern die grün-weiße Fahne des Verbands.

Nach Kopenhagen

Ein zweites Länderspiel folgt nicht. Kling bleibt bis 1931 bei 1860, die Saison 1931/32 verbringt er nach der Wikipedia beim Wacker Burghausen in der Kreisliga, dort lässt er seine Laufbahn ausklingen. Er stirbt 1971 in Burghausen.

Zeit des Nationalsozialismus

Nach der Wikipedia, die sich auf das Bundesarchiv und den Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 stützt, trat Kling zum 1. Mai 1933 in die NSDAP und am selben Tag in die SS ein, im März 1943 wurde er zum Oberscharführer befördert. Die Wikipedia gibt wieder, er habe als fanatischer Nationalsozialist gegolten. Im Entnazifizierungsverfahren sei er 1947 als Belasteter eingestuft worden, 1949 dann als Mitläufer. Weitere Einzelheiten nennen die vorliegenden Quellen nicht.

Eugen Kling auf einen Blick

Geboren: 14.2.1899 in München
Gestorben: 21.12.1971 in Burghausen
Vereine: SpVgg Sendling, FC Rosenheim, FC Wacker München (1920–1923), SpVgg Hof (1923/24), TSV 1860 München (1924–1931), Wacker Burghausen (1931/32)
Position: linker Verteidiger (Lexikon 1939)
Beruf: kaufmännischer Angestellter (Lexikon 1939)
Erfolge: nach der Wikipedia südbayerischer Meister 1921 und 1922, bayerischer und süddeutscher Meister 1922 mit Wacker München; Halbfinale um die deutsche Meisterschaft 1927 mit 1860
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1927)

Länderspiele

Quellen