Wilhelm Falk – der Münchner Verteidiger von Köln

Das erste Tor der Niederländer in Köln fiel nach einem Rückpass. Wilhelm Falk spielte den Ball zurück zu Heiner Stuhlfauth, der Torwart ließ ihn unter Druck fallen, und Jaap Weber schob ein. So steht es im Darmstädter Tagblatt vom 21. November 1927. Der gleiche Bericht nennt Falk, den Verteidiger von Wacker München, trotzdem den besten der beiden deutschen Abwehrspieler. Es war sein einziges Länderspiel.

Wilhelm Falks Laufbahn · von Wacker München nach New York, 1898–1961
Wilhelm Falks Laufbahn · von Wacker München nach New York, 1898–1961

»Falk war kaum zu überspielen, sehr schnell und sicher. Besonders gut gefiel sein weiter, immer zum Mann kommender Abschlag.«

— Darmstädter Tagblatt, 21. November 1927, im Spielbericht über Deutschland – Niederlande

Ein Münchner bei Wacker

Wilhelm Falk wird am 3. Juli 1898 in München geboren. Das Lexikon »Die deutschen Nationalspieler« (1939) und die Wikipedia nennen ihn städtischen Angestellten, das Lexikon führt ihn als rechten Verteidiger. Seit 1918 spielt er bei Wacker München, so die Wikipedia, bis zum Ende der Saison 1927/28. Das DFB-Datencenter führt für Wacker denselben Zeitraum. Zu seinen Mitspielern gehören nach der Wikipedia der ungarische Starspieler Alfréd Schaffer, Heinrich Altvater und der spätere Nationalspieler Albert Eschenlohr.

Wacker ist in diesen Jahren eine gute Adresse. 1922 wird der Verein süddeutscher Meister und qualifiziert sich für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Falk kommt dort nach der Wikipedia nicht zum Einsatz. Danach spielt der Verein in der Bezirksliga Bayern, in der Saison 1927/28 in deren Gruppe Südbayern.

Nicht zu verwechseln ist er mit dem gleichnamigen Politiker Wilhelm Falk (1909–1970), der in der Wikipedia eine eigene Seite hat. Als Alternativnamen führt die Wikipedia für den Fußballer »Willi«.

Ein Verteidiger für die Nationalelf

Im Herbst 1927 stellt Reichstrainer Otto Nerz die Mannschaft um, nach Schulze-Marmeling nutzt er die lange Länderspielpause, um das W-M-System einzuführen. Aus München kommen in diesen Wochen drei Spieler von Wacker: Torwart Georg Ertl steht am 2. Oktober in Kopenhagen im Tor und verliert den Dauerstreit mit Heiner Stuhlfauth. Am 20. November folgen in Köln Falk und der Außenläufer Josef Weber.

Die Elf, die das Tagblatt aufführt: Stuhlfauth im Tor, davor die Verteidiger Falk und der Nürnberger Anton Kugler, in der Läuferreihe Conny Heidkamp, Hans Kalb und Weber, im Angriff Baptist Reinmann, Richard Hofmann, Josef Pöttinger, Ernst Kuzorra und Ludwig Hofmann. Vier Spieler tragen zum ersten Mal das Nationaltrikot: Falk, Weber, Heidkamp und Kuzorra.

Der große Tag: Köln, 20. November 1927

Im Müngersdorfer Stadion wehen neben der DFB-Fahne die Flaggen Deutschlands, der Niederlande und Englands, aus dem Schiedsrichter Albert Prince-Cox kommt. Schon eine Stunde vor dem Anpfiff ist das Stadion dicht besetzt, 60.000 Zuschauer nennen DFB und niederländischer Verband, 50.000 das Tagblatt. Stehend singen die Massen das Deutschlandlied.

Die erste Halbzeit gehört nach dem Tagblatt leicht den Deutschen, aber der Angriff findet nicht zusammen. Dann kommt der holländische Sturm nach einer deutschen Ecke schnell nach vorn. Hollands Linksaußen Jaap Weber kommt an den Ball und gerät mit Falk zusammen, Falk gibt zurück auf Stuhlfauth, der vom Linksaußen angegangene Nürnberger lässt den Ball fallen, und Weber schießt ein. Das DFB-Datencenter nennt die 38. Minute, das Tagblatt die 36. oder 37. Nach der Pause trifft Pöttinger zum 1:1 und zum 2:1, Kuzorra bereitet beide vor. Kurz vor Schluss fällt das 2:2: Heidkamp verpasst einen Ball, Kalb kommt zu Fall, und Felix Smeets schießt hoch aufs Tor, Stuhlfauth springt zu früh.

Deutschland – Niederlande 2:2 in Köln · Wilhelm Falk als Verteidiger in seinem einzigen Länderspiel
Deutschland – Niederlande 2:2 in Köln · Wilhelm Falk als Verteidiger in seinem einzigen Länderspiel

Das Tagblatt ist von dem Spiel enttäuscht: »Nicht nur das Ergebnis, auch das Spiel hat die Massen enttäuscht.« Die Abwehr sei ohne Tadel gewesen, heißt es, Falk der Beste der beiden Verteidiger, auch Kugler habe eine gute Partie geliefert. Die Außenläufer Heidkamp und Weber seien dagegen fehl am Platz gewesen. Kuzorra, urteilt der Bericht, habe sich mit seinem Spiel einen bleibenden Platz in der Nationalelf gesichert. Für Falk gibt es keinen zweiten Einsatz.

Halbfinale 1928

Im Sommer 1928 hat er dennoch seinen großen Moment im Vereinstrikot. Wacker, als Dritter der Gruppe Südbayern in die Runde der Zweiten und Dritten gekommen, gewinnt das Entscheidungsspiel um den dritten süddeutschen Endrundenplatz mit 3:2 gegen den FSV Frankfurt. Erstmals stehen zwei Münchner Klubs in der Endrunde, Wacker und der FC Bayern.

Falk spielt, so das DFB-Datencenter, alle drei Endrundenspiele. Am 8. Juli 1928 schlägt Wacker im Münchner Stadion an der Grünwalder Straße vor 25.000 Zuschauern den Dresdner SC 1:0 nach Verlängerung. Für den DSC spielte nach dem DFB-Datencenter vermutlich auch Martin Haftmann, der im Oktober zuvor in Kopenhagen sein einziges Länderspiel bestritten hatte; die Quellen weichen hier ab, Näheres steht in seiner Biografie. Am 12. Juli gewinnt Wacker beim Berliner Tennis Borussia 4:1, vor 20.000. Am 22. Juli, im Halbfinale in Leipzig, verliert die Mannschaft 1:2 gegen Hertha BSC.

Amerika und danach

Von der Saison 1928/29 an spielt Falk bis Januar 1929 für den Stadtrivalen DSV München. Im Februar 1929 wandert er in die Vereinigten Staaten aus und spielt von 1929 bis 1931 für den Deutschen FC New York. Das Lexikon von 1939 nennt diesen Verein ebenfalls. Er kehrt nach Deutschland zurück. Nach der Wikipedia, die sich dafür auf das Bundesarchiv und einen »Zeit«-Artikel von 2024 stützt, trat er zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. In der Saison 1936/37 war Falk Cheftrainer von Wacker München.

Wilhelm Falk starb am 16. Oktober 1961. Den Ort nennt die Wikipedia nicht.

Wilhelm Falk auf einen Blick

Geboren: 3.7.1898 in München
Gestorben: 16.10.1961 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Wacker München (1918–1928), DSV München (1928/29), Deutscher FC New York (1929–1931)
Position: Verteidiger (laut Lexikon rechter Verteidiger)
Beruf: städtischer Angestellter
Erfolge: Süddeutscher Meister 1922 (ohne Endrundeneinsatz), Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft 1928
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor (1927)

Länderspiele

Weitere Länderspiele führen weder RSSSF noch das DFB-Datencenter oder das Lexikon von 1939 auf.

Quellen