Josef Weber – der Außenläufer von Wacker München

Das erste Tor im Länderspiel von Köln am 20. November 1927 schoss ein Weber. Es war der falsche. Der Darmstädter Tagblatt-Berichter schreibt es ganz nüchtern auf: Holland trifft, »und Weber kann einschießen«. Gemeint ist der niederländische Linksaußen Jaap Weber. Der Josef Weber in deutschem Trikot, Außenläufer von Wacker München, hat an diesem Nachmittag andere Sorgen. Es bleibt sein einziges Länderspiel.

Josef Webers Laufbahn · Wacker München als Spieler und Trainer, Luzern, 1898–1970
Josef Webers Laufbahn · Wacker München als Spieler und Trainer, Luzern, 1898–1970

»Die beiden Außenläufer waren – den vorher gehegten Befürchtungen entsprechend – fehl am Platz. Beide arbeiteten zwar fleißig, waren aber stets Durchschnitt.«

— Darmstädter Tagblatt, 21. November 1927 (Presseurteil über Heidkamp und Weber)

Ein Außenläufer aus München

Josef Weber kommt am 18. April 1898 zur Welt. Die Wikipedia nennt als Geburtsort »Landau«, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 als Heimatort Landau an der Isar und als Beruf Sportlehrer. Das Todesdatum ist der 5. März 1970, einen Ort nennen die Quellen nicht.

Sein Verein ist von 1918 bis 1930 der FC Wacker München, der Klub aus Sendling. Dort spielt er Außenläufer. Nach der Wikipedia läuft er bis 1923 in der Kreisliga Südbayern auf, bis 1927 in der Bezirksliga Bayern, danach in deren Gruppe Südbayern. Vier regionale Titel führt sie auf, dazu den Süddeutschen Meister 1922. 1922 wurde Wacker mit dem Ungarn Alfréd Schaffer als erster Münchner Klub süddeutscher Meister. Ob Weber in diesem Frühjahr 1922 schon in der Elf stand, geht aus den DFB-Daten nicht hervor: Das Datencenter verzeichnet für ihn nur Endrundenspiele von 1928.

Der große Tag: Köln, 20. November 1927

Nach Köln kommt er als einer von vier Neulingen. Reichstrainer Otto Nerz, seit Oktober 1926 im Amt, stellt im Müngersdorfer Stadion gleich zwei Münchner Wacker-Spieler auf: Verteidiger Wilhelm Falk und Weber. Dazu kommen Conny Heidkamp und Ernst Kuzorra, die ebenfalls zum ersten Mal das Nationaltrikot tragen. Rund 60.000 Zuschauer sind da, das Tagblatt zählt 50.000. Schiedsrichter ist der Engländer Albert Prince-Cox.

Deutschland – Niederlande 2:2 · Weber in der Läuferreihe, Pöttinger mit zwei Toren
Deutschland – Niederlande 2:2 · Weber in der Läuferreihe, Pöttinger mit zwei Toren

Die erste Halbzeit gehört nach dem Tagblatt leicht den Deutschen, nur findet der Angriff nicht zusammen. Dann fällt das 0:1, ausgerechnet in der besten deutschen Phase. Torwart Heiner Stuhlfauth lässt einen Ball fallen, Jaap Weber schiebt ihn ins Netz. Nach der Pause trifft Josef Pöttinger zweimal, beide Male nach Vorlagen des Schalkers Ernst Kuzorra. Kurz vor Schluss verpasst Heidkamp einen Ball, Hans Kalb kommt zu Fall, und Felix Smeets gleicht aus. Stuhlfauth springt dabei zu früh. Das Tagblatt ist enttäuscht: »Nicht nur das Ergebnis, auch das Spiel hat die Massen enttäuscht.«

Über die Läufer fällt das Urteil härter aus als über andere. Beide hätten gearbeitet, aber mehr als Durchschnitt sei es nicht gewesen. Bei Heidkamp habe das Stellungsspiel gefehlt, bei Weber das Zuspiel. Das ist ein Presseurteil eines einzelnen Berichterstatters, mehr nicht, und es lobt zugleich den Fleiß. Gelobt werden Falk, »kaum zu überspielen«, und die linke Angriffsseite mit Kuzorra, der sich »einen bleibenden Platz in der Nationalelf gesichert« habe. Für Weber gibt es keinen zweiten Anlauf. Falk bestritt ebenfalls nur dieses eine Länderspiel.

Nerz besetzte die Läuferreihe in den folgenden Spielen anders, etwa in Bern im April 1928 mit Georg Knöpfle, Ludwig Leinberger und Rudolf Berthold. Mit Berthold sollte Weber im Sommer 1928 noch auf dem Platz stehen, auf der Gegenseite.

Halbfinale 1928

Die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft beginnt 1928 erst im Juli, weil die Nationalelf vorher das olympische Turnier in Amsterdam spielt. Erstmals nehmen zwei Münchner Klubs teil, Bayern als süddeutscher Meister und Wacker als Sieger der süddeutschen Qualifikationsrunde für den dritten Platz. Am 8. Juli schlägt der Klub in München den Dresdner SC 1:0 nach Verlängerung. Vier Tage später gewinnt er 4:1 bei Tennis Borussia Berlin, am 22. Juli verliert er in Leipzig das Halbfinale 1:2 gegen Hertha BSC. Weber steht nach dem DFB-Datencenter in allen drei Spielen auf dem Platz. Auch Berthold bestritt im Spiel gegen Wacker nach den DFB-Daten sein einziges Endrundenspiel dieser Saison, die Dresdner schieden damit aus. Die beiden Läufer, die je ein einziges Länderspiel bestritten hatten, standen sich also in München noch einmal gegenüber.

Vom Spieler zum Trainer

1930 endet seine Zeit als Spieler bei Wacker. Mitte der 1930er Jahre trainiert er nach der Wikipedia den 1. FC Guben und CSC/Friesen Cottbus, belegt mit der Fußball-Woche vom 23. August 1937. Vom 22. März 1946 bis 1947 und von 1948 bis 1953 ist er Cheftrainer von Wacker, so die Vereinschronik von 1978, die die Wikipedia anführt. Von Juli bis Dezember 1961 trainiert er den Schweizer Nationalligisten FC Luzern. Einen Sterbeort nennen die Quellen nicht.

Drei Webers

Josef Weber war weder der Torwart Albert Weber von Vorwärts 90 Berlin, der 1912 in Stockholm im Tor stand, noch der Verteidiger Heinrich Weber aus Kassel, der 1928 bis 1931 zwölfmal für Deutschland spielte. Auf der Seite der Länderspiele steht der Münchner in der Aufstellung vom 20. November 1927 nur mit dem Namen, ohne Verknüpfung. Gemeint ist der Außenläufer von Wacker, geboren am 18. April 1898. Auch der niederländische Torschütze Jaap Weber ist ein anderer Mann.

Josef Weber auf einen Blick

Geboren: 18.4.1898 in Landau (Wikipedia; Lexikon 1939: Heimatort Landau an der Isar)
Gestorben: 5.3.1970 (Ort nicht angegeben)
Verein: FC Wacker München (1918–1930)
Position: Außenläufer
Beruf: Sportlehrer (Lexikon 1939), später Trainer
Trainer: 1. FC Guben, CSC/Friesen Cottbus (Mitte der 1930er), FC Wacker München (1946/47, 1948–1953), FC Luzern (Juli–Dezember 1961)
Erfolge: Süddeutscher Meister 1922 mit Wacker (Wikipedia), Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft 1928
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), keine Tore (1927)

Länderspiele

Spiele nach April 1934 sind nicht bekannt, die Listen von RSSSF, DFB-Datencenter und Lexikon 1939 kennen nur dieses eine.

Quellen