Paul Gehlhaar – Meistertorwart, Nationalspieler und Lebensretter
Paul Gehlhaar ist nie bei einer Weltmeisterschaft oder Olympiade zum Einsatz gekommen, und doch gehört seine Geschichte zu den bemerkenswertesten der frühen Nationalmannschaft. Als Ersatztorhüter saß er 1928 in Amsterdam hinter Heinrich Stuhlfauth auf der Bank, gewann mit Hertha BSC zweimal die Deutsche Meisterschaft – und wurde 1933 zum Lebensretter, als er in Potsdam einen ertrinkenden Vierjährigen aus dem Stadtkanal zog.
Vom VfB Königsberg zu Hertha BSC
Paul Ernst Gehlhaar wird am 27. August 1905 in Königsberg geboren. Seine Laufbahn beginnt beim VfB Königsberg, im November 1927 wechselt er zu Hertha BSC Berlin. Dort trifft er auf einen Klub, der zwischen 1926 und 1931 sechsmal in Folge das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft erreicht – eine Serie, die bis heute einzigartig in der deutschen Fußballgeschichte ist.
Die ersten beiden Endspiele gehen für Hertha verloren: 1928 gegen den Hamburger SV, 1929 gegen die SpVgg Fürth. Dann folgt die Wende. 1930 gewinnt Hertha gegen Holstein Kiel mit 5:4, ein Jahr später wird der Titel gegen den TSV 1860 München mit 3:2 verteidigt. Die eigene Vereinsgeschichte von Hertha BSC hebt Gehlhaars Paraden in dieser Meisterserie besonders hervor. Er spielt in dieser Zeit mit einer stahlverstärkten Kappe, nachdem er sich zuvor eine Schädelverletzung zugezogen hatte.
Olympiareserve 1928
Bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam gehört Gehlhaar zum deutschen Aufgebot als Ersatztorhüter hinter Heinrich Stuhlfauth. Zu einem Einsatz im Turnier selbst kommt es nicht.
Zwei Länderspiele
Sein A-Länderspieldebüt gibt Gehlhaar am 30. September 1928 in Stockholm gegen Schweden, das Spiel geht mit 0:2 verloren. Sein zweiter und letzter Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft folgt knapp drei Jahre später, am 24. Mai 1931 in Berlin gegen Österreich – das berühmte österreichische „Wunderteam" unter Hugo Meisl gewinnt deutlich mit 6:0.
Der Lebensretter von Potsdam
Am Pfingstmontag 1933 rettet Gehlhaar einem vierjährigen Jungen das Leben, der im Potsdamer Stadtkanal zu ertrinken drohte. Die Tat wird öffentlich gewürdigt – im Amtsblatt für den Landespolizeibezirk Berlin ebenso wie in der zeitgenössischen Presse, wie die Dokumentation von Hertha BSC festhält. Im April 1936 erhält Gehlhaar dafür den Ehrenbrief des DFB.
Trainerjahre nach dem Krieg
Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitet Gehlhaar als Trainer, unter anderem bei Minerva 93 und erneut bei Hertha BSC. In der Saison 1953/54 führt er Hertha von der Amateur- zurück in die Vertragsliga.
Zu seinem Beruf außerhalb des Fußballs widersprechen sich die Quellen: Zeitgenössische Hertha-Quellen bezeichnen ihn als Mechaniker, eine spätere biografische Überlieferung nennt ihn einen gelernten Kaufmann, der zuletzt eine Tankstelle in Berlin-Zehlendorf betrieben habe. Beide Angaben lassen sich derzeit nicht zu einer gesicherten Chronologie zusammenführen und werden hier bewusst nebeneinander dokumentiert, statt auf eine einzige Berufsbezeichnung verkürzt zu werden.
Paul Gehlhaar stirbt am 30. Juni 1968 in Berlin nach langer, schwerer Krankheit; eine ostpreußische Zeitung meldete seinen Tod im Alter von 62 Jahren. Diese Fassung folgt dabei der Vereinschronik von Hertha BSC – vereinzelt kursiert auch der 2. Juli 1968 als Todestag. Die Beisetzung findet am 5. Juli 1968 auf dem Friedhof der Dankes- und Nazareth-Kirche in Berlin-Reinickendorf statt, unter den Trauergästen die früheren Weggefährten Hanne Sobek und Rudi Wilhelm. Den Nachruf für Hertha BSC schreibt sein einstiger Torwart-Rivale Alfred „Fredy" Götze.
Paul Gehlhaar auf einen Blick
- Geboren: 27. August 1905, Königsberg
- Gestorben: 30. Juni 1968, Berlin
- Vereine: VfB Königsberg, Hertha BSC (ab November 1927)
- Position: Torhüter
- Titel: Deutscher Meister 1930 und 1931 mit Hertha BSC; Olympiareserve 1928
- Länderspielbilanz: 2 Länderspiele, keine Tore (als Torhüter)
- Auszeichnung: DFB-Ehrenbrief (April 1936), für die Rettung eines ertrinkenden Kindes 1933
Länderspiele
Quellen
- Hertha BSC, Hertha-Museum: „Paul Gehlhaar – Meistertorwart & Lebensretter"
- DFB-Datencenter: Paul Gehlhaar
- Olympedia: Paul Gehlhaar
- Preußische Allgemeine Zeitung / Ostpreußenblatt, Juli 1968 (zeitgenössischer Nachruf)
- DFB-Datencenter: Hertha BSC, Deutsche Meisterschaft 1930/31