Ali Beier – der robuste Mann hinter Hamburgs Meistern

Es war kurz vor der Pause in Stockholm, am 30. September 1928. Charles Brommesson flankte für Schweden, der Ball sprang Ali Beier vom Fuß an die Hand und ins Gesicht, der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Das Darmstädter Tagblatt nannte die Entscheidung hart, denn eine Absicht habe niemand erkennen können. Harry Lundahl verwandelte, Deutschland verlor 0:2. Beier war ein Verteidiger, der mit dem Körper arbeitete, und an diesem Nachmittag arbeitete er offenbar auch ungewollt mit der Hand. Der Hamburger war nach der Wikipedia nur 1,65 Meter groß, wurde zweimal deutscher Meister und lief elfmal für Deutschland auf. Ein Länderspieltor schoss er nie. Seine Arbeit begann dort, wo die gegnerischen Stürmer ankamen.

Ali Beiers Laufbahn · von Lokstedt zum Hamburger SV, 1917–1933
Ali Beiers Laufbahn · von Lokstedt zum Hamburger SV, 1917–1933

»… vom Hamburger Albert Beier, der beim Schweiz-Spiel debütiert hatte und mit kraftvollen, fast parallel zur Außenlinie getretenen Bällen positiv aufgefallen war.«

— Schulze-Marmeling (Hrsg.): Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, über Beiers Debüt im Dezember 1924

Aus Lokstedt zum HSV

Albert Beier kommt am 28. September 1900 in Lokstedt zur Welt, ein Stadtteil von Hamburg. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 schreibt den Heimatort »Lockstedt«, die Wikipedia und Olympedia schreiben Lokstedt. Von Beruf ist er nach dem Lexikon Kaufmann. Gerufen wird er »Ali«.

Er beginnt bei Eintracht Lokstedt, nach der Wikipedia von 1917 an. Die Vereinschronik von Eintracht, 1908 gegründet, erzählt es früher: In der Knabenmannschaft, die 1912 den von der Zeitschrift »Sperber« ausgeschriebenen Schüler-Pokal gewann, stand »ein gewisser Albert Breier«, der später in Eintrachts Meisterelf von 1920 spielte und mit dem HSV Deutscher Meister, elffacher Nationalspieler und Olympiateilnehmer 1928 wurde. Der Name ist dort falsch geschrieben, gemeint ist nach diesem Werdegang Beier. Der Verein beruft sich auf seine Festschrift von 1958.

Dann geht es weiter: Ein Jahr spielt er 1920/21 beim FC Union 03 Altona, ein Wechsel, den das Hamburger Fremdenblatt am 8. August 1920 bestätigte. 1921 geht er zum Hamburger SV, und dort bleibt er zwölf Jahre. Er ist 21, als er zum ersten Mal in einem Endspiel steht.

Drei Endspiele in Folge

Der HSV ist in diesen Jahren die Macht des Nordens. Trainer ist A. W. Turner, im Tor steht Hans Martens, die Läuferreihe dirigiert der Norweger Asbjørn Halvorsen, im Sturm spielen Walter Kolzen, Ludwig Breuel, Tull Harder, Karl Schneider und Hans Rave. Neben Beier verteidigt 1922 zunächst Gustav Schmerbach.

Seine erste Endrunde spielt Beier 1922. Der HSV schlägt am 21. Mai auf dem Hamburger Hoheluft-Sportplatz Titania Stettin 5:0 und am 4. Juni in Frankfurt Wacker München 4:0. Dann folgen zwei Endspiele gegen den 1. FC Nürnberg, von denen keines zu Ende gespielt wird. Am 18. Juni 1922 steht es im Berliner Deutschen Stadion vor 30.000 Zuschauern nach 90 Minuten 2:2, Schiedsrichter ist Peco Bauwens. Nach Verlängerung, auch dann fällt kein Tor mehr, bricht der Schiedsrichter nach 189 Minuten wegen einbrechender Dunkelheit ab. Das Wiederholungsspiel am 6. August im Leipziger VfB-Stadion, 50.000 Zuschauer, geht 1:1 nach 90 Minuten aus. Nürnberg verliert Willy Böß (18. Minute, Platzverweis) und Heinrich Träg (100. Minute), dazu verletzen sich Anton Kugler und Luitpold Popp. Als Popp ausscheidet, hat der Club nur noch sieben statt der vorgeschriebenen acht Spieler, das Spiel wird abgebrochen. Der HSV wird am grünen Tisch zum Meister erklärt und verzichtet auf den Titel. In Leipzig verteidigt neben Beier Rudi Agte. Das DFB-Datencenter führt für Beier nur die Meistertitel 1923 und 1928.

Ein Jahr später klappt es auf dem Platz. Der Weg zum Titel 1923 führt über ein 2:0 am 13. Mai in Altona gegen Guts Muts Dresden und ein 3:2 am 27. Mai in Stettin gegen den VfB Königsberg. Am 10. Juni 1923 schlägt der HSV im Berliner Deutschen Stadion den SC Union Oberschöneweide 3:0, vor 64.000 Zuschauern, Schiedsrichter ist Philipp Brucker aus Stuttgart. Harder (34.), Breuel (70.) und Schneider (90.) treffen, Beier steht diesmal neben Marcel Speyer in der Abwehr. Im Oktober 1922 hatte er sein Debüt in der norddeutschen Auswahl im Bundespokal gegeben.

1924 steht der HSV zum dritten Mal in Folge im Endspiel, wieder in Berlin. Auf dem Weg dorthin schlägt er am 11. Mai in Breslau die Vereinigten Breslauer Sportfreunde 3:0 und am 25. Mai in Hamburg SpVgg 1899 Leipzig-Lindenau 1:0. Das Finale gewinnt Nürnberg 2:0 (9. Juni 1924, 40.000 Zuschauer, Tore von Georg Hochgesang und Wolfgang Strobel). Beier spielt neben Walter Risse. In derselben Saison verliert die norddeutsche Auswahl auch das Endspiel im Bundespokal 2:4 gegen den Süden.

Der Verteidiger mit dem weiten Schlag

Beier spielt rechter Verteidiger, und seine Spielweise gilt nach der Wikipedia als sehr körperbetont und robust. Olympedia nennt ihn einen »robust-tackling defender« und den »king of punts«, den König der weiten Schläge. Schulze-Marmeling beschreibt es genauer: Beier fiel 1924 mit »kraftvollen, fast parallel zur Außenlinie getretenen Bällen« positiv auf. Er misst nach der Wikipedia 1,65 Meter. Dass er ihn auch übertrieb, sagt ein Zeitungsurteil von 1928: Der Algemeen Handelsblad nennt ihn beim olympischen Spiel gegen die Schweiz einen Verteidiger, der seine Körperkraft oft eingesetzt habe. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 beschränkt sich auf die Eckdaten: Verteidiger, Beruf Kaufmann.

Elf Länderspiele in sieben Jahren

Im Dezember 1924 ruft ihn der DFB. Am 14. Dezember 1924 trennt sich Deutschland in Stuttgart 1:1 von der Schweiz, in Württemberg und Baden ruht dafür der Vereinsspielbetrieb. Es ist das erste Spiel mit dem neuen »Berater« Max Breunig, der die Spieler auf die geänderte Abseitsregel einstellen soll, nach der nur noch zwei Gegenspieler zwischen Angreifer und Tor stehen müssen. Schulze-Marmeling beschreibt, wie der Mittelläufer dadurch zum Abwehrchef wurde, und nennt Beier, der Nürnbergs Hans Kalb unterstützt habe. Das Darmstädter Tagblatt wundert sich über die vielen Fehler der deutschen Hintermannschaft in der ersten Halbzeit, Beier wird dort allerdings nicht einzeln genannt. Der Berichterstatter, der nur mit »Kuk.« zeichnet, fasst am Ende zusammen: »Es war das Beste nicht.« Für Adolf Jäger ist es das 18. und letzte Länderspiel, für Beier das erste.

Die Wikipedia schreibt, er habe sich zunächst nicht in der Nationalmannschaft etablieren können, vor allem weil Deutschland bei seinen nächsten drei Einsätzen ebenfalls sieglos blieb. Am 29. März 1925 verliert Deutschland in Amsterdam bei kaltem, zeitweise strömendem Regen 1:2 gegen die Niederlande. Die Utrechtsche courant schätzt 30.000 Zuschauer und lobt das Feld- und Kopfballspiel der Deutschen, im Sturm habe es aber an guten Schützen gefehlt. Kurt Voß schießt das deutsche Tor, und Beier spielt dabei. Drei Monate später, am 21. Juni 1925, beginnt in Stockholm die Nordlandreise: Der DFB schickt einen Tross von 25 Spielern, von denen nach Schulze-Marmeling anschließend 15 nie wieder in der Nationalelf auftauchen. Es gibt ein 0:1 gegen Schweden vor rund 10.000 Zuschauern, nach 22 Minuten geht Beier vom Platz, für ihn kommt August Werner. Einen Grund nennen die Quellen nicht. Nach der Wikipedia fehlt Beier 1925 verletzt bei der Endrunde zur deutschen Meisterschaft, ob das zusammenhängt, ist nicht belegt. Fünf Tage später gewinnt Deutschland in Helsinki 5:3 gegen Finnland, Beier steht dort nicht in der Elf. Am 12. Dezember 1926 folgt in München das 2:3 gegen die Schweiz, vor 40.000 Zuschauern, Beiers viertes Spiel und das zweite unter Reichstrainer Otto Nerz. Das Darmstädter Tagblatt überschreibt seinen Bericht mit »Die deutsche Nationalelf liefert eines ihrer schlechtesten Spiele. Ertl und Harder versagen.« Beier wird in dem Bericht nicht erwähnt. Dann ruft ihn der DFB eineinhalb Jahre lang nicht mehr. In dieser Zeit stellt Nerz nach Schulze-Marmeling das Team auf das W-M-System um.

1928 gehört er wieder zum Kreis der Nationalmannschaft und spielt beim olympischen Turnier in Amsterdam, am 28. Mai gegen die Schweiz und am 3. Juni gegen Uruguay. Beide Male steht dieselbe Elf auf dem Platz.

Am 16. September 1928 bekommt das neue Nürnberger Stadion seinen ersten großen Fußballnachmittag, 50.000 Zuschauer sehen Deutschland gegen Dänemark, das in den drei Begegnungen davor jeweils klar gewonnen hatte. In der 9. Minute tritt Beier auf den Ball und kommt zu Fall, und ein dänischer Stürmer schiebt ein. Wer, sagen die Quellen unterschiedlich. Deutschland dreht das Spiel noch auf 2:1, Conny Heidkamp und Ludwig Hofmann treffen. Das Darmstädter Tagblatt sah die Verteidigung zunächst unsicher, später gut und nannte die Läuferreihe den besten Mannschaftsteil. Zwei Wochen später kommt die Elfmeter-Szene von Stockholm. Georg Knöpfle führt die Mannschaft aufs Feld, zum Losen treten aber Beier und der schwedische Verteidiger Axel Alfredsson vor den Schiedsrichter. Am 28. April 1929 gewinnt Deutschland in Turin 2:1 gegen Italien, nach dem DFB-Datencenter mit dem Ausgleich von Josef Hornauer in der 12. Minute und dem Siegtor Georg Franks in der 80. Das Darmstädter Tagblatt schreibt, es verheimliche nicht, dass dem Sieg »eine große Dosis Glück« geholfen habe, und dass Italien nicht gewonnen habe, verdanke es »fast allein« der Läuferreihe und Torwart Heiner Stuhlfauth.

Am 20. Oktober 1929 ehrt der DFB in Altona zwei Verteidiger für ihr zehntes Länderspiel: Hans Hagen aus Fürth und Beier. Deutschland schlägt Finnland 4:0, Fritz Szepan debütiert. Torwart und Verteidigung, schreibt das Tagblatt, seien sicher gewesen. Das elfte und letzte Spiel bestreitet Beier am 24. Mai 1931 in Berlin, es ist das 0:6 gegen Österreich. In der 6. Minute läuft Toni Schall an ihm vorbei und schießt das 0:1. Das Darmstädter Tagblatt sah eine zweite Garnitur der Deutschen auf dem Platz, ohne Kreß, Schütz, Stubb, Leinberger, Heidkamp und Kuzorra, und sprach von einem »verdienten Denkzettel«. Reichstrainer Nerz sagte laut Österreichischem Pressebüro: »Die Österreicher waren eben so viel besser, dass sie spielen konnten, wie sie wollten.« Die Wikipedia nennt Franz Schütz als den Mann, der ihn zeitweise von seiner Position verdrängte.

Der große Tag: Amsterdam, 28. Mai 1928

Pfingstmontag, 14 Uhr, Olympiastadion Amsterdam. Seit dem 1:3 gegen Ungarn 1912 in Stockholm hat Deutschland kein olympisches Fußballspiel mehr bestritten. Gegner ist die Schweiz, Olympiazweiter von 1924. Sonderzüge bringen deutsche Anhänger nach Amsterdam, nach den amtlichen Zahlen zahlen 16.158 Besucher Eintritt, niederländische Zeitungen schätzen mehr.

Reichstrainer Otto Nerz stellt Heiner Stuhlfauth ins Tor. Davor spielen Beier und Heinrich Weber als Verteidiger, in der Läuferreihe Georg Knöpfle, Kapitän Hans Kalb und Ludwig Leinberger. Im Sturm stehen Ernst Albrecht, Josef Hornauer, Josef Pöttinger, Richard Hofmann und Ludwig Hofmann.

Deutschland – Schweiz 4:0 · die Elf von Amsterdam mit Ali Beier als Verteidiger
Deutschland – Schweiz 4:0 · die Elf von Amsterdam mit Ali Beier als Verteidiger

Richard Hofmann trifft nach 17 Minuten aus weiter Entfernung zum 1:0, Hornauer erhöht vor der Pause. Nach dem Wechsel läuft Hofmann links an den Schweizern vorbei und macht das 3:0, drei Minuten vor Schluss das 4:0. Die Zeitung Algemeen Handelsblad nennt das Spiel »mehr eine Vorführung von Kraft als von Gewandtheit« und stellt fest, die Deutschen seien Mann für Mann größer gewesen, was vor allem beim Kopfball den Ausschlag gegeben habe. Beier wird dort ausdrücklich genannt, als ein Verteidiger, der seine Körperkraft zu oft eingesetzt habe. Ein Tadel, der zu seiner Spielweise passt.

Sechs Tage später, am 3. Juni 1928, folgt das Viertelfinale gegen Uruguay, den Olympiasieger von 1924. Die Elf ist dieselbe. Deutschland verliert 1:4, und es gibt drei Platzverweise: gegen Kapitän Kalb, gegen Richard Hofmann und gegen Uruguays Kapitän José Nasazzi. Damit ist das olympische Turnier für Deutschland vorbei. Wer das deutsche Tor zum 1:3 schoss, ist in den Zeitungen unterschiedlich überliefert: RSSSF, Olympedia, Wikipedia und die Haagsche Courant nennen Richard Hofmann, die Maasbode nennt Hornauer, und die Volkskrant schreibt es Beier zu. Dann wäre es sein einziges Länderspieltor gewesen, doch die Statistik führt ihn ohne Treffer. Das Darmstädter Tagblatt kritisiert am 5. Juni 1928 vor allem Hofmann und Kalb, gerade diese beiden seien schon in den Spielen gegen Cowdenbeath durch ihr Benehmen aufgefallen, und der DFB habe die Aufstellung gegen Uruguay trotz Bedenken gewagt. Gegen das Verhalten der übrigen Spieler, schreibt das Blatt, sei nichts zu sagen. Beier gehörte zu den übrigen.

Meister 1928 und das Ende beim HSV

Wenige Wochen später ist Beier mit dem HSV wieder dort, wo er sich auskennt. In der Endrunde 1928 gewinnt der HSV am 8. Juli 4:2 gegen Schalke, am 12. Juli 4:0 in Königsberg und am 22. Juli in Duisburg 8:2 gegen Bayern München. Das Endspiel am 29. Juli findet in Altona statt, fast vor der Haustür: Die Wikipedia nennt 42.000 Zuschauer, das Darmstädter Tagblatt 50.000. Schiedsrichter ist Theodor Maul aus Nürnberg, der Trainer des HSV Rudolf Agte, das Ergebnis lautet 5:2 gegen Hertha BSC. In der HSV-Elf stehen Wilhelm Blunk im Tor, Beier und Walter Risse als Verteidiger, vor ihnen die Läufer Otto Carlsson, Asbjørn Halvorsen und Hans Lang, vorn Walter Kolzen, Heinrich Ziegenspeck, Tull Harder, Franz Horn und Hans Rave.

Nach der Wikipedia führt der HSV nach 20 Minuten 3:0, zur Pause steht es 3:1. Die Torfolge unterscheidet sich bei den Quellen: Die Wikipedia nennt Harder (7.), Rave (17.), Kolzen (20.), Horn (57.), Kolzen (64.) sowie für Hertha Kirsei (24.) und Grenzel (75.). Das Darmstädter Tagblatt schreibt in seinem Drahtbericht vom 29. Juli, erschienen am 30. Juli 1928, Harder habe in der 5. Minute getroffen, Ziegenspeck in der 12. und 17., Kirsei in der 20., in der zweiten Halbzeit Horn in der 15. und Kolzen in der 20. Minute. Das Blatt urteilt, der HSV sei »nicht durch sein Können« zum Sieg gekommen, die Berliner hätten im Zusammenspiel und in der Ballbehandlung »ein unverkennbares Plus« gehabt. Getragen habe die Hamburger ihr Siegeswille, ihr Kampfgeist. Die Verteidigung, zu der Beier gehört, arbeitete nach dem Tagblatt »mit großer Sicherheit, rein und schnell im Schlag, mit schnellem Start und großer Körperbeherrschung«. Bei einem Zusammenstoß mit Hertha-Stürmer Hans Grenzel wird Beier verletzt, Grenzel erhält eine Verwarnung. Am Ende durchbricht das Publikum die Absperrungen und trägt die Hamburger »im Triumph vom Platz«. Beier bestreitet alle vier Endrundenspiele, so führt es das DFB-Datencenter.

Mit der norddeutschen Auswahl gewinnt er 1925 und 1930 den Bundespokal, 1927 und 1928 verliert sie das Endspiel. Das Finale 1930 gewinnt der Norden 2:0 gegen die Auswahl Brandenburgs. In der Statistik, die die Wikipedia nennt, stehen für ihn 27 Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft, 28 Spiele für Norddeutschland. Mit dem HSV wird er norddeutscher Meister 1922, 1923, 1924, 1925, 1928, 1929 sowie 1931, 1932 und 1933. Nach dem Titel 1928 bleibt der HSV im Norden die Nummer eins, doch auf nationaler Ebene fehlt der Durchbruch. In der Saison 1928/29 spielen neun Hamburger Spitzenvereine und Holstein Kiel in der »Runde der Zehn« eine eigene Meisterschaft aus, die der HSV ungeschlagen gewinnt, in der Endrunde ist im Viertelfinale nach einem 0:2 gegen die SpVgg Fürth Schluss. 1930 verpasst der Verein die Endrunde, danach wird die Mannschaft verjüngt, langjährige Stützen wie Harder, Kolzen und Rave verlassen den Klub. 1931 scheitert der HSV im Halbfinale 2:3 nach Verlängerung an Hertha BSC, 1932 im Viertelfinale 2:4 an Schalke, 1933 im Achtelfinale 1:4 an Eintracht Frankfurt. So steht es in der Vereinsgeschichte der Wikipedia. 1933 ist auch für Beier Schluss: Der HSV teilt ihm brieflich mit, dass er ihn aus Altersgründen nicht mehr in der Ligamannschaft einsetzen wolle. Beier ist zu diesem Zeitpunkt 32 oder 33 Jahre alt.

Danach

Olympedia nennt Beier den Besitzer eines Feinkostgeschäfts in Hamburg und außerdem den »king of punts«, sinngemäß den König der weiten Schläge. Das passt zu dem, was Schulze-Marmeling über seinen Stil schreibt: kraftvoll, fast parallel zur Seitenlinie.

Nach Angaben des Bundesarchivs, die die Wikipedia nach dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 wiedergibt, beantragte Beier am 26. September 1941 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober 1941 aufgenommen. Ali Beier stirbt am 21. September 1972 in Hamburg, eine Woche vor seinem 72. Geburtstag.

Albert oder Ali?

Auf den Spielberichten steht meist »Ali Beier«, einmal, am 12. Dezember 1926, »Albert Beier«. Gemeint ist derselbe Mann: Die RSSSF-Liste führt den Einsatz in München als sein viertes Länderspiel unter dem Namen »Albert ›Ali‹ Beier«, das Lexikon von 1939 nennt unter »Beier, Albert« unter anderem 1926 Schweiz. Nicht zu verwechseln ist er mit dem gleichnamigen Fußballspieler Albert Beier (* 1938).

Bei der Zahl der Länderspiele stimmen RSSSF, DFB-Datencenter, Olympedia und Wikipedia überein: elf Einsätze, vier Siege, ein Unentschieden, sechs Niederlagen, 17:21 Tore.

Ali Beier auf einen Blick

Geboren: 28.9.1900 in Lokstedt (heute Hamburg)
Gestorben: 21.9.1972 in Hamburg
Vereine: Eintracht Lokstedt (ab 1917), FC Union 03 Altona (1920/21), Hamburger SV (1921–1933)
Position: Verteidiger
Größe: 165 cm (laut Wikipedia)
Beruf: Kaufmann (Lexikon 1939), später Feinkosthändler (Olympedia)
Erfolge: Deutscher Meister 1923 und 1928, Olympia 1928, Bundespokalsieger 1925 und 1930
Bilanz: 11 Länderspiele (4 Siege, 1 Unentschieden, 6 Niederlagen), keine Tore (1924–1931)

Länderspiele

Quellen