Georg Hochgesang – der Mann mit dem Sprungpass
Er sprang steil in die Höhe, schaute sich in der Luft um und drosch den Ball am höchsten Punkt des Sprungs auf den rechten oder linken Flügel. Georg Hochgesang, 1,65 Meter groß, gelernter Mechaniker, gilt als Erfinder dieses Sprungpasses, und nach den Worten seines Vereins beherrschte ihn auch kein Zweiter. Alfred Schaffer, der große ungarische Stürmer, soll über ihn gesagt haben: »Der spielt wie ich, als ich jung war!« So überliefert es das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939, und es fügt trocken hinzu, Schaffer sei mit Lob für andere bekanntlich nicht verschwenderisch.
»Kein deutscher Stürmer kam bisher in der Eigenart des technisch und taktisch beherrschten Spiels dem ›Fußballkönig‹ so nahe wie Hochgesang.«
Ein Nürnberger von Pfeil
Georg Hochgesang, »Schorsch« gerufen, kommt am 3. November 1897 in Nürnberg zur Welt. Mit acht Jahren fängt er beim FC Pfeil an, ab 1916 spielt er dort in der ersten Mannschaft. Pfeil war, wie der 1. FC Nürnberg heute schreibt, eine Talentschmiede: Luitpold Popp, Carl Riegel, Heinrich Träg und Heiner Stuhlfauth waren schon vor den Zwanzigern von dort zum Club gewechselt. Hochgesang folgte erst 1921, mit 23 Jahren. Warum so spät? In einem Interview, aus dem der Club zitiert, sagte er: »Ich musste mein Versprechen halten, so lange bei Pfeil zu bleiben, bis wir einen Aufstieg geschafft hatten.«
Das Jahr des Wechsels ist allerdings nicht ganz sicher. Wikipedia nennt die Saison 1921/22 und führt ihn als nordbayerischen Meister 1922. Die IFFHS-Zeitschrift Libero dagegen schreibt, der Krieg habe seine Entwicklung unterbrochen, er sei zwischenzeitlich beim Ortsrivalen FC Franken gewesen und »erst 1923« zum Club gekommen. An anderer Stelle heißt es dort, er sei »erst 25jährig vor Saisonbeginn 1923/24« von Pfeil zum »Zabo« gewechselt. Dazu passt, dass dieselbe Zeitschrift ihm das Viertelfinale im Mai 1924 als erstes Endrundenspiel zuschreibt.
Sein Motto, so der Club: »Langsam kommt man auch ans Ziel.« Es passte. Schnell war er nicht, und seine Schüsse trafen, so die Wikipedia, längst nicht immer das Tor. Dafür hatte er Technik, Übersicht und einen kühlen Kopf. Der Club schreibt, der Mechaniker sei ein Meister der Körpertäuschung gewesen, der Ball habe, so hieß es, an ihm geklebt.
Eine Geschichte hat er selbst erzählt, und sie steht im Lexikon von 1939 als sein »schönstes Erlebnis«. Der Club spielte in Paris, »vor rund zehn Jahren«, wie es dort heißt. Im Strafraum fiel ein kleiner französischer Gegenspieler gegen den schweren Hochgesang. Freistoß. Hochgesang aber sprang auf, half dem Franzosen hoch, schüttelte ihm die Hand, entschuldigte sich und ging Arm in Arm mit ihm zurück aufs Feld. Die Zuschauer tobten vor Begeisterung. Er habe im ersten Moment befürchtet, der Applaus sei ein Protest wegen seines Fouls.
Meister mit dem Club
Sieben Jahre trug er das Trikot des 1. FC Nürnberg, 259 Spiele lang, davon zehn Endrundenspiele mit sechs Toren (Wikipedia). Er spielte Halbstürmer, nach dem Lexikon Halbrechter und Mittelstürmer. Libero schreibt, er sei mit seinem Ideenreichtum im Verein »nicht immer auf Gegenliebe« gestoßen, hebt aber zugleich seine Freistöße hervor. In Nürnberg habe er »zu keiner Zeit die erhoffte Anerkennung und Rückendeckung« gefunden, heißt es dort rückblickend.
1924: Pfingsten in Berlin. Der erste Titel führte über zwei Berliner Spiele und ein Fürther. Am 11. Mai 1924 gewann der Club das Viertelfinale bei Alemannia 90 mit 6:1. In der 78. Minute traf Hochgesang zum 5:1, nach Libero vor 10.000 Zuschauern. Am 25. Mai folgte auf dem Platz am Ronhofer Weg in Fürth ein 3:1 gegen den Duisburger SpV. Das Endspiel stieg am Pfingstmontag, dem 9. Juni 1924, im Deutschen Stadion gegen den Hamburger SV. Der Club spielte mit Heiner Stuhlfauth im Tor, dem Schweizer Gustav Bark und Anton Kugler in der Verteidigung, Hans Schmidt, Hans Kalb und Carl Riegel in der Läuferreihe, vorn Wolfgang Strobel, Hochgesang, Ludwig Wieder, Heinrich Träg und Hans Sutor. Schiedsrichter war Fritz Seiler aus Mittweida. In der 30. Minute schoss Hochgesang das 1:0, in der 87. machte Strobel das 2:0. Die Zuschauerzahl ist strittig: Wikipedia nennt 40.000, Libero 30.000. Mit Hochgesang und Wieder im Angriff, so Libero, schienen die Franken »stärker als je zuvor«. Der Halbstürmer habe das Angriffsspiel mit seinem Ideenreichtum neu aufblühen und unberechenbarer werden lassen.
1925: Zwei Tore in Duisburg. Im Jahr darauf war der Club nur süddeutscher Vizemeister, trat aber als Titelverteidiger an. Er schlug am 3. Mai 1925 im heimischen Zabo den SV Jena 2:0 und gewann am 17. Mai im Viertelfinale beim Breslauer SC 08 mit 4:1. Dort stand es lange nur 2:1, die Entscheidung fiel erst in der Schlussphase, und Hochgesang traf in der 88. Minute zum 4:1. Am 24. Mai spielte der Club im Duisburger Wedaustadion vor 35.000 Zuschauern. Hochgesang schoss in der 9. und in der 20. Minute die ersten beiden Tore zum 3:0-Sieg, und Libero lobt seine Übersicht, seine technischen Fertigkeiten und seine »wuchtigen Freistöße«. Im Endspiel am 7. Juni 1925 in Frankfurt gegen den FSV fiel die Entscheidung erst in der 108. Minute, Wieder schoss das 1:0. Hochgesang, der laut Libero auch gegen sein Übergewicht kämpfen musste, war an diesem Tag gegen den FSV-Mittelläufer Robert Pache »meist nur zweiter Sieger«. Mit drei Toren in vier Spielen teilte er sich in der Torschützenliste des Turniers Platz 4 mit Träg.
1927: Der Titel Nummer drei. Auch 1927 war er dabei, nach dem Gewinn der bayerischen und der süddeutschen Meisterschaft (Wikipedia). Der Club spielte im Endspiel mit Stuhlfauth, Luitpold Popp und Georg Winter hinten, mit Emil Köpplinger, Kalb und Schmidt in der Läuferreihe und vorn Baptist Reinmann, Hochgesang, Josef Schmitt, Wieder und Träg. Das Viertelfinale am 22. Mai in Hamburg auf dem Hoheluft-Platz gewann der Club vor 25.000 mit 2:1, beide Tore schoss Wieder, nach Libero innerhalb von sechs Minuten nach knapp einer Stunde. Im Halbfinale gegen den TSV 1860 München am 29. Mai auf dem ASV-Platz in Nürnberg (20.000) traf Hochgesang schon in der 5. Minute zum 1:0. Es wurde ein 4:1. Das Endspiel am 12. Juni 1927 im Deutschen Stadion gegen Hertha BSC endete 2:0 vor 50.000 Zuschauern, die Tore schossen Kalb (6.) und Träg (65.), der in der 75. Minute vom Platz musste. Für den Club war es nach 1920, 1921, 1924 und 1925 der fünfte Titel in acht Jahren, und keines seiner 20 Endrundenspiele nach dem Ersten Weltkrieg ging verloren (18 Siege, 2 Remis, so Libero).
Zwischen den Titeln lagen die Länderspiele.
Sechs Länderspiele in drei Jahren
Sechs Tage nach dem Titel von 1924 debütierte er in Kristiania. Am 15. Juni gewann Deutschland dort 2:0 gegen Norwegen, vor etwa 6.000 Zuschauern. Mit Hochgesang spielten seine Clubkameraden Heiner Stuhlfauth, Anton Kugler, Hans Kalb, Hans Schmidt, Wolfgang Strobel, Ludwig Wieder und Hans Sutor, dazu der Hamburger Tull Harder. Drei Monate später, am 21. September, verlor die Elf in Budapest 1:4 gegen Ungarn. Das Darmstädter Tagblatt sah die Ungarn »taktisch und technisch« besser. Nach der Pause führte Hochgesang den Angriff als Mittelstürmer an, Harder spielte die Verbindung und schoss das einzige deutsche Tor.
Dann kam ein Jahr ohne Länderspiel für ihn. Am 25. Oktober 1925 war er in Basel wieder dabei, und diesmal gewann Deutschland 4:0. Harder schoss drei Tore. Das Lexikon erzählt im Eintrag über Andreas Franz, wie die beiden Halbstürmer Franz und Hochgesang den Durchbrecher Harder erst richtig in Fahrt setzten und ihm zu drei Toren verhalfen. Das vierte Tor schoss Hochgesang selbst, nach niederländischen Zeitungen in der 72. Minute »mit einem prächtigen Schuss«, nach dem DFB in der 76. Es war sein erstes Tor im Nationaltrikot.
Am 31. Oktober 1926 begann in Amsterdam die Ära von Reichstrainer Otto Nerz, und Hochgesang war dabei. Beim 3:2 gegen die Niederlande ging nach der Zeitung De Amstelbode dem 2:1 durch Harder eine Kombination zwischen Kalb und Hochgesang voraus. Sechs Wochen später, am 12. Dezember in München, verlor Deutschland vor 40.000 Zuschauern 2:3 gegen die Schweiz. Das Tagblatt überschrieb den Bericht: »Die deutsche Nationalelf liefert eines ihrer schlechtesten Spiele.« Hochgesang verwandelte kurz vor der Pause einen Elfmeter zum 1:2, das Tor wird in der 44. Minute geführt.
Der große Tag: Altona, 23. Oktober 1927
Sein letztes Länderspiel ist das mit der größten Wende. Am Sonntag, dem 23. Oktober 1927, spielte Deutschland im neuen Altonaer Stadion gegen Norwegen, vor 30.000 Zuschauern, unter dem dänischen Schiedsrichter Lauritz Andersen. Kalb führte die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Drei Wochen zuvor hatte Nerz in Kopenhagen gegen Dänemark gleich neun Neulinge berufen und 1:3 verloren. Mit Stuhlfauth, Kugler, Kalb und Hochgesang, so schreibt es Schulze-Marmeling, hatte er aber bereits vier Stammspieler gefunden.
Die erste Halbzeit gehörte den Norwegern. Sie spielten laut Tagblatt mit »Feuereifer« und einem »fast unheimlichen Tempo«. Nach 24 Minuten (das Tagblatt nennt die 22.) stand es 0:2. Im deutschen Angriff, so das Tagblatt, fehlte die Verständigung: Der Halbrechte Hochgesang sei bei seinem stattlichen Körperumfang zu langsam gewesen und kaum zur Wirkung gekommen, und Pöttinger vermisste man als Sturmführer. Zur Pause lag Deutschland zurück.
Dann kippte das Spiel. Nach einem Zusammenspiel von Josef Pöttinger und Ludwig Hofmann kam der Ball zu Hochgesang. Er umspielte den Verteidiger Pedersen und schoss das 1:2 (DFB-Datencenter: 55. Minute). Danach ging es schnell: Pöttinger glich aus, wieder nach Zusammenspiel mit Hochgesang, dann schoss er das 3:2, Kalb traf zum 4:2, Ludwig Hofmann zum 5:2, drei Minuten vor Schluss besorgte Pöttinger den sechsten Treffer. Aus 0:2 war 6:2 geworden, in den letzten 35 Minuten.
Das Tagblatt hielt den Sieg wegen der zweiten Halbzeit für verdient und nannte Ludwig Hofmann und Pöttinger die besten Angreifer. Über Hochgesang fällt es ein zurückhaltendes Urteil: Er sei, so lässt sich der an dieser Stelle schwer lesbare Scan deuten, auch künftig nicht mehr für eine Nationalmannschaft reif. Schulze-Marmeling schreibt, das Team habe eine Leistung geboten, »wie man sie von einer deutschen Nationalelf nie zuvor gesehen hatte«. Wie viele Tore Hochgesang in Altona schoss, ist allerdings umstritten. Der DFB und das Tagblatt führen ihn nur bei einem. Das Lexikon dagegen zählt zwei, damit vier Länderspieltore insgesamt, und so steht es auch in Wikipedia und beim Club. Nach DFB-Datencenter und Spielberichten sind es drei Länderspieltore in sechs Spielen.
Es sollte sein letztes Länderspiel sein. Für das olympische Turnier 1928 in Amsterdam wollte Nerz, so Schulze-Marmeling, fünf Routiniers zu Hause lassen: Wieder, Träg, Hochgesang, Schmidt und Harder. Das Aufgebot erntete Kritik.
Fortuna: ein Meister am Rhein
Zur Saison 1928/29 zog Hochgesang nach Düsseldorf. Als gelernter Mechaniker hatte er ein gutes berufliches Angebot aus der Stadt, so die Wikipedia, und wechselte zu Fortuna. Im ersten Spiel gegen den FC Solingen 1895 waren 7.000 Zuschauer an der Vennhauser Straße, und Hochgesang führte sich nach Angaben des Clubs mit zwei Toren beim 8:0 ein. Libero nennt ihn in Düsseldorf Spielertrainer: Im Sommer 1928 habe er das Werk des Trainers Körner fortgesetzt und die Rot-Weißen aus Flingern zu einer Spitzenmannschaft gemacht. Wikipedia führt für diese Jahre keine Trainerstation, im Endspiel 1933 nennt sie Heinrich Körner als Fortuna-Trainer.
Mit Fortuna gewann er 1931 und 1933 die Bezirksmeisterschaft in Berg-Mark, und schon vorher stand er zweimal in der Endrunde. 1929 hatte Fortuna als Dritter der westdeutschen Meisterschaft noch ein Qualifikationsspiel gegen ETB Schwarz-Weiß Essen (1:0) gewonnen und musste am 16. Juni 1929 zur SpVgg Fürth, ausgerechnet auf den Zabo, den alten Platz seines Clubs. Vor 9.000 Zuschauern glich Hochgesang in der 39. Minute zum 1:1 aus, am Ende stand es 1:5. Libero sah Fortunas erst 19-jährigen Mittelläufer Jakob Bender nach der Pause gegen den Fürther Angriffswirbel machtlos. 1931 kam Eintracht Frankfurt am 14. Mai ins Düsseldorfer Rheinstadion, vor 30.000 Zuschauern. Hochgesang brachte Fortuna in der 15. Minute per Elfmeter in Führung, und auch nach dem 1:1 ging Fortuna noch einmal in Front (2:1, 70. Minute). Doch Eintrachts Mittelstürmer Karl Ehmer glich zweimal aus und schoss in der 120. Minute das 3:2 für Frankfurt, nach Libero in der letzten Sekunde der Verlängerung.
1933: Meister. Zwei Jahre später klappte es. Hochgesang, 35 Jahre alt, war in jeder Runde dabei und traf in jeder. Am 7. Mai 1933 schlug Fortuna im Rheinstadion vor 8.000 Zuschauern Vorwärts-Rasensport Gleiwitz 9:0. Hochgesang eröffnete in der 7. Minute den Torreigen, den Zwolanowski mit vier Treffern fortsetzte. Am 21. Mai gewann Fortuna im Hindenburg-Stadion in Hannover vor 20.000 Zuschauern 3:0 gegen Arminia, und Hochgesang schoss in der 3. und in der 43. Minute zwei Tore, Wigold in der 46. das dritte. Am 28. Mai folgte im Halbfinale vor 30.000 auf dem Berliner Preußen-Platz ein 4:0 gegen Eintracht Frankfurt, mit Hochgesangs Tor zum 3:0 in der 79. Minute. In den vier Spielen kam er so auf fünf Tore, nur Eintrachts Karl Ehmer traf öfter (sechs). Mit Paul Mehl und Felix Zwolanowski teilte er sich Platz 2 der Torschützenliste (Libero D 6/7, Wikipedia).
Das Endspiel stieg am 11. Juni 1933 im Kölner Müngersdorfer Stadion gegen Schalke 04, geleitet vom Berliner Alfred Birlem. Am Vormittag hatte der Reichssportkommissar von Tschammer und Osten im Gürzenich über die Neugestaltung des deutschen Sports gesprochen. Vor dem Anpfiff begrüßte er die Mannschaften, und diese entboten dem Publikum nach dem Darmstädter Tagblatt den Hitlergruß. Das Tagblatt zählt »fast 55.000« Zuschauer, Wikipedia und Libero nennen 60.000. Fortuna spielte mit Willi Pesch im Tor, Kurt Trautwein und Paul Bornefeld hinten, Paul Janes, Jakob Bender und Theo Breuer in der Läuferreihe, vorn mit Paul Mehl, Willi Wigold, Hochgesang als Mittelstürmer, Felix Zwolanowski und Stanislaus Kobierski (Aufstellung nach Wikipedia und Libero).
Fortuna, so das Tagblatt, spielte ruhiger und selbstbewusster als der Gegner, die Läuferreihe um den »überragenden Mittelpunkt Bender« arbeitete von Beginn bis Schluss »ganz hervorragend«, und »der Sturm wurde von Hochgesang glänzend geführt«. Zwolanowski schoss das 1:0 (Tagblatt: 11. Minute, Wikipedia und Libero: 10.). Beim 2:0 weichen die Quellen ab: Das Tagblatt nennt Wigold nach einer Flanke Kobierskis, Wikipedia und Libero nennen Mehl in der 70. Minute. Und sechs Minuten vor Schluss (Wikipedia und Libero: 85. Minute) schoss Hochgesang das 3:0. Mit 35 Jahren war er zum vierten Mal Deutscher Meister, zum ersten Mal für Düsseldorf.
Das Lexikon von 1939 macht daraus mehr, als die Zeitung hergibt: Er habe als Meisterspieler des Nürnberger Meistersturms aus der »Provinzelf« den ersten Meisterklub des Rheinlands gemacht und das Endspiel »persönlich entschieden«. Entschieden war es nach dem Tagblatt schon vor seinem Tor. Bis September 1934 absolvierte er noch zehn Pflichtspiele für Fortuna, 119 waren es insgesamt, dann beendete er die aktive Laufbahn.
Trainer, Parteimitglied, Sportlehrer
Er blieb dem Fußball als Sportlehrer und Trainer treu. Nach Wikipedia betreute er 1933/34 den BV 08 Lüttringhausen. Für 1936 meldeten die Hamburger Nachrichten am 25. Mai, er solle sowohl Altona 93 als auch Borussia Harburg betreuen, ob daraus wirklich etwas wurde, ist nach Wikipedia unklar. Ein angebliches Engagement beim Hamburger SV 1934 blieb ein Gerücht, wie dieselbe Zeitung am 6. November 1934 festhielt. Später trainierte er Germania Bochum, und 1938 wurde er nach Wikipedia vom Bochumer Oberbürgermeister Otto Leopold Piclum als erster Trainer des VfL Bochum verpflichtet; dort stand er nach derselben Quelle in einer weiteren Amtszeit bis 1950. Von März 1946 bis Januar 1949 trainierte er Fortuna Düsseldorf (Wikipedia: bis 1948), 1952/53 den TSV Eller 04. Nach der aktiven Zeit schlug er in Düsseldorf eine Sportlehrerlaufbahn ein.
Am 2. Dezember 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.761.276, Bundesarchiv; nach der Wikipedia). Der 1. FC Nürnberg hat das ausdrücklich in seiner Würdigung benannt. Nach Angaben des Clubs gibt es keinen Hinweis auf propagandistische oder verbrecherische Tätigkeiten Hochgesangs; ein Entnazifizierungsverfahren ist bisher nicht bekannt. Der Club entschied, dass der Stehplatzblock 7 im Max-Morlock-Stadion weiter seinen Namen tragen darf.
Hochgesang blieb bis ins hohe Alter aktiv und stand noch regelmäßig auf dem Rasen. Am 12. Juni 1988 starb er in Düsseldorf, mit 90 Jahren. »Langsam kommt man auch ans Ziel«, war sein Motto.
Georg Hochgesang auf einen Blick
Geboren: 3.11.1897 in Nürnberg
Gestorben: 12.6.1988 in Düsseldorf
Spitzname: »Schorsch«
Größe: 1,65 m
Vereine: FC Pfeil Nürnberg (bis 1921, nach Libero bis 1923), 1. FC Nürnberg (1921/23–1928, 259 Spiele), Fortuna Düsseldorf (1928–1934, 119 Pflichtspiele)
Position: Halbstürmer, Mittelstürmer
Titel: Deutscher Meister 1924, 1925, 1927 (1. FC Nürnberg) und 1933 (Fortuna Düsseldorf)
Bilanz: 6 Länderspiele, 3 Tore nach den DFB-Spielberichten (4 nach Lexikon 1939, Wikipedia und Club) (1924–1927)
Endrunde um die Deutsche Meisterschaft: 10 Spiele und 6 Tore für den Club (1924, 1925, 1927, alle drei Titel), dazu 1929, 1931 und 1933 mit Fortuna (1933: 4 Spiele, 5 Tore)
Beruf: Mechaniker, später Sportlehrer
Trainer: BV 08 Lüttringhausen (1933/34), Germania Bochum, VfL Bochum (ab 1938), Fortuna Düsseldorf (1946–1948/49), TSV Eller 04 (1952/53); nach Libero schon ab 1928 Spielertrainer bei Fortuna
Erinnerung: Block 7 im Max-Morlock-Stadion trägt seinen Namen
Länderspiele
- 15.06.1924 Norwegen – Deutschland 0:2
- 21.09.1924 Ungarn – Deutschland 4:1
- 25.10.1925 Schweiz – Deutschland 0:4 (1 Tor)
- 31.10.1926 Niederlande – Deutschland 2:3
- 12.12.1926 Deutschland – Schweiz 2:3 (1 Tor, Elfmeter)
- 23.10.1927 Deutschland – Norwegen 6:2 (1 Tor; das Lexikon zählt 2)
Quellen
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Lexikon-Eintrag »Hochgesang, Georg«
- 1. FC Nürnberg: Block 7 – Georg Hochgesang (Blockbenennung)
- Wikipedia: Georg Hochgesang
- Wikipedia (en): Georg Hochgesang
- Libero 38 (IFFHS 2002): Deutsche Meisterschaft 1923–1933 (Spieltelegramme der Endrunden 1924, 1925, 1927, 1929 und 1931 mit Aufstellungen, Zuschauern und Kommentaren; Kurzporträt Hochgesang)
- Libero D 6/7 (IFFHS 1993) (Endrunden 1924, 1931 und 1933 mit Aufstellungen und Torfolgen)
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1923/24, 1924/25, 1926/27 und 1932/33
- DFB-Datencenter: Deutschland – Norwegen 6:2
- RSSSF: (West) Germany – International Results
- Darmstädter Tagblatt, 12. Juni 1933
- Darmstädter Tagblatt, 24. Oktober 1927
- Darmstädter Tagblatt und niederländische Zeitungen (De Amstelbode) zu den Länderspielen, nach den Spielberichten auf rasenpoesie.de
- Bernd Siegler: Heulen mit den Wölfen – der 1. FC Nürnberg und der Ausschluss seiner jüngsten jüdischen Mitglieder, Fürth 2022, S. 373 (nach Wikipedia)
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft