Leo Fiederer – der Allrounder, der nach Westen ging

Leo Fiederer ist in Fürth ein Name mit Fortsetzung. Sein Neffe Hans wurde später der berühmtere Fiederer, sechsfacher Nationalspieler. Aber zuerst war Leo da: Rechtsaußen, ein Kind aus dem Fürther Vereinsleben, 1920 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft und im selben Herbst im Nationalteam. Dann zog er ins Ruhrgebiet und kam nicht mehr zurück. Sein größter Tag im Westen begann mit einem Elfmeter gegen den Hamburger SV und endete erst in der Verlängerung.

Leo Fiederers Laufbahn · 1907–1932
Leo Fiederers Laufbahn · 1907–1932

»Der vielseitige Leo Fiederer spielte im Angriff auf allen Positionen, vor allem aber auf dem rechten Flügel.«

— Libero (IFFHS), 2002

Vom FC Schneidig zum Kleeblatt

Leopold Fiederer wird am 4. April 1897 geboren. Wo genau, darüber sind sich die Quellen nicht einig: Das Nationalspieler-Lexikon von 1939 und die Fürther Vereinschronik nennen Fürth, der Wikipedia-Artikel Neumühle bei Büchenbach.

Mit zehn Jahren beginnt er beim FC Schneidig Fürth. 1917 rückt er dort in die erste Mannschaft auf. 1919 folgt ein kurzer Abstecher: einen Monat beim TV 1860 Fürth. Dann holt ihn die Spielvereinigung.

Die erste Saison am Ronhof ist gleich eine gute. In 14 Punktspielen der Kreisliga Nordbayern schießt Fiederer elf Tore. Fürth ist Titelverteidiger und damit für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft gesetzt.

Ein Endspiel und ein Länderspiel

Die Endrunde 1920 beginnt am 16. Mai in Mannheim mit einem 7:0 gegen den VfTuR Mönchengladbach. Das erste Tor schießt Fiederer, nach sechs Minuten. Im Halbfinale in Leipzig gewinnt Fürth 4:0 gegen die Breslauer Sportfreunde. »Libero« lobt die Außen: »Mit dem 23jährigen Rechtsaußen Leo Fiederer, der ein Allroundstürmer war und dem 24jährigen Hans Sutor als Linksaußen waren die Franken auf den Flügelpositionen gut besetzt.«

Das Endspiel am 13. Juni 1920 in Frankfurt ist das große Frankenderby: 35.000 Zuschauer, Schiedsrichter Peco Bauwens, Fürth gegen den 1. FC Nürnberg. Luitpold Popp trifft nach zwölf Minuten für den Club, Peter Szabó macht in der 73. Minute alles klar. Fürth verliert 0:2. Fiederer wird Vizemeister.

Im Oktober spielt er trotzdem für Deutschland. Am 24. Oktober 1920 läuft er in Berlin gegen Ungarn als Rechtsaußen auf, neben ihm stürmen Otto Harder, Adolf Jäger, Popp und Paul Forell. Jäger trifft per Elfmeter, Deutschland gewinnt 1:0. Es bleibt Fiederers einziges Länderspiel. Laut der Fürther Chronik gehört er da noch zur Spielvereinigung. Im November 1920 ist er weg.

Der große Tag: Duisburg gegen den HSV (Mai 1921)

Fiederer geht zum Duisburger Spielverein. Mit ihm gewinnen die Duisburger 1921 die Kreismeisterschaft, den Gau Berg-Mark und schließlich die westdeutsche Meisterschaft. Damit sind sie in der Endrunde.

Im Viertelfinale wartet am 22. Mai 1921 der Hamburger SV, norddeutscher Meister, mit einem Innensturm aus »Luden« Breuel, »Tull« Harder und Hugo Fick. Gespielt wird in Duisburg auf dem Borussia-Platz, 18.000 Zuschauer sind da, Schiedsrichter ist Philipp Brucker aus Stuttgart. »Libero« sieht die Rollen klar verteilt: Duisburg sei »trotz des städtischen Heimvorteils nur Außenseiter« gewesen, »auch wenn inzwischen der Ex-Fürther Leo Fiederer in dessen Angriff spielte«.

In der 28. Minute gibt es Elfmeter für Duisburg. Fiederer verwandelt, 1:0. Die Hamburger finden, so »Libero«, »einfach kein Mittel gegen die von Heinz Ludewig glänzend organisierte Duisburger Abwehr«. Erst in der 75. Minute gleicht Karl Schneider aus, ebenfalls per Elfmeter. Es geht in die Verlängerung. In der 112. Minute lässt sich HSV-Verteidiger »Gosch« Schmerbach ausspielen, und Peter Sackenheim schießt das 2:1. Der Außenseiter ist im Halbfinale.

Eine Woche später, am 29. Mai in Berlin, trifft Fiederer wieder vom Punkt, diesmal zum 1:1 gegen Vorwärts 90. Wieder geht es in die Verlängerung, diesmal verliert Duisburg 1:2. Ins Endspiel zieht Vorwärts ein – und verliert dort 0:5 gegen Nürnberg.

»Mit zunehmendem Alter spielte er immer häufiger im Mittelfeld und in der Verteidigung.«

— Libero (IFFHS), 2002

Mülheim, Oberhausen und ein Parteibuch

Im Juni 1922 steht Fiederer noch einmal in einem Endspiel, im Kampfspielpokal in Berlin, als Rechtsaußen der westdeutschen Auswahl. Gegen den Süden mit Theodor Lohrmann im Tor verliert der Westen 1:4.

Danach wird es ruhiger. Laut Wikipedia spielt er von 1922 bis 1926 für den RSV Mülheim und von 1926 bis 1930 für die SpVgg Oberhausen-Styrum, das heutige Rot-Weiß Oberhausen, die er 1931/32 auch trainiert. Mit den Jahren rückt er nach hinten, bis in die Verteidigung. Das Lexikon von 1939 nennt ihn einen »Allroundspieler« und als Beruf »Behörden-Angestellter«. Sein jüngerer Bruder Xaver spielt später ebenfalls Rechtsaußen in Duisburg.

Laut Wikipedia, das sich auf die Mitgliederkartei im Bundesarchiv stützt, beantragt Leo Fiederer am 5. Juni 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wird rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen.

Er stirbt im Oktober 1946, Wikipedia nennt den 11. Oktober. Das Heft »Libero« gibt dagegen 1949 als Todesjahr an. Sein Neffe Hans, geboren 1920, in dem Jahr, in dem Leo im Endspiel stand, hat es da mit Fürth längst zum Nationalspieler gebracht.

Leo Fiederer auf einen Blick

Geboren: 4.4.1897 in Fürth bzw. Neumühle (Büchenbach)
Gestorben: Oktober 1946 (laut Wikipedia 11.10.1946; Libero: 1949)
Vereine: FC Schneidig Fürth (1907–1919), TV 1860 Fürth (1919), SpVgg Fürth (1919–1920), Duisburger SpV (1920–1922), RSV Mülheim (1922–1926), SpVgg Oberhausen-Styrum (1926–1930)
Position: Rechtsaußen, später Mittelläufer und Verteidiger
Titel: Deutscher Vizemeister 1920; Westdeutscher Meister 1921
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1920)
Beruf: Behörden-Angestellter
Trainer: SpVgg Oberhausen-Styrum (1931/32)
Nationalspieler Nr.: 123 (Debüt 24. Oktober 1920 in Berlin)

Länderspiele

Quellen

Wikipedia: Leo Fiederer · kleeblatt-chronik.de: Leo Fiederer · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero 36 (IFFHS) · Libero D 6/7 (IFFHS) · Libero 38 (IFFHS) · Wikipedia: Bundespokal · Kicker-Almanach 1996 · DFB: Rückblick auf alle Duelle gegen Ungarn (2024)