Walter Fritzsche – der Verteidiger, der das Siegtor schoss
Walter Fritzsche war ein Verteidiger, und so steht es auch im Lexikon: »linker Verteidiger«, Beruf Mechaniker. Doch sein berühmtestes Tor schoss er als Mittelstürmer. Im Mai 1918, mitten im Krieg, entschied er in der Verlängerung das Endspiel um den Kronprinzenpokal. Drei Jahre später stand er mit Vorwärts 90 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft und spielte einmal für Deutschland. Eine kurze Karriere im Rampenlicht, danach ein langes Vereinsleben in Berlin.
»Im Endspiel demonstrierten die Nürnberger ihre Klasse eindrucksvoll und deklassierten ihren Gegner förmlich.«
Aus Kreuzberg zu Vorwärts
Maximilian Walter Fritzsche kommt am 19. Dezember 1895 in Kreuzberg zur Welt. Das Lexikon von 1939 nennt Steglitz als seinen Heimatort. Mit dem Fußball beginnt er beim MTV Friedenau, danach spielt er für Wacker Schöneberg.
1917 wechselt er zum BFC Vorwärts 1890. Dort bleibt er, laut Wikipedia und DFB, bis 1930, dreizehn Jahre lang. Das Lexikon von 1939 nennt zusätzlich Viktoria 89, ohne Jahreszahl.
Für die Auswahl des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine läuft er, so Wikipedia, mehr als 20-mal auf.
Der große Tag: Kronprinzenpokal-Finale (Mai 1918)
Der Kronprinzenpokal ist der Wettbewerb der Regionalauswahlen, und Brandenburg hat ihn noch nie gewonnen. Am 19. Mai 1918 kommt Norddeutschland zum Finale auf den Viktoria-Platz in Mariendorf. 8.000 Zuschauer sind da, Schiedsrichter ist Fritz Kiemeyer aus Leipzig.
Die Norddeutschen reisen mit Namen an: Charly Pohl im Tor, Walter Krause in der Läuferreihe, vorn Adolf Jäger und Franz Esser. Bei Brandenburg steht Fritzsche nicht in der Abwehr, sondern in der Mitte des Sturms. Hinter ihm spielen Karl Tewes und Arthur Marohn von Viktoria 89.
Zur Pause steht es 0:0. Erst in der 76. Minute fällt ein Tor: Es trifft der Kieler Hohmann zum 0:1, vier Minuten später gleicht Verteidiger Willi Golze aus. Verlängerung. Adolf Trotschinsky bringt Brandenburg in der 95. Minute in Führung. Und in der 112. Minute macht Fritzsche das 3:1. Es ist in diesem Pokaljahr sein einziger Einsatz und sein einziges Tor.
Brandenburg gewinnt den Pokal zum ersten Mal.
Endspiel und Länderspiel (1921)
Die Saison 1920/21 wird Fritzsches beste. Vorwärts gewinnt die Gruppe B der Berliner Meisterschaft und schlägt in den beiden Finalspielen den BFC Preussen, insgesamt 4:1. In der Endrunde steht Fritzsche wieder in der Verteidigung, neben Walter Probst.
Mitten in diese Saison fällt am 5. Mai 1921 sein Länderspiel. In Dresden kommen 20.000 Zuschauer zum Spiel gegen Österreich. Fritzsche verteidigt neben Arthur Mohns, vorn stürmen drei Nürnberger und zwei Fürther. Nach 56 Minuten führt Deutschland 3:1, am Ende heißt es 3:3. Es bleibt sein einziger Einsatz.
In der Endrunde um die Meisterschaft gewinnt Vorwärts am 22. Mai in Stettin 2:1, eine Woche später in Berlin 2:1 nach Verlängerung gegen den Duisburger SV. »Libero« findet diesen Sieg »ein wenig glücklich«. Dann kommt das Endspiel am 12. Juni 1921 in Düsseldorf. Gegner ist der 1. FC Nürnberg, und die Nürnberger sind eine Klasse besser. Nach 35 Minuten steht es 3:0, am Ende 5:0. Alle Tore schießen Popp und Träg, Fritzsches Mitspieler aus Dresden.
Späte Jahre
1923 steht Vorwärts noch einmal im Berliner Finale und verliert gegen Union Oberschöneweide. 1927 fusioniert der Verein mit Union 92 zu Blau-Weiß 90, ein Jahr später steigt die Mannschaft in die Bezirksliga ab. 1930 endet Fritzsches Zeit im Verein.
Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt. Laut Wikipedia dient er im Zweiten Weltkrieg als Soldat und kehrt als Versehrter zurück. Nach Unterlagen des Bundesarchivs, die Wikipedia zitiert, beantragt er am 9. Februar 1942 die Aufnahme in die NSDAP und wird zum 1. April 1942 aufgenommen.
Walter Fritzsche stirbt am 30. Oktober 1968 in Berlin-Lichtenrade.
Walter Fritzsche auf einen Blick
Geboren: 19.12.1895 in Berlin-Kreuzberg
Gestorben: 30.10.1968 in Berlin-Lichtenrade
Vereine: MTV Friedenau, Wacker Schöneberg, BFC Vorwärts 1890 / Blau-Weiß 90 (1917–1930); laut Lexikon 1939 auch Viktoria 89
Position: Linker Verteidiger (1918 im Pokalfinale Mittelstürmer)
Titel: Kronprinzenpokal 1918 (Brandenburg); Berliner Meister 1921; Deutscher Vizemeister 1921
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1921)
Beruf: Mechaniker
Nationalspieler Nr.: 126 (Debüt 5. Mai 1921 in Dresden)
Länderspiele
Quellen
Wikipedia: Walter Fritzsche · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1917/18 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · DFB-Datencenter: Deutschland – Österreich 3:3 · DFB-Datencenter: Endspiel 1921 · Kicker-Almanach 1996