Franz Esser – Kiels »Seppl«, Linksaußen mit einem Länderspiel
Am 2. Juli 1922 steht Franz Esser in Bochum in der Nationalelf, weil der Nürnberger Hans Sutor nach der Wikipedia verletzt passen muss. Der 22 Jahre alte Kieler spielt beim 0:0 gegen Ungarn, und nach den Angaben der Wikipedia fallen die Kritiken gut aus. Berufen wird er trotzdem nie wieder. Er spielt weiter für Holstein Kiel, bis 1932, steht 1930 im Endspiel um die deutsche Meisterschaft und bleibt dem Verein bis zu seinem Tod 1982 treu.
»Holstein legte einen neuen Zwischenspurt ein und kam auch in der 29. Minute durch Ludwig, nach guter Vorarbeit von Lübke und Esser, zum dritten Treffer.«
Ein Kieler Junge
Franz Esser wird am 20. Januar 1900 in Kiel geboren. Mit elf Jahren schließt er sich Holstein an, mit 15 steht er nach der Wikipedia zum ersten Mal in der ersten Mannschaft. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt ihn einen Linksaußen und Kaufmann. Die Wikipedia schreibt, er sei anfangs ein reiner Linksaußen gewesen und habe sich später zu einem gefürchteten Torjäger entwickelt, bekannt für seine Kondition.
Mit 17 spielt er erstmals für die Auswahl Norddeutschlands, am Ende sind es nach der Wikipedia 34 Spiele. Im Mai 1918 steht der 18-Jährige im Finale um den Kronprinzenpokal: Am 19. Mai verliert Norddeutschland in Berlin-Mariendorf vor 8.000 Zuschauern 1:3 nach Verlängerung gegen Brandenburg. Das Tor für den Norden erzielt sein Vereinskamerad Hohmann in der 76. Minute, Esser steht als Letzter in der Aufstellung, das heißt nach der üblichen Reihenfolge ganz links. Pokalsiege mit der norddeutschen Auswahl, 1919 und 1925, nennt die Wikipedia ohne Einzelheiten.
Bremen und ein Bann
In der Saison 1922/23 wechselt Esser zum ABTS Bremen. Holstein sperrt ihn daraufhin nach der Wikipedia »lebenslang«. Die Strafe hält nicht lange: 1923 wird er begnadigt und darf zurück. Das DFB-Datencenter führt ihn in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft ab dem 1. Oktober 1923 wieder für Kiel.
Ein Länderspiel: Bochum, 2. Juli 1922
Zu dieser Zeit spielt er nach dem Lexikon von 1939 noch für Kiel. Der DFB hat es von Hamburg nach Bochum verlegt, nachdem das Bundespokalfinale im März in Hamburg im Gedränge geendet war. 35.000 Zuschauer kommen nach DFB-Angabe, die ungarische Zählung nennt 40.000. Neben Esser debütiert in der Läuferreihe Karl Flink, im Tor steht Theodor Lohrmann, Kapitän ist Adolf Jäger. Ein Tor fällt auf keiner Seite, es ist das erste torlose Länderspiel der deutschen Mannschaft. Wie Esser gespielt hat, schildern die verfügbaren Quellen nicht, die Wikipedia spricht allgemein von guten Kritiken. Er gehört zur Angriffsreihe.
Der große Tag: Düsseldorf, 22. Juni 1930
Der Höhepunkt kommt acht Jahre später. Holstein ist norddeutscher Meister und marschiert durch die Endrunde: 4:3 am 18. Mai in Hamburg gegen den VfB Leipzig, 4:2 am 1. Juni in Berlin gegen Eintracht Frankfurt, 2:0 am 15. Juni in Duisburg gegen den Dresdner SC. Das DFB-Datencenter führt Esser in diesem Jahr mit vier Endrundenspielen, also bei jedem dieser Spiele einschließlich des Finales.
Am 22. Juni stehen die Kieler im Düsseldorfer Rheinstadion vor 40.000 Zuschauern Hertha BSC gegenüber. Schiedsrichter ist Willi Guyenz aus Essen, Trainer der Kieler der Österreicher Karl Heinlein. Der Beginn gehört Holstein: Werner Widmayer trifft in der 4. Minute, Oskar Ritter in der 8., nach zehn Minuten steht es 0:2 aus Berliner Sicht. Dann dreht Hertha auf. Hanne Sobek trifft in der 22. und 26. Minute, Johannes Ludwig bringt Kiel in der 29. noch einmal vorn, aber Bruno Lehmann gleicht in der 36. Minute zum 3:3-Pausenstand aus. Nach der Pause erzielt er in der 68. Minute das 4:3 für die Berliner. Ludwig wird in der 80. Minute des Feldes verwiesen, Ritter gleicht in der 82. Minute zum 4:4 aus, und in der 87. Minute macht Hans Ruch das 5:4 für Hertha.
Auf dem linken Flügel steht Esser, so die Aufstellung der Wikipedia, rechts außen spielt Kurt Voß, der es auch zu zwei Länderspielen gebracht hat. Ein Tor schießt Esser im Endspiel nicht, aber das Darmstädter Tagblatt nennt ihn als Mitvorbereiter von Ludwigs Treffer zum 3:2 (Zitat oben).
Endrunde nach Endrunde
Von 1926 bis 1932 steht Holstein sieben Jahre in Folge in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Dreimal, 1926, 1927 und 1930, ist Kiel norddeutscher Meister, viermal nimmt der Verein als Vizemeister des Nordens teil. Das DFB-Datencenter führt Esser für diese Jahre mit 16 Endrundenspielen, vom 16. Mai 1926 bis zum 22. Mai 1932, mit neun Siegen und sieben Niederlagen. Bei den Toren weichen die Quellen ab: Die Wikipedia nennt sechs, das DFB-Datencenter fünf.
Treu bis zum Schluss
1932 beendet Esser seine Laufbahn als Spieler, wird nach der Wikipedia im Krieg aber gelegentlich noch einmal reaktiviert. Dem Verein bleibt er erhalten: als Obmann des Spielausschusses, als Trainer, zuletzt als Ehren-Ligaobmann. 1947 betreut er Holstein ehrenamtlich zusammen mit Franz Linken. Beruflich ist er Versicherungskaufmann in Kiel. Nach den Angaben des Bundesarchivs, die die Wikipedia nach dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 wiedergibt, trat Esser zum 1. Mai 1937 in die NSDAP ein.
Franz Esser stirbt am 21. September 1982 in Kiel.
Franz Esser auf einen Blick
Geboren: 20.1.1900 in Kiel
Gestorben: 21.9.1982 in Kiel
Spitzname: Seppl
Vereine: Holstein Kiel (1911–1922, 1923–1932), ABTS Bremen (1922/23)
Position: Linksaußen, später Torjäger
Beruf: Kaufmann (Lexikon 1939), Versicherungskaufmann (Wikipedia)
Erfolge: norddeutscher Meister 1926, 1927 und 1930, Deutscher Vizemeister 1930
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor (1922)
Länderspiele
- 02.07.1922 Deutschland – Ungarn 0:0 – Debüt und einziges Länderspiel (Bochum)
Quellen
- Wikipedia: Franz Esser (Fußballspieler)
- Wikipedia (englisch): Franz Esser
- DFB-Datencenter: Franz Esser, Spielerprofil
- DFB-Datencenter: Deutschland – Ungarn 0:0, 2. Juli 1922
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Darmstädter Tagblatt, 23. Juni 1930
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1929/30
- Wikipedia: Kronprinzenpokal 1917/18
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Armin Jäger: NS-Geschichte im Fußball, Die Zeit, 24. Juli 2024