Alfred Au – Läufer, Architekt und Platzbauer des VfR Mannheim

Alfred Au hat nicht nur Fußball gespielt, er hat auch Plätze gebaut. Vor der Saison 1948/49 leitet der Architekt beim VfR Mannheim die Platzkommission, die in einer sechsmonatigen Bauzeit den zerstörten Platz an den Brauereien wieder herrichtet. Das ist die Geschichte des Mannes, der 1921 einmal im Trikot der Nationalmannschaft in Helsinki auf dem Rasen stand.

Alfred Aus Laufbahn · VfR Mannheim, Waldhof und ein Länderspiel in Helsinki, 1917–1986
Alfred Aus Laufbahn · VfR Mannheim, Waldhof und ein Länderspiel in Helsinki, 1917–1986

»Jeder blieb sich selbst überlassen. Einen Trainer gab es nicht. Die ältesten Spieler wie Kalb gaben den Ton an und bestimmten die Taktik.«

— Sepp Herberger über die Finnland-Reise 1921, zitiert nach Schulze-Marmeling, »Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft«

Ein Läufer vom VfR

Alfred Au wird in Mannheim geboren. Beim Datum streiten die Quellen: Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 und die englische Wikipedia nennen den 14. Dezember 1898, die deutsche Wikipedia den 15. Dezember 1898. Das Lexikon führt ihn als Läufer, Stammposten linker Läufer, Beruf Architekt, Heimatort Mannheim. Beim VfR Mannheim spielt er nach der Wikipedia von 1917 bis 1930. Dort läuft er an der Seite des späteren Reichstrainers Otto Nerz auf und kommt, wie es die Wikipedia formuliert, drei Jahre später auf dessen Position als linker Außenläufer zum Einsatz.

Sportlich spielt der VfR in dieser Zeit in der obersten regionalen Klasse. Ab der Saison 1919/20 ist es die Kreisliga Odenwald, ab 1923/24 die Bezirksliga Rhein, ab 1927/28 die Bezirksliga Rhein/Saar. Dreimal gewinnt Au mit dem VfR die Bezirksmeisterschaft Rhein, nach der Wikipedia 1922, 1925 und 1926, und einmal die Süddeutsche Meisterschaft, 1925. Als Süddeutscher Meister steht er in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft, wo der VfR am 3. Mai 1925 im Weidenpescher Park in Köln vor 12.000 Zuschauern im Achtelfinale mit 1:4 an TuRU Düsseldorf scheitert. Es bleibt Aus einziges Endrundenspiel.

Von der Stadtauswahl in den Süden

Der Weg führt über Auswahlmannschaften. Au spielt für die Stadt Mannheim, für den Odenwaldkreis und dann für den Süddeutschen Verband, erstmals am 10. April 1921 im Bundespokal gegen Norddeutschland. Die Wikipedia beschreibt ihn als athletisch und großgewachsen. Dreimal erreicht er mit Süddeutschland das Halbfinale des Bundespokals. Am 13. November 1921 in Fürth schlägt Süddeutschland die Auswahl der Brandenburger 3:0, die Läuferreihe bilden Au, Hans Kalb und Carl Riegel, beide vom 1. FC Nürnberg. Am 12. November 1922 gewinnt er in Chemnitz 4:1 gegen die Baltische Auswahl, am 9. November 1924 in Mannheim noch einmal gegen Brandenburg. In den siegreichen Endspielen 1922 und 1923 spielt er nicht. Das Finale am 22. Februar 1925 in Hamburg, mit Au, geht 1:2 gegen Norddeutschland verloren.

Der große Tag: Helsinki, 18. September 1921

Im September 1921 reist der DFB nach Finnland. Die Reise ist schlecht vorbereitet, wie Schulze-Marmeling erzählt: kein Trainer, kein zweiter Torhüter, die Spieler auf dem Dampfer »Ariadne« direkt über der Schiffsschraube einquartiert, die Funktionäre mittschiffs. Für Au ist es der Tag seines Debüts. Neben ihm debütieren nach der Wikipedia Torwart Willy Schwedler, Josef Müller, Sepp Herberger und Willi Hutter. Die Läuferreihe bilden Au, Kapitän Karl Tewes und Walter Krause, der Halbrechte Herberger und der Mittelstürmer Hans Kalb schießen die Tore.

Im Pallokenttä sitzen 8.000 Zuschauer, der Schwede Ernst Albihn pfeift. Der Spielbericht führt die Torfolge aus dem DFB-Datencenter. In der 5. Minute trifft Herberger zum 1:0, nur zwei Minuten später erhöht Kalb auf 2:0. Verner Eklöf verkürzt in der 12. Minute auf 1:2, Holger Thorn gleicht in der 54. Minute aus. In der 66. Minute bringt Herberger Deutschland wieder in Führung, aber zwei Minuten vor Schluss trifft Gunnar Öhman zum 3:3.

Finnland – Deutschland 3:3 in Helsinki · Alfred Au bestreitet sein einziges Länderspiel
Finnland – Deutschland 3:3 in Helsinki · Alfred Au bestreitet sein einziges Länderspiel

Zur Pause meldet eine niederländische Zeitung ein 2:1 für Finnland, das Datencenter dagegen ein 2:1 für Deutschland; die Torminuten (5., 7., 12.) sprechen für die zweite Fassung. Ein Urteil der zeitgenössischen Presse über Au haben wir nicht gefunden. Fest steht: Es war sein einziges Länderspiel. Das Lexikon von 1939 führt ebenfalls nur dieses eine, 1921 gegen Finnland.

Waldhof, Pokal und der Platz an den Brauereien

Au bleibt Mannheimer. 1933/34 spielt er eine Saison für den SV Waldhof Mannheim in der Gauliga Baden und wird am Ende Gaumeister. Von 1935 bis 1937 steht er noch einmal für den VfR in dieser Spielklasse, bevor er seine Laufbahn beendet. Am 3. November 1935 bestreitet er im Achtelfinale des Tschammerpokals gegen den VfL Benrath in Mannheim sein einziges Spiel im erstmals ausgetragenen nationalen Vereinspokal.

Beruflich arbeitet er jahrzehntelang als Architekt in der Kurpfalz. Vor der Saison 1948/49 leitet Au die Platzkommission des VfR. In einer sechsmonatigen Bauzeit bringt sie den zerstörten Platz an den Brauereien wieder in Ordnung. Alfred Au stirbt am 27. Oktober 1986 in Mannheim.

Alfred Au auf einen Blick

Geboren: 14.12.1898 (Lexikon 1939, en-Wikipedia) bzw. 15.12.1898 (de-Wikipedia) in Mannheim
Gestorben: 27.10.1986 in Mannheim
Vereine: VfR Mannheim (1917–1930, 1935–1937), SV Waldhof Mannheim (1933/34)
Position: linker Läufer
Beruf: Architekt
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor
Erfolge: Süddeutscher Meister 1925, Gaumeister Baden 1934, Bezirksmeister Rhein 1922, 1925, 1926 (nach der Wikipedia)

Länderspiele

Die Liste deckt sich in Wikipedia, Lexikon 1939 und RSSSF.

Quellen