Willy Schwedler – der Pankower Torwart von Helsinki

Nach sieben Minuten führte Deutschland in Helsinki 2:0. Am Ende hieß es 3:3. Willy Schwedler im deutschen Tor hatte drei Gegentore kassiert und sich nach der Darstellung der Wikipedia im Spiel an der Hand verletzt. In die Nationalmannschaft wurde er nie wieder berufen. Dafür hielt er seinem Verein die Treue: 23 Jahre lang Pankow.

Willy Schwedlers Laufbahn · VfB Pankow, ein Länderspiel in Helsinki, 1907–1945
Willy Schwedlers Laufbahn · VfB Pankow, ein Länderspiel in Helsinki, 1907–1945

»Jeder blieb sich selbst überlassen. Einen Trainer gab es nicht. Die ältesten Spieler wie Kalb gaben den Ton an und bestimmten die Taktik.«

— Sepp Herberger über die Finnland-Reise 1921, zitiert nach Schulze-Marmeling, »Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft«

Ein Torwart aus Pankow

Willy Schwedler wird am 4. August 1894 in Pankow geboren. So steht es in der Wikipedia, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt Berlin als Heimatort und als Beruf Angestellter.

Seinem Verein bleibt er sein Leben als Fußballer lang treu. Die Wikipedia führt ihn beim VfB Pankow von 1907 bis 1930, den Blau-Weißen. Er ist 13, als er anfängt. Der Verein steigt nach dem Ersten Weltkrieg in die höchste Berliner Klasse auf und spielt dort von der Saison 1918/19 bis 1924/25, ab 1920/21 in der Gruppe B der Verbandsliga. 1921 gewinnt Pankow nach der Wikipedia den Ostkreis. Von 1925 an, nach dem Abstieg, spielt Schwedler bis 1930 in der zweiten Spielklasse. Zeitweise gehört auch der Nationalstürmer Willi Worpitzky zu Pankow, nach der Wikipedia in den Jahren 1916 bis 1922. Die Worpitzky-Biografie auf dieser Seite nennt für seine Pankower Zeit andere Jahre.

Die Reise nach Helsinki

Nach dem Krieg findet der DFB nur wenige Länder, die gegen Deutschland spielen. Finnland, das Schulze-Marmeling als »zweitklassig« bezeichnet, gehört dazu. Die Reise selbst ist schlecht organisiert. Der DFB hat weder genügend Ersatzspieler noch einen zweiten Torhüter dabei. Auch einen Trainer gibt es nicht. Die Spieler schlafen auf der »Ariadne« direkt über der Schiffsschraube, während die Funktionäre mittschiffs untergebracht sind.

Schwedler ist also der Torwart, den der DFB hat. Neben ihm laufen Josef Müller, Alfred Au, Sepp Herberger und Willi Hutter zum ersten Mal für Deutschland auf, so die Wikipedia. Kapitän ist der Berliner Karl Tewes, den Mittelsturm spielt Hans Kalb.

Der große Tag: Helsinki, 18. September 1921

Im Pallokenttä sitzen 8.000 Zuschauer, der Schwede Ernst Albihn pfeift. Der Spielbericht hat die Torfolge nach dem DFB-Datencenter. In der 5. Minute trifft Herberger zum 1:0, es ist sein erstes Länderspieltor. Zwei Minuten später erhöht Kalb auf 2:0. Dann ist Schwedler dran: In der 12. Minute verkürzt Verner Eklöf auf 1:2, in der 54. Minute gleicht Holger Thorn aus. Herberger bringt Deutschland in der 66. Minute wieder in Führung, aber in der 88. Minute, zwei Minuten vor Schluss, trifft Gunnar Öhman zum 3:3.

Finnland – Deutschland 3:3 in Helsinki · zwei Tore in den ersten sieben Minuten, Ausgleich in der 88.
Finnland – Deutschland 3:3 in Helsinki · zwei Tore in den ersten sieben Minuten, Ausgleich in der 88.

Zur Pause nennt das DFB-Datencenter ein 2:1 für Deutschland, eine niederländische Zeitung meldete dagegen ein 2:1 für Finnland. Die Torminuten des Datencenters (5., 7., 12.) sprechen für die erste Fassung. Ein Einzelurteil der zeitgenössischen Presse über Schwedler haben wir nicht gefunden. Die Wikipedia schreibt, er habe wegen einer im Spiel zugezogenen Handverletzung keine allzu gute Figur abgegeben und sei deshalb nicht mehr berücksichtigt worden. Die Quelle der Aussage nennt sie nicht. Dass der DFB keinen zweiten Torwart mitgenommen hatte, steht bei Schulze-Marmeling. Ob beides zusammenhängt, sagt keine Quelle.

Nach Helsinki

Schwedler spielt weiter. 1922 steht er für die Auswahl von Brandenburg im Wettbewerb um den Kampfspielpokal in zwei Spielen: gegen die Balten gewinnt Brandenburg 5:1, gegen Westdeutschland verliert es 0:2. Bis 1930 bleibt er in Pankow.

Zum 1. März 1937 tritt er nach der Bundesarchiv-Kartei, die die Wikipedia nennt, in die NSDAP ein. Willy Schwedler stirbt am 26. März 1945. Einen Sterbeort nennt die Wikipedia nicht.

Zwei Schwedlers und ein Missverständnis

Wer »Schwedler« in der deutschen Geschichte sucht, trifft vor allem auf einen anderen Wilhelm: den Journalisten Wilhelm Schwedler (1872–1936), von 1919 bis zu seinem Tod Chefredakteur der Nachrichtenagentur Transocean, und, weiter zurück, auf Johann Wilhelm Schwedler, den Brückenbauer, nach dem der Schwedlerträger benannt ist. Mit dem Torwart haben sie nichts zu tun. Die Wikipedia setzt über den Artikel zum Fußballer einen eigenen Verweis auf den Journalisten.

Willy Schwedler auf einen Blick

Geboren: 4.8.1894 in Pankow (Lexikon 1939: Heimatort Berlin)
Gestorben: 26.3.1945 (Ort nicht genannt, nach der Wikipedia)
Verein: VfB Pankow (1907–1930)
Position: Torwart
Beruf: Angestellter (laut Lexikon 1939)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), 3 Gegentore
Erfolge: Ostkreismeister 1921 (nach der Wikipedia)

Länderspiele

Die Liste deckt sich in Wikipedia, Lexikon 1939 und RSSSF.

Quellen