Josef Schümmelfeder – der Bonner über den Krieg hinweg

Zwischen seinem dritten und seinem vierten Länderspiel lagen sieben Jahre und ein Weltkrieg. Josef Schümmelfeder hat beides überbrückt, und das schafften laut Wikipedia nur wenige. Er spielte sein Leben lang für einen einzigen Verein, den Bonner FV, dessen beste Platzierungen zwei zweite Plätze in den regionalen Meisterschaften waren. In der Auswahl des Westens aber gewann er zwei Pokale. Selbst seinen Namen haben die Statistiker jahrzehntelang falsch geschrieben.

Josef Schümmelfeder · Bonn 1891 bis 1966
Josef Schümmelfeder · Bonn 1891 bis 1966

»… wobei der ›offensive Mittelläufer‹, wie er in Bonn, die spielentscheidende Rolle als Mittler zwischen Sturm und Abwehr ausübte.«

— Wikipedia über Schümmelfeders Rolle beim Bonner FV

Ein Verein, ein Posten

Josef Schümmelfeder kommt am 31. Oktober 1891 in Bonn zur Welt. Ab 1909 spielt er für den Bonner FV, die Schwarz-Weißen vom Sportplatz an der Richard-Wagner-Straße. Er wird dort bis 1925 bleiben, bei keinem anderen Verein. Gerufen wird er, laut Wikipedia, »Phöbus«. Woher der Name kommt, sagen die Quellen nicht.

Sein Posten ist die Mitte. Das Nationalspieler-Buch von 1939 führt ihn als Mittelläufer, und in Bonn ist das nach dem damaligen System der wichtigste Mann auf dem Platz: der offensive Mittelläufer, Bindeglied zwischen Abwehr und Sturm. Sein bekanntester Mitspieler ist Theo Koenen, auch er Nationalspieler. Der Bonner FV wird in diesen Jahren nie Meister, die besten Platzierungen sind zwei zweite Plätze, 1914 und 1925.

Für die Auswahl des Westdeutschen Spiel-Verbandes ist er trotzdem gut genug. Am 8. Juni 1913 steht er im Finale des Kronprinzenpokals in Berlin, als linker Läufer. Der Westen schlägt Brandenburg 5:3. Das Spiel ist der große Tag von Walter Fischer, der auf dieser Seite eine eigene Biografie hat.

Im Herbst 1913 folgt der Ruf in die Nationalelf. Am 26. Oktober spielt er in Hamburg gegen Dänemark, links in der Läuferreihe neben Eugen Kipp und Max Breunig. Es regnet, der Däne Poul Nielsen trifft viermal, Deutschland verliert 1:4. Vier Wochen später in Antwerpen dieselbe Läuferreihe, 2:6 gegen Belgien. Am 5. April 1914 in Amsterdam dann ein 4:4 gegen die Niederlande, der Ausgleich fällt in der 90. Minute. Es ist das letzte Länderspiel vor dem Krieg.

Was Schümmelfeder im Krieg erlebte, verraten die geöffneten Quellen nicht.

Der große Tag: Der Pokal in der 116. Minute (Juni 1920)

Nach dem Krieg heißt der Kronprinzenpokal Bundespokal, einen Kronprinzen gibt es nicht mehr. Die Westauswahl kommt wieder weit. Am 25. Januar 1920 schlägt sie in Köln im Halbfinale Norddeutschland. Im Finale am 20. Juni 1920 in Hannover wartet Mitteldeutschland, mit alten Bekannten aus der Nationalelf: Camillo Ugi, Fritz Förderer, »Edy« Pendorf, Paul Pömpner, Arthur Gaebelein.

Gespielt wird auf der Radrennbahn am Pferdeturm, dem Platz von Hannover 96. 7.500 Zuschauer sind da, Schiedsrichter ist Carl Koppehel aus Berlin. Schümmelfeder spielt laut der Aufstellung der IFFHS in der Mitte der Läuferreihe, zwischen Karl Flink und Erich Pohl. 90 Minuten lang fällt kein Tor. Auch in der ersten Hälfte der Verlängerung nicht. Dann, in der 116. Minute, trifft Georg Stollenwerk aus Düren. 1:0. Der Westen gewinnt den Pokal.

Ein Haken bleibt. Der Wikipedia-Artikel über Schümmelfeder behauptet, er habe im Finale gar nicht mitgespielt. Die IFFHS-Zeitschrift Libero und der Wikipedia-Artikel über den Bundespokal führen ihn dagegen in der Startelf, und Libero zeigt ihn auch auf dem Mannschaftsfoto der Pokalsieger. Wir folgen der Aufstellung.

Ein Jahr später steht der Westen wieder im Finale, am 20. März 1921 in Leipzig, wieder gegen Mitteldeutschland. Diesmal verliert er 0:4. Schümmelfeder ist dabei.

Sieben Jahre später

Im Mai 1921 holt ihn der DFB noch einmal in die Nationalelf, sieben Jahre nach Amsterdam. Am 5. Mai spielt Deutschland in Dresden gegen Österreich, 20.000 Zuschauer sind da. Schümmelfeder läuft links in der Läuferreihe auf, neben Carl Riegel und Karl Tewes. Deutschland führt 2:0 und 3:1, am Ende steht es 3:3. Vier Wochen später in Budapest verliert Deutschland 0:3 gegen Ungarn. Es ist sein fünftes und letztes Länderspiel.

1925 hört er beim Bonner FV auf. Danach arbeitet der Kaufmann als Trainer, laut Wikipedia unter anderem beim SV Beuel 06. Josef Schümmelfeder stirbt am 12. Februar 1966. Wo, ist nicht überliefert.

Und der Name? Die Kicker-Almanache, der IFFHS-Spielbogen und selbst die große Geschichte der Nationalmannschaft schreiben ihn »Schümmelfelder«, mit einem l zu viel. Das Nationalspieler-Buch von 1939 und das DFB-Datencenter haben es richtig.

Josef Schümmelfeder auf einen Blick

Geboren: 31.10.1891 in Bonn
Gestorben: 12.2.1966
Spitzname: »Phöbus« (laut Wikipedia)
Vereine: Bonner FV (1909–1925)
Position: Mittelläufer, in der Nationalelf meist linker Läufer
Titel: Kronprinzenpokal 1913 und Bundespokal 1920 mit Westdeutschland
Bilanz: 5 Länderspiele, 0 Tore (1913–1921)
Beruf: Kaufmann
Trainer: u. a. SV Beuel 06
Nationalspieler Nr.: 102 (Debüt 26. Oktober 1913 in Hamburg gegen Dänemark)

Länderspiele

Quellen

Wikipedia: Josef Schümmelfeder · Wikipedia: Bundespokal · Die deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D3 · Kicker-Almanach 1996 · Kicker-Almanach 1959 · DFB-Datencenter: Deutschland – Dänemark 1913 · DFB-Datencenter: Belgien – Deutschland 1913 · DFB-Datencenter: Deutschland – Österreich 1921