Heinz Ludewig – der Mittelläufer, der Schalke das Flachpassspiel brachte
Mit zehn kam er zum Duisburger Spielverein, mit 17 spielte er in der ersten Mannschaft, und dann blieb er, bis ihn das Knie nicht mehr trug. Heinz Ludewig war Mittelläufer, und die Quellen kennen nur einen einzigen Verein von ihm. 1913 erlebte er das beste Jahr seines Vereins, ein verlorenes Endspiel um die Meisterschaft und einen Pokalsieg bei der Eröffnung des Deutschen Stadions in Berlin. 1914 spielte er einmal für Deutschland. Und elf Jahre später wurde er der erste Trainer eines Vereins, der danach Geschichte schrieb: Schalke 04.
»Bei den Duisburgern spielte inzwischen der 23jährige Mittelläufer Heinz Ludewig eine zentrale Rolle.«
Ein Leben bei den »Rotblusen«
Heinz Ludewig wird am Heiligabend 1889 in Duisburg geboren, am 24. Dezember. Laut Wikipedia tritt er 1900 dem Duisburger SpV bei, die »Rotblusen«. Mit 17 rückt er in die erste Mannschaft auf.
Sein erstes Endrundenspiel um die Deutsche Meisterschaft bestreitet Ludewig am 7. Mai 1911 in Bremen gegen Holstein Kiel. Er spielt schon Mittelläufer, neben Christian Schilling und Walter Fischer. Der DSV verliert 1:3.
1913 läuft es besser. Nach der westdeutschen Meisterschaft schlägt der DSV die Stuttgarter Kickers 2:1 und im Halbfinale in Essen den Titelverteidiger Holstein Kiel ebenfalls 2:1. Das Endspiel am 11. Mai 1913 in München verliert er gegen den VfB Leipzig 1:3, bei dem ein Duisburger Eigentor mithilft.
Der große Tag: Pokalsieg zur Stadioneröffnung (Juni 1913)
Vier Wochen nach dem verlorenen Endspiel steht Ludewig wieder in einem Finale. Mit der Auswahl Westdeutschlands hat er den Kronprinzenpokal erreicht, im Halbfinale schlug der Westen im November 1912 in Duisburg den Süden 2:1. Das Finale gegen Brandenburg findet am 8. Juni 1913 in Berlin statt, im Deutschen Stadion. Libero vermerkt dazu knapp: »wurde eingeweiht«. 10.000 Zuschauer kommen, Schiedsrichter ist Puls aus Hamburg.
Der Westen spielt mit Ludewig als Mittelläufer, daneben Josef Schwagmeyer und Josef Schümmelfeder aus Bonn. Vorn stürmen vier Duisburger: Sebastian Quatram, Heinrich Fischer, Hermann Steinhauer und Walter Fischer, dazu Hermann Pohl aus Mönchengladbach. Die Berliner haben Nationalspieler wie Helmut Röpnack und Willi Worpitzky.
Brandenburg führt nach 25 Minuten, Heinrich Fischer gleicht aus, eine Minute später trifft Korth zum 2:1. Zur Pause führen die Berliner. Nach dem Wechsel gleicht wieder Fischer aus, dann bringt Fuchs Brandenburg erneut in Führung, 3:2 nach 64 Minuten. Und dann kippt das Spiel innerhalb von sechs Minuten: Steinhauer macht das 3:3, eine Minute später schießt Fischer sein drittes Tor zum 4:3 für den Westen, und Pohl erhöht auf 5:3. Der Westen gewinnt den Kronprinzenpokal.
Libero zeigt die Sieger auf einem Mannschaftsfoto, Ludewig steht in der Reihe zwischen Steinhauer und Schümmelfeder.
Ein Länderspiel und ein Knie
Am 5. April 1914 beruft der DFB Ludewig für das Länderspiel in Amsterdam. Er spielt Mittelläufer, links und rechts neben ihm Bollmann aus Essen und Schümmelfeder aus Bonn, auf Linksaußen stürmt sein Duisburger Kollege Walter Fischer. Fünf Spieler geben an diesem Tag ihr Debüt. Das Spiel endet 4:4, es ist das letzte Länderspiel vor dem Ersten Weltkrieg und Ludewigs einziges.
Nach dem Krieg spielt er weiter. 1921 wird der DSV noch einmal Westdeutscher Meister und scheitert erst im Halbfinale nach Verlängerung 1:2 an Vorwärts Berlin. Eine schwere Knieverletzung beendet Anfang der 1920er-Jahre seine Laufbahn.
Erster Trainer auf Schalke
Am 3. April 1925 wird Heinz Ludewig der erste Trainer des FC Schalke 04. Er soll den Spielern das moderne Flachpassspiel beibringen. Die Schalker Chronikseite »100 Schalker Jahre« schreibt, er habe es selbst von den englischen Trainern William Townley und Jim Norris gelernt. 1926 steigt Schalke in die 1. Ruhrbezirksklasse auf, die höchste Spielklasse im Westen, und wird in der westdeutschen Endrunde Zweiter, ausgerechnet hinter Ludewigs altem Verein, dem Duisburger SpV. Damit erreicht Schalke 1927 zum ersten Mal die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Wikipedia sieht in Ludewigs Arbeit die Grundlage für die Schalker Erfolge der 1930er-Jahre. Sein Nachfolger wird der Österreicher Gustav Wieser.
Heinz Ludewig stirbt am 16. Mai 1950 in Düsseldorf, 60 Jahre alt.
Heinz Ludewig auf einen Blick
Geboren: 24.12.1889 in Duisburg
Gestorben: 16.5.1950 in Düsseldorf
Vereine: Duisburger SpV (1900–1922)
Position: Mittelläufer
Titel: Kronprinzenpokal 1913 (Westdeutschland); Deutscher Vizemeister 1913; Westdeutscher Meister 1913, 1921
Bilanz: 1 Länderspiel (1914)
Trainer: FC Schalke 04 (1925 bis 1927/28)
Nationalspieler Nr.: 106 (Debüt 5. April 1914 in Amsterdam)
Länderspiele
Quellen
Wikipedia: Heinz Ludewig · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero Nr. 36 (IFFHS): Deutsche Meisterschaft 1903–1923 · 100 Schalker Jahre: Heinz Ludewig · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · DFB-Datencenter: Niederlande – Deutschland 1914 · Kicker-Almanach 1996