Ludwig Hofmeister – der Fänger vom FC Bayern
Im Jahr 1908 boxten Torhüter den Ball noch gern mit der Faust aus der Gefahrenzone. Ludwig Hofmeister nicht. Der Torwart des FC Bayern fing, täuschte und schlug dann weit ab – einem Reporter war das eine eigene Beobachtung wert. Hofmeister stand von 1904 an im Bayern-Tor, wurde 1910 Ostkreismeister und war nach Max Gablonsky erst der zweite Bayern-Spieler in der Nationalelf. Zwei Länderspiele hat er bestritten, beide gegen Holland. Das zweite, im April 1914 in Amsterdam, wurde ein Achttorespiel mit Ausgleich in letzter Minute – und das letzte deutsche Länderspiel vor dem Ersten Weltkrieg.
»Langer boxt die Bälle weg, Hofmeister fängt jeden, soweit möglich mit den Händen, täuscht den entgegenkommenden Stürmer und schlägt erst dann den Ball möglichst weit ins Feld zurück.«
Aus Sünching ins Bayern-Tor
Ludwig Hofmeister wird am 5. Dezember 1887 in Sünching geboren. 1904 tritt er dem FC Bayern bei und geht ins Tor. Von Beruf ist er Kaufmann, so steht es im Lexikon von 1939.
Die ersten Jahre sind Lehrjahre. Die Einsatzstatistik von historical-lineups.com verzeichnet für 1904/05 ein einziges Pflichtspiel, dann drei, keines, drei, zehn. Im April 1908 kommt der Karlsruher FV zu Besuch, mit Wilhelm Langer im Tor, einem der sogenannten Ur-Nationalspieler. Bayern verliert 1:2, doch der Berichterstatter der Süddeutschen Sportzeitung sieht genau hin und stellt die beiden Torhüter nebeneinander: Langer, der Boxer. Hofmeister, der Fänger.
Meister im Osten, Zweiter im Süden
1909/10 ist Hofmeisters Saison. Er bestreitet 20 Pflichtspiele, so viele wie nie zuvor. Wikipedia beschreibt den Ostkreismeister als »Mannschaft um Torhüter Ludwig Hofmeister, Mittelstürmer Fritz Fürst und Rechtsaußen Max Gablonsky«. In der Ostkreis-Endrunde bleiben die Bayern ungeschlagen, die SpVgg Fürth geht am 25. Januar 1910 mit 0:12 nach Hause, der 1. FC Nürnberg verliert zweimal 2:4. Die Ostkreismeisterschaft gilt als bayerische Meisterschaft.
In der süddeutschen Endrunde ist dann der Karlsruher FV eine Nummer zu groß. Er gewinnt alle sechs Spiele, Bayern wird mit zwei Siegen, einem Remis und drei Niederlagen Zweiter.
Im Herbst 1910 ist Hofmeister seinen Platz los. Der FC Bayern holt den Österreicher Karl Pekarna, einen Torhüter mit Erfahrung bei den Glasgow Rangers. Laut Wikipedia fließen dafür »nicht unerhebliche Zahlungen«. Pekarna bestreitet 1910/11 alle 18 Punktspiele, Hofmeister kein einziges. Ab 1911/12 steht er wieder im Tor, erst neunmal, 1912/13 vierzehnmal.
Der große Tag: Acht Tore in Amsterdam (April 1914)
Im Herbst 1912 kommt der Ruf in die Nationalelf. Eine Woche nach einem Kronprinzenpokal-Halbfinale für Süddeutschland in Duisburg, laut Libero mit Hofmeister im Tor und 1:2 verloren, debütiert er am 17. November 1912 in Leipzig gegen Holland. 10.000 Zuschauer, zwei Tore von Adolf Jäger, ein verschossener Elfmeter von Max Breunig, am Ende ein 2:3.
Dann wechselt er 1913 zu den Stuttgarter Kickers. Als Kickers-Torwart wird er noch einmal berufen, für den 5. April 1914. Holland, Amsterdam, Het Nederlandsch Sportpark, 18.000 Zuschauer. Schiedsrichter ist der Engländer John Howcroft, Kapitän der Deutschen Adolf Jäger.
Zur Pause führt Holland durch ein Tor von Jan Vos 1:0. Danach geht es hin und her. Richard Queck gleicht aus, Jäger dreht das Spiel. In der 66. Minute fallen zwei Tore: Buitenweg trifft für Holland, Otto »Tull« Harder bringt Deutschland wieder nach vorn. Dann kassiert Hofmeister binnen drei Minuten zwei Gegentore, Lotsy und noch einmal Buitenweg machen aus 2:3 ein 4:3. In der 90. Minute gleicht Karl Wegele aus. 4:4.
Vier Gegentore sind kein Ruhmesblatt für einen Torwart. Doch in der Rückschau zählt das Ergebnis. Seit den Olympischen Spielen 1912 hatte die Nationalelf nur verloren.
»Einziger positiver Hoffnungsschimmer war das 4:4 gegen die Niederlande im letzten Spiel vor Kriegsbeginn.«
Es ist tatsächlich das letzte Spiel für lange Zeit. Das nächste deutsche Länderspiel findet erst im Juni 1920 statt.
Zurück nach München
Nach dem Krieg kehrt Hofmeister zum FC Bayern zurück und hütet dort von 1919 bis 1921 noch einmal das Tor, in 28 Pflichtspielen. Dann beendet er seine Laufbahn. Insgesamt kommt er für die Bayern auf 88 Pflichtspiele. Was er im Krieg tat, ist nicht überliefert.
Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins 1925 erhält er die Silberne Jubiläums-Ehrennadel. Laut Wikipedia, das sich auf die NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv stützt, tritt er zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei.
Ludwig Hofmeister stirbt am 26. September 1959 in München.
Ludwig Hofmeister auf einen Blick
Geboren: 5.12.1887 in Sünching
Gestorben: 26.9.1959 in München (andere Angabe: 3.10.1959)
Vereine: FC Bayern München (1904–1913), Stuttgarter Kickers (1913–1914), FC Bayern München (1919–1921)
Position: Torwart
Titel: Ostkreismeister (bayerischer Meister) 1910; süddeutscher Endrundenzweiter 1910
Bilanz: 2 Länderspiele, 0 Tore (1912–1914)
Beruf: Kaufmann
Nationalspieler Nr.: 94 (Debüt 17. November 1912 in Leipzig)
Länderspiele
Quellen
Wikipedia: Ludwig Hofmeister · Wikipedia: Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1909/10 · Wikipedia: Karl Pekarna · historical-lineups.com: Bayern München Player Records · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996 · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · DFB-Datencenter: Niederlande – Deutschland 4:4 (1914) · DFB-Datencenter: Deutschland – Niederlande 2:3 (1912)