Arthur Gaebelein – der Linksaußen aus Halle

Manche Nationalspieler hatten eine große Nacht. Arthur Gaebelein hatte eine lange Laufbahn. Fast drei Jahrzehnte spielte der Linksaußen für denselben Verein in Halle, dazwischen drei Kriegsjahre in Magdeburg. Für die Auswahl Mitteldeutschlands lief er 35-mal auf, stand in zwei Pokalendspielen und schoss in Cottbus einmal zwei Tore in der Verlängerung. Für Deutschland spielte er genau einmal: am 17. November 1912 in Leipzig gegen Holland. Es ging 2:3 verloren, und es war ein Nachmittag, an dem es auf den Rängen hoch herging.

Arthur Gaebeleins Laufbahn · 1901–1930
Arthur Gaebeleins Laufbahn · 1901–1930

»… der vorzügliche Kombinationsspieler …«

— Wikipedia über Arthur Gaebelein (ohne Angabe der Originalquelle)

Von Mansfeld nach Halle

Otto Arthur Alfred Gaebelein wird am 29. März 1891 in Mansfeld geboren, der Name wird oft auch Gäbelein geschrieben. Sein Autogramm im Lexikon von 1939 lautet »Arthur Gaebelein«. Von Beruf ist er kaufmännischer Angestellter.

Laut Wikipedia spielt er ab 1901 für den Halleschen FC Hohenzollern, einen Verein, der 1898 gegründet wurde und sich 1918 in SV Halle 98 umbenennt. Am 9. Oktober 1910 steht er erstmals in der Auswahl Mitteldeutschlands, im Kronprinzenpokal gegen Norddeutschland, als Linksaußen neben Camillo Ugi.

Zwei Tore in Cottbus

Ein Jahr später hat er seinen stärksten Auftritt für die Auswahl. Am 8. Oktober 1911 spielen die Mitteldeutschen in Cottbus gegen Südostdeutschland, vor nur 1.000 Zuschauern. In der 80. Minute gehen die Gastgeber in Führung. Drei Minuten später gleicht Gaebelein aus. Es geht in die Verlängerung, und in der 100. Minute schießt er das 2:1. Danach trifft Edgar Blüher noch dreimal, am Ende heißt es 5:1.

Im Herbst 1912 kommt der Süden. Am 13. Oktober 1912 verliert Mitteldeutschland in Fürth 1:3 gegen eine Auswahl mit Breunig, Bosch, Förderer, Hirsch, Kipp und Wegele. Laut Wikipedia bringt ihn gerade dieser Auftritt in den Kader der Nationalmannschaft.

Der große Tag: Leipzig gegen Holland (November 1912)

Fünf Wochen später, am Sonntag, 17. November 1912, spielt Deutschland in Leipzig gegen Holland, auf dem Platz der Sportpark-Gesellschaft. 10.000 Zuschauer sind da. Schiedsrichter ist der Ungar Ede Herczog, Kapitän der Deutschen Max Breunig aus Karlsruhe. Gaebelein spielt Linksaußen, neben dem Halblinken Eugen Kipp. Mit ihm debütiert Ludwig Hofmeister vom FC Bayern im Tor.

In der 15. Minute führt Holland durch Mannes Francken. Adolf Jäger gleicht in der 27. Minute aus. Kurz vor der Pause könnte Deutschland führen, doch Breunig verschießt in der 42. Minute einen Elfmeter. Nach dem Wechsel trifft Jur Haak zum 1:2, Jäger antwortet in der 65. Minute mit dem 2:2. Neun Minuten später schießt Francken sein zweites Tor. 2:3.

Was Gaebelein in diesem Spiel zeigte, ist nicht überliefert. Überliefert ist aber, wie aufgeheizt die Stimmung war. Das Lexikon von 1939 erzählt über Adolf Jäger, dass die Zuschauer im Leipziger Länderspiel gegen Holland den Schiedsrichter tätlich angreifen wollten. Jäger stellte sich schützend vor den Ungarn und bekam selbst einen Hieb ab.

»Keine Ursache! Der Hieb hat mein Zahngeschwür aufgeschlagen, das mich quälte, ich bin also geradezu belohnt worden.«

— Adolf Jäger, überliefert in »Die Deutschen Nationalspieler«, 1939

Ein Mannschaftsfoto aus Leipzig ist erhalten, abgedruckt in der Zeitschrift »Libero«: elf Männer in weißen Trikots mit dem Adler auf der Brust, Gaebelein zwischen Kipp und Hofmeister. Danach wird er nicht wieder berufen.

Endspiele, Krieg und Magdeburg

Für Mitteldeutschland geht es weiter. Am 9. November 1913 gewinnen die Mitteldeutschen in Nürnberg das Halbfinale gegen den Süden 2:1 nach Verlängerung. Am 22. Februar 1914 steht Gaebelein im Deutschen Stadion in Berlin im Finale um den Kronprinzenpokal, vor 15.000 Zuschauern, neben »Edy« Pendorf und »Paulsen« Pömpner. Norddeutschland gewinnt 2:1.

Von 1914 bis 1917, während des Ersten Weltkriegs, spielt er für Viktoria 96 Magdeburg und wird mit ihr 1916 und 1917 Meister von Mittelelbe. Dann kehrt er nach Halle zurück.

Nach dem Krieg ist er noch einmal ein Faktor. Im Pokal-Halbfinale am 29. Mai 1919 in Leipzig bringt er Mitteldeutschland gegen den Süden nach fünf Minuten in Führung. Dann schießt der Fürther Leonhard Seiderer drei Tore, 1:3 nach Verlängerung. Im Juni 1920 verliert er in Hannover sein zweites Endspiel, 0:1 nach Verlängerung gegen Westdeutschland. Als die Mitteldeutschen 1921 den Bundespokal endlich gewinnen, hat er im Halbfinale noch mitgewirkt, im Finale nicht mehr.

Ein Verein fürs Leben

1921/22 wird Gaebelein mit dem SV Halle 98 Meister des Saalegaus, der Verein erreicht zum einzigen Mal die mitteldeutsche Endrunde. 1930 hört er auf. Laut Wikipedia bestritt er insgesamt 35 Repräsentativspiele für den Mitteldeutschen Verband und erhielt dessen Silberne Ehrennadel. Mitglied seines Vereins bleibt er bis zu seinem Tod.

Zum 1. März 1937 tritt er laut Wikipedia, gestützt auf die NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv, der NSDAP bei.

Arthur Gaebelein stirbt am 28. August 1964 in Halle.

Arthur Gaebelein auf einen Blick

Geboren: 29.3.1891 in Mansfeld
Gestorben: 28.8.1964 in Halle (Saale)
Vereine: Hallescher FC Hohenzollern 1898 (ab 1901), Viktoria 96 Magdeburg (1914–1917), SV Halle 98 (1917–1930)
Position: Linksaußen
Titel: Meister von Mittelelbe 1916 und 1917; Saale-Meister 1922; Kronprinzenpokal-Finalist 1914, Bundespokal-Finalist 1920
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1912)
Beruf: kaufmännischer Angestellter
Nationalspieler Nr.: 95 (Debüt 17. November 1912 in Leipzig)

Länderspiele

Quellen

Wikipedia: Arthur Gaebelein · Wikipedia: SV Halle 98 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1911/12 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1913/14 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996 · DFB-Datencenter: Deutschland – Niederlande 2:3 (1912)