Karl Flink – 1,57 Meter Läufer, später Kölns erster Trainer

Bochum, 2. Juli 1922. Rund 35.000 Zuschauer sind an die Castroper Straße gekommen, und mitten im deutschen Mittelfeld steht ein Mann, der nach der Wikipedia nur 1,57 Meter misst: Karl Flink, 26 Jahre alt, rechter Läufer vom Kölner BC. Er spielt zum ersten und einzigen Mal für Deutschland, und das Spiel gegen Ungarn endet 0:0, als erstes Länderspiel der deutschen Nationalelf ganz ohne Tor. Berühmter als auf dem Rasen wird Flink später an der Seitenlinie: Als im Februar 1948 der 1. FC Köln entsteht, ist er dessen erster Trainer.

Karl Flinks Laufbahn · vom Brühler SV über Köln, Berlin und Neunkirchen zur Trainerbank, 1909–1950
Karl Flinks Laufbahn · vom Brühler SV über Köln, Berlin und Neunkirchen zur Trainerbank, 1909–1950

»Prägende Akteure wie Mittelstürmer Walter Binder, der Niederländer Manes Wynperle, Karl Flink, der Schotte William McGregor oder Torwart ›Matthes‹ Roggendorf prägten diese Zeit mit dem Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft 1922, auf die der Club jedoch nach Ärger mit dem Verband verzichtete.«

— 1. FC Köln (fc.de), „Vor 125 Jahren: Fünf ‚Rebellen‘ gründen den Kölner Ballspiel-Club“, über die Zeit des KBC nach dem Ersten Weltkrieg

Vom Gastwirtssohn zum Kölner BC

Karl Flink wird am 7. Dezember 1895 geboren. Die Wikipedia nennt Weilerswist als Geburtsort, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 führt Köln als Heimatort. Sein Vater ist Gastwirt, er selbst beginnt als Turner. Am städtischen Gymnasium in Brühl und beim Brühler SV 06 lernt er das Fußballspielen, bis zur Saison 1909/10 bleibt er dort. 1910 geht er zum Kölner BC, damals einer der Spitzenvereine der Region, und arbeitet sich nach den Angaben der Wikipedia langsam von der achten Mannschaft in die erste hoch.

Im Ersten Weltkrieg spielt er als Gastspieler in Berlin, die Wikipedia führt ihn von 1914 bis 1918 bei Viktoria 1889. Von 1918 bis 1920 steht er bei Borussia Neunkirchen im Saarland, von 1920 bis 1925 wieder beim Kölner BC. In Berlin schließt er 1919 eine Ausbildung zum Fußball-Lehrer ab. Das Lexikon von 1939 nennt ihn einen Außenläufer und zählt als Vereine den Ballspiel-Club Köln, Viktoria Berlin und Borussia Neunkirchen auf. Der Klub, für den er spielt, ist in dieser Zeit Serienmeister in Köln. In der Saison 1921/22, der letzten vor Flinks Länderspiel, gewinnt der Kölner BC das entscheidende Spiel um die westdeutsche Meisterschaft 2:1 gegen Arminia Bielefeld, verliert den Titel aber nach einem Protest des Essener TB am Grünen Tisch, weil die Kölner zum angesetzten Wiederholungsspiel nicht antreten (nach der Wikipedia zum 1. FC Köln; ob Flink in diesen Spielen auf dem Platz stand, ist den Quellen nicht zu entnehmen). Die Vereinsseite des 1. FC Köln rechnet Flink zu den prägenden Spielern dieser Jahre und schreibt, der Club habe nach Ärger mit dem Verband auf den Titel von 1922 verzichtet (Zitat oben). In Auswahlmannschaften kommt er laut Wikipedia dreimal für Berlin, dreimal für Süddeutschland und zwanzigmal für Westdeutschland zum Einsatz.

Der große Tag: Bochum, 2. Juli 1922

Eigentlich sollte das Spiel in Hamburg stattfinden. Nach den Zuständen beim Bundespokalfinale im März, als die Polizei den überfüllten Platz räumen musste, verlegt der DFB es nach Bochum, wo der TuS 1848 an der Castroper Straße ein Stadion für rund 50.000 Zuschauer gebaut hat. Es kommen 35.000 nach DFB-Angabe, die ungarische Zählung nennt 40.000. Schiedsrichter ist der Wiener Heinrich Retschury.

Die deutsche Läuferreihe sieht anders aus als angekündigt. Das Groninger Dagblad hatte am 28. Juni Hagen, Tewes und Riegel gemeldet, auf dem Platz stehen Flink, der Nürnberger Hans Schmidt und Karl Tewes. Flink bekommt seine Chance nach der Wikipedia nur, weil einige Stammkräfte fehlen. Hinter ihm steht zum dritten und letzten Mal Theodor Lohrmann im Tor, vor ihm stürmt unter anderem der Kapitän Adolf Jäger. Im Angriff debütiert außerdem der Kieler Franz Esser, auch er blieb bei diesem einen Spiel.

Auf der anderen Seite spielen unter anderem der Stürmer Ferenc Hirzer, die Brüder Károly und József Fogl und der Läufer Zoltán Blum. Ungarn ist auf dem Weg in den Norden, eine Woche später folgt ein 1:1 in Stockholm. Ein Tor fällt in Bochum nicht, auch nicht für den kleinen Mann aus Köln. Die niederländische Presse hat nach dem Bericht auf der Spielseite wenig zu erzählen: Het Vaderland meldet am 3. Juli kurz ein »puntloos spel«. Wie Flink gespielt hat, überliefern die verfügbaren Quellen nicht. Es bleibt bei dem einen Einsatz.

Deutschland – Ungarn 0:0 am 2. Juli 1922 in Bochum mit Karl Flink als rechtem Läufer
Deutschland – Ungarn 0:0 am 2. Juli 1922 in Bochum mit Karl Flink als rechtem Läufer

Fußball-Lehrer, Wirt, Trainer

Schon in den Zwanzigern nimmt Flink seine erste Stelle als Fußball-Lehrer an, beim Siegburger SV 04. In den Dreißigern betreibt er die Gastwirtschaft »Kölner Hof« in Weilerswist. Nach Angaben des Bundesarchivs, die die Wikipedia nach dem Zeit-Artikel von Armin Jäger vom 24. Juli 2024 wiedergibt, trat er zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein.

Zweimal betreut er Fortuna Düsseldorf, von 1934 bis zum Herbst 1935 und von 1937 bis 1939. Das DFB-Datencenter führt für ihn bei Fortuna 15 Pflichtspiele als Trainer, davon neun Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen, in DFB-Pokal und Meisterschaftsrunde.

Im Februar 1948 gründet sich der 1. FC Köln aus dem Kölner BC und der Spielvereinigung Sülz 07. Flink ist der erste Trainer des neuen Vereins, nach der Trainerliste der Wikipedia vom 13. Februar bis zum 30. Juni 1948. Im Juli geht er zurück nach Düsseldorf und betreut Fortuna bis zum Januar 1949, als Theo Breuer ihn ablöst. Später trainiert er unter anderem den TSV Eller 04 und den VfB Bottrop. Danach betreibt er eine Toto-Annahmestelle am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Nach dem Tod seiner Frau heiratet er ein zweites Mal. Karl Flink stirbt am 28. November 1958 mit 62 Jahren, den Ort nennen die Quellen nicht.

Karl Flink auf einen Blick

Geboren: 7.12.1895 in Weilerswist (Wikipedia; Lexikon 1939: Heimatort Köln)
Gestorben: 28.11.1958 (Ort nicht angegeben)
Vereine: Brühler SV 06 (bis 1910), Kölner BC (1910–1914, 1920–1925), Viktoria 1889 Berlin (1914–1918), Borussia Neunkirchen (1918–1920)
Position: rechter Läufer, Außenläufer
Größe: 1,57 m (Wikipedia)
Trainer: Siegburger SV 04, Fortuna Düsseldorf (1934–1935, 1937–1939, 1948–1949), 1. FC Köln (1948), TSV Eller 04, VfB Bottrop
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Unentschieden), kein Tor (1922)

Länderspiele

Quellen