Arthur Marohn – der Viktorianer aus Mariendorf

Arthur Marohn musste lange warten. Laut Wikipedia stand er schon vor dem Ersten Weltkrieg zweimal im Aufgebot der Nationalelf, kam aber nicht zum Einsatz. Dann kam der Krieg. Erst im Juni 1921, mit fast 28 Jahren, lief er in Budapest für Deutschland auf, in einer Mannschaft voller Neulinge, die 0:3 verlor. Es blieb sein einziges Länderspiel. Im Verein dagegen war er ein Dauerbrenner: Viktoria 89, vom Nachwuchs bis zum Ende.

Arthur Marohns Laufbahn · 1909–1942
Arthur Marohns Laufbahn · 1909–1942

»Folge war eine hochverdiente 0:3-Niederlage.«

— Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft (2004) über Budapest 1921

Aus Mariendorf zur Viktoria

Arthur Marohn wird am 14. Juni 1893 in Mariendorf bei Berlin geboren. Mit 16 kommt er zum Nachwuchs von Viktoria 89, dem Meister von 1908 und 1911. Wann er in die erste Mannschaft aufrückt, ist nicht ganz klar. Wikipedia nennt 1913, doch schon am 5. Mai 1912 steht er im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft in Danzig auf dem Platz. Viktoria gewinnt 7:0, Marohn spielt links in der Läuferreihe.

Dort bleibt er. »Linker Läufer« steht 1939 als Stammposten im Lexikon. 1913 kommt er mit Viktoria bis ins Halbfinale, das am 27. April in Leipzig mit 1:3 gegen den VfB verloren geht. Neben ihm spielen Männer wie Willi Knesebeck, Paul Kugler und Willi Worpitzky.

Pokalsieger im Krieg

In den Kriegs- und Nachkriegsjahren wird Viktoria zweimal Berliner Meister, 1916 und 1919. Ein Mannschaftsfoto in »Libero« zeigt den »Meister der Mark Brandenburg von 1916«, Marohn steht neben Karl Tewes und Knesebeck.

Für die Brandenburger Auswahl spielt er laut Wikipedia 27-mal. Das wichtigste dieser Spiele ist das Finale um den Kronprinzenpokal am 19. Mai 1918 in seinem Geburtsort Mariendorf. Marohn spielt links in der Läuferreihe, Brandenburg schlägt Norddeutschland 3:1 nach Verlängerung. Das Siegtor schießt Walter Fritzsche von Vorwärts 90, der drei Jahre später ebenfalls Nationalspieler wird. Für Brandenburg ist es der erste Sieg in diesem Wettbewerb.

Ein Jahr später ist im Halbfinale Schluss: Am 29. Mai 1919 verliert Brandenburg in Hamburg 1:5. Auf der anderen Seite verteidigt Henry Müller.

Der große Tag: Budapest (Juni 1921)

Im Frühsommer 1921 hat der DFB ein Problem. Am 5. Juni soll in Budapest gegen Ungarn gespielt werden, doch zur selben Zeit läuft die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Die Nürnberger und die Berliner Vorwärts-Spieler stehen eine Woche vor dem Endspiel. Laut Schulze-Marmelings Geschichte der Nationalmannschaft laufen deshalb sechs Neulinge auf, weil »die eigentlichen Spitzenakteure daher nicht abkömmlich waren«. Einer davon ist Marohn, die anderen sind Henry Müller, Karl Höger, Fritz Schnürle, Emil Gröner und Anton Kreß.

30.000 Zuschauer sind laut DFB gekommen, Schiedsrichter ist der Österreicher Heinrich Retschury. Marohn bildet mit seinem Vereinskameraden Karl Tewes und dem Bonner Josef Schümmelfeder die Läuferreihe. Kapitän ist Adolf Jäger, Nationalspieler seit 1908.

Es wird nichts. Imre Schlosser trifft nach zehn Minuten, Béla Guttmann erhöht vor der Pause. Kurz nach dem Wechsel macht József Braun das 3:0. Wikipedia zitiert aus der Berichterstattung, Tewes und Henry Müller hätten »Schlimmeres« verhindert. Über Marohn ist kein Urteil überliefert.

Er wird nicht wieder berufen.

Späte Jahre

1922 endet laut Wikipedia und DFB Marohns Zeit bei Viktoria. Später erwirbt er die Trainerlizenz und trainiert, so Wikipedia, 1939/40 den Berliner BC 1926 und 1941/42 den Spandauer SV. Im Lexikon von 1939 ist er als Angestellter verzeichnet.

Arthur Marohn stirbt am 21. April 1975 in Berlin, im Alter von 81 Jahren.

Arthur Marohn auf einen Blick

Geboren: 14.6.1893 in Mariendorf
Gestorben: 21.4.1975 in Berlin
Vereine: BTuFC Viktoria 89 (ab 1909 Nachwuchs, spätestens 1912 bis 1922 erste Mannschaft)
Position: Linker Läufer
Titel: Berliner Meister 1916, 1919; Kronprinzenpokal 1918 (Brandenburg)
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1921); 27 Spiele für Brandenburg
Beruf: Angestellter
Trainer: Berliner BC 1926 (1939/40), Spandauer SV (1941/42)
Nationalspieler Nr.: 129 (Debüt 5. Juni 1921 in Budapest)

Länderspiele

Quellen

Wikipedia: Arthur Marohn · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1917/18 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero 36 (IFFHS) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · DFB-Datencenter: Ungarn – Deutschland 3:0 · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft (2004) · Kicker-Almanach 1996