Arthur Mohns – »Atze« vom Wedding
Hauptberuflich war er Bäcker, auf dem Platz Verteidiger. Arthur Mohns, von seinen Mitspielern »Atze« genannt, war der führende Mann des SV Norden-Nordwest, des großen Vereins aus dem Berliner Wedding. Zwischen 1920 und 1922 spielte er fünfmal für Deutschland und erlebte dabei den ersten Sieg nach dem Krieg. Mit seinem Verein kam er 1922 bis ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Dort wartete der 1. FC Nürnberg, die beste Mannschaft des Landes. Die Berliner verloren, aber nur knapp.
»Die Berliner mit ihren Nationalspielern, dem 25jährigen ›Atze‹ Mohns in der Verteidigung und dem 24jährigen Otto Montag, … machten den ›Cluberern‹ auf dem Gelände dessen regionalen Erzrivalen, der SpVgg. Fürth, schwer zu schaffen.«
Ein Berliner Junge
Arthur Mohns wurde am 4. Dezember 1896 in Berlin geboren. Viel mehr ist über seine Herkunft nicht überliefert. Als Jugendlicher spielte er laut Wikipedia beim BFC Meteor 06 und beim Berliner SC Favorit, das Lexikon von 1939 nennt »Favorit 96«. Über den SC Minerva 93 kam er zum SV Norden-Nordwest.
Den Beruf gibt das Lexikon von 1939 mit »Bäckermeister« an, Wikipedia schreibt schlicht, er habe parallel zum Fußball als Bäcker gearbeitet. Seine Position: rechter Verteidiger, später auch Läufer.
Für die Auswahl des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine spielte er laut Wikipedia 40-mal, davon sechsmal im Bundespokal zwischen 1919 und 1926.
Fünf Länderspiele, ein erster Sieg
In die Nationalelf kam Mohns im Herbst 1920. Am 26. September spielte Deutschland in Wien gegen Österreich. Mohns verteidigte neben Hans Lohneis vom MTV Fürth, vor ihnen stand Heiner Stuhlfauth im Tor. Deutschland verlor 2:3.
Einen Monat später, am 24. Oktober 1920, war er in seiner Heimatstadt dabei. Deutschland schlug Ungarn in Berlin mit 1:0, Adolf Jäger schoss das Tor. Nach den Niederlagen in Zürich und Wien war es der erste Sieg der Nationalelf nach dem Krieg.
1921 folgten zwei Unentschieden: ein 3:3 in Dresden gegen Österreich und ein 3:3 in Helsingfors gegen Finnland. Dort schoss ein Stürmer vom SV Waldhof Mannheim zwei Tore, der später als Reichstrainer berühmt werden sollte: Josef »Sepp« Herberger, der an diesem Tag sein erstes Länderspiel bestritt. Sein letztes Länderspiel bestritt Mohns im Juli 1922 in Bochum, ein torloses 0:0 gegen Ungarn, an der Seite von Kapitän Adolf Jäger und Torwart Theodor Lohrmann.
Der große Tag: Halbfinale gegen den Club (Juni 1922)
In der Saison 1921/22 war Norden-Nordwest die beste Mannschaft Berlins. Der Verein wurde Staffelmeister der Oberliga, gewann die Endspiele gegen Charlottenburg und damit die Meisterschaft von Brandenburg. Das bedeutete: Endrunde um die deutsche Meisterschaft.
Im Viertelfinale am 21. Mai 1922 ging es auf dem Viktoria-Platz in Mariendorf gegen Viktoria Forst. 10.000 Zuschauer sahen ein zähes Spiel. Erst in der 85. Minute erzielte Otto Montag das 1:0. »Libero« schreibt, der Berliner Meister habe »große Mühe« gehabt.
Im Halbfinale wartete der Titelverteidiger. Der 1. FC Nürnberg war 1920 und 1921 Meister geworden. Gespielt wurde am 4. Juni 1922 in Fürth, auf dem Ronhof, also ausgerechnet auf dem Platz des Nürnberger Erzrivalen. 20.000 Zuschauer kamen, Schiedsrichter war Fritz Kiemeyer aus Leipzig.
Beim Club spielten Stuhlfauth im Tor, Kugler und Bark in der Verteidigung, Carl Riegel in der Läuferreihe, vorne Strobel, Popp, Böß und Träg. Bei Norden-Nordwest standen Mohns und Max Wuschke vor Torwart Paul Bork.
Nach zehn Minuten traf Willi Böß, der kleine, schmächtige Mittelstürmer der Nürnberger, zum 1:0. Danach fiel kein Tor mehr. Die Berliner hielten mit, laut »Libero« machten sie dem Club »schwer zu schaffen«. Es blieb beim 0:1.
Nürnberg zog ins Endspiel ein, das berühmte Finale gegen den Hamburger SV, das zweimal keinen Sieger fand. Für Mohns und Norden-Nordwest blieb das Halbfinale der größte Erfolg. 1923 gewann er mit den »Rot-Weißen« noch den Berliner Landespokal.
Noch einmal Endrunde, jetzt als Kapitän
1926 war Norden-Nordwest wieder dabei, als Vizemeister Berlins. Mohns spielte inzwischen in der Mitte der Läuferreihe und führte die Mannschaft als Kapitän. Im Achtelfinale am 17. Mai 1926 in Köln gewann Norden-Nordwest 2:1 beim westdeutschen Meister VfR Köln.
»Spielentscheidend war die starke Läuferreihe der Gäste, die in der Defensive und Offensive beeindruckte.«
Im Viertelfinale am 30. Mai 1926 im Berliner Grunewald-Stadion war dann Schluss. Holstein Kiel führte nach sieben Minuten 2:0 und gewann 4:0. Bis 1930 spielte Mohns noch für Norden-Nordwest.
Partei, Stadtverwaltung
Am 14. Mai 1940 beantragte Mohns die Aufnahme in die NSDAP. Zum 1. Juli 1940 wurde er aufgenommen. So steht es bei Wikipedia, gestützt auf die NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv und einen Bericht der »Zeit« von 2024.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte er sich kurz als Trainer, danach arbeitete er in der Berliner Stadtverwaltung. Arthur Mohns starb laut Wikipedia 1960. Ein genaues Datum nennt keine der geöffneten Quellen.
Arthur Mohns auf einen Blick
Geboren: 4.12.1896 in Berlin
Gestorben: 1960
Spitzname: »Atze«
Vereine: BFC Meteor 06, Berliner SC Favorit (Jugend), SC Minerva 93, SV Norden-Nordwest Berlin (bis 1930)
Position: rechter Verteidiger, später Läufer
Titel: Meister von Berlin-Brandenburg 1922; DM-Halbfinalist 1922; Berliner Landespokal 1923
Bilanz: 5 Länderspiele, 0 Tore (1920–1922)
Beruf: Bäckermeister; nach 1945 Angestellter der Berliner Stadtverwaltung
Nationalspieler Nr.: 116 (Debüt 26. September 1920 in Wien)
Länderspiele
- 26.09.1920 Deutschland – Österreich 2:3
- 24.10.1920 Deutschland – Ungarn 1:0
- 05.05.1921 Deutschland – Österreich 3:3
- 18.09.1921 Deutschland – Finnland 3:3
- 02.07.1922 Deutschland – Ungarn 0:0
Quellen
Wikipedia: Arthur Mohns · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero 36 (IFFHS) · Libero 38 (IFFHS, 2002) · Libero D 6/7 (IFFHS, 1993) · Kicker-Almanach 1996 · Kicker 1959