Georg Schneider – der Schorschl vom FC Bayern

Stürmer, Mittelläufer, Verteidiger: Georg Schneider hat beim FC Bayern fast alles gespielt, was es zu spielen gab. 249 Spiele in 15 Jahren, 75 davon im Angriff, 66 in der Mitte, 108 hinten. Zum 25. Geburtstag des Vereins 1925 feierte ihn die Festschrift als den »erfolgreichsten und populärsten« aller Bayernspieler. In der Nationalelf kam er dreimal zum Zug, zweimal verlor Deutschland. Das dritte Mal, an einem Oktobersonntag 1920 in Berlin, war der erste deutsche Sieg nach dem Krieg.

Georg Schneiders Laufbahn · vom Münchner Wiesenklub zum Ehrenspielführer des FC Bayern 1892–1961
Georg Schneiders Laufbahn · vom Münchner Wiesenklub zum Ehrenspielführer des FC Bayern 1892–1961

»Er ist zweifellos von allen Bayernspielern bisher der erfolgreichste und populärste. In der Geschichte der Bayernsportleute nimmt er unbestritten den ersten Platz ein.«

— Festschrift 25 Jahre FC Bayern, 1925 (zitiert nach Wikipedia)

Vom Wiesenklub an die Clemensstraße

Georg Schneider wird am 22. April 1892 geboren, als Heimatort nennt das Lexikon von 1939 München. Das Fußballspielen lernt er auf der großen Wiese hinter dem Bayernplatz an der Clemensstraße. Dort kickt der FC Vulkan, ein Wiesenklub aus »lauter talentierten Mittelschülern«, so erzählt es Wikipedia nach der Bayern-Festschrift. Mit den Bayern nebenan wollen die Vulkan-Leute nichts zu tun haben. Die meisten gehen zum FC Union. Schneider auch, aber nicht für lange.

Am 15. August 1910 steht er zum ersten Mal in der ersten Mannschaft des FC Bayern, als Mittelstürmer. Die Bayern gewinnen 2:1, und am Ende der Saison sind sie bayerischer Meister. In der süddeutschen Endrunde ist dann der Karlsruher FV eine Nummer zu groß.

Schneider spielt 1913 für Süddeutschland und für die Münchner Stadtauswahl. Am 6. Juli 1913 tritt sie auf der Hohen Warte in Wien an, vor 5.000 Zuschauern. München verliert 1:3. Ein Jahr später, beim Rückspiel in München, heißt es 0:4. Gegen die Wiener Kunst ist wenig auszurichten.

Dann kommt der Krieg. Schneider studiert Ingenieurwesen und kann deshalb nicht spielen. Laut Wikipedia gerät er später auch in Gefangenschaft. Wann und wo, ist nicht überliefert.

Der Mann für jede Position

Nach dem Krieg ist Schneider zurück. 1920 holen die Bayern die südbayerische Meisterschaft, scheitern aber in der süddeutschen Runde am Freiburger FC. Schneider spielt nun regelmäßig für Süddeutschland, 1919, 1920 und 1921 unter anderem mehrfach gegen Österreich. Zwölf Auswahlspiele sind es am Ende. Als Verteidiger, schreibt Wikipedia, erlangt er »internationalen Ruf«.

Im Juni 1920 beruft ihn der DFB zum ersten Länderspiel nach dem Krieg. In Zürich bildet er mit dem Stuttgarter Adolf Höschle die Verteidigung vor dem Nürnberger Torwart Heiner Stuhlfauth. Die Schweiz gewinnt 4:1.

Der große Tag: Berlin (Oktober 1920)

Vier Monate später ist er wieder dabei. Sonntag, 24. Oktober 1920, Deutsches Stadion in Berlin. Deutschland gegen Ungarn, laut DFB vor 55.000 Zuschauern. Die ersten beiden Länderspiele nach dem Krieg, in Zürich und Wien, hat Deutschland verloren. Jetzt kommt ein Gegner mit großen Namen. Bei den Ungarn spielen Imre Schlosser und György Orth, den das Lexikon von 1939 zu den größten Mittelläufern des Kontinents zählt.

Die deutsche Elf ist bunt gemischt. Im Tor steht der Fürther Theodor Lohrmann, ein Neuling. Vor ihm verteidigen Georg Schneider und der Berliner Arthur Mohns. Die Läuferreihe bilden Walter Krause aus Hamburg, Karl Tewes aus Berlin und der Nürnberger Carl Riegel. Im Sturm spielen Leo Fiederer aus Fürth, Tull Harder aus Hamburg, Kapitän Adolf Jäger aus Altona, der Nürnberger Luitpold Popp und der Pforzheimer Paul Forell. Fünf von ihnen bestreiten ihr erstes Länderspiel.

In der 22. Minute gibt es Elfmeter für Deutschland. Jäger verwandelt zum 1:0. Es ist das einzige Tor des Tages. Die restlichen gut 70 Minuten muss die Abwehr halten, und sie hält. Ein Foto in der Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft zeigt Lohrmann und Schneider, wie sie gemeinsam einen gegnerischen Angriff abfangen.

Es ist Deutschlands erster Sieg nach dem Krieg. Für Schneider bleibt es der einzige in der Nationalelf. Sein drittes und letztes Länderspiel bestreitet er im Juni 1921 in Budapest. Weil gleichzeitig die Endrunde um die deutsche Meisterschaft läuft, fehlen die Spitzenspieler, sechs Neulinge stehen auf dem Platz. Ungarn gewinnt 3:0. Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft nennt die Niederlage »hochverdient«.

Spielertrainer und Ehrenspielführer

1921/22 ist Schneider Spielertrainer der Bayern. 1923 holen sie noch einmal die südbayerische Meisterschaft, dann ist in den Spielen um die bayerische Meisterschaft gegen die SpVgg Fürth Endstation, 1:2 und 0:5. 1925 hört er auf. Zum 25-jährigen Bestehen des Vereins machen ihn die Bayern gemeinsam mit Max Fürst zum Ehrenspielführer.

Das Lexikon von 1939, das ihn als Ingenieur führt, nennt »Schorschl Schneider« in einem Kasten über den FC Bayern in einer Reihe mit Goldbrunner und dem »unvergesslichen Wiggerl Hofmann«. Am 8. September 1939, wenige Tage nach Kriegsbeginn, beantragt Schneider die Aufnahme in die NSDAP. Zum 1. November wird er Mitglied, wie die Kartei im Bundesarchiv und eine Studie über den FC Bayern im Nationalsozialismus belegen.

Georg Schneider stirbt am 5. Januar 1961, 68 Jahre alt.

Georg Schneider auf einen Blick

Geboren: 22.4.1892 (Heimatort München)
Gestorben: 5.1.1961
Spitzname: »Schorschl«
Vereine: FC Vulkan, FC Union München, FC Bayern München (1910–1925)
Position: Mittelstürmer, Mittelläufer, Verteidiger
Titel: Bayerischer Meister 1911; Südbayerischer Meister 1920, 1923
Bilanz: 3 Länderspiele, 0 Tore (1920–1921)
Beruf: Ingenieur
Trainer: FC Bayern München (Spielertrainer 1921/22)
Nationalspieler Nr.: 111 (Debüt 27. Juni 1920 in Zürich gegen die Schweiz)

Länderspiele

Quellen

Wikipedia: Georg Schneider (Fußballspieler, 1892) · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Kicker-Almanach 1996 · DFB-Datencenter: Georg Schneider · DFB-Datencenter: Deutschland – Ungarn 1:0, 1920 · DFB-Datencenter: Schweiz – Deutschland 4:1, 1920 · austriasoccer.at: Wien – München 1913