Paul Forell – der Linksaußen, der Pforzheim treu blieb
Paul Forell war kein Mann für Umwege. Er lernte 1906 bei einer Pforzheimer Versicherung und ging dort 1956 als Generalagent in Pension. Er spielte ab 1909 für den 1. FC Pforzheim und hörte 1926 dort auf. Dazwischen liegt ein einziger Nachmittag im Nationaltrikot, am 24. Oktober 1920 in Berlin. Deutschland schlug Ungarn 1:0, zum ersten Mal überhaupt. Forell stand links außen und hat danach nie wieder für Deutschland gespielt.
»Der Sieg steht im Zeichen der grandiosen Torwartleistung von Teddy Lohrmann aus Fürth.«
Ein Pforzheimer in Pforzheim
Paul Forell wird laut Wikipedia am 14. Januar 1892 in Pforzheim geboren. Das Nationalspieler-Lexikon von 1939 nennt denselben Tag, aber das Jahr 1893. Er kommt aus der Jugend von Victoria Pforzheim und wechselt zur Saison 1909/10 zum 1. FC Pforzheim, dem Verein, der schon mehrere Nationalspieler gestellt hat, darunter Arthur Hiller, den Kapitän des ersten Länderspiels 1908.
Forell spielt Linksaußen, und er spielt ihn lange. Zweimal kommt der Club im Südkreis ganz nah an den Titel. 1913 und 1914 liegt Pforzheim am Ende punktgleich mit den Stuttgarter Kickers vorn, beide Male verliert es das Entscheidungsspiel, erst 0:2, dann 0:4. Im Krieg spielt Forell ein halbes Jahr als Gastspieler bei Phönix Mannheim, sonst immer für Pforzheim.
Auch in der süddeutschen Auswahl taucht er auf. Im November 1912 steht er im Halbfinale des Kronprinzenpokals in Duisburg am linken Flügel, in einem Sturm mit Karl Wegele, Fritz Förderer, Gottfried Fuchs und Eugen Kipp. Der Westen gewinnt 2:1.
Der große Tag: Länderspiel in Berlin (Oktober 1920)
1920 ist Forell 28 und im Süden kein Unbekannter. Im Mai spielt er mit der süddeutschen Auswahl in Pforzheim gegen eine ungarische Mannschaft. 15.000 bis 20.000 Zuschauer sollen im Stadion Brötzinger Tal gewesen sein, laut Wikipedia bis heute Rekord für diesen Platz. Der Süden verliert 0:1.
Im Herbst ruft der DFB. Am 24. Oktober 1920 spielt Deutschland in Berlin gegen Ungarn, im Deutschen Stadion im Grunewald. Es ist das dritte Länderspiel nach dem Ersten Weltkrieg, die ersten beiden gegen die Schweiz und Österreich sind verloren gegangen. Der Kicker-Almanach führt Forell als Linksaußen, neben ihm Luitpold Popp, in der Mitte Kapitän Adolf Jäger und Otto Harder, rechts Leo Fiederer. Gleich fünf Spieler bestreiten an diesem Tag ihr erstes Länderspiel.
Schiedsrichter ist der Schweizer Jacques Hirrle. Wie viele Menschen zusehen, ist umstritten: Der DFB nennt 35.000, die Fürther Vereinschronik 55.000. Nach 22 Minuten gibt es Elfmeter, Jäger verwandelt. Danach fällt kein Tor mehr, und die Erinnerung gehört dem Mann am anderen Ende des Feldes, dem Fürther Torwart Theodor Lohrmann.
Was Forell an diesem Nachmittag gezeigt hat, verrät keine der geöffneten Quellen. Fest steht: Nach vier Begegnungen mit Ungarn ohne Sieg gewinnt Deutschland zum ersten Mal. Forell ist dabei.
Meister im Südwesten
In Pforzheim folgen nun Titel. In der Zeit unter dem ehemaligen Nationalspieler Max Breunig als Trainer gewinnt der Club 1921 die Kreisliga Südwest. In der süddeutschen Endrunde wird Pforzheim Gruppensieger, scheitert aber im Halbfinale am 24. April 1921 mit 0:1 am FC Phönix Ludwigshafen. Im selben Jahr spielt Forell mit der Süd-Auswahl in Wien gegen Österreich.
1923 wird Pforzheim Badischer Meister und gewinnt auch das Bezirksfinale gegen die Stuttgarter Kickers, in Hin- und Rückspiel zusammen 4:1. In der süddeutschen Endrunde reicht es zu Platz vier von fünf. Nach drei weiteren Spielzeiten in der Bezirksliga Württemberg/Baden hört Forell 1926 auf.
Nach der Karriere
Dem Verein bleibt er erhalten. Laut Wikipedia kümmert er sich um die »Propaganda-Spiele« der Privatmannschaft, sitzt im Spielausschuss und betreut die Reserve. Beruflich steigt er zum Generalagenten seiner Versicherung auf.
Zum 1. August 1935 tritt Forell der NSDAP bei; so steht es auf Wikipedia unter Berufung auf die Mitgliederkartei im Bundesarchiv.
1952 erhält er die goldene Ehrennadel des Badischen Fußball-Verbandes, der 1. FC Pforzheim ernennt ihn zum Ehrenmitglied. 1956 geht er in Pension. Paul Forell stirbt am 2. August 1959 in Pforzheim, mit 67 Jahren.
Paul Forell auf einen Blick
Geboren: 14.1.1892 in Pforzheim (Lexikon 1939: 1893)
Gestorben: 2.8.1959 in Pforzheim
Vereine: Victoria Pforzheim (Jugend), 1. FC Pforzheim (1909–1926), zwischenzeitlich Kriegsgastspieler bei Phönix Mannheim
Position: Linksaußen
Titel: Südwestmeister 1921; Badischer Meister und Württembergisch-Badischer Bezirksmeister 1923
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1920)
Beruf: Kaufmann, Generalagent einer Versicherung
Nationalspieler Nr.: 125 (Debüt 24. Oktober 1920 in Berlin)
Länderspiele
Quellen
Wikipedia: Paul Forell · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1912/13 · DFB: Rückblick auf alle Duelle gegen Ungarn (2024) · hu.wikipedia: Ungarns Länderspiele 1920 · kleeblatt-chronik.de · Kicker-Almanach 1996 · Kicker 1959