Fritz Wetzel – Pforzheims Läufer beim ersten Sieg über Österreich
In Wien stehen am 23. April 1922 elf Deutsche auf dem Platz, und zwei von ihnen kommen aus Pforzheim. Einer schießt das erste Tor, es ist Viktor Weißenbacher, und sein Name steht in den Berichten über dieses Spiel. Der andere heißt Fritz Wetzel, ist 27 Jahre alt und spielt in der Läuferreihe, weiter hinten und ohne Tor. Von ihm bleibt ein Länderspiel, ein 2:0, und eine lange Treue zum selben Verein.
»[…] ein Mann mit 50 Jahren, wie unser früherer Nationalspieler Fritz Wetzel, mit jüngeren Kameraden zusammen heute hin und wieder Pflichtspiele auf dem grünen Rasen bestreitet.«
Ein Pforzheimer durch und durch
Fritz Wetzel kommt am 12. Dezember 1894 in Pforzheim zur Welt, das Nationalspieler-Lexikon von 1939 nennt ihn Kaufmann. Als Oberrealschüler tritt er mit elf Jahren dem 1. FC Pforzheim bei, nach der Wikipedia im selben Jahr 1906, in dem der Verein das Endspiel um die deutsche Meisterschaft erreicht und Zweiter wird. Zur Saison 1911/12 rückt er in die erste Mannschaft auf. Der Pforzheimer Anzeiger von 1943 nennt als Eintrittsjahr dagegen 1908.
Dann folgt ein Umweg in die Schweiz. Von 1912 bis 1914 lebt Wetzel in La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg und spielt dort beim FC La Chaux-de-Fonds in der Serie A Zentral. Die Wikipedia vermutet, dass der Kontakt über Marius Hiller zustande kam, den früheren Pforzheimer Nationalspieler, der Ende 1911 selbst nach La Chaux-de-Fonds gezogen war. Das ist eine Vermutung, ein Beleg dafür steht nicht dabei.
Danach spielt Wetzel wieder für Pforzheim. Zu den Jahren bis 1919 geben die Quellen nichts her. Nur der Pforzheimer Anzeiger von 1943 schreibt, nach seiner Rückkehr in die Heimat sei er von Max Breunig »neu entdeckt« worden. Von der Saison 1919/20 an läuft er als linker Läufer auf, unter dem Trainer und früheren Nationalspieler Max Breunig, der nach dem Stadtlexikon von 1919 bis 1921 die Pforzheimer trainiert.
Meister, Auswahlspieler, Nationalspieler
1920/21 spielt Pforzheim in der Kreisliga Südwest und gewinnt sie mit Wetzel in der Mannschaft. 1921 beruft ihn der Süddeutsche Verband zum ersten Mal in seine Bundespokal-Auswahl, gegen Brandenburg. Im April 1922 folgt das Länderspiel, und im Februar 1923 gewinnt er mit Süddeutschland den Bundespokal: Am 25. Februar siegt die Auswahl im Frankfurter Riederwaldstadion vor 30.000 Zuschauern 2:1 gegen den Westen. Franz und Ascherl schießen die Tore für Süddeutschland, Claus-Oehler antwortet für den Westen. In der Läuferreihe stehen Hagen, Lang und Wetzel, im Tor Heiner Stuhlfauth, vorn spielen Andreas Franz und Lony Seiderer.
Mit dem Verein wird er 1923 Meister der Kreisliga Baden und Bezirksmeister von Württemberg/Baden. Im Bezirksfinale scheitert der Stuttgarter Torwart Paul Mauch, Wetzels Hintermann aus Wien, mit den Kickers am 1. FC Pforzheim.
Der große Tag: Wien, 23. April 1922
Im Frühjahr 1922 stehen gleich zwei Pforzheimer in der deutschen Elf. Das DFB-Datencenter nennt für das Spiel in Wien 70.000 Zuschauer, niederländische Agenturmeldungen 55.000, die Wikipedia im Artikel über Wetzel 85.000. Schiedsrichter ist der Ungar György Gerő, der Gegner hat Deutschland noch nie geschlagen.
Wetzel steht laut DFB-Aufstellung in der Läuferreihe, neben dem Nürnberger Hans Kalb und dessen Clubkamerad Carl Riegel. Davor bilden Henry Müller und Eduard Pendorf die Abwehr, im Tor steht Mauch. Im Sturm spielen Adolf Jäger, Wolfgang Strobel, Hans Sutor, Heinrich Träg und Wetzels Vereinskamerad Viktor Weißenbacher.
Die erste Halbzeit endet 0:0, nach niederländischen Meldungen gespielt nicht auf hohem Niveau. Nach der Pause vergeben beide Mannschaften je einen Elfmeter, Österreichs Neumann in der 48. Minute, Kalb in der 55. In der 69. Minute trifft Weißenbacher zum 1:0, in der 76. macht Jäger alles klar. Über Wetzels Anteil am Spiel ist nichts überliefert. Auch dazu, auf welcher Seite der Läuferreihe er spielte, nennt die DFB-Aufstellung keine Angabe. Seine Wikipedia-Biografie nennt ihn im Verein linken Läufer, sie hält für die Wiener Elf aber nur fest, dass ihm und Weißenbacher der erste Länderspielerfolg gegen Österreich gelang.
Es ist sein einziges Länderspiel. ## Ein Leben im Club
Wetzel spielt bis zum Ende der Saison 1925/26. In dem Jahr steigt der 1. FC Pforzheim als Vorletzter und nach der Relegationsrunde aus der Bezirksliga Württemberg/Baden ab, und er hört auf. Aufgegeben hat er den Fußball nicht ganz: Wegen Spielermangels im Verlauf des Zweiten Weltkriegs läuft er am 13. Februar 1944 als 49-Jähriger noch einmal in der Gauliga Baden für Pforzheim auf, im Spiel gegen den FV Daxlanden. Dass er auch vorher noch spielte, belegt der Pforzheimer Anzeiger vom 20. Januar 1943 (Zitat oben). Die Zeitung rundet sein Alter großzügig auf 50, tatsächlich ist er damals 48.
Beruflich wird er Fabrikant, Teilhaber der Uhren- und Metallwarenfabrik Wetzel & Distel in Pforzheim. Dem Verein bleibt er sein Leben lang verbunden. Er spielt bei den Alten Herren und in einer Privatmannschaft, von 1946 bis 1949 ist er Erster Vorsitzender des 1. FC Pforzheim, später Ehrenmitglied. Der Badische Fußballverband und der DFB zeichnen ihn mit der Goldenen Ehrennadel aus. 1976 wirkt er an der Gründung der Abteilung »Alte Freunde« mit, er gehört der Abteilung »Sängerlust« an und kommt zu den Heimspielen. Von 1977 an lebt er im August-Kayser-Stift in Pforzheim, wo er am 19. Januar 1982 mit 87 Jahren stirbt.
Fritz Wetzel auf einen Blick
Geboren: 12.12.1894 in Pforzheim
Gestorben: 19.1.1982 in Pforzheim
Verein: 1. FC Pforzheim (Jugend ab 1906, erste Mannschaft ab 1911/12, 1912–1914 FC La Chaux-de-Fonds, aktiv bis 1926, ein Einsatz 1944)
Position: Läufer (links, nach der Wikipedia)
Beruf: Kaufmann (Lexikon 1939), später Fabrikant
Erfolge: Kreismeister Südwest 1921, Kreismeister Baden und Bezirksmeister Württemberg/Baden 1923, Bundespokal-Sieger 1923
Bilanz: 1 Länderspiel (1922), 0 Tore, 1 Sieg
Länderspiele
- 23.04.1922 Österreich – Deutschland 0:2 (Wien, Hohe Warte, Debüt und einziges Länderspiel)
Quellen
- Wikipedia: Fritz Wetzel
- Wikipedia (englisch): Fritz Wetzel
- DFB-Datencenter: Fritz Wetzel, Spielerprofil
- Pforzheimer Anzeiger, Beilage Nr. 16, 20. Januar 1943 (Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Digitale Sammlung)
- Wikipedia: Bundespokal
- Wikipedia: Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1921/22
- Wikipedia: 1. FC Pforzheim
- Wikipedia: Paul Mauch
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Gernot Otto: Eine »Pforzheimer Nationalelf«. In: Neue Beiträge zur Pforzheimer Stadtgeschichte, Bd. 4, Ubstadt-Weiher 2014, S. 172–188 (nach Wikipedia)
- Pforzheimer Zeitung, 12. Dezember 1964, 12. Dezember 1969 und 20. Januar 1982 (nach Wikipedia)