Paul Mauch – der Torwart, der in Wien ohne Gegentor blieb
Zwei Elfmeter in einem Spiel, 70.000 Zuschauer auf der Hohen Warte, und im deutschen Tor ein 24-jähriger Stuttgarter, der noch nie für die Nationalelf gespielt hatte. Am 23. April 1922 gewann Deutschland in Wien zum ersten Mal gegen Österreich, 2:0, und Paul Mauch blieb ohne Gegentor. Gut zwei Jahre später war er tot. Sein Länderspiel ist das einzige, das von ihm bleibt, und es war ein gutes.
»Mit ihm – bestechend durch seine Fangsicherheit und spektakulären Flugeinlagen – gewann zum ersten Mal eine DFB-Elf gegen eine Nationalmannschaft Österreichs.«
Ein Torwart aus Feuerbach
Paul Mauch kommt am 8. Mai 1897 zur Welt. Das Nationalspieler-Lexikon von 1939 nennt Feuerbach als Heimatort und als Beruf Magazinverwalter. Er geht ins Tor. Von 1915 bis 1921 spielt er laut Wikipedia für den FC Viktoria Feuerbach, der sich am 1. Oktober 1919 durch eine Fusion in SV 1898 Feuerbach umbenennt. Zur Saison 1921/22 verpflichtet ihn der VfB Stuttgart. Mit seinem Länderspiel ist er nach der Wikipedia der erste Nationalspieler des VfB.
In der Abteilung II der Kreisliga Württemberg endet die Saison 1921/22 mit einem Stuttgarter Stadtduell an der Spitze: Die Stuttgarter Kickers werden mit 49:8 Toren Erster, der VfB mit 29:13 Zweiter, und Mauchs früherer Verein SV 1898 Feuerbach belegt Rang vier. Im Kreisfinale Württemberg unterliegen die Kickers danach den Stuttgarter Turn- und Sportfreunden in zwei Spielen. Zu den Kickers geht Mauch erst im Jahr darauf.
Den Bundespokal-Auswahlen des Süddeutschen Verbands gehört er in den Saisons 1922/23 und 1923/24 an. Beim 3:0 im Halbfinale am 11. November 1923 in Leipzig gegen Mitteldeutschland steht er im Tor. Im Endspiel am 17. Februar 1924 in Frankfurt, das Süddeutschland 4:2 gegen den Norden gewinnt, hütet dagegen Heiner Stuhlfauth das Tor. Mauch muss ihm den Vortritt lassen.
Zwei Torhüter fehlen
Dass Mauch 1922 überhaupt Nationalspieler wird, hat mit dem Ausfall der anderen zu tun. Die Wikipedia schreibt, die zwei dominierenden Torhüter der Zeit, Stuhlfauth und Theodor Lohrmann, seien verhindert gewesen. Lohrmann hatte sich am 26. März gegen die Schweiz verletzt, ob das mit seinem Fehlen in Wien zusammenhing, sagen die Quellen nicht. Mauch kommt zu seiner Chance. Neben ihm spielen in der deutschen Elf, so die Berichtsseite zum Spiel, unter anderem die Nürnberger Hans Kalb, Carl Riegel, Hans Sutor und Heinrich Träg, der Hamburger Henry Müller und im Angriff Adolf Jäger.
Der große Tag: Wien, 23. April 1922
Fünf Spiele hat Deutschland bis dahin gegen Österreich bestritten, vier verloren und eines 3:3 gespielt, zuletzt im September 1920 in Wien 2:3. Das DFB-Datencenter nennt 70.000 Zuschauer, niederländische Agenturmeldungen sprachen von 55.000. Die Wikipedia gibt für Fritz Wetzel, der in derselben Elf spielt, sogar 85.000 an. Schiedsrichter ist der Ungar György Gerő.
Im österreichischen Tor steht Erwin Brazda, im Angriff spielen unter anderem Richard Kuthan, Johann Neumann und Karl Wondrak.
Die erste Halbzeit endet 0:0, und gespielt wird nach niederländischen Agenturmeldungen nicht auf hohem Niveau. Dann folgt, was Mauchs Nachmittag prägt. In der 48. Minute scheitert Johann Neumann für Österreich vom Elfmeterpunkt. Ob der Ball am Pfosten, über dem Tor oder in Mauchs Händen endete, überliefern die Berichte nicht. Sieben Minuten später verschießt auf der anderen Seite Kalb.
In der 69. Minute trifft Viktor Weißenbacher zum 1:0, in der 76. macht Jäger das 2:0. Mehr gibt es nicht mehr, Mauch hat seinen Kasten sauber gehalten. Die Wikipedia rühmt Fangsicherheit und Flugeinlagen (Zitat oben) und hält fest, ihm sei eine großartige Leistung bescheinigt worden. Wer das Lob ausgesprochen hat, nennt der Artikel nicht. Ohne Gegentor in Wien, das ist auch ohne Zitat eine Aussage.
Für Mauch war es das erste und letzte Länderspiel. Am 2. Juli, zehn Wochen später, steht in Bochum wieder Lohrmann im Tor.
Die Kickers und das Ende
Nach der Saison 1921/22 wechselt Mauch zu den Stuttgarter Kickers, den »Blauen«. Er bleibt zwei Spielzeiten und gewinnt mit ihnen laut Wikipedia in beiden die Kreismeisterschaft. Im Endspiel um die Bezirksmeisterschaft 1923 verliert die Mannschaft gegen den 1. FC Pforzheim, den Club von Fritz Wetzel und Weißenbacher aus der Wiener Elf, in Hin- und Rückspiel mit 1:4. In der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft 1924 wird Mauchs Mannschaft Dritter, hinter dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Fürth.
Sein letztes großes Spiel macht er am 29. Juni 1924 auf dem Phönix-Platz in Karlsruhe, im Süddeutschen Pokal gegen den späteren Deutschen Meister aus Nürnberg. Die Kickers verlieren 0:1. Sechzehn Tage später, am 15. Juli 1924, stirbt Paul Mauch mit 27 Jahren, nach der Wikipedia unerwartet. Das Lexikon von 1939 nennt Stuttgart als Sterbeort. Eine Todesursache nennen die Quellen nicht.
Die Erfolgsliste der Wikipedia nennt als Kreismeister Württemberg die Jahre 1924 und 1925. Das Jahr 1925 liegt nach seinem Tod und kann nicht zu seiner Laufbahn gehören.
Paul Mauch auf einen Blick
Geboren: 8.5.1897 (Heimatort Feuerbach)
Gestorben: 15.7.1924 in Stuttgart (Lexikon 1939)
Vereine: Viktoria/SV Feuerbach (1915–1921), VfB Stuttgart (1921/22), Stuttgarter Kickers (1922–1924)
Position: Torwart
Beruf: Magazinverwalter
Erfolge: Kreismeister mit den Kickers 1922/23 und 1923/24, Dritter der süddeutschen Endrunde 1924
Bilanz: 1 Länderspiel (1922), 1 Sieg, kein Gegentor
Länderspiele
- 23.04.1922 Österreich – Deutschland 0:2 (Wien, Hohe Warte, Debüt und einziges Länderspiel)
Quellen
- Wikipedia: Paul Mauch
- Wikipedia (englisch): Paul Mauch
- DFB-Datencenter: Paul Mauch, Spielerprofil
- Wikipedia: Fritz Wetzel
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Nieuwsblad van het Noorden, 26. April 1922, und Provinciale Noordbrabantsche en 's Hertogenbossche Courant, 24. April 1922 (zitiert nach der Berichtsseite zum Spiel auf rasenpoesie.de)