Sepp Herberger als Spieler – drei Länderspiele, zwei Tore, ein Armbruch
»Einen Trainer gab es nicht.« So hat Sepp Herberger später sein erstes Länderspiel beschrieben, im September 1921 in Helsinki. Ausgerechnet er sagt das, der später selbst der Trainer der Nationalelf wurde. Der 24-Jährige war Mittelstürmer vom SV Waldhof, klein, schmächtig und schnell, und er schoss in diesem Spiel zwei Tore. Es blieben seine einzigen für Deutschland. Dreimal trug er das Nationaltrikot, dann war er raus, und dann wurde er der bekannteste Trainer des Landes.
Die Biografie des Spielers Herberger ist die Vorgeschichte dieser Karriere, und sie ist kurioser, als der Ruhm vermuten lässt: ein Handgeld, eine lebenslange Sperre, die nach ein paar Monaten auf ein Jahr schrumpfte, ein Armbruch im Länderspiel und eine Hochzeitsreise mit der Mannschaft. Der Trainer kommt am Ende nur als Ausblick vor.
»… er war der Durchreißer, und er, klein von Wuchs und schmächtig an Gestalt, konnte es mit dem kräftigsten Verteidiger und Gegenspieler aufnehmen, weil er ungeheuer geschmeidig und flink wie ein Wiesel war.«
Aus der Spiegelkolonie auf den Waldhof
Josef Herberger kommt am 28. März 1897 auf dem Waldhof bei Mannheim zur Welt. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt dagegen den 2. März 1897; das hier verwendete Datum folgt der Wikipedia und der Literatur. Sein Vater Josef, Sohn einer Bauernfamilie aus dem badischen Wiesental, hatte sich zunächst als Tagelöhner verdingt und arbeitet nun in der Spiegelmanufaktur des Glaskonzerns Saint-Gobain. Die Familie lebt in der Werkssiedlung, der Spiegelkolonie, zu acht in zwei Zimmern. Als der Vater am 21. August 1909 an den Folgen einer Grippe stirbt, verliert sie das Wohnrecht. Der zwölfjährige Sepp muss von der Bürgerschule zurück an die Volksschule, weil seine Mutter das Schulgeld nicht aufbringt. 1911 verlässt er die Schule und arbeitet als Hilfsarbeiter. Im März 1916 wird er eingezogen, nicht als Freiwilliger. Nach eigener Aussage nimmt er an keinen Kampfhandlungen direkt teil, vermutlich dient er im Stab und als Funker. Am 4. Januar 1919 ist er wieder zu Hause. So fasst es die Wikipedia zusammen.
Gespielt wird auf dem Hof zwischen zwei langen Häuserblocks, die Tore sind mit Kreide an die Wand gemalt. Mit 14 spielt er beim Katholischen Jugendverein, dann, wahrscheinlich 1911, beim SV Waldhof. Sein Idol ist der Karlsruher Gottfried Fuchs, den er 1909 zum ersten Mal sieht, in Mannheim, beim 2:2 zwischen Phönix und dem KFV. Fuchs spielt Sturm, genau wie er später. Am Neujahrstag 1914 steht der 16-Jährige zum ersten Mal in der ersten Mannschaft. Beim ersten Pflichtspiel am 20. Juni 1915 gewinnt Waldhof zum ersten Mal gegen den Stadtrivalen VfR, und Herbergers Gegenspieler ist ein Verteidiger namens Otto Nerz. Es ist vermutlich die erste Begegnung der beiden Männer, die später nacheinander die Nationalelf trainieren werden.
Nach dem Krieg wird aus der Waldhof-Elf ein Mannheimer Markenzeichen. Im Entscheidungsspiel um die Kreismeisterschaft schlägt Waldhof den VfR am 28. März 1920, an Herbergers 23. Geburtstag, mit 4:1. Zehn- bis zwölftausend Zuschauer sehen es, Herberger schießt drei Tore. Die Berichterstatter erfinden für das flache, genaue Passspiel das Wort »Waldhofschule«, und der Sturm heißt der »Drei-H-Sturm«: Karl Höger, Herberger, Willi Hutter. Das Lexikon von 1939 nennt die Reihe Höger, Herberger, Schwärzel, Hutter, Skutlarek eine, »von der heute noch ganz Mannheim schwärmt«. 1920 und 1921 erreicht Waldhof die süddeutsche Endrunde, beide Male scheitert die Elf am 1. FC Nürnberg, der dann Deutscher Meister wird.
Am 30. April 1921 heiratet Herberger Eva Müller aus Weinheim. Die Hochzeitsreise geht in die Schweiz, aber nicht zu zweit: Waldhof spielt dort zwei Freundschaftsspiele, und die Mannschaft fährt mit. Die Hochzeit hatte er schon zweimal wegen »fußballerischer Verpflichtungen« verschoben.
Der Fußball bleibt in der Familie. Nach der Wikipedia spielte sein acht Jahre jüngerer Neffe Jakob Hörner beim SV Waldhof, bevor er nach Pforzheim wechselte, und der Neffe Paul Halter stürmte um 1930 in der ersten Waldhof-Elf. Peter Bauer, Sohn seiner Schwester Anna, begann in der Waldhof-Jugend zusammen mit dem späteren Nationalstürmer Otto Siffling. Siffling kam aus derselben Waldhofschule und stürmte 1937 in Herbergers Breslau-Elf; der Trainer sagte später, so erzählt es ein Zeitzeuge, er habe nie einen so talentierten Spieler gesehen.
Der große Tag: Helsinki, 18. September 1921
Knapp fünf Monate nach der Hochzeit steht Herberger in der Nationalelf. Deutschland ist nach dem Krieg isoliert, Gegner sind fast nur die Schweiz, Österreich, Ungarn und Finnland, 1921 gibt es drei Länderspiele. Zum Spiel in Helsinki reisen die Spieler mit dem Dampfer »Ariadne« und schlafen direkt über der Schiffsschraube, die Funktionäre mittschiffs. Der DFB hat weder einen zweiten Torwart noch einen Trainer eingepackt. »Jeder blieb sich selbst überlassen«, schreibt Herberger später in seinen Erinnerungen, zitiert bei Schulze-Marmeling. »Die ältesten Spieler wie Kalb gaben den Ton an und bestimmten die Taktik.« Auf dieser Reise lernt er auch den DFB-Funktionär Felix Linnemann kennen und erzählt ihm, dass er Sportlehrer werden will, so berichtet es die Wikipedia. Vier Jahre später wird Linnemann eine Rolle in seiner Karriere spielen.
Kapitän ist der Berliner Karl Tewes, Mittelstürmer der Nürnberger Hans Kalb. Im Angriff stehen die drei Mannheimer Höger, Herberger und Hutter. Für Herberger und Hutter ist es das Debüt.
Der Anfang ist ein Traum. Vor 8.000 Zuschauern pfeift der Schwede Ernst Albihn an, und in der 5. Minute trifft Herberger zum 1:0, seinem ersten Länderspieltor. Kalb erhöht zwei Minuten später auf 2:0. Dann dreht das Spiel. Verner Eklöf verkürzt in der 12. Minute, Holger Thorn gleicht in der 54. aus. Herberger bringt Deutschland in der 66. Minute mit seinem zweiten Tor wieder in Führung, aber zwei Minuten vor Schluss trifft Gunnar Öhman zum 3:3.
Schulze-Marmeling nennt das Ergebnis gegen den zweitklassigen Gegner enttäuschend. Es war das erste Länderspiel zwischen beiden Ländern. Beim Halbzeitstand sind sich die Quellen nicht einig: Nach dem DFB-Datencenter führte Deutschland 2:1, die niederländische Zeitung De Telegraaf meldete am 20. September 1921 ein 2:1 für Finnland zur Pause.
Handgeld, Sperre, Wechsel
Der Länderspieltag hat Folgen. Zum ersten Spieltag der neuen Runde fehlt Herberger bei Waldhof, weil er in Helsinki ist, und der Mannheimer »General-Anzeiger« kündigt ihn schon als Spieler des FC Phönix an. Gespielt hat er dort nie. Am Sonntag darauf, dem 25. September 1921, steht er für den VfR Mannheim auf dem Platz.
Was dahintersteckt, schildert die Wikipedia nach der Biografie von Karl-Heinz Schwarz-Pich. Danach haben Herberger und Höger von Phönix je 10.000 Mark Handgeld erhalten, das Dreifache des Jahresgehalts eines Facharbeiters. Herberger habe das Geld nach einer Woche zurückgegeben, weil Phönix frühere Zusagen zu einer Trainerausbildung nicht eingehalten habe. Er ging stattdessen zum VfR, wo ihm eine Stelle bei der Dresdner Bank und eine mietfreie Wohnung angeboten wurden. Phönix zeigte ihn und sich selbst an. Im Dezember 1921 sperrte ihn der Verband zunächst lebenslang, bei Schulze-Marmeling ist ebenfalls vom Dezember 1921 die Rede, und im März 1922 wurde die Strafe auf ein Jahr verkürzt. Im Herbst 1922 spielt er wieder.
Beliebt macht ihn das nirgends. Beim bürgerlichen VfR, schreibt die Wikipedia, galt er wegen seiner Herkunft aus dem »Proletenviertel« Waldhof als Fremdkörper, und auf dem Waldhof wiederum nahm man ihm den Wechsel zum Erzrivalen übel. Jedes Auswärtsspiel dort sei für ihn zum Spießrutenlauf geworden, sein Bruder Johann habe den Kontakt abgebrochen. Trainer Otto Nerz hält zu ihm, und nach der Rückkehr übernimmt Herberger beim VfR bald die Spielregie.
Der Kopf im Sturm
Als Spieler beschreibt ihn das Lexikon von 1939 als Halbrechten und Mittelstürmer, den »Durchreißer«. Allein sei er nicht gewesen: Herberger habe das Spiel auch studiert. Die Fachpresse sieht es ähnlich. Der »Kicker« nennt ihn nach der Wikipedia den besten Mittelstürmer Deutschlands, und »Der Fußball« schreibt am 21. April 1925, er sei »der Typus des mit Geist arbeitenden Spielers, der nicht blindlings drauflosspielt, sondern seine Handlungen wohl überlegt«, und wegen seiner »unscheinbaren« Figur doppelt auffällig.
Der größte Erfolg der Vereinslaufbahn ist die süddeutsche Meisterschaft 1925 mit dem VfR. Herberger schießt in den acht Endrundenspielen acht Tore, darunter das 1:0 gegen den amtierenden Deutschen Meister Nürnberg. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft ist für den VfR früh Schluss: Am 3. Mai 1925 verliert die Elf im Kölner Weidenpescher Park vor 12.000 Zuschauern mit 1:4 (0:3) gegen Turu Düsseldorf. Herberger führt die Mannschaft als Kapitän aufs Feld und schießt in der 57. Minute den Ehrentreffer, so verzeichnet es das IFFHS-Heft Libero D 38. Düsseldorf hatte da durch ein Eigentor von Bleß, einen Elfmeter von Like, Seipp und noch einmal Like schon mit 4:0 geführt. Als Trainer des VfR nennt das Heft einen Engländer, Joseph William Bache. Für die Auswahl Süddeutschlands läuft er insgesamt 40-mal auf, für die Berliner Stadtauswahl 16-mal.
Im Nationaltrikot kommt er nur noch zweimal dazu. Am 23. November 1924 verliert Deutschland in Duisburg 0:1 gegen Italien, vor 40.000 Zuschauern nach dem DFB-Datencenter, rund 60.000 nach niederländischen Zeitungen. Nach dem Darmstädter Tagblatt nimmt Herberger in der ersten Halbzeit eine Vorlage von Höger auf, umspielt die Verteidigung und schießt über den herausstürzenden Torwart hinweg an die Latte. Das Tor des Tages fällt auf der anderen Seite, nach dem DFB-Datencenter durch Antonio Janni in der 57. Minute, nach dem Tagblatt durch Mario Magnozzi. Herberger hat sich einen doppelten Armbruch zugezogen und muss raus, für ihn kommt der Fürther Andreas Franz. Das Datencenter setzt die Auswechslung in die 46. Minute, das Tagblatt erst nach dem Italien-Tor.
Das dritte und letzte Länderspiel folgt vier Monate später, am 29. März 1925 in Amsterdam, bei Regen und auf glattem Rasen. Deutschland verliert 1:2. Nach der Utrechtschen Courant gehören die ersten Chancen den Deutschen, Herberger trifft den Pfosten; zu mehr als dem Anschlusstor von Kurt Voß vier bis fünf Minuten vor Schluss reicht es nicht. Das Blatt lobt vom Feldspiel bis zum Kopfballspiel viel, vermisst aber im Sturm gute Schützen. Das Datencenter führt die Zuschauer mit 3.000, die niederländische Presse spricht von 30.000. Mit auf dem Platz stehen unter anderem der Hamburger Hans Lang und Tull Harder.
Dass es bei drei Einsätzen bleibt, hat laut Wikipedia mehrere Gründe. Der Spielausschuss des DFB ignorierte ihn nach der Begnadigung zunächst. Mitte der Zwanziger fanden aus Kostengründen nur wenige Länderspiele statt, 1925 bis 1927 höchstens vier im Jahr. Und 1928, als Olympia anstand, war der reamateurisierte Spieler nach der Wikipedia nicht startberechtigt; Nerz berief ihn nicht mehr.
Sternstunde in Berlin
Schon 1925 reist Herberger zu einem vierwöchigen DFB-Trainerlehrgang nach Berlin. Eingeladen hat ihn Otto Nerz, der inzwischen an der Hochschule für Leibesübungen lehrt. Kurz vor Beginn erkrankt Nerz an einer Bauchfellentzündung, und DFB-Präsident Felix Linnemann, den Herberger von der Finnland-Reise kennt, bestimmt kurzentschlossen Herberger zum Kursleiter. Herberger nennt das später seine »Sternstunde«. Hochschulleiter Carl Diem bietet ihm ein Studium an, ausnahmsweise ohne Abitur.
Im Sommer 1926 zieht er nach Berlin und spielt für Tennis Borussia. Auch Hertha BSC hat ihn umworben, aber Nerz überzeugt ihn für TeBe. 1928 und 1929 hält die Mannschaft das Rennen um die Berliner Meisterschaft bis zuletzt spannend, beide Male siegt Hertha in einem Entscheidungsspiel, und TeBe spielt als Vizemeister die Endrunde um die deutsche Meisterschaft.
Am 8. Juli 1928 gewinnt TeBe in Hamborn vor 10.000 Zuschauern bei Preußen Krefeld mit 3:1. Herberger trifft nach dem Libero-Heft in der 5. Minute zum 1:0 und »führte Regie«; die weiteren Tore nennt das Heft für Martwig (15.) und Schröder (30.). Das Darmstädter Tagblatt vom 9. Juli schreibt dagegen, Raue I habe die erste Chance herausgearbeitet, die Herberger »schön verwertete«, und Herberger habe in der 16. Minute auf 2:0 erhöht. Welches der beiden Blätter richtig liegt, lässt sich aus beiden Quellen nicht klären. Eine Woche später verliert TeBe im Berliner Gesundbrunnen-Stadion vor 20.000 Zuschauern 1:4 gegen Wacker München, Herberger steht in der Elf. Die Wikipedia nennt als Datum den 12. Juli, das Libero-Heft den 15. Juli. Das Tagblatt kündigt die Partie am 13. Juli für den folgenden Sonntag an und berichtet am 16. Juli über das Ergebnis, das Heft hat also recht. In der Endrunde 1929 steht Herberger nach den Aufstellungen im Libero-Heft in keinem der beiden TeBe-Spiele (3:2 n. V. gegen Titania Stettin am 16. Juni, 1:3 in Fürth bei Nürnberg am 30. Juni). Im Sommer 1930 hört der 33-Jährige auf, als »Diplom Turn- und Sportlehrer«. Das letzte Pflichtspiel ist ein 1:4 gegen Fürth in der Endrunde am 18. Mai 1930, laut Libero-Heft vor 12.000 Zuschauern auf dem Club-Platz am Zabo in Nürnberg; die Wikipedia nennt das Städtische Stadion. Es ist sein vierter Endrundeneinsatz. Das Heft vermerkt, dass Herberger damals 33 Jahre alt war. Als TeBe-Trainer verzeichnet das Heft für diese Saison noch den Engländer William Stanton. Die »Fußballwoche« schreibt danach, nach der Wikipedia: »Und noch eine Säule der Tennis-Mannschaft schwankte gehörig. Eine, die allerdings auch schon etwas altersschwach geworden ist, soweit es sich um das Bestreiten großer Fußballkämpfe handelt: Herberger.«
Ausblick: der Trainer
Zunächst trainiert Herberger Tennis Borussia und wird 1932 mit dem Klub Berliner Meister. Das Libero-Heft verzeichnet ihn in den vier TeBe-Endrundenspielen der Jahre 1931 und 1932 als Trainer: 6:1 gegen den VfB Liegnitz (10. Mai 1931, 15.000 Zuschauer) und 0:1 gegen 1860 München (24. Mai 1931) sowie 3:0 gegen Viktoria Stolp (8. Mai 1932) und 1:3 bei Eintracht Frankfurt am 22. Mai 1932. Am 1. August 1932 tritt er als Verbandstrainer des Westdeutschen Spiel-Verbands in Duisburg-Wedau an. Am 22. Oktober 1933 besiegt Deutschland in Duisburg Belgien 8:1, erstmals mit einer Elf nur aus Westdeutschen, nach der Wikipedia zum großen Teil von ihm entdeckt.
Zum 1. Mai 1933 war er nach der Wikipedia in die NSDAP eingetreten. Nach der Auflösung des Westdeutschen Verbands assistiert er Nerz. Nach den Olympischen Spielen 1936 wird er zum Betreuer der Nationalelf bestimmt. Am 2. November 1936 ernennt man ihn zum Reichstrainer, das Lexikon von 1939 nennt dagegen 1937 als das Jahr, ab dem er die Nationalelf betreute. Nerz bleibt bis Mai 1938 sein Vorgesetzter, bis zu seinem Rücktritt zieht sich ein Machtkampf der beiden hin. Bei der WM 1938 muss Herberger nach dem »Anschluss« Österreichs eine Mannschaft mit Spielern aus beiden Fußballverbänden aufstellen; nach dem Unentschieden gegen die Schweiz und der Wiederholung, die Deutschland 2:4 verliert, ist das Turnier vorbei. Im November 1942 bestreitet die Nationalelf in Preßburg gegen die Slowakei ihr letztes Länderspiel für acht Jahre. Im Entnazifizierungsverfahren wird Herberger als »Mitläufer« eingestuft und mit einem Sühnebescheid über 500 Reichsmark belegt.
Im Februar 1950 beruft ihn der neu gegründete DFB zum Bundestrainer. Das erste Spiel nach dem Krieg am 22. November 1950 in Stuttgart gewinnt Deutschland 1:0 gegen die Schweiz. Am 4. Juli 1954 wird die Elf im Berner Wankdorfstadion gegen Ungarn Weltmeister. Im Mai und Juni 1964 verabschiedet er sich, am 12. Mai in Hannover beim 2:2 gegen Schottland, am 7. Juni mit einem 4:1 in Helsinki gegen Finnland. Dort, in derselben Stadt, hatte der Waldhof-Spieler am 18. September 1921 sein erstes Länderspiel bestritten und seine beiden Tore geschossen. Der Kreis hatte sich geschlossen.
Sepp Herberger starb am 28. April 1977. Während der Übertragung eines Länderspiels gegen Nordirland hatte er einen Herzinfarkt erlitten, dem er wenige Stunden später im Städtischen Krankenhaus Mannheim erlag. Sein Grab liegt in Hohensachsen bei Weinheim, wo das Ehepaar nach dem Krieg lebte. Die Ehe mit Eva blieb kinderlos. Zum Trainer und seiner Rolle im Nationalsozialismus siehe auch die Seite zu Sepp Herberger, zu seinem Lehrer und Rivalen Otto Nerz und zu Felix Linnemann.
Sepp Herberger auf einen Blick
Geboren: 28.3.1897 in Mannheim-Waldhof
Gestorben: 28.4.1977 in Mannheim (Grab in Hohensachsen, heute Weinheim)
Vereine: SV Waldhof (1914–1921), VfR Mannheim (1921–1926, gesperrt bis Herbst 1922), Tennis Borussia Berlin (1926–1930)
Position: Halbrechter und Mittelstürmer
Titel: Süddeutscher Meister 1925 (VfR Mannheim)
Auswahl: 40 Spiele für Süddeutschland, 16 für die Berliner Stadtauswahl
Bilanz: 3 Länderspiele, 2 Tore (1921–1925)
Beruf: Diplom-Sportlehrer, später Reichstrainer (1936–1942) und Bundestrainer (1950–1964)
Länderspiele
- 18.09.1921 Finnland – Deutschland 3:3 (Helsinki, Debüt, 2 Tore)
- 23.11.1924 Deutschland – Italien 0:1 (Duisburg, Armbruch, ausgewechselt)
- 29.03.1925 Niederlande – Deutschland 2:1 (Amsterdam)
Quellen
- Wikipedia: Sepp Herberger
- RSSSF: Josef »Sepp« Herberger – Goals in International Matches
- Die Deutschen Nationalspieler (1939)
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- DFB-Datencenter
- IFFHS: Libero D 38 (Dokumentation der Endrundenspiele der Deutschen Meisterschaft)
- Darmstädter Tagblatt, 9. Juli 1928
- Darmstädter Tagblatt, 13. und 16. Juli 1928
- Darmstädter Tagblatt, 24. November 1924
- Utrechtsche courant, 30. März 1925 (Delpher)
- De Telegraaf, 20. September 1921 (Delpher)
- Karl-Heinz Schwarz-Pich: Der Ball ist rund. Eine Seppl-Herberger-Biographie, Ubstadt-Weiher 1996 (nach der Wikipedia zitiert)