Karl Höger – das dritte H im Waldhof-Sturm
Im Sturm des SV Waldhof spielte Karl Höger rechts außen. Neben ihm stürmte Sepp Herberger, der spätere Bundestrainer. Mit Willi Hutter bildeten sie den »Drei-H-Sturm«, von dem Mannheim noch Jahre später schwärmte. Im September 1921 standen die drei gemeinsam in der Nationalelf, in Helsinki, nach einer Schiffsreise ohne Trainer und ohne Ersatztorwart. Höger kam auf vier Länderspiele, ließ sich wie Herberger von einem Handgeld locken und trainierte später drei Jahrzehnte lang fast zwanzig Vereine.
»Höger — Herberger — Schwärzel — Hutter — Skutlarek, das war in den ersten Nachkriegsjahren eine Stürmerreihe, von der heute noch ganz Mannheim schwärmt.«
Von Essen auf den Waldhof
Karl Höger wird am 27. Mai 1897 in Mannheim geboren. Laut Wikipedia beginnt er aber mit neun Jahren in Essen Fußball zu spielen, bei Preußen Essen, und bleibt dort bis 1918. Im Ersten Weltkrieg ist er als Soldat in Mannheim stationiert. Dort lernt er Sepp Herberger kennen, und der holt ihn nach Kriegsende zum SV Waldhof.
Der Waldhof ist ein Arbeiterviertel, und die Mannschaft spielt ein flaches, genaues Passspiel, das die Berichterstatter »Waldhofschule« taufen. So schreibt es Wikipedia im Artikel über Herberger. Das Lexikon von 1939 schwärmt von Spielern, die »als Buben schon aufeinander abgestimmt waren«. 1920 und 1921 erreicht Waldhof die Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft, scheitert aber jeweils am 1. FC Nürnberg.
Der große Tag: Helsinki (September 1921)
Sein erstes Länderspiel bestreitet Höger am 5. Juni 1921 in Budapest, als rechter Flügelstürmer einer Elf mit sechs Neulingen. Ungarn gewinnt 3:0.
Die zweite Berufung ist die interessantere. Im September 1921 reist die Nationalelf nach Finnland, und im Sturm stehen gleich drei Waldhöfer: Höger rechts außen, Herberger halbrechts, Hutter halblinks. Für Herberger und Hutter ist es das Debüt.
Die Reise ist abenteuerlich. Laut Schulze-Marmelings Geschichte der Nationalmannschaft nimmt der DFB »weder genügend Ersatzleute noch ein zweiter Torhüter« mit. Die Spieler schlafen auf der SS Ariadne »direkt über der Schiffsschraube«, die Funktionäre mittschiffs. Herberger erinnert sich später: »Jeder blieb sich selbst überlassen. Einen Trainer gab es nicht.«
Am 18. September 1921 geht es in Helsinki los, 8.000 Zuschauer, Schiedsrichter ist der Schwede Ernst Albihn. Und es fängt glänzend an. Nach fünf Minuten trifft Herberger, zwei Minuten später erhöht Hans Kalb auf 2:0. Doch die Finnen verkürzen schnell und gleichen nach der Pause aus. Herberger bringt Deutschland in der 66. Minute noch einmal in Führung, zwei Minuten vor Schluss fällt das 3:3.
Schulze-Marmeling nennt das 3:3 »enttäuschend«, an anderer Stelle spricht er vom »zweitklassigen Finnland«. Für den Waldhof-Sturm bleibt es der einzige gemeinsame Auftritt im Nationaltrikot.
Das Handgeld
Im Herbst 1921 kommt der Ärger. Laut dem Wikipedia-Artikel über Herberger, der sich auf dessen Biografen Schwarz-Pich stützt, nehmen Herberger und Höger vom Lokalrivalen Phönix Mannheim ein Handgeld von je 10.000 Mark, das Dreifache des Jahresgehalts eines Facharbeiters. Beide werden zu Berufsspielern erklärt. Herberger wird gesperrt. Höger dagegen, so Wikipedia, entzieht sich der Strafe durch einen Wechsel nach Westdeutschland, zum Bonner FV.
Im August 1922 geht er zur SpVgg Fürth. Dort wird er 1923 nordbayerischer und süddeutscher Meister und gewinnt den süddeutschen Pokal. Laut kleeblatt-chronik.de macht er in dieser Saison 14 Ligaspiele und schießt sechs Tore. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft gewinnen die Fürther am 13. Mai 1923 in Nürnberg 4:0 gegen die Breslauer Sportfreunde, im Halbfinale ist gegen Union Oberschöneweide Schluss.
Im Dezember 1923 kehrt er nach Mannheim zurück, jetzt zum VfR, wo inzwischen auch Herberger spielt. 1925 werden sie süddeutscher Meister. Im November und Dezember 1924 spielt Höger noch zweimal für Deutschland, gegen Italien und die Schweiz.
Der Trainer
Von 1931 bis 1961 trainiert Höger eine lange Reihe von Vereinen, laut Wikipedia 19 Stationen: von Horst-Emscher und Schwarz-Weiß Essen über Fortuna Düsseldorf und Dessau 05 bis zu Werder Bremen, Hessen Kassel und TuS Celle. Mit Dessau wird er dreimal Gaumeister in Mitteldeutschland. Laut Unterlagen des Bundesarchivs, die Wikipedia zitiert, beantragt er am 20. Dezember 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wird rückwirkend zum 1. Mai 1937 Mitglied.
Im letzten Kriegsjahr trainiert er den Hamburger SV, der Gaumeister wird. Mit 47 stellt er sich dort gelegentlich noch selbst auf, die Fürther Chronik zählt zwei Einsätze. Sein Sohn Karl-Heinz wird Torwart und spielt später unter anderem in Fürth.
Wikipedia beschreibt Karl Höger als lebenslustigen »Kumpel-Typ«. Er stirbt am 31. März 1975 im Urlaub auf Mallorca.
Karl Höger auf einen Blick
Geboren: 27.5.1897 in Mannheim
Gestorben: 31.3.1975 in Santa Margalida (Mallorca)
Spitzname: »Schlappen« (laut Wikipedia)
Vereine: Preußen Essen (bis 1918), SV Waldhof (1918–1921), Bonner FV (1921/22), SpVgg Fürth (1922/23), VfR Mannheim (1923–1929)
Position: Rechtsaußen
Titel: Süddeutscher Meister 1923 (Fürth) und 1925 (VfR Mannheim); Süddeutscher Pokalsieger 1923
Bilanz: 4 Länderspiele, 0 Tore (1921–1924)
Beruf: Sportlehrer
Trainer: 1931–1961, u. a. Schwarz-Weiß Essen, Fortuna Düsseldorf, Dessau 05, Hamburger SV, Werder Bremen, Hessen Kassel, TuS Celle
Nationalspieler Nr.: 130 (Debüt 5. Juni 1921 in Budapest)
Länderspiele
- 05.06.1921 Deutschland – Ungarn 0:3
- 18.09.1921 Deutschland – Finnland 3:3
- 23.11.1924 Deutschland – Italien 0:1
- 14.12.1924 Deutschland – Schweiz 1:1
Quellen
Wikipedia: Karl Höger (Fußballspieler) · Wikipedia: Sepp Herberger · kleeblatt-chronik.de: Karl Höger · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft (2004) · DFB-Datencenter: Finnland – Deutschland 3:3 · Libero D 6-7, 1993 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996