Hans Fleischmann – vom Lindenhof nach Duisburg

Als Stürmer kam er in die Nationalelf, als Verteidiger wurde er Meister. Hans Fleischmann vom VfR Mannheim stand am 23. November 1924 im Duisburger Wedaustadion in der deutschen Mannschaft, die gegen Italien 0:1 verlor. Es war sein einziges Länderspiel. Im Mai 1925 spielte der VfR als Süddeutscher Meister um die deutsche Meisterschaft, und Fleischmann gehörte zum Kader.

Hans Fleischmanns Laufbahn · vom Mannheimer Lindenhof über Ludwigshafen zum VfR, 1898–1978
Hans Fleischmanns Laufbahn · vom Mannheimer Lindenhof über Ludwigshafen zum VfR, 1898–1978

»Immer mehr werden die Hoffnungen der Zuschauer enttäuscht, die sie in die Mannheimer Spieler gesetzt hatten.«

— Darmstädter Tagblatt, 24. November 1924, zum Spiel in Duisburg

Vom Lindenhof über den Rhein

Hans Fleischmann wird am 11. Mai 1898 geboren. Das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt Mannheim als Heimatort, die Wikipedia kennt keinen Geburtsort. Mit zehn Jahren beginnt er beim Mannheimer Fußballclub 1908 Lindenhof, der gerade erst gegründet worden ist. 1918 rückt er in die erste Mannschaft auf, die in der zweiten Spielklasse der Region spielt. Die Wikipedia nennt als Ende dieser Zeit im Text die Saison 1920/21, im Infokasten 1922.

Dann geht es nach oben, und es geht gegen den späteren Arbeitgeber. 1921/22 steigt Lindenhof in die Kreisliga Odenwald auf und gewinnt dort die Abteilung I. Im Kampf um den Kreismeistertitel steht der VfR Mannheim gegenüber. Das Hinspiel am 5. März 1922 endet 0:0, das Rückspiel am 12. März gewinnt der VfR 3:2 und zieht in die Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft ein.

Fleischmann wechselt über den Rhein zum FC Phönix Ludwigshafen. Von 1922 bis 1924 spielt er dort in der Kreisliga Pfalz, danach in der Bezirksliga Rhein. 1923 wird Phönix Kreismeister der Pfalz und schlägt im Bezirksfinale Phönix Mannheim 4:1 und 3:1. In der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft wird die Mannschaft Zweiter hinter der SpVgg Fürth. Das Lexikon von 1939 führt ihn als Mittelstürmer, später als rechten Verteidiger, von Beruf Prokurist.

Der große Tag: Duisburg, 23. November 1924

Es ist das zweite Länderspiel gegen Italien. Das erste, am 1. Januar 1923 in Mailand, ging 1:3 verloren. Das Darmstädter Tagblatt hoffte am Spieltag, der Mannschaft gelinge es, »die Scharte von Mailand auszuwetzen«, und räumte ein, dass man über die Besetzung noch arg im Zweifel sei. Gespielt wird im besetzten Gebiet, im Duisburger Stadion. Nach dem DFB-Datencenter sehen 40.000 Zuschauer das Spiel, niederländische Zeitungen schätzen rund 60.000. Schiedsrichter ist der Niederländer Theo van Zwieteren.

Nach der im Tagblatt abgedruckten Aufstellung spielt Deutschland mit Heiner Stuhlfauth im Tor, Josef Müller und Anton Kugler in der Verteidigung, Hans Hagen, Hans Kalb und Hans Schmidt in der Läuferreihe. Im Angriff stehen Karl Höger, Fleischmann, Sepp Herberger, Kurt Meißner und Paul Pömpner, den das Tagblatt als »Paulsen« führt. Vier dieser Spieler kommen vom VfR Mannheim. Das DFB-Datencenter führt die Elf ohne Positionen auf.

Die erste Halbzeit gehört nach dem Tagblatt zunächst den Deutschen, auch wenn sie nicht zum Erfolg kommen. Herberger setzt nach einer Vorlage von Höger den Ball an die Latte, und kurz vor der Pause zögert der freistehende Pömpner nach einer Ecke von Höger so lange, bis die italienische Abwehr dazwischenfährt. Torlos geht es in die Kabinen. Nach dem Wechsel fehlt der deutschen Elf nach dem Tagblatt der Zusammenhalt. In der 56. Minute (DFB-Datencenter: 57.) köpft Antonio Janni das 1:0 für Italien. Das Tagblatt nennt dagegen Mario Magnozzi als Schützen, der nach einer hohen Vorlage von Baloncieri im Abseits gestanden haben soll. Herberger scheidet mit einer Armverletzung aus, für ihn kommt der Fürther Andreas Franz, später ersetzt der Hamburger Henry Müller den verletzten Kugler. Das Tagblatt schreibt, die Hoffnungen auf die Mannheimer Spieler seien immer mehr enttäuscht worden. Über Fleischmann einzeln äußert es sich nicht.

Deutschland – Italien 0:1 in Duisburg · die deutsche Elf nach der Aufstellung im Darmstädter Tagblatt
Deutschland – Italien 0:1 in Duisburg · die deutsche Elf nach der Aufstellung im Darmstädter Tagblatt

Das niederländische »Het Vaderland« sah die Deutschen im Feld in der Mehrheit und lobte ihr Spiel vor der Pause als »schitterend«, glänzend. Die Italiener hätten dagegen ruppig gespielt.

Meister mit dem VfR

1924 wechselt Fleischmann zum VfR Mannheim und spielt dort nach der Wikipedia fortan als Abwehrspieler. Der VfR gewinnt 1925 die Bezirksliga Rhein, in der Endrunde setzt er sich vor dem 1. FC Nürnberg durch und wird erstmals Süddeutscher Meister. Zum Kader gehören neben Fleischmann nach der Wikipedia auch Herberger, Höger, Meißner und Alfred Au. In der deutschen Meisterschaft ist am 3. Mai 1925 im Kölner Weidenpescher Park im Achtelfinale Schluss, 1:4 gegen TuRU Düsseldorf. 1926 wird der VfR noch einmal Bezirksmeister Rhein.

Bis 1933 steht Fleischmann in der Wikipedia-Fassung für den VfR auf dem Platz, ab 1927/28 in der Bezirksliga Rhein/Saar. Seine letzte Saison spielt er 1933/34 in der neuen Gauliga Baden. Der VfR wird Zweiter, einen Punkt hinter dem SV Waldhof Mannheim. Danach hört er auf.

Nach dem Fußball

Aus der Zeit danach ist wenig bekannt. In der Saison 1947/48 trainiert er nach der Wikipedia den Amateurverein FC Starkenburgia Heppenheim. Hans Fleischmann stirbt am 28. Dezember 1978 in Heppenheim an der Bergstraße.

Hans Fleischmann auf einen Blick

Geboren: 11.5.1898 (Mannheim laut Lexikon 1939)
Gestorben: 28.12.1978 in Heppenheim (Bergstraße)
Vereine: MFC 08 Lindenhof (Jugend ab 1908, erste Mannschaft ab 1918), FC Phönix Ludwigshafen (1922–1924), VfR Mannheim (1924–1934)
Position: Mittelstürmer, später rechter Verteidiger (Lexikon 1939)
Beruf: Prokurist (Lexikon 1939)
Erfolge: Kreismeister Pfalz 1923 (Phönix Ludwigshafen), Bezirksmeister Rhein 1925 und 1926, Süddeutscher Meister 1925 (VfR Mannheim)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1924)

Länderspiele

Weitere Länderspiele nennen weder RSSSF noch Wikipedia noch das Lexikon von 1939.

Quellen