Kurt Meißner – von der Saale an den Neckar
Zwei Meisterschaften in zwei Verbänden, dazu ein Nachmittag in Duisburg: Kurt Meißner wurde 1925 mit dem VfR Mannheim Süddeutscher Meister und 1927 mit dem VfB Leipzig Mitteldeutscher Meister. Dazwischen, am 23. November 1924, stand er im Wedaustadion in der deutschen Nationalelf. Deutschland verlor 0:1 gegen Italien. Es blieb Meißners einziges Länderspiel.
»In het bijzonder werd gedurende de eerste helft schitterend gespeeld.«
Von Giebichenstein an den Neckar
Kurt Meißner kommt am 11. Dezember 1897 in Giebichenstein bei Halle als Paul Curt Meißner zur Welt. Die Wikipedia stützt sich dafür auf das Geburtsregister des Standesamts Giebichenstein; das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt Halle als Heimatort. Er fängt bei der Borussia Halle an und wechselt zum VfL Halle 1896. Dann führt ihn sein Weg nach Mannheim, wann genau, nennt keine der Quellen. Dort spielt er zuerst für den MFC 08 Lindenhof, danach für den VfR. Das Lexikon nennt als Beruf Kaufmann und als Stammposten halblinker Stürmer, die Wikipedia beschreibt ihn als dribbelstarken Spieler.
Von 1923 bis 1926 spielt Meißner für den Verein in der Bezirksliga Rhein, an der Seite von Sepp Herberger und Karl Höger. Auch Hans Fleischmann, der vom Lindenhof über Ludwigshafen zum VfR kam, und Alfred Au gehören nach der Wikipedia zum Kader.
Der große Tag: Duisburg, 23. November 1924
Es ist das zweite Länderspiel gegen Italien. Das erste, am 1. Januar 1923 in Mailand, ging 1:3 verloren. Das Darmstädter Tagblatt hoffte am Spieltag, es gelinge der deutschen Mannschaft, »die Scharte von Mailand auszuwetzen«, und räumte zugleich ein, man sei bei der deutschen Besetzung noch arg im Zweifel. Gespielt wird im besetzten Gebiet, im Duisburger Stadion. Das DFB-Datencenter nennt 40.000 Zuschauer, niederländische Blätter sprechen von etwa 60.000. Schiedsrichter ist der Niederländer Theo van Zwieteren.
Meißner steht im Angriff, in der im Tagblatt abgedruckten Aufstellung an vierter Stelle, zwischen Sepp Herberger und Paul Pömpner, den die Zeitung als »Paulsen« führt. Das passt zu seinem Stammposten halblinks. Nach der Reihenfolge der Namen spielt Höger außen rechts und Fleischmann halbrechts. Dahinter stehen Hans Hagen, Hans Kalb und Hans Schmidt, davor Heiner Stuhlfauth im Tor und Josef Müller und Anton Kugler in der Verteidigung.
Die erste Halbzeit gehört den Deutschen eine Zeitlang. Herberger umspielt nach einer Vorlage von Höger die Verteidigung und schießt über den herausstürzenden Torwart an die Latte, kurz vor der Pause ist Pömpner nach einer Ecke frei, zögert aber zu lange. Torlos geht es in die Pause. Dann kippt das Spiel. In der 56. Minute (DFB-Datencenter: 57.) köpft Antonio Janni das 1:0 für Italien; das Tagblatt nennt Mario Magnozzi, der nach einer hohen Vorlage von Baloncieri im Abseits gestanden haben soll. Herberger muss mit einer Armverletzung ausscheiden, für ihn kommt der Fürther Andreas Franz, und auch Kugler wird verletzt ersetzt, durch den Hamburger Henry Müller. Das Tagblatt sieht die Hoffnungen auf die Mannheimer Spieler »immer mehr« enttäuscht. Eine einzelne Kritik an Meißner enthält sein Bericht nicht.
Die Wikipedia schreibt, Meißner habe sich in der zweiten Halbzeit verletzt und durchspielen müssen, weil Auswechselspieler damals nicht vorgesehen gewesen seien. Die Spielberichte sprechen dagegen: An diesem Nachmittag wurde zweimal ausgewechselt. Ob Meißner angeschlagen weiterspielte, bleibt deshalb offen.
Meister im Süden und im Osten
1925 wird der VfR Mannheim Sieger der Bezirksliga Rhein und anschließend Süddeutscher Meister, vor dem 1. FC Nürnberg. Für Meißner bleibt es nach der Wikipedia bei einem Spiel in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft: Am 3. Mai 1925 verliert der VfR im Achtelfinale im Kölner Weidenpescher Park 1:4 gegen TuRU Düsseldorf. 1926 gewinnt der VfR die Bezirksliga Rhein noch einmal und wird in der süddeutschen Endrunde Vierter.
Dann geht Meißner dorthin zurück, wo er herkam. Seine letzte Saison, 1926/27, spielt er nach der Wikipedia für den VfB Leipzig, damals im Gau Nordwestsachsen. Der VfB wird Gaumeister und anschließend Mitteldeutscher Meister. In der deutschen Meisterschaft gewinnt er am 8. Mai 1927 im Leipziger Fortuna-Stadion das Achtelfinale 3:0 gegen den Breslauer FV 06, am 22. Mai im Viertelfinale folgt ein 0:3 beim SV 1860 München. Meißner bestreitet nach der Wikipedia beide Spiele.
Über sein Leben danach geben die Quellen wenig her. Kurt Meißner stirbt 1973 in Jena; die Wikipedia nennt dafür das Sterberegister des dortigen Standesamts, einen genauen Tag nennt sie nicht.
Meißner, Meissner, Meibner
Die Schreibweise schwankt: Die Wikipedia führt ihn als Kurt Meißner, die Begriffsklärung als »Meissner«, und im OCR-Text des Lexikons von 1939 liest man »Meibner«, weil das ß falsch erkannt wurde. Gemeint ist immer derselbe Spieler. Verwechseln sollte man ihn nicht mit dem Überseekaufmann Kurt Meißner (1885–1976) oder dem CDU-Politiker Kurt Meissner (1924–2009), die die Wikipedia in der Namensliste getrennt führt. Auch der Meißner SV 08, ein Verein aus Meißen in Sachsen, zu dem später Martin Reißmann und Willy Ascherl wechselten, trägt nur zufällig denselben Namen.
Kurt Meißner auf einen Blick
Geboren: 11.12.1897 in Giebichenstein (heute Halle), als Paul Curt Meißner
Gestorben: 1973 in Jena
Vereine: Borussia Halle, VfL Halle 1896, MFC 08 Lindenhof Mannheim, VfR Mannheim (1923–1926), VfB Leipzig (1926/27)
Position: halblinker Stürmer
Beruf: Kaufmann (Lexikon 1939)
Erfolge: Süddeutscher Meister 1925, Bezirksmeister Rhein 1925 und 1926 (VfR Mannheim), Mitteldeutscher Meister 1927 (VfB Leipzig)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1924)
Länderspiele
- 23.11.1924 Deutschland – Italien 0:1 – Debüt und einziger Einsatz
Weitere Länderspiele nennen weder RSSSF noch Wikipedia noch das Lexikon von 1939.
Quellen
- Wikipedia: Kurt Meißner (Fußballspieler)
- Wikipedia: Kurt Meissner (Begriffsklärung)
- Wikipedia: VfR Mannheim
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1924/25
- Wikipedia: Süddeutsche Fußballmeisterschaft 1925/26
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1926/27
- Wikipedia: Mitteldeutsche Fußballmeisterschaft 1926/27
- Wikipedia (en): Germany national football team results (1908–1929)
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Darmstädter Tagblatt, 23. November 1924
- Darmstädter Tagblatt, 24. November 1924
- Het Vaderland, 24. November 1924 (Delpher)