Anton Kugler – Toni, der Mann fürs Dazwischenfahren

Im Sommer 1922 spielt der 1. FC Nürnberg zweimal gegen den Hamburger SV um die deutsche Meisterschaft, und Toni Kugler verliert dabei einige Zähne. Nach der Überlieferung beim Club kommt der Schlag vom Hamburger Mittelstürmer Tull Harder, unabsichtlich, aber fürchterlich. Kugler, nur 1,68 Meter groß, spielt weiter, solange das Knie hält. Er wird einer der zähesten Verteidiger seiner Zeit, mehrfacher Meister, Nationalspieler und später sogar Trainer des Clubs.

Der Name führt leicht in die Irre. Paul Kugler, Meisterschütze von 1911 mit Viktoria 89, war ein Berliner, ein Stürmer und Mittelläufer, und bestritt 1911 und 1913 zwei Länderspiele. Anton Kugler ist der Franke, der Abwehrmann, der Club-Mann, ein Jahrzehnt später.

Anton Kuglers Laufbahn · vom Club-Jungen zum Clubtrainer, 1898–1962
Anton Kuglers Laufbahn · vom Club-Jungen zum Clubtrainer, 1898–1962

»Im Geiste sehe ich den Kugler Toni, wie er einen Zahn um den andern auf die geweihte, blutgetränkte brandenburgische Erde spotzt.«

— Ein Augenzeuge des Endspiels 1922, Jahre später, zitiert auf glubberer.de

Ein Club-Junge

Anton Kugler wird am 28. März 1898 in Nürnberg geboren, das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 nennt den 29. März. Mit 13 tritt er 1911 in die Jugendabteilung des 1. FC Nürnberg ein, 1914 kommt er erstmals in der ersten Mannschaft zum Einsatz. Er beginnt in der Läuferreihe, zuerst außen, dann in der Mitte, beides, wie das Lexikon festhält, »nicht allzu lange«. Nach glubberer.de wohnt er in der Bielingstraße, später in der Pillenreuther Straße 18. Von Beruf ist er gelernter Goldschläger, das Lexikon von 1939 nennt ihn dagegen Sportlehrer, auf dem Platz gilt er später als schlagsicher. »Libero« nennt ihn »nur 1,68 m groß«.

Dann kommt der Umbau. Der Club-Verteidiger Johann Steinlein muss wegen einer Knieverletzung aufhören, und der Verein, so das Lexikon, habe keine andere Wahl gehabt, als den »Toni« zurückzunehmen. »Und er schlug großartig ein.« Den Zeitpunkt hält »Libero« genau fest: Im Halbfinale um die Meisterschaft am 29. Mai 1921 in Halle, einem 5:1 gegen Wacker Halle, steht Kugler erstmals neben Gustav Bark in der Verteidigung. Auf der Läuferposition rückt dafür Michael Grünerwald nach. Das Team unter seinem ungarischen Trainer Izidor Kürschner sei eine »homogene Einheit« gewesen, schreibt das Heft.

Vier Titel, zwei Endspiele ohne Sieger

Die Meisterschaft 1920 beginnt für Nürnberg am 16. Mai in Halle mit einem 2:0 gegen den VfB Leipzig, beide Tore fallen erst in der 84. und 85. Minute. Am 30. Mai folgt in Berlin-Mariendorf ein 3:0 gegen Titania Stettin. Im Endspiel am 13. Juni in Frankfurt, einem 2:0 gegen die SpVgg Fürth vor 35.000 Zuschauern, spielt Kugler noch als rechter Läufer. »Libero« beschreibt die Paarung als die beste Abwehr gegen den besten Angriff der Endrunde. Die bessere Abwehr mit dem besseren Torhüter habe entschieden, es sei ein »Triumph der Mittelfranken« gewesen. Auch beim 5:0 gegen Vorwärts Berlin ein Jahr später in Düsseldorf steht Kugler in der Elf, inzwischen hinten neben Bark.

1922 wird es dramatisch. Zuerst, im Halbfinale, gewinnt der Club am 4. Juni in Fürth 1:0 gegen Norden-Nordwest Berlin. Dann geht es zweimal gegen den Hamburger SV, zweimal ohne Sieger. Das erste Endspiel am 18. Juni im Berliner Grunewald-Stadion endet nach Verlängerung 2:2 und wird nach 189 Minuten wegen der einbrechenden Dunkelheit abgebrochen. Hans Kalb fehlt dem Club, sein Beinbruch vom Neujahrstag ist nicht ausgeheilt. Kugler spielt deshalb in diesem Spiel nach »Libero« Mittelläufer und nicht Verteidiger. Dabei soll er die Zähne verloren haben. Nach glubberer.de ist es ein unabsichtlicher, aber fürchterlicher Faustschlag Tull Harders, und ein Augenzeuge erinnerte sich Jahre später: »Im Geiste sehe ich den Kugler Toni, wie er einen Zahn um den andern auf die geweihte, blutgetränkte brandenburgische Erde spotzt.« Das passt zu Berlin. »Libero« legt den Zahnverlust dagegen ins Wiederholungsspiel: Dort habe Kugler vier Zähne und eine Goldplombe verloren und sei in der 75. Minute ausgeschieden.

Im Wiederholungsspiel am 6. August in Leipzig, vor 50.000 Zuschauern, steht Kugler wieder in der Verteidigung neben Bark. Schiedsrichter Peco Bauwens stellt zwei Nürnberger vom Platz, Willy Böß früh im Spiel (18. Minute nach Wikipedia, 25. nach »Libero«) und in der Verlängerung Heinrich Träg. Kugler muss nach einer schweren Knieverletzung raus, nach glubberer.de in der ersten Hälfte der Verlängerung, auch Luitpold Popp klappt zusammen. Nur noch sieben Nürnberger stehen auf dem Platz, Bauwens bricht beim Stand von 1:1 ab. »Libero« hält ihm vor, nach den FIFA-Regeln hätte er erst bei weniger als sieben Spielern abbrechen müssen, damit habe er den HSV benachteiligt. Der DFB erklärt den HSV zum Meister, der den Titel ablehnt.

Zwei Jahre später, am 9. Juni 1924, schlägt der Club in Berlin genau diesen HSV 2:0. Hochgesang trifft in der 30. Minute, Strobel in der 87. Wieder stehen Bark und Kugler hinten. Die Zuschauerzahl ist nicht eindeutig: 40.000 nach der Fachzeitschrift Fußball (so Wikipedia), 30.000 nach »Libero«. Das Darmstädter Tagblatt meldet knapp, der Club habe zum dritten Mal den Titel errungen, seine Mannschaft sei technisch überlegen gewesen. Auf dem Weg dorthin schlägt Nürnberg am 11. Mai Alemannia 1890 in Berlin 6:1 und am 25. Mai in Fürth den Duisburger SV 3:1. Ein Jahr darauf gewinnt der Club das Endspiel am 7. Juni in Frankfurt 1:0 nach Verlängerung gegen den FSV Frankfurt, Ludwig Wieder trifft in der 108. Minute. Diesmal steht Popp an Kuglers Seite. Auf dem Weg zum Finale hat Nürnberg Jena 2:0 geschlagen, Breslau 4:1 und in Duisburg 3:0.

Meister ist der Club damit 1920, 1921, 1924 und 1925, und Kugler steht in allen diesen Endspielen und in beiden von 1922 auf dem Platz. Das fünfte Mal gewinnt der Club 1927, da ist Kugler nicht dabei: Am Neujahrstag 1927 hatte er sich schwer verletzt. Nach den Zahlen der Wikipedia macht er 26 Endrundenspiele und insgesamt 668 Spiele für den Club. Die 26 bestätigt »Libero« für die Zeit bis 1932.

Der Club war nach dem Krieg bei den Endrunden jahrelang unschlagbar: Vom 16. Mai 1920 bis in den Sommer 1929 blieb er nach »Libero« 23 Endrundenspiele in Folge ohne Niederlage, mit 20 Siegen und drei Remis. Kugler fehlt dabei nur in der Endrunde 1927. Am 7. Juli 1929 hält die Abwehr mit Stuhlfauth, Popp und Kugler im Halbfinale bei Hertha BSC in Berlin über 150 Minuten ein 0:0 und wird erst im Wiederholungsspiel am 21. Juli in Düsseldorf mit 2:3 überwunden. Ein Jahr später verliert der Club das Halbfinale in Leipzig wieder gegen Hertha, diesmal 3:6.

Mit 34 Jahren bestreitet Kugler am 29. Mai 1932 sein letztes Spiel für den Club, vor 35.000 Zuschauern im Mannheimer Stadion. Im Halbfinale gegen Bayern München schießen Oskar Rohr und Hans Welker in der zweiten Halbzeit zum 2:0. »Ossi« Rohr, so »Libero«, durchkreuzte »ausgerechnet in seiner Geburtsstadt« die Pläne der Franken. Bayern erreicht damit erstmals ein Endspiel. Für Kugler ist es das 26. und letzte Endrundenspiel.

Der Verteidiger

Was zeichnete ihn aus? Das Lexikon von 1939 nennt ihn einen »verhältnismäßig kleinen« Mann mit sicherem Stand und der »Gabe des risikofreien Dazwischenfahrens namentlich bei flachem Paßspiel seiner Gegner«. Mit Bark habe er »lange Jahre« ein Paar gebildet, das an das berühmte Karlsruher Gespann Gutsch–Hollstein der Vorkriegszeit erinnerte. Im Kopfspiel seien die beiden Nürnberger den Karlsruhern vielleicht sogar überlegen gewesen. Der Wikipedia gilt er als »drahtiger Lockenkopf« mit Stellungs- und Kopfballspiel, Schnelligkeit und Schlagsicherheit. Torwart Heiner Stuhlfauth, der gern weit aus dem Tor kam, war nach dem Lexikon im Verein auf die Verteidiger Bark und Kugler »vorzüglich abgestimmt«, in den Länderspielen nicht immer.

Im April 1926 schrieb die »Kasseler Post« nach einem Gastspiel des Clubs, Kugler sei ein »gewandter Taktiker«, der »nur schwer zu überwinden« sei. Sein Kopfspiel mache ihm »so schnell kein Verteidiger in dieser Eleganz und Sicherheit nach« (nach glubberer.de). Zwischen 1924 und 1926, so das Lexikon, sei jeder Posten der Clubmannschaft mit einem Nationalspieler besetzt gewesen.

Abseits des Platzes erzählt der Verein eine Anekdote vom März 1922, als der Club durch Frankreich nach Spanien reiste: Kugler habe auf allen Bahnhöfen das Schild »Sortie« gesehen und geglaubt, jeder Ort heiße so. »Sortie« heißt Ausgang.

Neujahr in Mailand

Am 1. Januar 1923 debütiert Kugler in der Nationalelf, in Mailand, im ersten Länderspiel zwischen Deutschland und Italien überhaupt. Gespielt wird um 14.30 Uhr auf dem Campo Milan, und auf der Tribüne sitzt als Reporter der »Stampa« ein gewisser Vittorio Pozzo, der Italien später zu zwei Weltmeisterschaften führen wird. Die Elf besteht fast nur aus Franken, aus Nürnberg und Fürth, dazu kommt der Stuttgarter Georg Wunderlich, Spielführer ist Heinrich Träg. Kugler spielt Verteidiger neben dem Fürther Josef Müller, so führen es RSSSF und der italienische Verband. Das DFB-Datencenter setzt dagegen Hans Hagen neben ihn.

Zur Halbzeit steht es 0:0. In der 72. Minute bringt Lony Seiderer Deutschland in Führung, dann kippt das Spiel. Cevenini gleicht in der 79. Minute aus, Santamaria trifft in der 85., Migliavacca in der 88. Italien gewinnt 3:1. Das Darmstädter Tagblatt befindet am 3. Januar 1923 (Presseurteil), Deutschland habe die technisch bessere Mannschaft gestellt. Die Zuschauerzahl schwankt zwischen 25.000 (DFB) und 60.000 (niederländische Telegramme).

Der große Tag: Heimspiel gegen Österreich (13. Januar 1924)

Ein Jahr später spielt die Nationalelf in Kuglers Wohnzimmer, im Club-Stadion im Zabo. Alle elf kommen vom 1. FC Nürnberg und der SpVgg Fürth, die Aufstellung, schreibt das Tagblatt, habe »bereits seit langer Zeit« festgestanden. 20.000 Zuschauer sehen am Sonntag, dem 13. Januar, ein Spiel, das sie nicht vergessen. Die deutsche Wikipedia nennt für diesen Einsatz den 19. Januar, DFB, RSSSF, Tagblatt und glubberer.de den 13.

Deutschland – Österreich 4:3 im Nürnberger Zabo · die Aufstellung mit Anton Kugler in der Abwehr
Deutschland – Österreich 4:3 im Nürnberger Zabo · die Aufstellung mit Anton Kugler in der Abwehr

Die Fürther treffen zuerst. Karl Auer schießt in der 22. Minute das 1:0, Andreas Franz erhöht in der 33. Minute und verwandelt in der 41. einen Elfmeter, es steht 3:0 zur Pause (Minuten nach dem DFB-Datencenter). Nach dem Wechsel ist die deutsche Läuferreihe nach den Worten des Tagblatts »vollständig ausgepumpt«, und die Österreicher kommen: Swatosch in der 68., nach Franz' drittem Tor zum 4:1 noch Jiszda (78.) und Horvath (83.), es heißt 4:3. Der Schiedsrichter Ernst Hebak aus Prag, schreibt das Tagblatt, habe »nicht befriedigend« geleitet und beide Parteien geschädigt. Für Deutschland ist es erst der zweite Sieg gegen Österreich.

Das Lob des Tagblatts gilt dem Sturm, der ein »glänzendes wuchtiges Spiel« geliefert habe; ohne den Einbruch der Läuferreihe nach der Pause, schreibt es, wäre das Ergebnis besser ausgefallen.

Einen Monat später, am 17. Februar 1924, gewinnt Süddeutschland in Frankfurt den Bundespokal der DFB-Landesverbände, 4:2 im Finale gegen Norddeutschland vor 25.000 Zuschauern. Kugler steht mit Torwart Stuhlfauth hinten, dazu kommen fünf Spieler aus Fürth. Auf der anderen Seite spielen die Hamburger Stürmer Adolf Jäger und Tull Harder, die beide treffen, Jäger in der 18., Harder in der 35. Minute. Peco Bauwens pfeift.

Amsterdam, Kristiania, Duisburg

Drei Monate später reisen Nürnberger und Fürther, so erzählt es glubberer.de, in getrennten Waggons desselben Zuges nach Holland, nach einigen Skandal-Derbys der beiden Vereine. Am Ostermontag, dem 21. April 1924, schlägt Deutschland in Amsterdam die Niederlande 1:0, erstmals nach sieben Spielen ohne Sieg. Auer köpft das Tor, nach dem Spiel, so die Überlieferung, drehen ihm die Nürnberger den Rücken zu. Die Niederländer, die gegen Deutschland noch nie verloren hatten, finden das Niveau nach dem »Amstelbode« »buitengewoon slecht« (außergewöhnlich schlecht). Eine Gelegenheit hätten sie noch gehabt: Ein Freistoß von De Natris nach einem Handspiel Kuglers streicht nach dem Spielbericht knapp am Pfosten vorbei. Die niederländische »Amstelbode« schreibt am 22. April 1924, die beiden deutschen Verteidiger seien »zeer trapvast« gewesen, sehr trittsicher, das Tor außer Gefahr. Auch sie vermerkt, Kugler habe »geheel onnoodig« eine Ecke verschuldet.

Am 15. Juni 1924, sechs Tage nach dem Titelgewinn über den HSV, siegt die Nationalelf in Kristiania 2:0 gegen Norwegen, wieder mit Kugler, diesmal mit sieben weiteren Spielern aus Nürnberg. Am 23. November 1924 folgt Duisburg, ein 0:1 gegen Italien. Das Spiel ist lange offen, bis Italien nach der Pause über die eigene rechte Seite angreift und um die 56. Minute köpft; ob Janni oder Magnozzi traf, berichten die Quellen verschieden. Der Darmstädter Berichterstatter bemängelt, die Deutschen hätten den Ball »viel zu langsam« flach hin und her geschoben, während die Italiener mit steilen Pässen spielten. Sepp Herberger scheidet mit einem doppelten Armbruch aus. Kugler wird verletzt ausgewechselt, so das Darmstädter Tagblatt am 24. November, das Lexikon schreibt dazu, Henry Müller habe »den wegen Verletzung ausscheidenden Toni Kugler zu ersetzen« gehabt. Das DFB-Datencenter nennt für den Wechsel die 78. Minute. DFB-Vorsitzender Hinze räumte nach der »Nieuwe Rotterdamsche Courant« hinterher ein, der Versuch mit weniger bekannten Spielern sei nicht ganz gelungen.

Drei Jahre ohne Länderspiel, dann Nerz

Es folgt eine lange Pause. 1926 verpasst der Club die Endrunde, die Wikipedia zählt Kugler, Strobel und andere zu den Meisterspielern, die ihren Zenit überschritten hätten. Am Neujahrstag 1927 verletzt er sich beim Spiel gegen den VfR Fürth so schwer, dass er bis zum Saisonende ausfällt, nach glubberer.de.

Trotzdem holt ihn Reichstrainer Otto Nerz im Herbst 1927 zurück. Am 23. Oktober gewinnt Deutschland in Altona vor 30.000 Zuschauern 6:2 gegen Norwegen, nach 0:2 zur Pause, mit Kugler und Hans Brunke hinten. Die Verteidiger kommen im Tagblatt vom 24. Oktober nicht gut weg: Sie hätten »nur Durchschnittsleistungen« gezeigt, die Außenläufer hielten sich dagegen »recht gut«. Schulze-Marmeling aber zählt Stuhlfauth, Kugler, Kalb und Hochgesang zu den vier Stammspielern, die Nerz bereits gefunden hatte.

Das siebte und letzte Länderspiel folgt am 20. November 1927 in Köln, ein 2:2 gegen die Niederlande vor 60.000 Zuschauern (50.000 laut Tagblatt). Deutschland führt 2:1, dann gleicht Smeets kurz vor Schluss aus. Das Tagblatt ist vom Spiel enttäuscht, nennt den Münchner Wilhelm Falk den besten der beiden Verteidiger und schreibt: »Auch Kugler lieferte eine gute Partie.« Es bleibt sein letztes Länderspiel.

Der Trainer

Schon als Aktiver arbeitet Kugler als Trainer. Im September 1931 veröffentlicht die Vereinszeitung den Dankesbrief des FC Bad Steben: Kugler habe dort seinen Urlaub verbracht und die Spieler »etwas in Form« gebracht, mit einer Hingabe, die weit über das Erwartete hinausging. Die Polizeibehörde habe festgestellt, dass seit seiner Anwesenheit manche jungen Leute, die sonst gern laut waren, der Polizeistunde folgten. Vorstand Karl Raithel bat ihn, auch im Sommer 1932 wiederzukommen. Zuvor war Kugler schon Jugendtrainer des Clubs gewesen. Nach seinem letzten Spiel als Spieler am 29. Mai 1932 übernimmt er die erste Mannschaft von Jenő Konrád. Konrád war Jude und musste Nürnberg verlassen; glubberer.de schreibt, die Nationalsozialisten hätten ihn aus der Stadt gejagt. Bei der Verabschiedung am Abend des 5. August brachte Kugler den Sportruf auf die Scheidenden aus. In der Vereinszeitung hielt der Vorstand, Rechtsanwalt Müller, fest, die Anwesenden hätten »einen untadeligen Menschen von sich gehen sehen, dem bitteres Unrecht angetan worden ist, an dem der Verein kein Teil hat«.

Kuglers Mannschaft gewinnt die Verbandsrunde ungeschlagen. Das Weihnachtsspiel 1932 dichtet ihm eine Mutterrolle an: Er behüte seine Spieler vor Mädchen und Alkohol. Zur Winterpause 1933/34 löst ihn Alfréd Schaffer ab.

Danach ist Kugler Trainer bei Borussia Fulda (1934/35 nach Wikipedia), von 1935 bis 1945 Sportlehrer in Berlin, nach glubberer.de bei der Zentralstelle der Deutschen Postsportgemeinschaft, und von 1942 bis 1944 Trainer des Gauligisten Post-SG Danzig. Der Danziger Altnationalspieler Kurt Ehrmann lobte nach Wikipedia noch 2006 die Qualität des Trainers Kugler. Zu den Danziger Jahren passt eine Zeitungsmeldung nicht ganz: Die Litzmannstädter Zeitung nennt am 23. Oktober 1943 einen »seit Jahren als Trainer des Post-SV« tätigen Toni Kugler und schreibt, er leite die technischen Vorbereitungen der Berliner Fußballelf für den Gaukampf Hamburg–Berlin am 7. November. Ob beides parallel lief oder nacheinander, ist offen. Das Kriegsende nimmt ihm, wie Wikipedia und glubberer.de übereinstimmend schreiben, bei einem Bombenangriff auf Berlin seinen gesamten Besitz und seine Anstellung.

Nach dem Krieg arbeitet er als Trainer in Schwäbisch Gmünd (1946 bis 1948), bei Hamborn 07 (1948/49) und von 1949 bis 1952 bei Wormatia Worms, wo ihn das Oberliga-Jahrbuch 1950/51 als Trainer neben dem Mannschaftsfoto führt, danach nach glubberer.de beim VfL Neustadt an der Haardt. Mitten in der Saison 1952/53 kehrt er für anderthalb Jahre in den Zabo zurück, als Nachfolger von Alwin Riemke. Die Saison 1952/53 beendet er nach der Wikipedia auf Platz neun, im April 1954 verabschiedet er sich mit dem vierten Platz. Die Vereinszeitung schreibt, die Mannschaft sei zwei Jahre zuvor »bedenklich abgesunken« gewesen, es wäre »ein Zeichen von Undankbarkeit«, dem alten Clubspieler Anton Kugler »jedweden Erfolg abzusprechen«. Vielleicht, heißt es dort, sei er bei der Ausbildung der Ersatzkräfte mit nicht genügender Härte vorgegangen, entsprechend seinem »ruhigen, besonnenen Wesen«.

Nachspiel

Anton Kugler stirbt am 2. Juni 1962, einen Sterbeort nennen die Quellen nicht. Als der 1. FC Nürnberg zur Saison 2006/07 als erster Bundesligaverein Stadionblöcke nach verdienten Spielern benannte, bekam Block 13 seinen Namen, nach einem Umbau 2010 wurde die Widmung auf Block 28 übertragen. Beim Club ist er also noch heute zu Hause.

Anton Kugler auf einen Blick

Geboren: 28.3.1898 in Nürnberg (Lexikon 1939: 29.3.)
Gestorben: 2.6.1962 (Ort nicht genannt)
Spitzname: »Toni«
Verein: 1. FC Nürnberg (Jugend ab 1911, erste Mannschaft 1914–1932, 668 Spiele)
Position: linker Verteidiger (Lexikon 1939), zuvor Läufer; im ersten Endspiel 1922 als Mittelläufer
Endrunden: 26 Endrundenspiele 1920–1932, letztes Spiel für den Club am 29.5.1932 (Halbfinale, 0:2 gegen Bayern München)
Titel: Deutscher Meister 1920, 1921, 1924, 1925; mit Süddeutschland Bundespokal 1924
Bilanz: 7 Länderspiele, keine Tore (1923–1927): vier Siege, ein Remis, zwei Niederlagen
Größe: 1,68 m (»Libero«)
Beruf: gelernter Goldschläger, später Sportlehrer (Lexikon 1939: Sportlehrer)
Trainer: 1. FC Nürnberg (1932/33, 1952–1954), Borussia Fulda, Post-SG Danzig (1942–1944), Normannia Gmünd, Hamborn 07, Wormatia Worms, nach glubberer.de VfL Neustadt
Debüt: 1. Januar 1923 in Mailand gegen Italien

Länderspiele

Quellen