Georg P. Blaschke – der DFB in der Dänischen Straße
Georg P. Blaschke zeigt besonders anschaulich, wie improvisiert und persönlich die Verwaltung des frühen Deutschen Fußball-Bundes noch organisiert war. Der Kieler Funktionär war nicht nur Vereinsmann und DFB-Schriftführer – zeitweise befand sich die Geschäftsstelle des Verbandes buchstäblich in seinem Wohnhaus.
Der Verband wohnt in der Dänischen Straße
Blaschke ist eng mit Holstein Kiel verbunden und übernimmt früh organisatorische Verantwortung. Von 1910 bis 1928 ist er Schriftführer des DFB, von 1916 bis 1927 fungiert er zusätzlich als ehrenamtlicher Geschäftsführer – der genaue Amtsantritt wird in manchen Quellen auch schon mit 1915 angegeben. Während dieser Jahre wird Kiel zum faktischen Verwaltungsstandort des Verbandes: Zunächst arbeitet die DFB-Geschäftsstelle in Blaschkes Haus in der Dänischen Straße, später im Sophienblatt.
Was wie eine Kuriosität klingt, erzählt viel über die Institutionalisierung des Fußballs. Der DFB verfügt noch über keinen modernen hauptamtlichen Apparat. Verbandsverwaltung hängt an einzelnen Personen, ihren Wohnungen, beruflichen Netzwerken und ehrenamtlicher Arbeit. Blaschkes Biografie erlaubt deshalb einen Blick hinter die sportlichen Schlagzeilen: Wie wurden Meldungen, Finanzen, Schriftverkehr und Wettbewerbe praktisch organisiert, bevor es dafür eine eigene Verwaltungsebene gab?
Vom Verbandsbüro in den Stadtrat
Blaschkes Rolle geht über den DFB hinaus. 1924 wird er ehrenamtlicher Stadtrat in Kiel und verbindet damit kommunale Sportpolitik und Verbandsarbeit. 1928 übernimmt er den Vorsitz des Norddeutschen Fußball-Verbandes. Nur ein Jahr später, am 5. Mai 1929, stirbt er im Alter von nur 53 Jahren an einer Lungenentzündung.
Der eigentliche Mehrwert seiner Geschichte liegt darin, Blaschke als Verwaltungs- und Infrastrukturgeschichte zu erzählen. Seine Wohnadresse wird zu einem Ort deutscher Fußballgeschichte – ein Beispiel dafür, wie aus einem reisenden Ehrenamtsverband allmählich eine dauerhafte Organisation entstand.
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Quellenkritischer Stand: 2. Oktober 2026 | Basierend auf dem internen Rechercheprojekt „Rasenpoesie Best-Online v37" (Primärquellenstatus: B/C – institutionelle Rolle klar, personenbezogene Primärüberlieferung noch dünn). Offene Prüfpunkte: Der genaue Amtsantritt als Geschäftsführer schwankt in den Quellen zwischen 1915 und 1916 und müsste anhand der DFB-Protokolle präzisiert werden. Auch die Kieler Adressbücher und die DFB-Korrespondenz sind noch nicht jahrgangsweise ausgewertet, ebenso wenig seine kommunale Sportpolitik aus den Stadtratsakten.