Emil Köpplinger – Läufer des Club zwischen zwei Endspielen
Zweimal stand Emil Köpplinger 1922 in einem Endspiel um die deutsche Meisterschaft, und zweimal wurde nicht zu Ende gespielt: erst brach die Dunkelheit herein, dann gingen dem 1. FC Nürnberg die Spieler aus. Fünf Jahre später gewann er den Titel auf dem Platz. Im selben Jahr, am 23. Oktober 1927, kam sein einziges Länderspiel dazu. Es begann mit einem 0:2 gegen Norwegen und endete 6:2.
»Recht gut hielten sich die beiden Außenläufer.«
Ein Clubberer seit 1909
Emil Köpplinger kommt am 19. Dezember 1897 in Nürnberg zur Welt. 1909, mit elf Jahren, schließt er sich dem 1. FC Nürnberg an, so Wikipedia und DFB-Datencenter, und bleibt bis 1928. Das Lexikon »Die deutschen Nationalspieler« (1939) nennt ihn Mechaniker und rechten Läufer, die Wikipedia einen Mittelfeldspieler. Erste regionale Erfolge gibt es nach der Wikipedia ab 1916. Süddeutscher Meister wird er mit dem Club 1916, 1918, 1920, 1921, 1924 und 1927, Süddeutscher Pokalsieger 1919 und 1924.
Auf dem Papier hat er fünf deutsche Meistertitel: 1920, 1921, 1924, 1925 und 1927. Das DFB-Datencenter führt ihn in den Endrunden aber nur zweimal mit Einsätzen, 1922 und 1927, zusammen sechs Spiele. Das passt zu der Beschreibung der Wikipedia, er habe in der Endrunde des Meisterjahres 1927 und in den beiden Endspielen von 1922 gespielt. In den übrigen Meisterjahren taucht sein Name in der Datenbank nicht auf.
Nur die Schreibweise macht Mühe. Das DFB-Datencenter führt ihn als »Kopplinger«, ohne Umlaut, die englische Wikipedia als »Köpplinger«. Gemeint ist derselbe Mann: 19. Dezember 1897, Nürnberg, 1. FC Nürnberg.
1922: zwei Endspiele ohne Meister
Am 18. Juni 1922 steht der Club im Berliner Deutschen Stadion dem Hamburger SV gegenüber, vor 30.000 Zuschauern. Köpplinger läuft in der Läuferreihe neben Anton Kugler und Carl Riegel auf. Nach 2:2 nach Verlängerung wird das Spiel nach 189 Minuten abgebrochen, weil es zu dunkel wird. Die Wikipedia schreibt, die Zuschauer hätten »Aufhören!« gerufen.
Sieben Wochen später, am 6. August, folgt in Leipzig das Wiederholungsspiel, vor 50.000. Köpplinger steht wieder in der Elf. Es steht 1:1 nach Verlängerung, aber Nürnberg hat da längst Mühe: Willy Böß wird in der 18. Minute des Feldes verwiesen, Kugler fällt verletzt aus, in der Verlängerung muss auch Heinrich Träg vom Platz, und Luitpold Popp kann nicht weiterspielen. Als nur noch sieben Nürnberger auf dem Feld stehen, bricht Schiedsrichter Peco Bauwens ab. Der Hamburger SV wird zum Meister erklärt und verzichtet auf den Titel. Nach der DFB-Zählung heißt das für Köpplinger in diesem Jahr: zwei Spiele, zwei Unentschieden.
1927: Meister auf dem Platz
Die Endrunde 1927 verläuft anders. Köpplinger bestreitet nach dem DFB-Datencenter alle vier Spiele, und der Club gewinnt alle vier. Am 8. Mai 1927 schlägt er in Fürth den Chemnitzer BC 5:1. Am 22. Mai folgt im Viertelfinale ausgerechnet ein Auftritt beim HSV auf der Hoheluft, 2:1 für Nürnberg. Das Halbfinale am 29. Mai gegen 1860 München endet 4:1.
Das Endspiel steigt am 12. Juni 1927 im Berliner Deutschen Stadion vor 50.000 Zuschauern, Gegner ist Hertha BSC. Hans Kalb trifft in der 6. Minute zum 1:0, Träg legt in der 65. das 2:0 nach und wird zehn Minuten später vom Platz gestellt. Köpplinger bildet die Läuferreihe mit Kalb und Hans Schmidt. Es ist der fünfte Meistertitel des Vereins.
Außenläufer in Nerz' neuem System
Gut vier Monate später ruft ihn der Reichstrainer. Otto Nerz hat die zehnmonatige Länderspielpause nach Schulze-Marmeling genutzt, um die Mannschaft auf das W-M-System umzustellen. Zwei Außenläufer bilden darin mit den zurückgenommenen Halbstürmern das »magische Viereck«. Köpplinger ist einer von ihnen. Am 17. Oktober meldet das Darmstädter Tagblatt die Elf für Altona, in der Läuferreihe stehen Martwig, Kalb und Köpplinger.
Sechs der elf Spieler kommen vom 1. FC Nürnberg: Heiner Stuhlfauth im Tor, Anton Kugler in der Abwehr, Kalb als Mittelläufer und Kapitän, Georg Hochgesang und Baptist Reinmann im Angriff, dazu Köpplinger. Der zweite Außenläufer neben ihm ist Otto Martwig von Tennis Borussia Berlin.
Der große Tag: Altona, 23. Oktober 1927
30.000 Zuschauer sind im neuen Altonaer Stadion. Das Spiel beginnt um 15.15 Uhr, der Däne Lauritz Andersen pfeift. Die Norweger legen los, schreibt das Tagblatt, mit »Feuereifer« und einem »fast unheimlichen Tempo«. Ein erstes Tor der Gäste wird wegen Abseits nicht gegeben. Dann fallen die gültigen: nach dem DFB-Datencenter treffen Gunnar Dahl in der 3. und Einar Gundersen in der 24. Minute. Zur Pause steht es 0:2. Das Tagblatt nennt als ersten Torschützen Berstad.
Nach dem Wechsel kippt das Spiel. Hochgesang verkürzt (55., nach dem DFB-Datencenter), Josef Pöttinger gleicht aus und schießt insgesamt drei Tore (67., 69., 88.), Kalb trifft zum 4:2 (73.), Ludwig Hofmann zum 5:2 (82.). Das Tagblatt zählt die Minuten der zweiten Halbzeit anders, bei den Torschützen stimmen beide Quellen überein. Die Zeitung fasst das Spiel in einer Überschrift: Norwegen führe in der ersten Halbzeit mit 2:0, Deutschland gewinne in den letzten 35 Minuten 6:2.
Über Köpplinger persönlich schreibt das Tagblatt nichts. Es hebt den Mittelstürmer Pöttinger und den Linksaußen Ludwig Hofmann hervor, sieht bei den beiden Verteidigern nur Durchschnittsleistungen und sagt über die Läufer: »Recht gut hielten sich die beiden Außenläufer.« Das meint, nach der Aufstellung, Martwig und Köpplinger. Schulze-Marmeling nimmt das 6:2 später als Beleg für Nerz' Arbeit: Das Team habe eine Leistung geboten, »wie man sie von einer deutschen Nationalelf nie zuvor gesehen hatte«. Vier Stammspieler habe Nerz da schon gehabt, Stuhlfauth, Kugler, Kalb und Hochgesang. Köpplinger steht nicht auf dieser Liste.
Danach
Ein weiteres Länderspiel folgt nicht. Der 1. FC Nürnberg bleibt bis 1928 seine Mannschaft. Was er nach seiner Laufbahn tat, überliefern die Quellen nicht. Emil Köpplinger stirbt nach der Wikipedia am 29. Juli 1988, mit 90 Jahren. Den Ort nennt sie nicht.
Emil Köpplinger auf einen Blick
Geboren: 19.12.1897 in Nürnberg
Gestorben: 29.7.1988 (Ort nicht angegeben)
Verein: 1. FC Nürnberg (1909–1928)
Position: Läufer (laut Lexikon rechter Läufer)
Beruf: Mechaniker
Erfolge: Deutscher Meister 1927 (Endspiel 12.6.1927), Endspiele 1922 ohne Entscheidung; laut Wikipedia und DFB-Datencenter außerdem Meister 1920, 1921, 1924, 1925, ohne Endrundeneinsatz
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Sieg), kein Tor (1927)
Länderspiele
- 23.10.1927 Deutschland – Norwegen 6:2 (Altona, Debüt und einziges Länderspiel)
Weitere Länderspiele führen weder RSSSF noch das DFB-Datencenter oder das Lexikon von 1939 auf.
Quellen
- Wikipedia: Emil Köpplinger
- Wikipedia (en): Emil Köpplinger
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1921/22
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1926/27
- DFB-Datencenter: Emil Kopplinger
- RSSSF: (West) Germany International Results
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- Darmstädter Tagblatt, 17. Oktober 1927
- Darmstädter Tagblatt, 21. Oktober 1927
- Darmstädter Tagblatt, 24. Oktober 1927