Walter Krause – der Läufer mit dem Pokal

Walter Krause war ein Mann für die zweite Reihe. Nicht im Sturm, nicht im Tor, sondern dazwischen, auf der Außenläuferposition, wo man Bälle erobert und weiterreicht. Sechs Länderspiele hat der Hamburger zwischen 1920 und 1924 gemacht, jedes Mal als Läufer, ohne ein Tor. Über sein Leben neben dem Platz weiß man fast nichts. Auf dem Platz aber war er dabei, als der Norden 1919 im Pokalfinale ein 4:0 zur Pause fast noch verspielte und trotzdem gewann: 5:4.

Walter Krauses Laufbahn, soweit belegt · 1917–1924
Walter Krauses Laufbahn, soweit belegt · 1917–1924

»Krause glänzte als Techniker und war ein ausgezeichneter Kombinationsspieler.«

— Wikipedia (ohne zeitgenössischen Beleg)

Ein Hamburger bei Victoria

Laut Wikipedia wird Walter Krause am 14. März 1896 in Hamburg geboren. Das Nationalspieler-Lexikon von 1939 kennt weder Geburtstag noch Beruf, nur die Vereine und ein Foto. Wikipedia nennt auch einen Spitznamen: »Wakra«.

Sein Verein ist Victoria Hamburg, einer der großen Namen im Norden. In den Kriegsjahren spielt er für Auswahlmannschaften. 1917/18 gewinnt er laut Wikipedia mit Hamburg/Altona eine norddeutsche »Kriegsmeisterschaft«, 1918/19 eine weitere mit der Spielgemeinschaft von Victoria und dem Hamburger FC 88.

Wichtiger ist der Kronprinzenpokal, das Turnier der Regionalauswahlen. Im März 1918 steht Krause im Halbfinale gegen den Westen als Mittelläufer in der Nord-Elf, 3:0. Im Finale am 19. Mai 1918 in Berlin-Mariendorf rückt er auf links, Victorias Ernst Eikhof übernimmt die Mitte. Brandenburg gewinnt 3:1 nach Verlängerung.

Der große Tag: Bundespokal-Endspiel in Berlin (Juni 1919)

Ein Jahr später gibt es keinen Kronprinzen mehr, und der Pokal heißt bald Bundespokal. Der Norden fegt im Halbfinale Brandenburg mit 5:1 vom Hamburger Victoria-Platz. Das Finale steigt am 8. Juni 1919 im Deutschen Stadion in Berlin, gegen Süddeutschland. 10.000 Zuschauer kommen, Schiedsrichter ist der Berliner Curt von Paquet.

Der Norden hat eine Sturmreihe, die nach Länderspiel klingt: Heiner Mechling, Adolf Jäger, Otto Harder, Walter Lorenz, Franz Esser. Dahinter die Läuferreihe Hugo Fick, Arthur Mahncke und links Walter Krause.

Die erste Halbzeit gehört dem Norden. Jäger trifft nach acht Minuten, Esser nach zwanzig, dann Harder, dann Lorenz in der 32. Minute. 4:0 zur Pause. Doch der Süden kommt zurück. Ludwig Philipp trifft zweimal binnen drei Minuten, Leonhard Seiderer verkürzt in der 69. Minute auf 4:3. Lorenz stellt mit dem 5:3 den alten Abstand wieder her, Seiderer macht es in der 80. Minute noch einmal eng. Dann ist Schluss. 5:4.

Was genau Krause in diesem Spiel tat, überliefert keine der geöffneten Quellen. Es ist ein Sieg der Mannschaft, und er gehört zu ihr. Es bleibt sein einziger Pokalsieg: Die Endspiele von 1918 und 1922 verliert er.

Sechsmal Nationalelf

Am 24. Oktober 1920 spielt Krause zum ersten Mal für Deutschland, in Berlin gegen Ungarn, als rechter Läufer. Jäger verwandelt einen Elfmeter, Theodor Lohrmann hält den Rest, 1:0. Mit Krause debütieren an diesem Tag vier weitere Spieler, darunter der Fürther Leo Fiederer und der Nürnberger Luitpold Popp.

1921 wechselt Krause laut Wikipedia zum damals größten Konkurrenten, zu Holstein Kiel. Mit den Kielern wird er 1922 und 1923 jeweils norddeutscher Vizemeister, beide Male hinter dem HSV. In Kiel wird er wieder Nationalspieler. Im September 1921 spielt er in Helsingfors beim 3:3 gegen Finnland, dem Spiel, in dem Sepp Herberger debütiert. 1923 folgen drei Einsätze: 0:0 gegen Holland in Hamburg, 1:2 gegen Finnland in Dresden, 1:0 gegen Norwegen in Hamburg.

Weniger gern wird er sich an den 5. März 1922 erinnert haben. Im Bundespokal-Endspiel auf dem Hamburger ETV-Platz verliert der Norden mit Krause als linkem Läufer 0:7 gegen einen Süden, der fast nur aus Fürthern und Nürnbergern besteht. Im Tor der Sieger steht sein Mit-Debütant Lohrmann.

Der erste Ersatzmann

Sein letztes Länderspiel macht Walter Krause im Juni 1924 in Christiania, dem heutigen Oslo. Er steht nicht in der Startelf. Laut Wikipedia war zum ersten Mal offiziell ein Ersatzspieler für die Nationalmannschaft nominiert worden, und dieser Ersatzspieler ist Krause. Er kommt in der 68. Minute für Hans Sutor, Deutschland gewinnt 2:0. Der Kicker-Almanach datiert das Spiel auf den 15. Juni, Wikipedia auf den 16.

Insgesamt 31-mal hat er laut Wikipedia für Norddeutschland gespielt, 13-mal davon im Pokal der Regionalauswahlen. Irgendwann nach seiner Kieler Zeit kehrt er zu Victoria zurück; wann genau, ist unklar. Wikipedia nennt 1923, der Kicker zählt seine Länderspiele von 1923 und 1924 aber noch für Holstein. Walter Krause bleibt in Hamburg und stirbt dort am 28. April 1948, mit 52 Jahren.

Walter Krause auf einen Blick

Geboren: 14.3.1896 in Hamburg
Gestorben: 28.4.1948 in Hamburg
Spitzname: »Wakra« (laut Wikipedia)
Vereine: Victoria Hamburg (bis 1921), Holstein Kiel (1921–1923), danach wieder Victoria Hamburg
Position: Außenläufer, auch Mittelläufer
Titel: Bundespokalsieger 1919 mit Norddeutschland; Kronprinzenpokal-Finalist 1918, Bundespokal-Finalist 1922; norddeutscher Vizemeister 1922 und 1923 mit Holstein Kiel
Bilanz: 6 Länderspiele, 0 Tore (1920–1924)
Nationalspieler Nr.: 122 (Debüt 24. Oktober 1920 in Berlin)

Länderspiele

Quellen

Wikipedia: Walter Krause (Fußballspieler, 1896) · Wikipedia: Bundespokal · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1917/18 · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Kicker-Almanach 1996 · Kicker 1959 · DFB: Rückblick auf alle Duelle gegen Ungarn (2024)