Eduard Wolpers – Norddeutschlands Rekordspieler mit einem Länderspiel
Kein Spieler hat öfter für die Norddeutsche Auswahl gespielt als Eduard Wolpers: 53 Einsätze, nach der Wikipedia bis heute der »ewige« Rekord. Für die Nationalmannschaft reichte es dagegen genau einmal. Am 12. Dezember 1926 stand der Hannoveraner in München im Angriff, vor 40.000 Zuschauern, und verlor mit 2:3 gegen die Schweiz. Danach rief ihn der DFB nie wieder. Wolpers machte weiter, noch ein Jahrzehnt lang, und gewann mit dem Norden den Pokal der Verbände.
»Auch Wolpers ging an, dagegen konnte Hochgesang nicht überzeugen.«
Ein Hannoveraner mit Spitznamen
Eduard Wolpers wird am 24. August 1900 in Hannover geboren, so nennen es das DFB-Datencenter, die Wikipedia und das Lexikon »Die Deutschen Nationalspieler« von 1939 übereinstimmend. Die Wikipedia und das »Libero«-Heft kennen ihn als »Edu«. Das Lexikon führt ihn als Kaufmann und gibt als Stammposten Halblinks an. Er stirbt am 23. November 1976, einen Sterbeort nennen die Quellen nicht.
Sein Verein ist Arminia Hannover. Nach der Wikipedia und dem DFB-Datencenter gehört er dem SV Arminia von 1919 bis 1926 an und von 1927 bis 1940, dazwischen liegt ein Jahr in Hamburg. Lange ist er Mannschaftskapitän.
Schon als 19-Jähriger ist er dabei, als Arminia zum ersten Mal norddeutscher Meister wird. In der Endrunde um die deutsche Meisterschaft trifft die Mannschaft am 16. Mai 1920 in Kiel auf den Stettiner FC Titania. Das IFFHS-Heft »Libero« Nr. 36 zählt 4.000 Zuschauer im Holstein-Stadion und nennt Arminia klaren Favoriten. Wolpers trifft in der 33. Minute zum 1:0. Titania gleicht in der 59. Minute durch Willi Gauger aus, in der Verlängerung verschießt Arminia einen Elfmeter an die Latte, dann macht Richard Grapow das 2:1 für Stettin. Das Heft nennt Wolpers und seinen Nebenmann Kuno Wulf das »Halbstürmerpaar« der Niedersachsen. Es bleibt das Debüt mit Tor und mit Ausscheiden. Die Wikipedia zählt für ihn in der Endrunde insgesamt sechs Spiele mit zwei Toren, das DFB-Datencenter sieben, ebenfalls mit zwei Toren.
Meister, Hamburg und der Pokal der Verbände
Arminia spielt in den Zwanzigern in der Südkreisliga, später in der Oberliga Südhannover-Braunschweig. Nach der Wikipedia holt Wolpers dort den Südkreistitel 1922 und die Bezirksmeisterschaften 1926, 1931, 1932 und 1933.
In der Saison 1926/27 spielt er für den Hamburger SV. Der Verein wird Bezirksmeister von Groß-Hamburg und steht in der Endrunde: Am 8. Mai 1927 gewinnt der HSV in Düsseldorf 4:1 bei Fortuna, am 22. Mai verliert er auf dem Platz an der Hoheluft 1:2 gegen den späteren Meister 1. FC Nürnberg. Das DFB-Datencenter führt Wolpers für den HSV mit zwei Endrundenspielen. Danach kehrt er nach Hannover zurück.
Seine eigentliche Bühne ist die Auswahl des Norddeutschen Fußball-Verbands. In den Bundespokal-Endspielen stehen die Norddeutschen zwischen 1922 und 1932 oft, und Wolpers steht in den Aufstellungen der Wikipedia 1922 (0:7 in Hamburg gegen Süddeutschland), 1924 (2:4 in Frankfurt), 1927 (0:1 in Altona gegen Mitteldeutschland), 1929 (1:4 in Berlin gegen Brandenburg) und 1930 (2:0 in Altona, wieder gegen Brandenburg). Der Pokal geht damit 1930 in den Norden. 1932 steht er noch einmal im Endspiel, in Leipzig gewinnt der Norden 2:1 gegen Süddeutschland, und nach der Wikipedia erzielt Wolpers beide Tore.
Der große Tag: München, 12. Dezember 1926
Zum zweiten Spiel unter Reichstrainer Otto Nerz kommt die Schweiz nach München. Im Stadion an der Grünwalder Straße sind nach dem Tagblatt rund 40.000 Menschen, Flieger werfen vor dem Anpfiff Blumensträuße und den Spielball ab. Im deutschen Angriff steht der Hamburger Wolpers neben Tull Harder, Ludwig Hofmann, Georg Hochgesang und Karl Scherm. Ob er auf dem halbrechten oder dem halblinken Posten spielt, geht aus den vorliegenden Aufstellungen nicht eindeutig hervor, das Lexikon nennt Halblinks als seinen Stammposten.
Das Spiel beginnt schlecht. Nach einem weiten Ball des Schweizer Verteidigers Ramseyer lässt Torwart Georg Ertl das Tor zu weit offen, Max Brand schießt aus 40 Metern ein. Wolpers kommt danach im Tagblatt zu seiner einzigen genannten Chance: Er »schießt aus günstiger Stellung zu schwach«. Kurz darauf fällt das 0:2, in der Pause steht es nach einem Hochgesang-Elfmeter 1:2, Scherm gleicht früh in der zweiten Halbzeit aus. Dann trifft Ernesto Fink aus 30 Metern, und Ertl hätte den Ball nach dem Tagblatt halten können. Deutschland hat 6:1 Ecken und verliert trotzdem.
Das Tagblatt überschreibt seinen Bericht mit dem Satz, die deutsche Elf liefere »eines ihrer schlechtesten Spiele«. Ertl und Harder hätten versagt. Im Angriff, so die Zeitung, waren die beiden Flügel Hofmann und Scherm die besten Leute, auch Wolpers »ging an«, Hochgesang überzeugte nicht, und dem ganzen Angriff fehlte ein wirklicher Sturmführer. Das ist ein mildes Urteil über einen Debütanten in einem verlorenen Spiel, und es ist das einzige, das die vorliegenden Quellen überliefern. Wer Tor um Tor nachlesen will, findet den ganzen Spielverlauf im Spielbericht.
Nach München
Auf die Niederlage folgt eine Länderspielpause von zehn Monaten, in der Nerz nach Schulze-Marmeling die Mannschaft umbaut. Wolpers kommt in dem neuen Team nicht mehr vor. Nur knapp drei Monate nach München, am 6. März 1927, steht er für den Norden im Bundespokal-Endspiel in Altona, und wieder reicht es nicht: 0:1 gegen Mitteldeutschland vor 18.000 Zuschauern.
Bei Arminia geht es weiter. Nach der Wikipedia kommt er in der 1933/34 neu eingeführten Gauliga Niedersachsen noch bis mindestens 1935 gelegentlich zum Einsatz, die Vereinszugehörigkeit nennen Wikipedia und Datencenter bis 1940. Was danach kam, verraten die Quellen nicht.
Eduard Wolpers auf einen Blick
Geboren: 24.8.1900 in Hannover
Gestorben: 23.11.1976 (Ort nicht angegeben)
Vereine: SV Arminia Hannover (1919–1926, 1927–1940), Hamburger SV (1926/27)
Position: Halblinks (Lexikon 1939), Stürmer
Beruf: Kaufmann (Lexikon 1939)
Erfolge: norddeutscher Meister 1920, Bundespokal-Sieger 1930 und 1932 mit der Norddeutschen Auswahl, Rekordspieler der Norddeutschen Auswahl (53 Einsätze)
Bilanz: 1 Länderspiel (1 Niederlage), kein Tor (1926)
Länderspiele
Quellen
- Wikipedia: Eduard Wolpers
- Wikipedia (englisch): Eduard Wolpers
- DFB-Datencenter: Eduard Wolpers, Spielerprofil
- Wikipedia: Bundespokal
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1919/20
- Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1926/27
- Wikipedia: SV Arminia Hannover
- IFFHS: Libero Nr. 36, Deutsche Meisterschaft 1903–1923 (Spielbericht Arminia Hannover – Stettiner FC Titania, 16. Mai 1920)
- Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft
- Die Deutschen Nationalspieler (1939), Verzeichnis
- Darmstädter Tagblatt, 13. Dezember 1926 (Länderspielbericht München), Digitalisat der ULB Darmstadt
- Jankowski/Pistorius/Prüß: Fußball im Norden. 100 Jahre Norddeutscher Fußball-Verband, Bremen und Barsinghausen 2005, S. 216 und 372 f. (nach der Wikipedia)