Heiner Mechling – der Halbrechte aus Freiburg, der in St. Gallen traf
Zwei Länderspiele, beide gegen die Schweiz, eines gewonnen, eines verloren, ein Tor. Heiner Mechlings Bilanz passt auf einen Bierdeckel. Aber das Tor ist ein gutes: Es fällt in der neunten Minute seines ersten Länderspiels, am 5. Mai 1912 in St. Gallen, und es ist das Siegtor. Später führt der Weg des Halbrechten vom Freiburger FC quer durch Deutschland: Gegen Kriegsende taucht er in Hamburg wieder auf, als Direktor einer Viehimportfirma und als Stürmer der Victoria, und wird dort norddeutscher Meister.
»Als 19jähriger konnte er in seinem ersten Länderspiel in St. Gallen ein Tor für Deutschland erzielen.«
Beim FFC
Heinrich Mechling, von allen Heiner gerufen, wird am 25. Februar in Freiburg im Breisgau geboren. Das Jahr ist unsicher: Das Lexikon der Nationalspieler von 1939 und das DFB-Datencenter nennen 1891, Wikipedia 1892. Die Klubgeschichte des Freiburger FC macht ihn beim Debüt zum 19-Jährigen. Das passt zu keinem der beiden Jahre, er war 20 oder 21.
Ab 1908 spielt er für den Freiburger FC. Der FFC ist eine der großen Adressen im Süden, deutscher Meister 1907. Sein bekanntester Spieler in diesen Jahren ist Josef Glaser, Mittelläufer und Kapitän der Nationalelf. Mechling spielt im Sturm, halbrechts, so steht es im Lexikon von 1939 und in den Aufstellungen.
Der große Tag: Neun Minuten in St. Gallen (Mai 1912)
Am 5. Mai 1912 spielt Deutschland in St. Gallen gegen die Schweiz. Die Elf ist bunt gemischt, aus Karlsruhe, Leipzig, Stuttgart, Fürth und Berlin. Zwei kommen aus Freiburg: Kapitän Josef Glaser in der Mitte der Läuferreihe und, zum ersten Mal, Heiner Mechling. Auch der Berliner Torwart Albert Weber gibt sein Debüt.
5.200 Zuschauer sind auf den Platz am Espenmoos gekommen. Schiedsrichter ist H. P. Devitte. Deutschland legt los: Nach sechs Minuten trifft Eugen Kipp, der Stuttgarter, zum 0:1. Drei Minuten später schießt Mechling das 0:2. Zwei Tore in neun Minuten, auswärts. Kurz vor der Pause verkürzt Ernest Weiss von den Young Boys Bern auf 1:2. In der zweiten Halbzeit fällt kein Tor mehr.
Es ist der erste Sieg der Nationalmannschaft in diesem Jahr, nach dem 5:5 in Zwolle und dem 4:4 in Budapest. Mechlings Tor ist das Siegtor. Nach Stockholm fährt er trotzdem nicht. In den drei Olympiaspielen steht er nicht auf dem Platz.
Die Liste der Mitspieler von St. Gallen liest sich wie ein Klassenfoto der Vorkriegszeit: Walter Hempel, Robert Neumaier, Karl Burger, Camillo Ugi, Karl Wegele, Otto Löble, Emil Oberle. Einige von ihnen haben ihre eigene Geschichte auf dieser Seite.
»Stammposten: Halbrechter / Beruf: Direktor bei der Dänischen Vieh-Import-Gesellschaft.«
Heimspiel in Freiburg
Ein Jahr später bekommt Mechling sein zweites Länderspiel, und diesmal hat er es nicht weit. Am 18. Mai 1913 empfängt Deutschland die Schweiz in Freiburg im Breisgau. Mechling spielt wieder halbrechts, neben ihm Fritz Fürst aus München, außen Julius Hirsch, der inzwischen für Fürth spielt. Deutschland verliert 1:2, das deutsche Tor schießt Kipp. Es ist Mechlings letztes Länderspiel. Der Erste Weltkrieg, so die Klubgeschichte des FFC, habe weitere Einsätze verhindert.
Beim FFC geht es weiter, auch im Krieg. 1916 gewinnt Mechling mit Freiburg die Meisterschaft des Südkreises. In der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft ist gegen den FC Pfalz Ludwigshafen Schluss, nach Hin- und Rückspiel steht es insgesamt 3:9.
Direktor und Meister in Hamburg
Dann wechselt Mechling die Himmelsrichtung. Er übernimmt die Leitung der Dänischen Vieh-Import-Gesellschaft und zieht nach Hamburg. Wann genau, ist unklar. Wikipedia setzt den Wechsel in die Saison 1918/19. Doch schon am 29. März 1918 steht er als Spieler des FC Victoria Hamburg in der Auswahl Norddeutschlands, im Halbfinale des Kronprinzenpokals gegen Westdeutschland. Auf der Hoheluft schießt er das 2:0, Endstand 3:0. Im Oktober 1918 trifft er auch beim 11:2 in Stettin.
Die Saison 1918/19 spielt er für die Kriegsvereinigung Victoria/88 Hamburg. Sie wird Meister der A-Klasse, der höchsten Spielklasse der Region, und gewinnt im Juni 1919 die norddeutsche Meisterschaft, mit einem 2:0 im Finale gegen den Bremer SC 91. Im Sturm stehen neben Mechling Hermann Garrn und Otto Harder, genannt »Tull«.
Eine Woche später, am 8. Juni 1919, steht Mechling in Berlin im Finale des Pokals der Regionalverbände, der gerade vom Kronprinzenpokal in Bundespokal umbenannt worden ist. Mechling spielt Rechtsaußen für Norddeutschland. Gegner ist Süddeutschland, dessen Sturm komplett aus Fürth und Nürnberg kommt. Zur Pause führt der Norden 4:0, dann holt der Süden auf, und am Ende steht es 5:4. Der Freiburger hat mit dem Norden den Süden geschlagen.
Danach verlieren sich seine Spuren. Heiner Mechling stirbt am 27. Dezember 1976. Wo, ist nicht überliefert.
Heiner Mechling auf einen Blick
Geboren: 25.2.1891 (laut Wikipedia 1892) in Freiburg im Breisgau
Gestorben: 27.12.1976
Vereine: Freiburger FC (1908–1918), FC Victoria bzw. KV Victoria/88 Hamburg (ab spätestens 1918)
Position: Halbrechter, auch Rechtsaußen
Titel: Südkreismeister 1916; Norddeutscher Meister 1919; Bundespokal 1919 (mit Norddeutschland)
Bilanz: 2 Länderspiele, 1 Tor (1912–1913)
Beruf: Direktor der Dänischen Vieh-Import-Gesellschaft
Nationalspieler Nr.: 88 (Debüt 5. Mai 1912 in St. Gallen)
Länderspiele
Quellen
Wikipedia: Heiner Mechling · DFB-Datencenter: Heinrich Mechling · Freiburger FC: Klubgeschichte · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3 (IFFHS) · Wikipedia: Norddeutsche Fußballmeisterschaft 1918/19 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1917/18 · Wikipedia: Bundespokal (Fußball) · Kicker-Almanach 1996