Ludwig Philipp – »Fips«, der erste Club-Nationalspieler

Der 1. FC Nürnberg hat der Nationalelf im Lauf der Jahrzehnte ganze Mannschaften geliefert. Der Erste von allen war ein Sprinter mit dem Spitznamen »Fips«. Ludwig Philipp, schnell, vielseitig und laut dem Lexikon von 1939 einer der »durchschlagskräftigsten« Stürmer des Clubs, spielte im Frühjahr 1910 zweimal für Deutschland, beide Male auf Linksaußen. Das erste Spiel gewann Deutschland, das zweite nicht, dann war seine Länderspielzeit vorbei. Sein größter Tag kam neun Jahre später, in einem Endspiel, das mit einem 0:4 begann.

Ludwig Philipps Laufbahn 1889–1964: 14 Jahre 1. FC Nürnberg, zwei Länderspiele, Spielertrainer in Worms (Ludwig Philipp)
Ludwig Philipps Laufbahn 1889–1964: 14 Jahre 1. FC Nürnberg, zwei Länderspiele, Spielertrainer in Worms

»Der ›Fips‹, einer der durchschlagskräftigsten und schnellsten Stürmer des 1. FCN.: Ludwig Philipp, eröffnete die glanzvollste Liste von Nationalspielern …«

— Die deutschen Nationalspieler, 1939

Vom Noris zum Club

Ludwig Philipp wird am 20. Dezember 1889 geboren, als Heimatort nennt das Lexikon Nürnberg. Er beginnt beim FC Noris, der aus dem MTV Nürnberg hervorgegangen ist. 1905 wechselt er zum 1. FC Nürnberg und gewinnt gleich in der ersten Saison die Meisterschaft des Gaus Nordbayern.

Philipp ist schnell. Wikipedia nennt ihn einen talentierten Leichtathleten, der nordbayerischer Meister über 100 Meter war. Und er ist vielseitig. Das Lexikon von 1939 zählt als »Stammposten« gleich vier Stellen auf: Linksaußen, Halblinks, Mittelstürmer, Verteidiger.

Mit dem Club wird er 1907, 1908 und 1909 Ostkreismeister. Zur süddeutschen Meisterschaft reicht es nicht. 1907 verliert Nürnberg das Finale gegen den Freiburger FC in Hin- und Rückspiel, 1908 und 1909 wird der Club Vizemeister. Philipp spielt auch für die Süddeutschland-Auswahl. Im November 1909 schießt er beim 6:2 gegen Mitteldeutschland in Nürnberg das 5:2.

Zwei Spiele im Frühling 1910

Am 3. April 1910 steht Philipp in Basel auf Linksaußen. Damit ist er der erste Nationalspieler des 1. FC Nürnberg. Das Spiel geht gut aus: Der 17-jährige Marius Hiller trifft nach acht Minuten, Eugen Kipp schießt zwei Tore, Deutschland gewinnt 3:2. Es ist der erste Auswärtssieg einer deutschen Nationalelf.

Drei Wochen später, am 24. April in Arnheim, darf Philipp wieder ran, wieder links außen. Vor 10.000 Zuschauern führt Deutschland zur Pause 2:1, verliert aber nach einem Eigentor und zwei Treffern von Jan Thomée noch 2:4. Es bleibt Philipps letztes Länderspiel. Tore hat er für Deutschland keine geschossen.

Wikipedia nennt ihn zugleich den ersten Nationalspieler aus Bayern. Das stimmt nicht ganz: Karl Burger von der SpVgg Fürth hatte schon ein Jahr früher gespielt, und auch in Basel stand er neben Philipp auf dem Platz.

Der große Tag: Ein Finale mit Aufholjagd (Juni 1919)

Beim Club bleibt Philipp bis 1919. 1916, mitten im Krieg, gewinnt er endlich die Süddeutsche Meisterschaft, mit einem 4:1 gegen den FC Pfalz Ludwigshafen. Für die Süddeutschland-Auswahl stürmt er weiter, laut Libero gelegentlich sogar als Verteidiger. Und im Herbst 1918 beginnt die Pokalrunde, die sein Höhepunkt wird.

Der Kronprinzenpokal ist der Wettbewerb der Regionalverbände. Am 13. Oktober 1918 empfängt Süddeutschland im Viertelfinale Westdeutschland auf dem Club-Platz in Zerzabelshof. 7.000 Zuschauer sehen ein 9:0. Philipp spielt Mittelstürmer und trifft nach fünf, nach zehn und nach 57 Minuten. Im Halbfinale im Mai 1919 fehlt er, der Süden gewinnt trotzdem, nach Verlängerung in Leipzig.

Das Finale steigt am 8. Juni 1919 im Deutschen Stadion in Berlin. 10.000 Zuschauer, Schiedsrichter ist Curt von Paquet. Süddeutschland läuft fast als Fürther Mannschaft auf: Sieben Spieler kommen von der SpVgg, darunter Hans Hagen und Leonhard Seiderer. In der Mitte des Sturms steht ein Nürnberger, Ludwig Philipp, inzwischen fast 30. Libero führt ihn bereits unter »Sportfreunde Nürnberg«.

Kronprinzenpokal-Finale 1919: Süddeutschland mit sieben Fürthern und Ludwig Philipp als Mittelstürmer, zwei Tore (Ludwig Philipp)
Kronprinzenpokal-Finale 1919: Süddeutschland mit sieben Fürthern und Ludwig Philipp als Mittelstürmer, zwei Tore

Die erste Halbzeit ist ein Desaster. Adolf Jäger trifft nach acht Minuten, danach Franz Esser, Otto Harder und Walter Lorenz. Nach 32 Minuten steht es 0:4. Doch nach der Pause kippt das Spiel. In der 62. Minute trifft Philipp zum 1:4, drei Minuten später zum 2:4. Seiderer legt in der 69. Minute das 3:4 nach. Lorenz stellt auf 5:3, Seiderer verkürzt zehn Minuten vor Schluss noch einmal. Zum Ausgleich reicht es nicht mehr. Norddeutschland gewinnt 5:4.

Zwei Tore in drei Minuten, in einem Finale gegen Jäger und Harder – und doch kein Pokal. Gewonnen hatte der Süden den Kronprinzenpokal schon 1912. Damals hatte Philipp im Halbfinale in Leipzig mitgestürmt, im Endspiel stand er nicht.

Spielertrainer in Worms

1919 verlässt Philipp den Club, laut Wikipedia wegen angeblich zu gering gezahlter Spesen. Er spielt weiter in Nürnberg, beim Nürnberger FV. Die Quellen sind sich über den genauen Vereinsnamen nicht einig.

1926 geht er nach Worms, als Spielertrainer der Wormatia. Dort baut er, so Wikipedia, einen »bald in ganz Süddeutschland bekannten Innensturm« auf, mit sich selbst, Ludwig Müller und Nationalspieler Willi Winkler. Viermal hintereinander wird Worms Meister der Gruppe Hessen und spielt in der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft mit.

Das Lexikon von 1939 nennt als Beruf »Geschäftsinhaber«. 1947 hilft er laut Wikipedia noch einen Monat als Trainer beim alten Rivalen SpVgg Fürth aus. Ludwig Philipp stirbt im Januar 1964, laut Wikipedia am 4., laut DFB am 14. Januar. Wo, ist nicht überliefert.

Ludwig Philipp auf einen Blick

Geboren: 20.12.1889 (Heimatort Nürnberg)
Gestorben: Januar 1964 (4.1. laut Wikipedia, 14.1. laut DFB)
Spitzname: »Fips«
Vereine: FC Noris Nürnberg, 1. FC Nürnberg (1905–1919), Nürnberger FV / ASN, Wormatia Worms (1926–1931, Spielertrainer)
Position: Linksaußen, Halblinks, Mittelstürmer, auch Verteidiger
Titel: Süddeutscher Meister 1916; Ostkreismeister 1907, 1908, 1909, 1916; Kronprinzenpokal-Finalist 1919 mit Süddeutschland
Bilanz: 2 Länderspiele, 0 Tore (1910)
Beruf: Geschäftsinhaber
Trainer: Spielertrainer Wormatia Worms 1926–1931; 1947 kurz SpVgg Fürth
Nationalspieler Nr.: 50 (Debüt 3. April 1910 in Basel gegen die Schweiz)

Quellen

Wikipedia: Ludwig Philipp · Wikipedia: Wormatia Worms · Libero D3 (IFFHS, 1992) · Die deutschen Nationalspieler (1939) · Kicker-Almanach 1996 · DFB-Datencenter