Wilhelm Trautmann – der beste Mann des Feldes
Wilhelm Trautmann ist einer von denen, die nur ein einziges Mal gerufen wurden. Am 3. April 1910 stand er in Basel als Mittelläufer im Zentrum der deutschen Elf, und Deutschland gewann zum ersten Mal auswärts. Danach nie wieder. Zu Hause in Mannheim blieb er der Mann in der Mitte: bei Viktoria, dann beim frisch fusionierten VfR, mit dem er 1913 ungeschlagen Westkreismeister wurde. Aus diesem Frühjahr stammt der schönste Satz, der über ihn überliefert ist. Ein Reporter nannte ihn »den besten Mann des Feldes«.
»Allein Trautmann, der beste Mann des Feldes, erscheint mehrmals hinter den wenig sicheren Verteidigern zur Abwehr und seine unermüdliche Arbeit bildete dem Gegner das größte Hindernis.«
Ein Mannheimer bei Viktoria
Friedrich Wilhelm Trautmann wird am 6. Dezember 1888 geboren. Wo, darüber ist sich nicht einmal Wikipedia einig: Der Artikeltext nennt Neidenstein, die Personendaten Mannheim. Das Lexikon von 1939 gibt als Heimatort Mannheim an. Dort spielt er, noch keine 18 Jahre alt, ab 1906 für den Mannheimer FC Viktoria 1897.
Das Lexikon von 1939 hält außerdem seinen Beruf fest, und der ist unter den frühen Nationalspielern einzigartig genau beschrieben: »selbst. Kaufmann (Schweinehandlung en gros)«. Trautmann ist also Großhändler im Schweinegeschäft. Sein Stammposten: Mittelläufer.
In der Saison 1907/08 gewinnt Viktoria den Gau Neckar und spielt um die Meisterschaft des Nordkreises. Laut Wikipedia wechselt der Verein danach zweimal die Staffel, erst in den Südkreis, dann in den Westkreis. Am 2. November 1911 geht Viktoria in einer Fusion dreier Mannheimer Vereine auf. Der neue Klub heißt VfR Mannheim. Trautmann ist dabei.
Der große Tag: Der erste Auswärtssieg (April 1910)
Das siebte Länderspiel der deutschen Geschichte findet am 3. April 1910 auf dem Landhof in Basel statt. 5.000 Zuschauer sind gekommen, Schiedsrichter ist der Schweizer H. P. Devitte. Sechs Debütanten stehen in der deutschen Elf. Trautmann spielt in der Mitte der Läuferreihe, flankiert vom Fürther Karl Burger und von Kapitän Paul Hunder aus Berlin.
Der Anfang gelingt. In der 8. Minute bringt Marius Hiller vom 1. FC Pforzheim, in den Aufstellungen »Hiller III«, Deutschland in Führung. Kurz vor der Pause gleicht der Schweizer Kapitän Heinrich Müller aus. Nach dem Wechsel trifft Eugen Kipp in der 55. Minute zum 2:1, drei Minuten später steht es durch Renand wieder unentschieden. Die Entscheidung fällt fünf Minuten vor dem Ende: Kipp trifft ein zweites Mal. 3:2 für Deutschland.
Es ist, wie die IFFHS-Chronik unter das Mannschaftsfoto schreibt, der »erste Auswärtssieg« einer deutschen Nationalmannschaft. Wie Trautmann an diesem Tag spielt, verrät keine geöffnete Quelle. Wikipedia behauptet, er habe »durchaus zu überzeugen« gewusst, nennt dafür aber keinen Beleg. Fest steht nur: Eine zweite Einladung bekommt er nicht.
Bester Mann des Feldes
In der Saison 1912/13 bleibt Trautmanns VfR Mannheim in 14 Punktspielen ungeschlagen und wird Westkreismeister. Die Vereinschronik von WikiWaldhof beschreibt sie als »die Mannschaft um den vom Karlsruher FV gekommenen Torhüter Burger, Mittelläufer Trautmann und Torjäger Stemmle«.
In der Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft verliert der VfR zum Auftakt 1:6 in Fürth. Am 2. März 1913 kommt der Frankfurter FV nach Mannheim. Der Bericht in der Fachzeitschrift »Fußball und olympischer Sport« ist streng mit den Gastgebern, nur einer kommt gut weg. Gleich zu Beginn wird Aulbach kurz vor dem Strafraum gefoult. »Trautmann schießt scharf auf die linke Bodenecke und der Torwart sieht den Ball zu spät, der ihm unter dem Arm ins Netz springt.« 1:0. Frankfurt spielt danach besser, doch der VfR gewinnt 3:2. Das Fazit des Reporters: »Trautmann war als Mittelläufer sehr gut, der Leichtathletiker wird auf diesem Platze seinem Verein am meisten nützen. Sein Fehlen im Sturm machte sich allerdings sehr bemerkbar.«
Ein Leichtathlet also, und einer, der auch schon im Sturm gespielt hatte. Am Ende wird der VfR Dritter der Endrunde. Die Saison hat noch ein kurioses Nachspiel: Gegen die 0:5-Niederlage in Stuttgart-Degerloch legt der Verein Protest ein, weil einer seiner Spieler auf dem Platz von einem Hund gebissen worden sei. Der Protest wird abgewiesen, die Gebühr von 500 Mark aber erstattet. Wen der Hund erwischte, ist nicht überliefert.
Krieg und spätere Jahre
1913/14 ist der VfR wieder in der süddeutschen Endrunde, diesmal als Letzter. Dann beginnt der Erste Weltkrieg. Laut Wikipedia wird Trautmann eingezogen, und seine Verletzungen beenden die Fußballerlaufbahn früh.
Zum 1. Mai 1933 tritt Wilhelm Trautmann der NSDAP bei, Mitgliedsnummer 2.557.323. So verzeichnet es Wikipedia nach der Mitgliederkartei im Bundesarchiv. Er stirbt am 24. Juli 1969. Wo, ist in keiner der geöffneten Quellen vermerkt.
Wilhelm Trautmann auf einen Blick
Geboren: 6.12.1888 in Neidenstein oder Mannheim (Quellen uneinig)
Gestorben: 24.7.1969
Vereine: Mannheimer FC Viktoria 1897 (1906–1911), VfR Mannheim (1911–1914)
Position: Mittelläufer
Titel: Meister Gau Neckar 1908; Westkreismeister 1913
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1910)
Beruf: selbstständiger Kaufmann (Schweinegroßhandel)
Nationalspieler Nr.: 47 (Debüt 3. April 1910 in Basel)
Quellen
Wikipedia: Wilhelm Trautmann (Fußballspieler) · Eintracht-Archiv: VfR Mannheim – FFV 3:2, 2.3.1913 · WikiWaldhof: Süddeutsche Meisterschaft 1912/13 · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996 · DFB-Datencenter