Leopold Richter – der Student, der den ersten Pokal holte

Leopold Richter war Student, als er Fußball spielte, und Studienrat, als man ihn 1939 ins Lexikon der Nationalspieler aufnahm. Dazwischen liegen ein paar gute Jahre. Mit dem Dresdner SC und dem VfB Leipzig wurde er Mitteldeutscher Meister, im Frühjahr 1909 gewann er mit der mitteldeutschen Auswahl den allerersten Kronprinzenpokal. Zwei Wochen vorher hatte er in Budapest sein einziges Länderspiel bestritten. Sein großer Moment im Verein aber war ein Tor in Nürnberg, das am Ende nicht ganz reichte.

Leopold Richters Lebensweg · 1885–1941 (Leopold Richter)
Leopold Richters Lebensweg · 1885–1941

»… während in den Reihen des VfB der junge Leopold Richter stürmte, der aus Studiengründen vom Dresdner SC nach Leipzig gekommen war.«

— Libero, IFFHS, 2002

Ein Dresdner beim DSC

Friedrich Hermann Leopold Richter kommt am 22. Mai 1885 in Dresden zur Welt. Von 1901 bis 1906 spielt er für den Dresdner SC. Der DSC ist in diesen Jahren Stammgast im Endspiel um die Mitteldeutsche Meisterschaft, laut Wikipedia jedes Jahr. Gewonnen wird aber nur eines, am 21. April 1905 in Leipzig, 3:2 gegen den Halleschen FC von 1896.

Damit darf der DSC zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Im Viertelfinale am 28. Mai 1905 in Tempelhof steht Richter auf Linksaußen, die Dresdner schlagen Victoria Hamburg 5:3. Die Tore schießen andere, Arno Neumann und Reinhard Richter je zweimal. Mit Leopold hat dieser Reinhard nichts zu tun, soweit die Quellen erkennen lassen. Libero nummeriert die Richters beim DSC einfach durch. Im Halbfinale in Leipzig ist Schluss, 2:5 gegen Union 92 aus Berlin.

Der große Tag: Ein Tor gegen den späteren Meister (Mai 1907)

1906 zieht Richter zum Studium nach Leipzig und schließt sich dem VfB an. Der ist gerade Deutscher Meister geworden. Mit dem VfB gewinnt Richter 1907 den Gau Nordwestsachsen und die Mitteldeutsche Meisterschaft. In der Endrunde erhält der VfB, wie auch der süddeutsche Meister, laut Wikipedia ein Freilos und steht direkt im Halbfinale.

Gespielt wird am Sonntag, 12. Mai 1907, in Nürnberg auf dem Platz des 1. FC Nürnberg. Gegner ist der Freiburger FC, eine Mannschaft mit vielen Studenten. Im Sturm stehen der spätere Nationalspieler Josef Glaser und der Schweizer Internationale Henri Sydler, im Tor von Goldberger, der gerade aus Berlin zurückgekehrt ist. 1.300 Zuschauer sind da, Schiedsrichter ist Carl Müller aus Köln. Beim VfB stürmt Richter halbrechts, neben Edgar Blüher, hinten verteidigt Heinrich Riso.

DM-Halbfinale 1907 in Nürnberg · Richter trifft zum 3:2 (Leopold Richter)
DM-Halbfinale 1907 in Nürnberg · Richter trifft zum 3:2

Freiburg führt zur Pause 2:0, beide Tore schießt Philipp Burkart, das zweite in der 44. Minute. Nach dem Wechsel verkürzt Georg Steinbeck, doch Max Mayer stellt den alten Abstand wieder her. Dann trifft Richter zum 3:2. Libero schreibt, er habe die Leipziger »nochmals ins Spiel zurück« gebracht, »doch die Schwarzwälder retteten ihren Vorsprung über die Zeit«. Laut Wikipedia fiel Richters Tor in der 90. Minute. Es war sein einziges Tor in einer Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

Freiburg hatte, so Libero, »den Favoriten eliminiert«. Eine Woche später wurde der FFC in Mannheim gegen Viktoria Berlin Deutscher Meister.

»Doch die Schwarzwälder retteten ihren Vorsprung über die Zeit und hatten den Favoriten eliminiert.«

— Libero, IFFHS, 2002

Budapest und der erste Pokal

Anderthalb Jahre später beginnt ein neuer Wettbewerb: der Kronprinzenpokal, ausgespielt von den Auswahlmannschaften der Regionalverbände. Richter ist für Mitteldeutschland dabei, im Viertelfinale im November 1908 in Braunschweig als Mittelstürmer. Im Halbfinale am 21. Februar 1909 auf dem Wacker-Platz in Leipzig gewinnt Mitteldeutschland 8:0 gegen den Nordosten. Richter trifft in der 50. und in der 88. Minute.

Am 4. April 1909 spielt er in Budapest in der Nationalelf, halbrechts neben Rechtsaußen Edwin Dutton. Der DFB hat an diesem Tag zwei Mannschaften aufgestellt, eine für Karlsruhe, eine für Budapest. Richters Elf spielt 3:3 gegen Ungarn, zweimal trifft Willi Worpitzky, einmal Kapitän Camillo Ugi per Elfmeter. Mit Ugi und Heinrich Riso, dem Verteidiger von 1907, stehen zwei weitere VfB-Spieler auf dem Platz.

Zwei Wochen später, am 18. April 1909, kommt das erste Endspiel um den Kronprinzenpokal, in Mariendorf gegen Berlin. 3.000 Zuschauer sehen, wie Edgar Blüher dreimal trifft. Mitteldeutschland gewinnt 3:1 und ist der erste Sieger des Pokals. Auf dem Siegerfoto, das der DFB aufbewahrt hat, steht Leopold Richter ganz links.

Ein früher Abschied

Danach verliert sich die Spur. Laut Wikipedia ließ eine schwere Knieverletzung keine weiteren Länderspiele zu, Richter musste seine Laufbahn beenden. Wann das war, steht dort nicht. Aus dem Studenten wird ein Studienrat, so nennt ihn das Lexikon von 1939. Unter seinem Foto dort steht die Unterschrift, offenbar »Leo Richter«.

Leopold Richter stirbt am 3. August 1941, mit 56 Jahren. Wo, ist nicht überliefert.

Leopold Richter auf einen Blick

Geboren: 22.5.1885 in Dresden
Gestorben: 3.8.1941 (Ort unbekannt)
Vereine: Dresdner SC (1901–1906), VfB Leipzig (1906 bis mindestens 1909)
Position: Halbstürmer, auch Mittelstürmer und Linksaußen
Titel: Mitteldeutscher Meister 1905 (DSC), 1907 (VfB); Kronprinzenpokal-Sieger 1909 (mit Mitteldeutschland)
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1909)
Beruf: Studienrat
Nationalspieler Nr.: 34 (Debüt 4. April 1909 in Budapest)

Quellen

Wikipedia: Leopold Richter · Wikipedia: Deutsche Fußballmeisterschaft 1906/07 · Wikipedia: Kronprinzenpokal 1908/09 · Die deutschen Nationalspieler (1939) · Libero D 3, 1992 (IFFHS) · Libero 36 (IFFHS) · Kicker-Almanach 1996