Fritz Schulz – Herthas Mann für die linke Seite
Zwanzig Jahre lang trug Fritz Schulz das Trikot eines einzigen Vereins: Hertha 92, den Vorläufer von Hertha BSC. Er kam als Junge und blieb, bis der Krieg ihn holte. Mit Hertha wurde er 1906 Berliner Meister. Am 4. April 1909 stand er in Budapest auf Linksaußen, in seinem einzigen Länderspiel. Zusammen mit seinem Vereinskameraden Herbert Hirth war er damit der erste Nationalspieler der Hertha.
»Die Berliner Hertha hatte quasi Heimvorteil und bot dem VfB Leipzig bis zur letzten Minute einen großen Kampf und Widerstand, ehe sie sich geschlagen gab.«
Ein Herthaner von Kindesbeinen an
Rudolph Otto Fritz Schulz wird am 9. November 1886 in Berlin geboren. 1898 tritt er dem BFC Hertha 92 bei, da ist er elf. Beruflich wird er Schriftsetzer, so steht es im Lexikon der Nationalspieler von 1939.
Auf dem Platz ist er einer für die linke Seite. Das Lexikon nennt als Stammposten Linksaußen. Wikipedia beschreibt ihn als »Allrounder auf der linken Seite«, mal Linksaußen, mal linker Läufer, mal linker Verteidiger. Die Aufstellungen der Zeit bestätigen zumindest die ersten beiden Rollen.
In der Saison 1905/06 wird Hertha Berliner Meister, einen Punkt vor dem BFC Preussen. Das bedeutet: Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Am 29. April 1906 gewinnt Hertha in Dresden 7:0 gegen den SC Schlesien Breslau. Nur 150 Zuschauer sind da, und niemand notiert die Torschützen. Schulz spielt links in der Läuferreihe.
Im Halbfinale am 6. Mai 1906 auf dem Viktoria-Platz in Mariendorf wartet der VfB Leipzig. Die Läuferreihe der Hertha heißt Willi Zargus, Paul Wopp, Fritz Schulz. Auf der anderen Seite steht ein junger Leipziger namens Camillo Ugi. Hertha hält bis zum 2:2 mit, dann verwandelt Edgar Blüher in der 39. Minute einen Elfmeter zum 2:3. Dabei bleibt es. Der VfB wird drei Wochen später Deutscher Meister.
In der Berliner Auswahl
Schulz gehört in diesen Jahren zum Kreis der Berliner Stadtauswahl. Die österreichische Datenbank austriasoccer.at führt einen »Schulz (Hertha)« in mehreren Berliner Aufstellungen gegen Wien, die erste im November 1906.
Im Kronprinzenpokal, dem Wettbewerb der Regionalverbände, stürmt er im Februar 1909 in Hamburg auf Linksaußen, beim 4:1 Berlins gegen Norddeutschland. Im Endspiel zwei Monate später ist er nicht dabei. Ein Jahr darauf schon: Am 10. April 1910 steht er beim Finale gegen Süddeutschland in Mariendorf als linker Läufer auf dem Platz. Berlin verliert 5:6, nach 142 Minuten.
Der große Tag: Linksaußen in Budapest (April 1909)
Am 4. April 1909 hat der DFB eine neue Idee: zwei Länderspiele am selben Tag. Eine süddeutsche Elf spielt in Karlsruhe gegen die Schweiz. Eine gemischte Mannschaft aus dem Norden, der Mitte und Berlin fährt nach Budapest.
Sechs der Budapest-Fahrer kommen aus Berlin. Zwei davon aus der Hertha: Herbert Hirth in der Verteidigung und Fritz Schulz auf Linksaußen. Für beide ist es das erste und einzige Länderspiel. Schulz ist 22.
Gespielt wird auf dem Millenáris-Sportplatz, Schiedsrichter ist der Wiener Hugo Meisl. Wie viele Zuschauer da sind, darüber gehen die Angaben auseinander: 9.000 laut »Libero« und DFB, 15.000 laut der Chronik »Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft«. Das Spiel ist ein Hin und Her. Dreimal gehen die Ungarn in Führung, dreimal gleicht Deutschland aus. Zweimal trifft Willi Worpitzky, das dritte Mal Kapitän Camillo Ugi per Elfmeter. 3:3.
Von Schulz selbst ist aus dem Spiel nichts überliefert. Das Mannschaftsfoto, das »Libero« druckt, zeigt ihn ganz rechts in der hinteren Reihe. Die Mannschaft insgesamt kommt gut weg.
»… und wurde ob ihres Spielverständnisses sowie ihrer Kombinationen gelobt.«
1918
Weitere Länderspiele folgen nicht. Für Hertha spielt Schulz weiter, wie lange genau, lässt sich nicht sagen. Hertha gewinnt während des Ersten Weltkriegs mehrere Berliner Meisterschaften, doch welchen Anteil Schulz daran hatte, geht laut Wikipedia aus der Literatur nicht hervor.
Laut Wikipedia wird Fritz Schulz zum Militärdienst eingezogen. Er fällt am 5. März 1918, im letzten Kriegsjahr. Er wurde 31 Jahre alt. Wo und unter welchen Umständen er starb, sagen die geöffneten Quellen nicht.
Fritz Schulz auf einen Blick
Geboren: 9.11.1886 in Berlin
Gestorben: 5.3.1918 (laut Wikipedia im Ersten Weltkrieg gefallen)
Vereine: BFC Hertha 92 (1898–1918)
Position: Linksaußen, auch linker Läufer
Titel: Berliner Meister 1906
Bilanz: 1 Länderspiel, 0 Tore (1909)
Beruf: Schriftsetzer
Nationalspieler Nr.: 37 (Debüt 4. April 1909 in Budapest)
Quellen
Wikipedia: Fritz Schulz (Fußballspieler, 1886) · DFB-Datencenter: Ungarn – Deutschland 1909 · austriasoccer.at: Wien – Berlin 1906 · Libero D 3 (IFFHS 1992) · Libero 36 (IFFHS 2002) · Die deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Kicker-Almanach 1996